The Project Gutenberg EBook of Briefe an Ludwig Tieck (4/4), by Various

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Title: Briefe an Ludwig Tieck (4/4)
       Vierter Band

Author: Various

Editor: Karl von Holtei

Release Date: June 14, 2015 [EBook #49210]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BRIEFE AN LUDWIG TIECK (4/4) ***




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Briefe
an
Ludwig Tieck.

Zierleiste 1

Ausgewählt und herausgegeben

von

Karl von Holtei.

Zierleiste 1

Vierter Band.

Schlangenlinie oben

Der Verleger behält sich das Recht der Uebersetzung vor.

Schlangenlinie unten

Breslau,
Verlag von Eduard Trewendt.
1864.


Inhalt des vierten Bandes.

Zierleiste 1
Seite.
Schopenhauer, Johanna 1
Schütz, Wilhelm von 12
Schütze, Stephan 16
Schulze, Friedrich August 19
Schwab, Gustav Benjamin 23
Seckendorf, Gustav Freiherr von 30
Seidel, Max Johann 32
Skepsgardh, Otto von 37
Solger, Karl Wilhelm Ferdinand 44
Staegemann, Friedrich August von 50
Steffens, Henrik 55
Stieglitz, Heinrich 87
Stjernström, Eduard 90
Strachwitz, Moritz, Graf 93
Strauß, David 94
Thorbecke, Johann Rudolph 97
Ticknor, George 103
Uechtritz, Friedrich von 104
Ulrici, Hermann 121
Ungher-Sabatier, Caroline 125
Vaerst, Eugen, Baron 126
Varnhagen von Ense, Karl August 133
Varnhagen, Rahel Antonie Friederike 140
Vorholz, C. 154
Waagen, Gustav Friedrich 157
Wackenroder, Wilhelm Heinrich 169
Wagner, Gottlieb Heinrich Adolph 265
Weber, Gottfried 276
Welcker, Friedrich Gottlieb 278
Wendt, Amadeus 280
Wiebeking, Charlotte von 296
Wiese, Sigismund 299
Witte, Karl 309
Wolff, Pius Alexander 312
X. 322
Y..... von 323
Zedlitz, Josef Christian, Freiherr von 330
Zieten, Karl Friedrich Daniel von (genannt Liberati) 333
Nachschrift des Herausgebers 343
Namen-Verzeichniß 347

[S. 1]

Schopenhauer, Johanna.

Geb. im Juli 1770 zu Danzig, gest. am 18. April 1838 in Jena.

Gabriele, 3 Bde. (1820.) — Die Tante, 3 Bde. (1823.) — Sidonia (1828.) — Erzählungen, 11 Bde. (1825–32.) — Reise durch England und Schottland (1813.) — Reise durch das südliche Frankreich, 2 Bde. (1817.) — Kunsthistorische Werke &c.

Sämmtliche Schriften, 24 Bde. (1830–31.)

Sie war, seitdem sie sich in Weimar niedergelassen, und so lange sie dort „ein Haus machte“ — ein für ihre Verhältnisse vielleicht zu gastfreies! — so recht eigentlich die Providenz aller Fremden, welche ihr nur irgend würdig erschienen, darin aufgenommen zu werden. Goethe, da er noch des Abends ausging, ließ sich’s gar gern bei ihr gefallen; entlud sich auch häufig des Andranges von Gästen, indem er den Strom der Geselligkeit aus seinen Räumen nach denen der theuren Freundin zu leiten verstand. Es dürften wohl wenig Mitlebende so tief und innig eingeweiht gewesen sein in alle Geheimnisse des „Hauses am Plan“ wie Frau Johanna. Nur ihren Vertrautesten erschloß in ungestörter Plauderstunde die hochbegabte Genossin großer Tage ihr sonst festverwahrtes Schatzkästlein weimarischer Reminiscenzen. Es ist sehr zu bedauern, daß sie hinüberging, ohne den oftmals gehegten, oftmals wieder aufgegebenen Vorsatz ausgeführt zu haben, den sie mit den Worten bezeichnete: „Was ich zu erzählen wüßte, weiß kein Anderer zu erzählen.... aber ich hab’ eine heilige Scheu!“

Gerade diese „heilige Scheu“ würde ihrer Feder ohne Anstoß über manche gefährliche Stelle geholfen haben.

Leider sind einzelne ihrer zutraulichsten Mittheilungen durch den Mund ihrer Tochter Adele an deren Jugendfreundin übergegangen, und letztere[S. 2] hat sie wieder ihrem, unzählige Bücher anfertigenden, Herrn Gemahl gegeben; und so war ein Schandbüchlein entstanden, von welchem die Schopenhauer verzweiflungsvoll klagte: „Es ist mir entsetzlich, daß in diesem Libell Dinge stehen, die der Verfasser nur durch mich — wenigstens mittelbar — erfahren haben kann!“

Doch ließ es sich nicht ändern.

I.

Weimar, d. 2ten Dec. 1823.

Ich wage mich mit einer Bitte an Sie, verehrter Freund, deren Gewährung ich mit Gewisheit von Ihnen hoffe, besonders da ich sie Ihnen so bequem als möglich zu machen gedenke. Ich kenne Ihre große Bekanntschaft mit dem englischen Theater, in der Ihnen in Deutschland Niemand und vielleicht auch in England Keiner gleich kommt, und bitte Sie daher, mir die Titel von etwa ein Duzend englischer Lustspiele aus dem vorigen Jahrhundert aufzuschreiben, die Schröder noch nicht benuzt hat, und die gehörig modernisirt und umgearbeitet vielleicht den Stoff zu deutschen Lustspielen liefern könnten, wenn eine geschickte Hand sich darüber machte. In diesem Jahrhundert ist glaube ich nichts bedeutendes erschienen, die Engländer wie die Deutschen, ergözen sich meistentheils an Nachahmungen französischer Melodrams, doch wären Ihnen auch einige neuere für diesen Zweck paßende Stücke bekannt, so bitte ich ebenfalls ihre Titel mir mitzutheilen.

Ihnen will ich es nicht verhehlen, daß ich selbst Lust und Trieb in mir fühle, mich auch einmal in diesem Fach zu versuchen, doch würde ich, aus Gründen, die Sie selbst fühlen, dieses nie unter meinem Namen thun, daher bitte ich Sie gegen Niemand etwas von diesem Vorsatz, nicht einmal von meinem jetzigen Anliegen an Sie, zu erwähnen. Ich glaube, daß das englische Theater noch viele Schätze bietet, die gut benuzt endlich dazu beitragen könnten, die französischen kleinen[S. 3] Lustspiele, die für Deutsche doch nie ganz paßen, von der Bühne, wenn nicht zu verdrängen, doch wenigstens ihre jetzige Alleinherrschaft zu beschränken. Ob ich das dazu nöthige Geschick habe, kann freilich nur die Zeit lehren, aber ich habe Lust, den Versuch zu wagen, besonders da ich bei meiner jetzigen Kränklichkeit einer erheiternden und leichtern, weniger anstrengenden Arbeit bedarf.

Ich weis, lieber Herr Doktor, Sie schreiben ungern Briefe, ich entsage also schon im Voraus der Freude, diese Zeilen von Ihnen beantwortet zu sehen. Ich bitte Sie nur die Namen der Stücke, die Sie für meinen Zweck tauglich halten, ohne weiteres aufzuschreiben und unter meiner Adreße mir zu senden. Ich habe eben in etwa vierzehn Tagen eine Gelegenheit, sie ohne Nebenkosten aus England kommen zu laßen.

Um Sie nicht zu ermüden, entsage ich jetzt sogar der Lust, noch länger mit Ihnen zu plaudern, und unterschreibe mich blos als

Ihre

Sie innig verehrende

Johanna Schopenhauer.

II.

Weimar, d. 28. März 1826.

Lieber Herr Hofrath! Eine Schauspielerin, Madame Zischke, bittet mich, ihr Zutritt zu Ihnen zu verschaffen. Sie wissen selbst, daß ich dieses nicht ohne einige Bedenklichkeit thun kann, aber ich glaube doch diese in diesem Fall überwinden zu müssen, da diese Frau nichts weiter wünscht, als fürs erste von Ihnen die Erlaubniß zu erhalten, auf dem Dresdner Theater einige Debüt-Rollen zu spielen, und dann erst in Unterhandlungen wegen einer Anstellung in einem Fache zu treten, das[S. 4] bei Ihnen so gut als unbesetzt sein soll, ein Fach der komischen und humoristischen Mütter, alten Jungfern, und dergleichen mehr. Sie ist noch jung, kaum über die ersten dreißig hinaus, und nichts weniger als häßlich, und es ist beinahe unbegreiflich, wie sie von Jugend auf sich gerade dieses Fach hat wählen können, aber es war ihre Neigung, die sie dazu antrieb, sie gesteht selbst, durch das Spielen älterer Rollen sich für die jugendlichen gänzlich verdorben zu haben, doch spielt sie auch Anstands-Rollen, wenn es verlangt wird. Ich habe sie mit vielem Wohlgefallen die Rolle der Landräthin in Kotzebues Stricknadeln, und die des alten Fräuleins in den Misverständnissen von Steigentesch spielen gesehen, und Adele, auf deren Urtheil ich mich ziemlich verlasse, behauptet, daß sie die Rolle der Oberförsterin in den Jägern mit Natur, Gefühl, und im Ganzen sehr befriedigend von ihr gesehen habe.

Madame Zischke hat vor mehreren Jahren die Rolle der Landräthin hier als Gastrolle gegeben, und machte damit einigermaßen furore. Dieses bewog die Direktion beim Abgange der alten Beck sie zu veranlaßen, ihr Engagement in Hamburg aufzugeben, und im vergangnen Herbst hieher zu kommen; doch unser Repertoire ist jetzt auf eine Weise geordnet, die ihr beinahe keine Gelegenheit erlaubt sich zeigen zu können. Man zwang sie, als Bertha im verbannten Amor aufzutreten, die sie selbst gesteht, schlecht gespielt zu haben, weil sie ganz außer dem Bereich ihres Talentes liegt; sie misfiel dem Publikum, und wurde demselben sogar lächerlich, weil sie sich Bewegungen und Manieren angewöhnt hat, die wohl für eine alte aber durchaus nicht für eine junge Frau passend sind, und da man ihr weiter keine Gelegenheit gab, sich beßer zeigen zu können, so wurde sie durchweg als eine schlechte Schauspielerin angesehen, und die Direktion nahm dieses wahr, um ihr anzudeuten, daß im September ihr Engagement abgelaufen sei, und daß man dann ferner ihrer nicht mehr bedürfe. Dieses[S. 5] ist alles was ich von ihr weiß, sie hat mich gebeten, Sie auf sie aufmerksam zu machen, indem sie fürchtet, Ihnen völlig unbekannt zu sein, da es ihr bis jetzt noch nicht gelungen ist, sich in der Welt einen Namen zu machen, und ich mochte ihr diese Bitte um so weniger abschlagen, da ich dadurch Gelegenheit gewinne, Sie auch an mich zu erinnern.

Von Ihnen höre und lese ich nichts als Erfreuliches und Gutes und freue mich herzlich darüber, von mir könnte ich Ihnen weniger dieser Art melden. Ich kam im vergangnen Herbst mit heftigen rheumatischen Schmerzen im Knie und der Hüfte aus Wiesbaden zurück, die den halben Winter hindurch anhielten, von denen ich aber gänzlich befreit bin. Meine Adele hatte das Unglück, auf dem Wege von Jena nach Weimar einen gefährlichen Sturz aus dem Wagen zu thun, indem die Pferde mit ihr durchgiengen, und an deßen Folgen sie mehrere Wochen lang gelitten hat. Jetzt ist auch sie ganz wieder hergestellt, und ich sehe mit unbeschreiblicher Sehnsucht dem Frühlinge entgegen, während indessen alle Dächer noch mit Schnee bedeckt sind, und es kälter bei uns ist, als es um Weihnachten war. Ein großer Verlust für mich ist das Theater, das ich fast gar nicht mehr besuche. Unser neues Schauspielhaus ist so feucht, so kalt, es pfeift ein so schneidender Zugwind durch die Logen, sobald der Vorhang sich hebt, daß es für mich völlig unrathsam ist, hinzugehen. Doch wäre auch dieses alles nicht der Fall, so würde ich dennoch zu Hause bleiben, denn ich glaube kaum, daß irgend ein Publikum in der Welt so mager abgespeiset wird als das Weimarische. Unser Intendant, Herr Stromeier, ist ein trefflicher Sänger, aber ich möchte wohl darauf wetten, daß er kaum im Stande ist, ein Buch zu lesen, viel weniger es zu verstehen; ihm zur Seite steht Frau v. Heigendorf-Jagemann, die mit 50 Jahren noch immer die erste Sängerin und die jugendlichste Schauspielerin sein will; sie läßt nichts nur halb erträgliches neben sich aufkommen,[S. 6] scheut, bei ihrem wirklich großen Talent, jede Anstrengung, spielt also so selten als möglich, und wir müßen froh sein, wenn sie alle Monate einmal auf der Bühne erscheint. Die übrige Zeit werden elende kleine Nachspiele, meistens französische Uebersetzungen aufgeführt, und bis zum Ueberdruß wiederhohlt.

Sie haben hoffentlich Herrn und Madame Bracebridge kennen gelernt und sich dieser Bekanntschaft gefreut, wie wir über den Verlust dieses wirklich liebenswerthen englischen Paares uns betrüben. Wie gern wäre ich mit diesen Freunden mit zu Ihnen gereiset, wie sehne ich mich das liebe Dresden und meine dortigen Freunde wieder zu sehen; doch vor der Hand ist eine unübersteigliche Scheidewand zwischen mir und Dresden gezogen, vielleicht wird sie einmal hinweggezogen; bis dahin denken Sie meiner mit gewohnter Freundlichkeit, wie ich Ihrer mit inniger Hochachtung und treuer Anhänglichkeit stets gedenke.

Johanna Schopenhauer.

III.

Weimar, d. 2ten Mai 1826.

Zürnen Sie nicht, lieber Herr Hofrath, daß ich schon wieder mit der Empfehlung eines Fremden Ihnen beschwerlich falle. Ich kann mir recht wohl denken, wie lästig Ihnen die große Anzahl derselben, die sich um Sie her drängt, zuweilen werden muß, und sträube mich dagegen, so viel ich kann, diese durch Empfehlungen zu vermehren; doch diesesmal muß ich doch eine Ausnahme machen, und Sie recht herzlich bitten, den jungen Arzt Dr. Stromeyer aus Hannover gütigst aufzunehmen, ihm zu erlauben Sie nur einmal zu sehen und zu sprechen, und, wenn Sie während der Zeit seines Aufenthaltes in Dresden einen Kreis Ihrer Freunde durch Vorlesen erfreuen sollten, ihm zu vergönnen, diesen in seiner Art einzigen Genuß mit solchen zu theilen.

[S. 7]

Ich hoffe die äußre Erscheinung des jungen bescheidnen Mannes, der auch manches angenehme gesellige Talent besitzt, wird Ihnen nicht misfallen. Er studierte in Göttingen mit einem jungen Danziger Vetter von mir, dessen innigster Freund er wurde, und begleitete diesen drei Jahre nach einander während der Osterferien hieher, die mein Vetter immer in meinem Hause zubrachte; er ist also dreimal hinter einander, jedesmal drei Wochen, mein täglicher Gast, und gewißermaaßen mein Hausgenosse gewesen, und ich gestehe, daß sowohl sein anspruchsloses Wesen, als der Ernst, mit dem er nach dem Höheren und Beßeren strebt, mir ihn recht lieb gemacht haben. Er hat vor kurzem in Berlin promovirt, von wo aus er hier mit seinem Freund Eduard zusammen traf, und steht jetzt im Begriff eine Reise durch Deutschland nach England und Frankreich anzutreten, ehe er in Hannover, seiner Vaterstadt, als praktischer Arzt sich niederläßt.

Wie geht es Ihnen denn, bei diesem unerhört schlechten Wetter? Ich sperre mich förmlich ein, das ist für mich das einzige Mittel mich vor dem bösen Einfluß desselben zu retten. Goethe kränkelt, ohne bedeutend krank zu sein. Stromeyer, der mehreremale ihn sah, kann Ihnen von seinem näheren Befinden, und auch von meinem Thun und Treiben manches erzählen. Der arme alte Herr ist durch einen Unfall, der Ottilien seine Schwiegertochter betraf, sehr erschreckt worden; sie ist vor wenigen Tagen vom Pferde gefallen, und zwar sehr stark, aber doch auf keine Weise gefährlich verletzt.

Ich will meinem jungen Freunde nicht den Stoff zu einem Gespräche mit Ihnen wegnehmen, da ich weiß, daß alles was das Goethische Haus betrifft, Sie lebhaft interessirt, und lege die Feder weg, mit der herzlichen Bitte, ferner mit Güte und Wohlwollen meiner zu gedenken.

Johanna Schopenhauer.

[S. 8]

IV.

Jena, d. 10ten Aug. 1827.

Wie es zugehen mag, weiß ich nicht, aber die Leute bilden sich ein, ich hätte einen großen Stein bei Ihnen im Brette, mein innigst verehrter Freund, und plagen mich deshalb, sie Ihnen zu empfehlen, und bei Ihnen ein gutes Wort für sie einzulegen, so daß ich am Ende fürchten muß, Ihnen überlästig zu werden. Ich kann nichts dafür, lieber Herr Hofrath, wahrlich nicht. Ich prahle nie mit Ihrer Güte gegen mich, obgleich ich oft im Stillen mit Freuden daran denke, wie oft und wie freundlich Sie mir von dieser Beweise gegeben haben, die ich nie vergessen kann.

Aus dieser Vorrede errathen Sie wohl schon, daß ich abermals auf dem Wege bin, Sie für andre in Anspruch zu nehmen, doch thue ich es diesesmal recht aus dem Herzen, und wünsche sehnlich, daß Sie dem Manne helfen könnten, der meine Fürsprache bei Ihnen in Anspruch nimmt. Es ist dieser der Schauspieler Löwe[1] aus Mannheim, der, wie ich höre, sich schon an Sie gewendet hat um die Erlaubnis, auf dem Dresdner Theater einige Gastrollen spielen zu dürfen.

Als ich vor etwa sechs Jahren einige Wochen in Mannheim mich aufhielt, habe ich seine Bekanntschaft gemacht; im Umgange habe ich an ihm einen gebildeten liebenswürdigen Gesellschafter gefunden, der sich sehr vortheilhaft vor den gewöhnlichen Schauspielern auszeichnet, und wie es mir schien mit mehr als gewöhnlichem Ernst über seine Kunst nachdenkt und nach dem Höheren strebt; und auf dem Theater ragte er weit über seine Mitspieler hervor, die freilich fast alle kaum eine der höheren Stufen der vielgepriesenen Mittelmäßigkeit[S. 9] erreichten. Er hat eine sehr schöne Gestalt und ein ausdrucksvolles angenehmes Gesicht, eine reine wohltönende Sprache und, obgleich er auch wohl nicht mehr jung ist, so nimmt er, besonders in Heldenrollen sich noch sehr gut aus, überdem weiß er sich sehr gut zu kleiden, und hat einen edlen vornehmen Anstand. So war es wenigstens damals, ob es noch so ist, weiß ich nicht; er hat seitdem viel gelitten, viel Kummer und Verdruß gehabt, und mag wohl merklich gealtert sein. Unter den Rollen, die ich ihn spielen sah, erinnere ich mich besonders des Bayard; er brachte es damals wirklich dahin, daß ich diesem jämmerlichen Wesen mit Aufmerksamkeit zusah. Auch im Leben hat er den Ruf eines sehr rechtlichen Mannes und wurde damals allgemein geachtet und mit in die Gesellschaft gezogen, was keinem andern Schauspieler wiederfuhr.

Der arme Mann hat nun, ich weiß nicht auf welche Veranlaßung, seinen Abschied erhalten, und muß nun mit einer ältlichen Frau und sechs Kindern ein andres Engagement suchen, er hofft dieses zu finden, indem er auf andern Theatern Gastrollen giebt. Ist es irgend möglich, so laßen Sie auf Ihrem Theater ihn auftreten, das übrige muß dann von selbst sich ergeben; erhält er Ihren Beifall, so erwähnen Sie seiner vielleicht einmal auf eine Weise, die ihm weiter hilft. Ich wünsche dem armen Löwe alles mögliche Gelingen, würde ihn aber gewiß nicht, wenigstens nicht auf die Weise, Ihnen empfehlen, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß er es vor vielen andern verdient.

Ich bringe diesen Sommer wieder hier in Jena in einem kleinen Landhause zu, und befinde mich beßer dabei als bei dem Besuche eines Badeortes; die Ruhe, der stündliche Genuß der freien Luft thun mir unbeschreiblich wohl, und meine mit den Jahren zunehmende Trägheit findet auch ihre Rechnung dabei. Meine Adele treibt sich in der Welt umher, jetzt hält sie in Rödelsheim nahe bei Frankfurt a. M. bei einer Freundin[S. 10] sich auf, und wird nächstens mit einer andern auf einige Monate nach Köln gehen. Sie empfiehlt sich Ihnen auf das Angelegentlichste, und möchte gern auch für Löwen ein gutes Wort bei Ihnen einlegen, wenn sie nur den Muth hätte.

Nehmen Sie noch meinen herzlichen Dank für die gütige Aufnahme unsrer Freundin Kleefeld, sie war entzückt davon, und preist sich überglücklich, Sie lesen gehört zu haben.

Gedenken Sie meiner mit gewohnter Güte und Freundlichkeit.

Ihre treuergebne

Johanna Schopenhauer.

V.

Weimar, d. 29. März 1829.

Die Ueberbringerin dieses ist Fräulein Kleefeld[2] aus Danzig, die Tochter des ersten dortigen Arztes und eine Freundin meiner Adele; sie hat den ganzen Winter mit uns zugebracht, und kann Ihnen also sagen, wie es mir und meiner Tochter ergangen ist und ergeht. Sein Sie freundlich gegen sie, mein verehrter Freund, sie ist ein gutes Kind und uns herzlich lieb. Sie wünscht diese Zeilen Ihnen selbst zu bringen, um Sie nur zu sehen.

Der eigentliche Zweck dieser Zeilen ist eine Erkundigung nach einem jungen Tragödiendichter, Doctor Rapp aus Stuttgardt, der vorige Woche hier durch kam, mit einem Bündel Tragödien à la Shakespear, die er Ihnen vorlegen wollte, und einer Empfehlung von Sulpitz Boisserée, die ihm Eingang bei Ihnen verschaffen sollte, und dessen Schwager er nächstens werden wird. Er hat eine dieser[S. 11] Tragödien, nehmlich den 1sten Theil von „König Heinrich der vierte,“ zu dem noch zwei andre gehören, bei mir niedergelegt, so sehr ich mich auch dagegen wehren mochte, denn es ist mir unmöglich mir über dergleichen ein Urtheil anzumaaßen, bei seiner schnellen Abreise hat er ihn wieder abzuholen vergeßen, und ist jezt wahrscheinlich in Unruhe über sein Kind, indem er wohl nicht mehr weiß, wo er es gelassen. Ich gebe der Kleefeld das Manuscript mit, da er doch wahrscheinlich noch in Dresden sich aufhält; sollte dies nicht der Fall sein, so wißen Sie vielleicht, wohin Sie es ihm nachschicken können, oder bewahren es, bis er sich bei einem von uns beiden danach erkundigt. Gelesen habe ich es nur theilweise, die Handschrift ist gar zu unleserlich.

Gedacht haben wir Ihrer in dieser Zeit oft und viel, indem Herr von Holtei einige Wochen bei uns sich aufhielt und in einigen Zirkeln sein Lese-Talent der Gesellschaft zum Besten gab. Er hat uns allen wohl gefallen — aber den wunderbaren Zauber versteht er doch nicht zu üben, in welchem — jemand Anders — ein unerreichbarer Meister ist und bleibt.

Ich schreibe sehr eilig, Adele ist seit drei Wochen bei Freunden am Rhein, die Kleefeld reist morgen in aller Frühe ab, und da giebt es so mancherlei für sie zu besorgen, daß ich nur Zeit behalte, Sie recht herzlich zu bitten, mir Ihr freundliches Wohlwollen fortwährend zu erhalten.

Ihre Ergebne

Johanna Schopenhauer.

Kommt denn nicht bald der zweite Theil Ihres Cevennen-Krieges? Ich verlange mit ganzer Seele danach; mich hat seit Jahren nichts so erfreut, zweimal habe ich ihn schon gelesen, und warte nur auf den zweiten Band, um von vorne wieder anzufangen.


[S. 12]

Schütz, Wilhelm von.

Geb. am 13. April 1776 zu Berlin, gest. am 9. August 1847 in Leipzig. War preuß. Landrath und Direktor der Ritterschaft in der Neumark, und hielt sich, nachdem er aus dem Staatsdienste getreten, für gewöhnlich in Dresden auf.

Lacrimas, Trauerspiel (1803.) — Der Graf und die Gräfin von Gleichen, Tragödie (1807.) — Niobe, Tragödie (1807.) — Romantische Wälder (1808.) — Der Garten der Liebe (1811.) — Graf von Schwarzenberg, Trauerspiel (1819.) — Dramatische Wälder (1821.)

Rußland und Deutschland (1819.) — Deutschlands Preßgesetz (1821.) — Zur intellectuellen und substantiellen Morphologie &c. (1823.)

Zwölf Bände einer Uebersetzung aus den Memoiren des Casanova (1822–28.) &c.

I.

Cummerow, den 8. März 1812.

Liebster Freund.

Deine Mittheilungen über meinen Anfang eines Drama: Guiscardo und Gismonda, sind für mich eben so belehrend wie ermunternd gewesen, und ich habe die Eröffnung des Stücks nach Deinem Rathe angefangen, leider aber von meinem ersten Entwurf keine Concepte mehr gefunden, so daß ich nicht fortfahren kann, ohne die Abschrift zu benutzen, die ich Dir gelassen habe. Gern bliebe ich in dem Zug, um so mehr, da bald Unterbrechungen kommen möchten, und deshalb bitte ich Dich, mir recht bald jene Blätter zu senden. Vielleicht können sie noch Montag Abend in Ziebingen zur Post kommen.

In der Ode, die mein Schwiegervater so vieler Aufmerksamkeit gewürdigt hat, habe ich das geändert, was er angestrichen hatte und übersende Dir eine geänderte Abschrift mit der Bitte, sie ihm zu übergeben und ihn meiner kindlichen Gesinnungen zu versichern.

[S. 13]

Meine Frau grüßt Dich, Deine Frau, ihren Vater und die Geschwister, bittet Dich auch Heinrich zu sagen, daß sie hier angekommen sey. Bleibe recht heiter und gesund und behalte lieb

Deinen

Schütz.

II.

Madlitz, den 13ten September 1812.

Mit vielem Dank sende ich Dir liebster Freund hierbei den Phantasus zurück. Wie sehr mir die Einleitung dazu gefallen, sagte ich Dir schon nach der Vorlesung. Diese aber hatte mir immer noch nicht den Eindruck gewähren können, welcher sich erst davon trägt, wenn man sie und die Unterredungen nicht abgesondert, sondern in ihrem Zusammenhange mit den Dichtungen genießt, zu denen sie gehören. Erst dann wird man des Reitzes theilhaftig, der sich dadurch so anziehend über das Ganze verbreitet, daß das in den Dichtungen sich regende unmittelbare Leben einen so wunderbaren Contrast mit dem mannigfaltigen Hin- und Hersprechen bildet, welches dazwischen unter den Erzählern vollführt wird. Ich glaube daher auch, daß es dem Buche recht vortheilhaft sein muß, wenn der Darstellung des Wesens der Erzähler, und in ihm des Wesens ihrer Zeit zwischen den Dichtungen recht viel Platz vergönnt wird, so daß die letztern hierdurch recht wie Erinnerungen theils an die gewesene, theils an die noch in der Dunkelheit und Zurückgezogenheit wohnende unmittelbare Poesie des Lebens den Leser antreten. Von den neuen mir erst jetzt bekannt gewordenen Dichtungen sind mir die Elfen und der Pokal ganz vorzüglich lieb, die ich in jeder Hinsicht für sehr gelungen halten muß.

[S. 14]

Ich übersende Dir nun auch mein Trauerspiel, den letzten Akt aber so, wie ich ihn während des Dichtens niedergeschrieben habe, mit den während dessen und beim Ueberlesen gemachten Correkturen, also auch vielleicht etwas unleserlich. Du solltest ihn in seinem ersten Wurf sehen, und ich wollte Dich erst hören, bevor ich zu Aenderungen und Verbeßerungen schritt. Ich glaube im zweiten Akt wird Guiscardo den einen Monolog in fünffüßigen Jamben sprechen müssen, auch vielleicht im dritten Akt den, wo er nach dem Anselmo auftritt, und dann könnten sie wohl auch im ersten Akt beibehalten werden, denn ich bin der Meinung, daß sie als Unterbrechung der beständigen Assonanzen doch gut thun.

Solltest Du den Triumpf der Vorzeit durchgesehen, das nöthige angestrichen, auch einiges geändert haben, so hätte ich ihn wohl gern bald zurück, um ihn an Fr. Schlegel zu senden. Wenn es Dir also möglich ist, so sey so gut ihn mir recht bald zuzusenden.

Das Buch, die Einsamkeit der Weltüberwinder sende ich Dir noch nicht zurück, sondern wünsche es noch einige Zeit zu behalten. Es ist mir so erbaulich gewesen, daß ich mich nicht gern davon trenne.

Wegen Carls Bibliothek habe ich mit Rosa gesprochen. Sie will nochmals dessen Brüder fragen, ob sie solche nicht in der Art erhalten können, daß sie dereinst dem kleinen Sohne bleibt. Geht dies nicht, so will sie einen Catalogus davon dem Staats-Rath Roux nach Berlin senden, mit dem Ersuchen, sie ihr denn auch im Ganzen zu verkaufen. Ich habe hierauf von meiner Intention noch nichts geäußert: sondern denke es wird gut sein, ihr demnächst erst zu sagen, daß man sie für 1000 Thlr. oder weil ich zweifle, daß jemand in Berlin so viel dafür bieten wird, für das dort geschehene Gebot annehmen wolle. Sage mir Deine Meinung darüber. Zeit ist nicht verloren, weil der Verlass noch nicht abgeschlossen ist,[S. 15] sondern erst bei der nächsten Anwesenheit des Bürger-Meister Cranz vollzogen werden soll, und erst nachdem dies geschehen ist, kann sie eine Disposition treffen. Sie wünscht aber den Catalogus zu besitzen, um ihn Hrn. Roux zu schicken, und ich bitte daher, ihn mir zu übersenden. Wenn Du meinst, so könnte ich ihr vor der Absendung merken laßen, ich wolle abwarten, wofür Roux hoffe, die Bibliothek verkaufen zu können, und würde sie vielleicht auch nehmen.

Lebe wohl. Grüße alle.

Dein

Schütz.

III.

Madlitz, den 22. März 1814.

Liebster Freund.

Ich bitte Dich einstweilen durch den zurückgehenden Boten diese wenigen Zeilen anzunehmen. Dein Brief bestimmt mich, die Reise nach Berlin noch auszusetzen. Ich will suchen, das Geschäft, welches meine Gegenwart gegen Ende dieses Monats erwünscht macht, durch einen Brief oder dadurch abzumachen, daß ich, vielleicht mit einer Gelegenheit auf einen Tag hingehe. Es kann sein, daß sich inzwischen das Wetter genugsam ändert, um Dir die Reise in den Ostertagen zu erlauben. Mir aber wird der Aufschub es vielleicht möglich machen, Dich vorher noch in Ziebingen zu sehen; ich denke in der nächsten Woche. Meinen letzten kurzen Brief mußt Du mir verzeihen, da eine Gelegenheit nach Frankfurth mich drängte. Ich bin ziemlich ununterbrochen bei meinem Roman geblieben und denke bald mit dem vierten Buche fertig zu werden. Es ist das, welches mir am meisten zu thun machen mußte. Schon bei dem ersten Entwurfe fehlte es mir hier gewöhnlich am[S. 16] meisten an Zeit, ich mußte viele Lücken in der Hoffnung, es werde sich wohl einmal das noch Fehlende ergänzen, offen laßen. Nun aber bin ich noch so wenig zufrieden, und denke, wenn noch einige Schwierigkeiten überwunden sind, soll es mit dem übrigen rascher gehen. Ich erinnere mich noch, daß ich Dir dieses Buch nicht, wohl aber das folgende mitgetheilt habe, weil es zu unfertig war. So beschäftigt, habe ich nicht Englisch lesen und arbeiten können, sondern nur den Parcival. Es ist ziemlich gegangen. Ich faßte bald den Entschluß, ihn zweimal zu lesen, weil ich wahrnahm, daß, je mehr ich im Lesen vorrückte, das Verstehen mir leichter wurde. Mit dem ersten Lesen bin ich ziemlich zu Ende.

Theuerster Freund, ich kann Dir nicht sagen, wie ich die Zeit über, daß ich wieder hier bin, von den Tagen gezehrt habe, welche ich mit Dir zugebracht; mein inneres Leben erhöht sich immer mehr in dem Umgange mit Dir. Wie erfreulich mußten mir also Deine Worte sein, welche mir sagten, daß mein Genuß und mein Bedürfniß auch die Deinigen gewesen. Gewiß eile ich, so viel nur möglich, wieder bei Dir zu sein, und bringe dann Deine Bücher mit. Deine Grüße werde ich bestellen, heut konnte ich es nicht mehr, da ich Deinen Brief spät erhielt, nachdem ich mich schon von der Gesellschaft entfernt hatte. Lebe wohl und glücklich.

Ganz der Deinige

Schütz.


Schütze, Stephan.

Geb. am 1. Nov. 1771 zu Olvenstädt bei Magdeburg, gestorben in Weimar am 19. März 1839.

Gedichte (1810.) — Eine neue Sammlung Gedichte ernsten und scherzhaften Inhalts (1830.) — Der unsichtbare Prinz, 3 Bde. (1812.) — Humoristische Reisebeschreibungen. — Versuch einer Theorie des Komischen (1818.) — Von 1814 bis 1836 redigirte er das beliebte Taschenbuch,[S. 17] welches den seltsamen Titel: „Der Liebe und Freundschaft“ führte, aber sehr hübsche Beiträge, unter anderen auch die meisten seiner eigenen Erzählungen enthielt.

Schütze lebte in Weimar, unseres Wissens ohne Amt, obgleich er „Hofrath“ hieß. Seine häusliche Einrichtung war so sauber, still und behaglich, wie das nur in kinderloser Ehe möglich ist. Freundlich entgegenkommend und umgänglich hatte er dennoch den Schelm im Nacken, vertheilte rechts und links kleine Hiebe, verschonte sogar den Altmeister nicht, dem er gleichwohl in Ehrfurcht anhing. Durch all’ sein Reden, Gebahren und Thun zog sich ein ironisch-humoristischer Spott, der aber von übler Absicht rein sich zuletzt immer wieder auf die Theorie des Komischen im Leben richtete, und den Umgang mit ihm erheiternd belebte. Hätte man ihn nicht als guten Ehemann gekannt, so würde man bisweilen versucht gewesen sein, ihn für einen recht eingerosteten Hagestolz zu halten. So z.B. gehörte es zu den Junggesellen-artigen Lustbarkeiten, die er vorzog, daß er, mitten im Winter, bei schlechtestem Wetter, sich einen geschlossenen Lohnwagen miethete, in diesem bis Erfurt fuhr — etwa um Bekannte dort zu besuchen?... mit nichten! Um in einem Gasthofe einzukehren, auf seinem Zimmer gut zu diniren und nach vollbrachter That gen Weimar heimzukehren. Fand er einen ihm zusagenden Begleiter, so nahm er diesen mit. Wo nicht, ei dann fuhr er allein, speisete allein, trank allein, kehrte allein zurück. — Lauter Versuche zur Theorie des Komischen!

Weimar, d. 7t. Sept. 1838.

Als ich vor vier Jahren das letztemal in Dresden war, hoffte ich Sie, Hochverehrter, wieder einmal zu sprechen, aber ich fand Sie nicht gegenwärtig. Daß ich seit der Zeit oft in Gedanken, mit Ihnen mich beschäftigt habe, werden Sie wohl ohne ausdrückliche Versicherung glauben. Jetzt soll mein Taschenbuch mir Gelegenheit geben, mit Ihnen in Berührung zu kommen, und ich bin deshalb so frei gewesen, der Willmannschen Verlagshandlung den Auftrag zu ertheilen, es Ihnen zu senden. Ich bilde mir nämlich ein, daß eine Erzählung von mir darin: Die beiden Candidaten nicht ohne Interesse für Sie sein möchte. Ob ich gleich alles auf[S. 18] Natur und Erfahrung gebaut habe, so ist doch besonders die Hauptfigur darin: der Herr von Grauenstein reine Erfindung. Es giebt in den entlegenen Provinzen unter dem Adel närrische Kauze dieser Art, und ich glaube gewiß, daß Sie auch mehrere dergleichen gekannt haben. Ich habe ihn zugleich als Repräsentanten des materiellen Princips benutzt und bei Abwägung des geistlichen und leiblichen in Beziehung auf einen Ausschlag ein klein wenig an Goethe gedacht, der, im Leben wenigstens, einer recht tüchtigen bürgerlichen Erscheinung gern den Vorzug gab, und auf Augenblicke sich von ihr bestechen ließ, auch mündlich öfters in Grundsätzen sich dafür aussprach. Es versteht sich, daß ihm dabei das Geistige nicht entging, aber es folgte nicht selten erst um ein Paar Schritte später. — Dies alles ist indeß nur Nebenbemerkung. Die Erzählung geht frei für sich ihren Gang fort, und sie hat in der Darstellung auf eine solche Beziehung keine Rücksicht genommen. — In der Sprache bin ich dem Grundsatze der Natürlichkeit und Einfachheit treu geblieben, mit der Ueberzeugung, daß sie um so mehr dem Stoff sich nähert, je mehr sie sich immer den Gegenständen selbst anschmiegt, woraus denn die Abwechselung in den Tonarten und Stimmungen sich von selbst ergeben muß, ohne daß man nöthig hat, wie viele neuere Schriftsteller thun, zur lebhaften Erregung der Theilnahme über alles hinaus ein Feuerwerk in verschiedenen Farben abzubrennen. Ich denke, daß ich hiermit nur Ihren eigenen Weg verfolge.

Mündlich ließe sich noch mehr, und wohl recht viel darüber sprechen; da mir aber das Glück einer solchen Unterhaltung mit Ihnen versagt ist, und eine schriftliche Mittheilung doch nur dürftig bleibt, so schließe ich lieber diese Zeilen, indem ich mich dem sehnlichen Wunsche und der Hoffnung überlasse, von Ihnen bald vielleicht manches Belehrende und Ermunternde vernehmen zu dürfen.

[S. 19]

Auf jeden Fall mich somit Ihrem geneigten Andenken empfehlend verbleibe ich mit alttreuer Hochachtung

Ihr

ergebenster

St. Schütze.


Schulze, Friedrich August.

Geb. am 1. Juni 1770 zu Dresden, gestorben daselbst am 4. Sept. 1849.

Im Jahre 1800 ist sein erster Roman: „Der Mann auf Freiersfüßen“ erschienen, und von jener Zeit an hat Fr. Laun (wie er sich nannte) unter den beliebten Erzählern einen der ehrenvollsten Plätze behauptet. Ihm war die seltene Gabe verliehen, neben dem Beifall der großen, oft oberflächlichen Lesewelt, die er zu fesseln verstand, auch den Antheil und die Achtung strengerer Beurtheiler zu gewinnen, und sich fortdauernd zu erhalten. Den besten Beweis dafür liefert die (1843) veranstaltete Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften,“ welche Ludw. Tieck mit einem Prologe begleitete.

Daß Laun auch anderweitig wirksam gewesen für die höheren Interessen der Poesie, geht aus einer Stelle des zweiten Briefes hervor, die von der Fortsetzung des Goethe’schen Faust handelnd, beherzigenswerthe Worte ausspricht.

I.

Dresden, den 11. Oktober 1842.

Innigstverehrter!

Die vor einigen Wochen verlautete Nachricht Ihres plözlichen Krankheitsanfalls betrübte mich allzusehr, als daß ich mich enthalten könnte, Ihnen selbst meine Freude darüber auszusprechen, nun das Uebel, nach der Versicherung der Frau Prof. Solger, so gut wie völlig gehoben erscheint. Professor Hübner, mit dem ich bald darauf zufällig zusammenkam, eröffnete mir sein Bedauern des Sie betroffenen Unfalls und[S. 20] freuete sich mit mir, wie ich ihm die neuere, so erwünschte Notiz mittheilen konnte.

Schwerlich werden Sie sich noch eines Gesprächs aus dem letztvergangenen Winter entsinnen, wo ich des Théatre italien von Gherardi Erwähnung that. Sie klagten darüber, dasselbe Buch (von dem Sie, vor nunmehr wohl 40 Jahren, mir einige Bände vorzüglich empfohlen und communicirt hatten), ich weiß nicht mehr ob ganz oder nur zum Theil, neuerlich in Ihrer Büchersammlung zu vermissen. Dabei erinnerte ich mich, daß mein geringer Büchervorrath mehr als Ein Exemplar des Werkes enthalten müsse, und faßte schon damals den festen Vorsaz, die beiden Exemplare aus den in größter Unordnung unter- und übereinander in Schränken, zum Theil ganz verpackt, liegenden Büchern, herauszusuchen. Leider aber verschob sich die Sache von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Der auf dem Bücherknäuel liegende, dicke Staub erfüllte mich immer mit neuem unbezwinglichen Grauen vor der unglücklichen Operation. Endlich und zwar grade am Tage nach Ihrer Abreise — die für alle Ihre hiesigen, zahlreichen Verehrer so traurig war — wagte ich mich denn doch an’s Werk. Und siehe da, es fanden sich wirklich, wie vielleicht am künftigen jüngsten Tage die auf Schlachtfeldern zerstreut liegenden menschlichen Glieder zu ganzen Körpern, die einzelnen Theile zu zwei vollständigen Exemplaren des Theatre italien, jedes von 6 Bänden, zusammen.

Nach einer oberflächlichen Vergleichung stimmen beide Ausgaben in Allem überein. Die eine ist im Jahre 1701 zu Amsterdam herausgekommen, wohin Gherardi, nachdem sein Bühnenunternehmen im Hotel de Bourgogne zu Paris im Jahre 1697 sich aufgelöst hatte, in’s Privatleben zurückgetreten zu seyn scheint. Meine zweite zu Paris im Jahre 1717 gedruckte Ausgabe hat der Verf. ebenfalls noch selbst besorgt.

In der Hoffnung, daß Sie mir das Vergnügen, dem[S. 21] einen mir völlig unnüzen Exemplare einen Platz unter Ihren Büchern einzuräumen nicht versagen würden, hätte ich Ihnen solches schon mit diesem Briefe gesendet, wünschte ich nicht, Ihnen die Wahl zwischen beiden zu überlassen. Erfreuen Sie mich daher, bitte ich, Verehrtester, mit der Nachricht, welches Exemplar Sie vorziehen. Mir ist es völlig gleichgültig, ob ich dieses oder jenes behalte. Beide sind übrigens in Lederbänden und das eine, wie das andere recht leidlich erhalten.

Noch füge ich meinen aufrichtigen Glückwunsch zur Vermählung Ihres Fräuleins Tochter und die gehorsamste Bitte bei, der Frau Gräfin von Finkenstein, nebst dem Wunsche des besten Wohlseyns, meinen Respekt zu erkennen zu geben.

Leider, bin ich noch immer außer Stande, Ihnen die erste Lieferung meiner Schriften zu übersenden. Der Verleger ist wegen der vor kurzem erfolgten Erweiterung seiner Geschäfte durch Verbindung mit zwei anderen gut renommirten Stuttgarter Buchhandlungen, der Riegerschen und Brodhagschen, mit Arbeiten zu überhäuft gewesen, um schon an’s Beginnen meiner Sammlung zu gelangen. Doch soll die zweite Lieferung sich desto schneller an die erste anschließen. Er hat mir auch schon den Probedruck des in Wien gefertigten Stahlstichs meines nach Hartmanns Gemälde gefertigten Porträts übersendet, welches dem Titel des ersten Bandes gegenüber erscheinen wird.

Meine Frau, die auch der Frau Gräfin sich zu Gnaden empfiehlt, trägt mir auf, Ihnen ihren freudigen Antheil an der so glücklichen Hoffnung auf Ihre baldigste gänzliche Herstellung kundzuthun.

Mit innigster Verehrung

Der Ihrige

Schulze.

[S. 22]

II.

Dresden, den 25. Decbr. 1843.

Verehrtester!

Ihr so wohlwollender Brief vom 31. d. M. hat mir wahrhafte Beruhigung zugeführt, weil ich fortdauernd in großer Sorge stand, meine Auswahl bei der Sammlung der Launschen Schriften wäre nicht nach Ihrem Wunsche ausgefallen. Mein Vorsaz ist, eher etwas zu viel von meinen Werken wegzulassen, als aufzunehmen, freilich aber fehlt, leider, grade dem Verfasser mitunter das Urtheil, das rechte, über Manches, es kann daher wohl vorkommen, daß er im Weglassen und Aufnehmen mitunter Misgriffe begeht.

Der mitfolgende 5te Band empfiehlt sich Ihrer freundschaftlichen Nachsicht. Die beiden lezten Novellen darin erscheinen zum ersten Male gedruckt.

Große Freude hat mir die durch Ihren Brief bestätigte glänzende Aufnahme der Aufführung des Sommernachtstraums, nach Ihrer Anordnung gemacht. Bereits im vorigen Jahre enthielt das Morgenblatt eine Lokalnotiz von mir, in der ich über das Projekt meine Meinung äußerte. Da Ihnen das Blatt schwerlich zu Gesicht gelangte, so erlaube ich mir solches mit der Bitte beizulegen, es mir künftig wieder zugehen zu lassen. Die Antigone hat schon, wie es scheint, eine entschiedene Anregung bei den größeren Bühnen Deutschlands gegeben. Es läßt sich daher etwas Gleiches vom Sommernachtstraum desto eher hoffen, da Shakespeare dem Sinne des Publikums doch weit näher liegt, als die griechischen Tragiker.

Vor Kurzem stand in den Blättern für literar. Unterhaltung und zwar in den Nummern vom 9. bis 12. des jetzigen Monats ein Aufsaz von mir unter dem Titel: Poesie und Prosa. Unter anderm bemerkte ich darin, daß so tief[S. 23] auch der 2te Theil von Goethe’s Faust unter dem 1sten stehe, doch von Denjenigen unserer Dichter, die sich die Männer der Gegenwart nennen, kein einziger im Stande seyn würde, einen solchen zweiten Theil zu produciren. Sollte Ihnen zufällig die kleine Ausarbeitung in die Hände gerathen seyn, die hauptsächlich über die Unrichtigkeit, die Worte: Poesie und Prosa als Kontraste zu behandeln, sich ausläßt, so würde es mir die größte Genugthuung gewähren, wenn ich gelegentlich erführe, daß meine darin eröffneten Ansichten, wenigstens in der Hauptsache mit den Ihrigen übereinstimmten.

Meine gute Frau trägt mir auf, Ihnen den aufrichtigsten Dank für die gütige Erinnerung an sie abzustatten. Der mehrjährige Gebrauch des Karlsbades ist ihrer früher sehr mangelhaften Gesundheit sehr zu statten gekommen. Sie nimmt mit mir den lebendigsten Antheil an Ihrem Wohlseyn und an dem so glücklichen Erfolge der Augenoperation der Frau Gräfin von Finkenstein.

Mit der treuesten, innigsten Verehrung

Der Ihrige

Schulze.


Schwab, Gustav Benjamin.

Geb. zu Stuttgart 1798, gestorb. daselbst am 4. Nov. 1850.

Wenn seine ihm eigenste poetische Richtung zugleich eine religiöse war und sich in weltliches Treiben nicht verlor, so hielt ihn doch andrerseits die kirchliche Amtsstellung, die er im Staate einnahm, keinesweges ab, sich mit regem Sinne, mit unbegrenzter Theilnahme nach allen Seiten hin zu wenden, wo frisches Talent, ursprüngliche Begabung ihm entgegentrat, und kein Mensch ist weiter davon entfernt gewesen als er, engherzig zu verlangen, daß „allen Bäumen eine Rinde wachse!“ Wer irgend welche litterarische Beziehung zu ihm gehabt und dabei Gelegenheit gefunden hat ihn kennen zu lernen, der wird ihn freudig wieder erkennen und begrüßen in nachstehendem Briefe!

Als epischer und lyrischer Dichter blühend und fruchtbar von den[S. 24] Knabenjahren an bis in’s reife Mannesalter, hat er eine reiche Auswahl schöner Gaben hinterlassen, deren viele im Geist und Gemüth seines Volkes fortleben, um nie zu sterben. Und wenn er dadurch seinen Nachruhm sicherte, ist er doch immer auch thätig gewesen, sei’s durch gelehrte und sinnvoll-geordnete Anthologieen, sei’s durch meisterhafte Uebertragungen, sei’s endlich durch Redaktion, Herausgabe und Lebensbeschreibung verstorbener Dichter, deren Nachruhm zu vermehren. Sagen des klassischen Alterthums — Lamartine’s — Barthelemy’s Poesieen — Paul Fleming’s auserlesene Gedichte — Geistliche Legenden — W. Hauffs sämmtliche Werke — Wilh. Müllers vermischte Schriften (siehe diesen Brief!) — Schillers Leben — der deutsche Musenalmanach (mit Chamisso) — das sind nur einige obenhin herausgegriffene Belege für die vielseitige Thatkraft eines im ernsten Amte gewissenhaften Arbeiters, der nebenbei — zur Erholung von der Berufspflicht — eine ganze Bibliothek werthvoller Bücher schrieb, sammelte, kritisch beleuchtete und den duftigen Flor eigener Dichtungen in stetem Wachsthum hielt!

Stuttgart, den 28. Jan. 1829.

Hochverehrter Mann!

Das Herz in beide Hände nehmend benütze ich endlich die Erlaubniß, welche Sie mir ertheilt haben, mich schriftlich an Sie zu wenden, ohne weiter auf Worte zu studieren. Kommt es linkisch heraus, so schreiben Sie es auf Rechnung der Scheu, die uns hohen Geistern gegenüber geradeso und mit mehr Recht ergreift, wie gegenüber von hohen Personen.

Ich habe die Sammlung des seel. Wilhelm Müller, die nach dem Wunsche des Verlegers, Brockhaus, dem sich die Wittwe gefügt hat, nur aus seinen „vermischten Schriften,“ nicht aus den sämmtlichen Werken bestehen soll, seit den Herbstferien in Ordnung gebracht und das neu geordnete Manuscript, wenn man lauter Gedrucktes so nennen kann, dem Verleger zugeschickt. Der Druck wird aber nicht sobald beginnen, daß ich nicht noch von allen Fingerzeigen, die Ihre gütige Theilnahme mir zukommen lassen wollte, Gebrauch[S. 25] machen könnte, und so vergönnen Sie mir, daß ich Ihnen im Allgemeinen kurz meine Verfahrungsweise andeute.

Das Ganze ist vorläufig auf fünf Bände berechnet. Die Poesieen habe ich in die zwei ersten Bände vertheilt, nach ihrer innern Verwandtschaft, nicht nach ihrer bisherigen Eintheilung. Denn ich gestehe es, jene Verkappungen so vieler, besonders norddeutscher, Dichter, sind mir in der Seele zuwider. Wozu „Lieder eines reisenden Waldhornisten,“ wozu „Lyrische und epigrammatische Spaziergänge.“ Vielleicht konnte bei einem Theile des Publicums dadurch beim ersten Erscheinen jener Gedichte die Aufmerksamkeit rege gemacht werden, und Müller mußte um des Verlegers willen sich jenes Kunstgriffs bedienen; an sich sind gewiß solche Verkleidungen unsrem Jahrhunderte fremd; sie gehören der fruchtbringenden Gesellschaft und ihrem Zeitalter, wo der geachtete Honoratior seinen Titel zu vermehren glaubte, wenn er sich mit Poesie befaßte und denselben gegen irgend einen Schäfers- oder andern Kittel vertauschen zu müssen glaubte. So urtheilte ich, und stellte daher unter dem allgemeinen Titel lyrischer Gedichte die Reiselieder, die Wanderlieder, die ländlichen Lieder aus den bisherigen verschiedenen Sammlungen zusammen, ließ darauf die vermischten Gedichte, die Anklänge aus dem Italienischen und Neugriechischen und die Epigramme folgen. Die Griechenlieder sollen nach dem ausdrücklichen Wunsche der Wittwe den Schluß der sämmtlichen Gedichte bilden. Durch diese neue Eintheilung fallen die Dedicationen der verschiedenen früheren Sammlungen im Contexte weg, aber sie müssen in der Vorrede aufbewahrt werden; die Nachwelt soll wissen, daß der frühverewigte Sänger sich Tiecks und Webers Freundschaft zu erfreuen hatte.

Den dritten Band würden die zwei Novellen nebst der Schilderung Lord Byrons und einige andre prosaischen Aufsätze füllen; den vierten und fünften Band das Bessere von[S. 26] den zahlreichen Critiken Müllers aus dem Hermes, der Haller Lit. Zeitung und dem Convers. Blatte; namentlich seine Urtheile über Uhland, Kerner, Rückert, Platen u. a. über Einzelnes von Byron, Scott, Cooper, Lamartine, Delavigne u. a. Erscheinungen der auswärtigen Literatur, endlich Fragmente über Dichtung und Schriftsteller des In- und Auslandes aus flüchtigeren Beurtheilungen, die wegen ihres Gegenstandes, theils wegen ihres eigenen Gehaltes einen vollständigen Abdruck nicht verdienen.

Dem Ganzen soll eine Biographie und eine Beurtheilung von Müllers Poesie aus meiner Feder vorangestellt werden. Diese aber, namentlich die letztere, kann und mag ich nicht unternehmen, ohne mir vorher Ihr Urtheil, innig verehrter Meister, und wäre es nur mit wenigen Zeilen, ausgebeten zu haben. Ich hatte früher meine Ansichten über Müllers Dichtungen, bald nach seinem Tode in einem Aufsatz in den Blättern für literar. Unterhaltung zusammengefaßt; ich glaubte den Griechenliedern vor allem den Vorzug geben zu müssen. Nun machte es mich aber gleich aufmerksam, als mein seel. Freund mir sagte, daß Sie auf die Griechenlieder weniger hielten, als auf seine andern Gedichte, und als Sie mir, an dem mir unvergeßlichen Abend, der Sie in meinen vier Mauern sah, dasselbe sagten, wurde ich an meinem bisherigen Urtheile ganz irre. Dieses gründete sich hauptsächlich auf das Gefühl, das mich anwandelte, so oft ich die meisten andern Gedichte Müllers las, und das mich immer ein wenig an ihrer eigentlichen Originalität, an ihrem unmittelbaren Ursprung aus Müllers Phantasie und Gemüth zweifeln ließ; ich glaubte den einen gar zu merklich anzuspüren, daß sie bald in Goethe’s, bald in Ihren, bald in Uhland’s Ton hineingearbeitet waren, daß er auf fremden Melodieen, wenn ich so sagen darf, fortsang; die andern waren fühlbar auf den anhaltenden Umgang mit den Lyrikern des siebzehnten Jahrhunderts[S. 27] begründet, und die Epigramme, deren Muster mir ferne stand, und die mich daher als eigenthümlich besonders anzogen, fand ich kürzlich in Logau, den ich seit 1815 nicht mehr angesehen hatte, zu meinem Erstaunen vorgebildet. Damit soll der Werth aller dieser Gedichte keineswegs herabgesetzt seyn; die große Leichtigkeit, mit welcher sich Müller in alle diese Formen fand, die Objectivität, mit der er sich noch im Mannesalter in alle möglichen lyrischen Subjectivitäten hineinfinden konnte, und der fast immer anmuthige Witz, der sich mir nur zuweilen ins widerlich Spielende zu verirren schien, blieben mir bewundernswürdig. Aber doch, meinte ich, seyen seine Griechenlieder auf einem andern Boden, aus einer wirklich subjectiven Begeisterung erwachsen, und er habe sich hier eine Form geschaffen, habe einen Ton angestimmt, zu dem ich das Vorbild nirgends zu finden wüßte. Als ich seine ersten Griechenlieder las, rüttelte es mich im Geiste, wie wenn ich etwas neues, ächtes, „recens, indictum ore alio“ um mit Horaz zu sprechen, las, und ich wurde voll Bewunderung und wieder kleinmüthig und betrübt, weil ich fühlte, daß ich so etwas nicht vermöchte. Kurz es wurde mir zu Muth, wie jedesmal wenn mir etwas Rechtes unter die Augen kommt. Von seinen andern Liedern könnte ich nur bei drei oder vieren dasselbe sagen. Die andern konnte ich schön finden, aber sie demüthigten mich nicht, wie mich Göthe, Novalis, Tieck, Uhland demüthigt. — Ich weiß nicht, was ich da schreibe, und ob es nicht anmaßend herauskommt, einen Dichter, wie Sie, mit meinen Ansichten und Urtheilen zu unterhalten, aber ich möchte mich über das, was ich von Müller gesagt hatte und noch sagen wollte, gegenüber von dem rechtfertigen, bei dem ich Rath und Berichtigung meiner Gefühle, die mir selbst nur halbverständlich sind, suche. — In die Länge ermüdete freilich auch die Monotonie der Griechenlieder, wie es mir überhaupt däucht, daß Müller gar zu lang bei Einem Ton verweilte[S. 28] und am Ende ins Machen hineinkam, statt ins Dichten. — Wenn ich mich recht erinnere, so führten Sie mir als einen Vorwurf gegen die Griechenlieder an, daß so manche darin besungene Helden von der Geschichte uns bald in einem ganz anderen Lichte gezeigt worden, und daß dieß einen sehr unangenehmen Eindruck mache. Aber sollte das der innern Vollendung dieser Lieder schaden können? und sollte dieser Vorwurf nicht jeden Volksgesang treffen? und sollte in späterer Zeit nicht das Phantastische dieser Gestalten über ihr Geschichtliches in dem Eindrucke, den Poesieen, die von ihnen handeln, machen werden, siegen? Zumal da ihr historisches selbst immer mager und dunkel bleiben wird?

Doch es ist Zeit meinem ausführlichen Geschwätz, das nur einem Herausgeber Müllers verziehen werden kann, ein Ende zu machen.

Mein junger Freund Dr. Adolph Schöll kann mir in seinen Briefen aus Dresden und Göttingen nicht genug rühmen, wie gütig er von Ihnen aufgenommen worden und welchen Eindruck Ihre Gespräche auf ihn gemacht haben. Möchte es mir doch so gut werden, auch Stunden lang über alle poetische Anliegen meiner Seele mich mit Ihnen unterhalten und aus Ihrem Munde belehren zu dürfen. Ich habe es gewagt, den ersten Band meiner Gedichte durch Schöll in Ihre Hände zu legen. Ich übergab sie ihm in einem sehr muthlosen Augenblicke; sie waren mir durch das Wiederkäuen in der Druckrevision recht zum Ekel geworden, und es ist mir manchmal, als ob gar nichts an allen miteinander wäre, lauter nachgemachtes Zeug, wovon nichts mich überleben werde. Wenn ich sie dann Monate lang bei Seite gestellt und endlich wieder ansehe, fasse ich wieder zu einigen ein Herz, und meine, dieß und jenes habe doch seine Persönlichkeit und eine Vitalität in sich. Unter diese letztern rechne ich die kleine beiliegende Romanze, die ich seit Mitte Juli’s im Kopf herumgetragen,[S. 29] und die endlich in den Christfeiertagen eine Gestalt gewonnen. Ich meine solche Darstellung einzelner Momente rein menschlichen Gefühls gerathen mir am Besten. Alles Phantastische muß ich ferne von mir halten, weil es mir dazu an innern Mitteln gebricht. Ich bin noch nicht 40 J. alt, könnte also, trotz eines vielbeschäftigten, prosaischen Lebens doch noch etwas produciren. Hielten Sie mich wohl eines Fingerzeigs werth, verehrter Meister?

Wir haben diesen Winter Ihren Alten vom Berge und Ihr Fest von Kenelworth gelesen und uns innig daran erquickt. Am wohlsten wird mir bei Ihren Erzählungen da, wo die gemeine Critik darüber als unnatürlich und unwahrscheinlich zu schimpfen anfängt, d. h. wo die gewohnten Formen, mit welchen Sie das Publicum beschwichtigen, mit einemmal aufhören und die lautre Poesie, derselben spottend, ungehemmt hervorsprudelt; wo der zahme Bach auf einmal zum Wasserfall wird und seinen Weg durch Wald und Felsen nimmt, wie in Ihren alten, herrlichen Dichtungen, in welchen ich mich vor 18 Jahren unter der schönen, hohen Lindenallee bei Tübingen als Student zum erstenmal berauschte.

Während ich diesen Brief schreibe, lese ich von dem schmerzlichen Schlage, der Sie durch den Tod Ihres Freundes, Friedrich Schlegel, in Ihrer unmittelbaren Nähe betroffen. Wenn meine Zeilen nicht eine ziemliche Zeit brauchten, bis sie zu Ihnen nach Dresden gelangen, so würde ich sie nicht abschicken; denn unmittelbar nach einer solchen Verwundung muß das Geschreibe eines Dritten unerträglich zu lesen seyn. So aber vertraue ich auf die Langsamkeit der Buchhändlergelegenheit, der ich diesen Brief übergebe. Meine liebe Frau ruft sich Ihnen und mit mir Ihren verehrten Reisebegleiterinnen ins Gedächtniß zurück. Jener Abend in unsern dumpfigen Stuben kann freilich keine angenehme[S. 30] Erinnerung für Sie alle seyn. Wir aber denken mit Stolz und Wonne an Ihre Erscheinung zurück.

Genehmigen Sie den Ausdruck der innigen Verehrung von Ihrem für die höchsten Genüsse ewig dankbaren

G. Schwab.

Das Morgenblatt hofft sehnlich auf Ihre Beiträge.


Seckendorf, Gustav Freiherr von.

Geb. zu Meuselwitz bei Altenburg am 20. November 1775, gestorben in Amerika 1823.

Otto III., Tragödie (1805.) — Orsina, 1816. — Vorlesungen über Deklamation und Mimik, 2 Bde. (1816.) — &c. Redigirte auch die Zeitschrift Prometheus.

Unter seinem Autornamen Patrik Peale zeigte er sich auf verschiedenen Theatern als plastisch-mimischer Künstler, und schlug sich als Docent, Musikdirector, Musiklehrer, Schriftsteller durch Deutschland und Amerika, ohne einen sichern Aufenthalt zu finden, vor dem allersichersten im Grabe. In wie fern das Mißlingen all’ seiner verschiedenen Unternehmungen von äußerlichem Unglück verursacht wurde? in wie fern es aus ihm selbst hervorging? wer wagt darüber zu entscheiden? Nicht abgeleugnet kann werden, daß er die Aufmerksamkeit vorzüglicher Männer zu erregen im Stande gewesen.

Solger schreibt an Friedrich v. Raumer: „der Mann hat mir bei einem Besuche einige Beispiele von seinem Talent und einer wirklich seltenen Macht über sein Gesicht gegeben: so z.B. drückte er mit der linken Seite des Gesichts den tiefsten Schmerz aus, so daß er sogar mit dem linken Auge weinte, während die rechte Seite ganz unverändert blieb.“

Das schmeckt nun freilich mehr nach Kunststücken, als nach Kunst.

Wien, 1. Dec. 1808.

Noch kann ich mich über Ihre schnelle, gar nicht vermuthete Abreise nicht zufrieden geben, in einem Augenblick, wo ich mir soviel von Ihrer Unterstützung versprochen hatte,[S. 31] wo es leichter, als zu irgend einem andern Zeitpunkt war, einen bedeutenden Einfluß auf die hiesigen Theater sich zu sichern, und vereint auf ein schönes Ziel hinzuwirken. Sie werden mir freilich einwenden, daß diese meine Ideen vielleicht ganz außer Ihrem Gesichtskreise lagen, mit Ihrer Neigung unvereinbarlich waren — allein vergeben Sie mir, wenn ich keine Kraft erblicke, ohne ihr zugleich in Gedanken ein bestimmtes Ziel anzuweisen, wenn ich gern alles Edle und Schöne um mich vereinigen möchte, um so vereint, eine bleibende Stätte für die Kunst zu gründen. Und hier scheint mir durch die Entziehung Ihrer persönlichen Gegenwart ein großes Hinderniß entstanden. Nennen Sie es immerhin Träume, wenn ich mir Sie an der Spize der hiesigen Theaterwelt, und mich als Ihren Gehülfen dabei dachte. In Ihrer Persönlichkeit lagen alle Mittel dazu, und was nun vielleicht auf Umwegen durch jahrelange Bemühungen nicht erreicht werden kann — das hätte Ihre Gegenwart, mit diesem Sinn das Gute überall anzuerkennen, und an seinen Plaz zu stellen, mit dieser poetischen Schöpfungskraft — und nicht zu vergessen die jezige Verlegenheit der Direktion, welche zwischen zwei Stühlen, Hartel und Iffland, sitzt, möglich gemacht. Dieser Augenblick kehrt vielleicht nie zurück — nie die Möglichkeit eines entschiedenen Einflusses auf Hartel durch seine Verwandte, wovon ich selbst nichts wußte — denn er geht nun in 4 Wochen vom Theater ab. Iffland kommt auch nicht, folglich wird — — Sonnleithner oder gar etwas ärgers das Factotum werden. Nun sind das alles fromme Wünsche. Ich werde wohl nicht nachlassen, aber ich habe auch nur den guten Willen, mit den Menschen vermag ich nichts anzufangen. Auch hat mir meine erste Verbindung mit Stoll zu viel geschadet.

Dagegen scheint es nun mit der Fortsezung des Prometheus Ernst zu werden. Wenn Sie diese Zeilen erhalten, ist[S. 32] als wahrscheinlich mit Cotta entschieden. Er ist nicht abgeneigt, und ich habe billige Bedingungen gemacht, und hoffe jezt seine günstige Definitiventscheidung. Auf diesen Fall rechne ich bestimmt auf Ihre Mitwirkung, und so schnell es sein kann, auf die Uebersicht der hiesigen Theater, wozu Sie mir Hoffnung gemacht haben. Diese ist ganz dazu geeignet das hiesige Publikum günstig für die Zeitschrift zu stimmen. In der Folge hoffe ich auch auf den Aufsatz über das teutsche Theater überhaupt, und über Fleck. Ich erwarte Ihre Bedingungen, bitte Sie aber, mir Ihre Abreise von München, und Ihren künftigen Aufenthalt sogleich wissen zu lassen. — Schlegel läßt Sie herzlich grüßen. Knorring und (? unlesbar) machen noch immer keine Anstalt zur Abfahrt. Der jüngere Collin geht in 14 Tagen nach Krakau, als Professor der Aesthethik. — Empfehlen Sie mich Mad. Bernhardi und gedenken meiner zuweilen in Ehren.

Seckendorf.

(Vordre Schenkenstraße No. 23.)


Seidel, Max Johann.

Es kann Einer ein sehr guter, naturwahrer, allbeliebter Komiker, und braucht deshalb eben kein Musterbriefsteller zu sein. Daß Herr Seidel Ersteres gewesen, wissen alle älteren Weimaraner, so wie sämmtliche Besucher Ilm-Athens, die den lustigen Mann auf der Bühne gesehen. Daß er letzteres nicht gewesen, geht aus diesem Briefe hervor, den wir deshalb doch nicht weglassen wollen; denn er schildert einen wichtigen Tag aus Goethe’s Leben treuherzig und unbefangen. Die Bezeichnung „biederer Greis,“ die S. auf Goethe anwendet, erinnert uns an einen andern Schauspieler, der zur Jahres-Feier der Schlacht bei Belle-Alliance einen Prolog zu sprechen und in diesem von dem Einzuge in Frankreichs Hauptstadt zu reden hatte, das richtige Beiwort vergaß, und voll Verlegenheit sagte:

„Wir aber folgen Dir, das ist gewiß,
Und grüßen Dich im traulichen Paris.“

[S. 33]

Auf Goethe hätte sich wohl ein umfassenderes Epitheton finden lassen als grade „bieder“. Und dennoch hat dieses, in dieser Ideenfolge, etwas eigenthümlich Hübsches, denn es giebt den Eindruck deutlich wieder, den der alte Herr durch sein schlicht-patriarchalisches Benehmen, während jener festlichen Momente, auf die Umgebungen ausgeübt. Goethe ließ sich durch die Huldigung, die König Ludwig ihm hochherzig darbot, nicht aus dem Geleise bringen.

Weimar, den 31ten Aug. 1827.

Verehrtester Herr Hofrath!

Nehmen Sie dieses Schreiben als einen Beweis, daß die, zwar kurzen Augenblicke, wo meine Frau und ich das Vergnügen hatten, Ihre persönliche Bekanntschaft in Teplitz zu machen, uns unvergeßlich sind, und daß wir uns oft und mit Freuden daran erinnern. Diese Zeilen sollen dazu dienen, die mir so werthe Bekanntschaft zu erneuern, denn, daß Sie meine Kühnheit, an Sie zu schreiben, nicht übel deuten werden, bin ich überzeugt, aber wäre ich es doch auch davon, daß das, was ich schreibe, für Sie Interesse hätte. Ich will es versuchen; vielleicht gewährt Ihnen eine kleine Erzählung von Goethe’s Geburtstagsfeier, da ich Augen- und Ohrenzeuge war, einiges Vergnügen.

Daß Göthe’s Geburtstag, den 28t. August, von seinen Freunden und Verehrern alle Jahre laut gefeiert wird, ist Ihnen sicherlich bekannt; jedoch vernehmen Sie, verehrtester Herr, welche freudige Ueberraschung ihm, dem biedern Greise (!) zu Theil wurde.

Den 27t. August Abends kam hier ein Fremder mit Extra-Post im Gasthofe zum Erbprinzen an, und läßt sich bei unserem Großherzog unter dem Titel und Namen des Ober-Stallmeister von Keßling am königl. bairischen Hofe, anmelden, mit dem Zusatze: früh acht Uhr sich bei Sr. kgl. Hoheit dem Großherzog vorzustellen; allein, noch ehe die Uhr halb 8 geschlagen, fährt unser Großherzog an dem Gasthofe[S. 34] zum Erbprinzen vor, und macht seine Aufwartung dem — Könige von Baiern, welcher incognito hier ankam, um Göthe an seinem Geburtstage zu überraschen, Glück zu wünschen und ihn persönlich kennen zu lernen.

Gegen 11 Uhr Mittags fuhren Sr. Maj. der König und unser Serenissimus, der Großherzog, bei Göthe’n vor.

Göthe war den Tag besonders gut gelaunt, er war froh und heiter und wie verjüngt erschien er der Gesellschaft, die sehr zahlreich war, denn, er nahm alle Besuche an, sprach mit jedem und freute sich der vielen Theilnahme, die wir an ihm nehmen; da traten der Großherzog und der König ein, schon angemeldet, die Anwesenden traten zurück. Der König ging auf ihn zu, bezeugte durch huldvolle Worte seine Freude, ihm diese Ueberraschung vorbehalten zu haben, und zog aus seiner Rocktasche ein rothes Kästchen hervor, worin der Zivil-Verdienstorden der königl. bairischen Krone, Großkreutz und Stern sich befanden, welches er Göthe’n mit den Worten überreichte: hier (auf Göthe’s Brust deutend), wird sich wohl noch ein Plätzchen finden, wo sie dieses anheften können. Alles bezeugte seine Theilnahme und Freude, Göthe war sehr überrascht, unterhielt sich dann über eine Stunde noch mit den fürstlichen Personen, die sich theilweise auch zu den Anwesenden gewendet hatten. Der König war über alles entzückt, was er sah und hörte und nach 12 Uhr beurlaubten sich die fürstlichen Personen.

Unser guter Fürst, der Großherzog, hat sich wieder sehr erholt, obgleich ihn das Teplitzer Bad sehr angegriffen hatte und er einige Zeit nach der Badekur krank darnieder lag; er hatte bei Göthe die Gnade mich zu bemerken und mit mir und meiner Frau zu sprechen; auch er äußerte seine große Freude über die unvermuthete Ankunft des Königs, doch als derselbe sich als „von Keßling“ anmelden ließen, schlossen Sie gleich, daß es der König sey, welcher meist in der Gesellschaft des „von Keßling“ reist.

[S. 35]

Mittags war eine große Gesellschaft, die aus Göthe’s Verehrern bestand, bei einem glänzenden Gastmahle, welches im hiesigen Stadthaussaale gehalten wurde, versammelt, an welcher auch meine Wenigkeit Antheil genommen. Mehrere Gedichte, die wechselsweise gesprochen und gesungen wurden, habe mir die Freiheit genommen Ihnen zu übersenden.

Herr Kanzlar von Müller sprach das Gedicht „zur Weihe des Tafelfestes“ als Einleitungsrede, worauf denn unserm geliebten Fürsten ein 3maliges Lebehoch gebracht wurde. Dieses, so wie No. 2, sind von Herrn Kanzlar von Müller selbst gedichtet, so wie das ganze Arrangement zu voller Zufriedenheit aller Anwesenden von ihm getroffen war.

Herr Kapellmeister Hummel lieferte uns eine vortreffliche Composition, welche eben so vortrefflich ausgeführt wurde. Herr Kammersänger und Oberdirektor Stromeier trug, wie immer, voll Gefühl und klangvoller Stimme die Gesänge vor, eben so Herr Kammersänger Moltke, auch Herr Musikdirektor Eberwein leistete Vortreffliches.

Unter dem Jubelrufe: Auch die Todten sollen leben! von Herrn Geheimen Kammerrath von Göthe (Sohn) ausgebracht, wurde den Manen Wieland’s, Herder’s und Schiller’s ein Lebehoch gebracht. Abends wurde dem König von Baiern zu Ehren Freiball im hiesigen Schießhaussaale gegeben, wobei der König und unser ganze Hof gegenwärtig waren.

Zugleich war der Ball, durch das jezt hier stattfindende Vogelschießen, von vielen Fremden besucht, die sich zu diesem seltenen Vergnügen hier einzufinden pflegen.

Das Theater sollte erst den 3t. September zum Geburtstag des Großherzogs eröffnet werden, mit „der Schnee.“ Zum erstenmal aber auf Verlangen des Königs geschah dies schon den 29t. August mit „die humoristischen Studien“ und „die 7 Mädchen in Uniform;“ beide Piecen gingen vortrefflich.

[S. 36]

Gestern reiste der König von hier wieder fort.

Verehrtester Herr Hofrath, daß meine Frau und ich es sehr bedauerten Sie nicht in Dresden getroffen zu haben, werden Sie ganz in der Ordnung finden; denn Ihren Vorlesungen beiwohnen zu können, zähle ich (nur aus dem, was ich davon erzählen hörte) zu dem herrlichsten und größten Kunstgenuß unserer Zeit, und die Eile, mit der ich nach Hause berufen wurde, brachte mich darum; doch wir werden nicht versäumen kommendes Frühjahr oder Sommer Ihnen unsere ergebenste Aufwartung zu machen, und dann zweifle ich nicht an Ihrer Gewogenheit, daß Sie uns durch Ihr so schönes, seltenes Talent Gelegenheit geben werden, Sie einigemal bewundern zu können.

Indem wir uns Ihrem gütigem Wohlwollen bestens empfehlen, unterzeichne ich mich als

Dero ganz ergebenster Diener

Max. Joh. Seidel.

P. S. Ich gebe Ihnen noch eine kleine Anekdote zum Besten, die sich in der sich hier befindenden Menagerie der Herrn van Aken und Martin ereignete, als der König von Baiern selbe besuchte. Der Wärter dieser Thiere, welchen die Gegenwart des Königs verlegen machte, zeigte unter anderm auch den sich dabei befindenden großen Löwen, und sagte: Hier ist Sr. Majestät, der größte jezt lebende König — der Thiere. — Wir alle lachten, doch der König von Baiern schien es nicht gehört zu haben.

Vermuthlich wollte er sagen: Hier Majestät, hier sehen Sie den größten Löwen, der in Deutschland gezeigt wird (welche Rede er zu jedem andern spricht).


[S. 37]

Skepsgardh, Otto von.

Das völlig verrückte Buch: „Drei Vorreden. Rosen und Golem-Tieck, eine tragikomische Geschichte, mit einer Vorrede von Friedr. Rückert“ hat trotz seiner wahrhaft niederträchtigen Ausfälle gegen Tieck so wenig Beachtung gefunden, daß wir lange vergeblich nach einem Menschen suchen mußten, der es nur angesehen. Als wir’s denn endlich selbst in Händen hielten, fanden wir’s noch unter der niedrigsten Erwartung. Der Verfasser hat gerade so viel produktives Talent besessen, um sich einzureden, daß er ein Poet sei; aber auch nicht ein Fünkchen mehr. Wo es ihm an Fähigkeit fehlte zu schaffen, da vermeinte er, es fehle den Andern an Fähigkeit ihn zu fassen; an gutem Willen ihn zu fördern. In Tieck, der ihn lange mit freigebiger Hand unterstützte, erblickte er einen Neider. Er sagt in der Vorrede zu jenen „drei Vorreden“ (lauter unsinniges Zeug!) „Tieck verschmähte es sogar nicht, mir zu zeigen, daß er mich fürchte. Gäbe Gott, er bekäme Ursache dazu!“

Was er eine Kritik Rückerts nennt, sind ein Paar Zeilen, die dieser gutmüthig und mitleidig einem Unbekannten, der sich an ihn drängte, über einen ersten Versuch hinwarf — gewiß nicht ahnend, daß der Empfänger die Frechheit haben werde, diese Zeilen vor ein hirnverbranntes opus zu setzen, dessen Schluß die gemeinsten Anschuldigungen wider seinen Wohlthäter enthält. Doch spricht eigentlich aus dem Autor wie aus dessen Buche schon der Wahnsinn. — In diesem soll er denn auch — (denn er ist längst verschollen) — seinem unseligen Dasein ein Ende gemacht haben.

In zwei Punkten ist jedoch Tieck hier abermals anzuklagen. Erstens, wegen der wahrhaft leichtsinnig-gutmüthigen Schwäche, womit er jedem Zudringlichen Ohr, Herz und Hand öffnete, bevor er ihn genauer kannte; zweitens wegen der Saumseligkeit, die er sich dann zu Schulden kommen ließ, wenn er einen solchen Menschen endlich durchschaut hatte, und den nothwendigen Bruch verschob, aus Mangel an Entschluß.

Hätte er dem eitlen Narren sein Manuskript umgehend zurückgeschickt und kurz erklärt, was er davon halte, so könnten die Vorwürfe ihn nicht getroffen haben, die der dritte Brief enthält.

[S. 38]

I.

Berlin, d. 12ten August 1843.

Hochverehrter Herr Geheimerrath!

Im Vertrauen auf die mir, als einem Strebenden von Ihnen so freundlich zu Theil gewordene Berücksichtigung erlaube ich mir Ihnen den zweiten Theil meines Romans so umgearbeitet zu überschicken, wie ich ihn gern gleich damals gesehn hätte, als Sie so gütig waren dem rohen Entwurf Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Wieder muß ich’s bedauern, Sie damals mit dem ungefügen Produkt belästigt und Ihnen so vielleicht die Lust, es noch einmal durchzusehn, benommen zu haben. Doch ist der größeste Theil völlig neu und das Alte nur an wenigen Stellen geblieben wie es war. Ich glaube alles gethan zu haben, was in so kurzer Zeit und bei meiner Lage an einem Werke zu thun möglich ist, dem man entwachsen zu sein glaubt, oder dessen gute Idee man doch mindestens gern von vorn herein ganz anders angelegt wünschte. Ihre Winke hab’ ich mir, wie Sie sehn werden, überall zu Nutz gemacht und bitte Sie nur sehr, sich durch das erste Kapitel nicht abschrecken zu lassen, das mit Fleiß etwas sandig angelegt ist, damit das Interesse in dem Maße zunähme, als man sich der Poesie des Landlebens nähert. Indem ich Ihre Erlaubniß, Sie am Schlusse des Werkchens einführen zu dürfen, benutzte, hab’ ich daselbst alles gesagt, was ich von der Angelegenheit mit der Vorrede fürchte und hoffe. Sollte Ihnen etwas im Werkchen misfallen und Sie darum Bedenken tragen, meinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, so haben Sie die Güte, das Mißfällige fortzustreichen und wenn auch darüber die halbe Arbeit draufginge. Wer schlechtes einbüßt gewinnt. In einigen Tagen werde ich nach Ihrer Anweisung auch mit dem ersten Theil, aber hier nur bescheidend verfahren,[S. 39] womit ich in 8 Tagen fertig zu sein hoffe. All’ meine Hoffnung, so wie die meiner armen Schwester, ist jetzt auf das Werkchen und Sie gerichtet. Sein Sie mir nicht böse, daß ich an der Stelle, wo ich Sie in das Märchen einführen durfte, meiner Begeistrung keine zu engen Schranken anlegte[3], ich bin Ihnen mehr schuldig als Sie vielleicht ahnen, ich habe Ihnen die Idee zu verdanken, in welcher allein die Poesie liegt, daß nur die allmächtige Leidenschaft poetisch sei, und daß alle Kunst darin bestehe, diesen Strom von seinem Ursprunge an bis an das Meer zu verfolgen, indem man weder die Blumen am Ufer noch die künstlichen Hemmungen vergißt, welche des Stromes Gewalt vergrößern, indem sie ihn aufhalten, so daß er in Diamanten stäuben und in Strahlen schäumen muß. Jetzt verstehe ich Romeo und Julie, Werther, Coriolan u. a. Meisterwerke erst. Sie werden vielleicht über den jungen Menschen lächeln, der eine Ihnen sicher längst geläufige Idee so prahlend hervorhebt, aber solche Gedanken entscheiden mehr als alles, das fühl ich, über die Richtung, die ein strebender Geist einschlägt; oder sie ersparen wenigstens ein langwieriges Tappen auf gut Glück. — Wenn doch das Schicksal mir den einen stolzen Wunsch gewährte, einem Manne in der Litteratur, bevor er vom Leben scheidet Freude zu machen, einem verehrten Manne, bei dem man sich eben nicht auf die honetteste Weise eingeführt hat.

Ich will Sie nicht mit zu langem Geschwätz ermüden, zumal auch meine Schwester sich’s nicht nehmen läßt an Sie zu schreiben. Gott schenke Ihnen noch lange Gesundheit und heitern Muth, damit auch ich noch lange von einem Auge weiß, das auf mir ruhend mich zu Thaten anspornt.

Mit vollkommner Hochachtung

Ihr ergebenster

Otto v. Skepsgardh.

[S. 40]

II.

Berlin, d. 31sten August 1843.

Hochverehrter Herr Geheimrath!

Ich bin so frei Ihnen wieder ein Werkchen zu schicken, diesesmal jedoch nur mit der Bitte um Ihr Urtheil darüber. Es ist in vier Tagen aufgefaßt und niedergeschrieben, als Ableitung einer peinigenden Ungeduld. Um den dritten Akt bin ich etwas besorgt, da ich ihn gleich gestern Abend in’s Reine geschrieben. Noch keine meiner Arbeiten hat mir jedoch unmittelbar nach der Vollendung so im Ganzen gefallen, als dieser melankolische Scherz und ich nehme das für ein gutes Zeichen. Freuen würd’ es mich, wenn das Stück sich Ihre Zufriedenheit erwürbe, da ich als Dramatiker nicht wohl bei Ihnen zum ersten Male bestanden. Ist es wohl werth aufgeführt zu werden? Welchen Weg hätte ich da einzuschlagen. Ein bloßes Hinsenden an eine Direktion ist langwierig und mir wäre es lieb wegen meiner Schwester, je eher desto lieber einen kleinen Einfluß auf die Bretterwelt zu erlangen. Werden Sie mich auch nicht für unleidlich zudringlich ansehn müssen? Aber setzen Sie sich in meine Lage, die in diesem Augenblick nicht die beste ist, wäre nicht noch das Bißchen Hoffnung, so müßte man verzweifeln. Alle meine Schritte für uns das Nothwendige zu besorgen, sind bis heute fruchtlos im Wesentlichen geblieben. Nun faßte ich den Plan, meine Vorreden an einen kunstliebenden, mir bekannten hiesigen Bankier, der mir in frühern Zeiten manchmal geholfen, zu schicken mit einer Art von Zueignung an ihn und der beiläufigen Bitte um einen Vorschuß von 30 Thlr., bis das Werk gedruckt ist. Ich würde wie ich den Mann kenne nicht schlecht spekuliren, wenn er um Ihre Vorrede wüßte, aber auch nur[S. 41] in diesem Falle dürfte ich hoffen, denn der Mann hat kein selbstständiges Urtheil. So unangenehm das ganze Verfahren mich auch berühren möchte, so thäte ich’s doch, wenn Sie mir die Erlaubniß dazu gäben, denn was unternimmt man nicht in der Noth. Meiner Schwester Engagement nach Strahlsund ist fest und hat sich so verzögern lassen, daß wir erst zum 15ten Sept. dazusein brauchen. Da wäre nun wieder Raum zu spekuliren und zu hoffen.

Ich habe in diesen Tagen auf der Folter gelegen; allerlei Vermuthungen, wie sie mir bald die Furcht, bald die Hoffnung eingab, gingen mir durch den Kopf. Ich konnte es nicht unterlassen, mich auf der Post zu erkundigen, ob Briefe an Sie auch sicher bestellt seien? Die Antwort war beruhigend und ich schrieb an meinem Drama. Nun es fertig ist, erwache ich aus einem Traume und sehe besorgt um mich. Verzeihen Sie meiner Ungeduld, stets schwebe ich in Angst, Sie möchten unsrer schon überdrüssig sein oder es doch alle Augenblicke werden. Meine Schwester nimmt sich die Freiheit selbst an Sie zu schreiben und auch ich hätte Sie noch nicht belästigt, wüßte ich nicht, daß ich in einem meiner Briefe Ihnen geschrieben, wir könnten schon zum 1sten Sept. fort sein. Nun fiel es mir ein, daß Sie dann nicht wissen würden, wo wir eigentlich stecken, falls Sie uns mit einigen Worten beglücken wollten. Bei den Karten sucht’ ich nach alter Angewöhnung auch schon Trost, fand aber keinen sonderlichen, denn sie sprechen in der letzten Zeit nur von Unwohlsein und Fehlschlägen, die Sie in Gedanken führen sollen.

Gott wende alles zum Besten, erwerbe oder erhalte mir Ihr Wohlwollen.

Hochachtungsvoll

Ihr

ergebenster

v. Skepsgardh.

[S. 42]

III.

Berlin, d. 12ten Septbr. 1843.

Hoch-Wohlgeborner Herr,
Sehr geehrter Herr Geheimrath
.

Ihr geneigtes Schreiben vom 11. d. M. habe ich so eben durch Ihren Herrn Bruder erhalten, und das Unerwartete hat mich, ich muß es gestehn, mit Trauer und Verzweiflung erfüllt. Als Sie mir das Manuskript, über dessen ersten Theil Sie sich selbst lobend ausgesprochen, immer noch nicht zurückschickten, mußte ich glauben, der 2te Theil, den ich ganz nach Ihren Anweisungen umgeändert, habe Ihnen auch gefallen und Sie seyen geneigt, dem Lebensgange eines Sie in Ihren Schriften so sehr verehrenden Dichters auf Kosten einer bagatellen Unbequemlichkeit Ihrerseits, einen plötzlichen Schwung zu geben. Denn wenn Sie schon einigen Ihrer Freunde ähnliche Bitten abgeschlagen, so sind Freunde eines Dichters nicht immer auch Dichter. Meine Hoffnung wuchs, je längere Zeit Sie mir durch Ihr Schweigen ließen die Gründe zu überdenken, die Sie meinen Wünschen gemäß stimmen mußten. — Ich bedachte, daß Sie meiner Schwester hilflose Lage kennten, daß ich in meinem Schreiben Sie gebeten, im Nichtgewährungsfalle mich nicht lange in Ungewißheit zu lassen. Demungeachtet schwiegen Sie. Meine Schwester hatte ein Engagement bekommen; und ich verhehlte Ihnen nicht, wie ich Ihre Vorrede und das Manuskript benutzen wolle, um ihr die Mittel zur Hinreise nach ihrem Bestimmungsorte und die erste dortige Existenz zu sichern. Sie schwiegen. Da glaubte ich Sie hätten mein Manuskript an einen befreundeten Buchhändler geschickt und warteten auf Antwort, die uns aus der Noth helfen sollte. Ich schickte Ihnen noch ein in ¼ Stunde durchlesbares[S. 43] Werkchen und bat um Antwort. Sie schwiegen. Der Tag an dem meine Schwester abreisen soll, rückte immer näher, da ging ich zu Ihrem Herrn Bruder, um mich zu erkundigen. So bin ich endlich so glücklich von Ihnen einen Brief zu erhalten und lese: Sie haben nicht Zeit u. s. w. Das auf alle meine, meiner Schwester vertrauungsvolle Briefe eine Antwort! Hätte ich doch mein Werkchen damals gleich an einen Buchhändler ohne weiteres geschickt; ich hätte jetzt schon eine Antwort, die mir Aussichten eröffnete; hätt’ ich es mit der Widmung an den Bankier geschickt, ich hätte nun die für meine Schwester nöthigen Mittel. Jetzt ist die Zeit zu allem zu kurz; meiner Schwester Kontrakt geht den 15ten d. M. an; sie kann ihn nicht halten, das mühsam errungene Engagement ist verloren und sie mit mir dem bittersten Elende Preis gegeben. Hätte ich Sie niemals kennen gelernt, so wäre nun mein Glaube an Göttliches auf Erden fester. Ich bitte nun sehr, mir das Schauspiel recht bald zurückzuschicken, denn trotz der Hölle will ich allein meinen Weg gehn und Werke hinstellen die so lang es eine deutsche Literatur giebt, mich und mein Schicksal in der Menschen Gedächtniß erhalten sollen. Wenn Sie mir durch Ihren Einfluß das erste Auftreten nicht erschweren wollen, so bin ich von dem Edelsinn eines verehrten Dichters hinlänglich überzeugt und werde muthiger mit dem Leben kämpfen. Da ich die Sage, die auch in Ihrer Akkorombona steht, nicht wohl missen kann, so muß ich schon sehn was ich mache, um dem Roman einen Schluß zu geben, der für Sie nicht nachtheilig zurückwirkt. Mit der Bitte um baldige Zurückgabe meines Schauspiels habe ich die Ehre mich zu zeichnen als

Ew. Hoch-Wohlgeboren

ergebenster

v. Skepsgardh.

[S. 44]

Ich bitte es für keine absichtliche Ungezogenheit anzusehn, daß ich den Brief nicht frankire, in diesem Augenblick bin ich es durchaus nicht im Stande. Haben Ew. Hochwohlgeb. die Güte mir mein Manuskribt unfrankirt zuzuschicken.


Solger, Karl Wilhelm Ferdinand.

Geb. am 28. Nov. 1780 zu Schwedt, gest. am 20. Oct. 1819 als Professor an der Universität zu Berlin.

Tieck schreibt: „Im Herbst (1810) hatte T. in Frankfurt a. O. Solger aufgesucht; dafür kam in diesem Jahr (1811) in den Pfingsttagen S. nach Ziebingen, einem Landgute, auf welchem T. damals lebte, und wohnte einige Tage dort. Sie verstanden sich näher, und T., der gegen den ausgezeichneten Mann, wie gegen alle Philologen und Philosophen von Profession, ein gewisses Mißtrauen gehegt hatte, war überrascht, in den meisten und wichtigsten Dingen mit ihm so übereinzustimmen. Tieck brauchte seiner Gesundheit wegen im Sommer das Bad zu Warmbrunn in Schlesien; Solger besuchte mit einem Freunde nur auf wenige Tage das Gebirge und traf den neu erworbenen Freund dort &c. — — denn damals hatten sich die Gemüther der Freunde erst ganz gegen einander eröffnet. Seitdem blieben sie in Verbindung &c.“

Was nach jener für beide Männer glückseligen und beglückenden Epoche aus ihrem Briefwechsel mitzutheilen für zweckmäßig erachtet worden, haben Fr. v. Raumer und L. Tieck in die von ihnen herausgegebenen „Solgers nachgelassene Schriften“ aufgenommen. Das erste an Tieck gerichtete Briefchen, welches da zu lesen steht, ist vom 7. Juni.

Die drei Briefe, welche sich jetzt noch in T.’s Briefsammlung vorfanden, waren (obwohl von ihm für den Abdruck aufbewahrt) ganz unbenützt geblieben.

Der dritte derselben ist gewiß sehr interessant.

I.

Frankfurt a. d. O., den 28sten März 1811.

Wohlgeborener,
Hochzuehrender Herr
.

Verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen auf Ihren mir sehr angenehmen Brief, den ich durch Hrn. Prediger Kadach erhielt,[S. 45] noch nicht früher geantwortet habe. Weckherlin ist nicht auf den hiesigen Bibliotheken, und Schmidts Geschichte der Deutschen war stückweise verliehen, so daß ich nicht wußte, welche Bände ich Ihnen schicken sollte. Ueberdies verlangen unsre Hrn. Bibliothekare, wenn wir in den Ferien verreisen, die geliehenen Bücher von uns zurück, und dieser Fall trifft mich, da ich noch heute Abend nach Berlin reise. Ich muß Sie daher auch bitten, den Petz gefälligst bald wieder zurückzuschicken, und zwar unmittelbar an die Steinwehrsche Bibliothek, oder auch an Herrn Doctor Schwarz, der ihn gern wird an diese gelangen lassen.

Was die Seidelsche Auction betrifft, so muß ich Ihre Commissionen jetzt an jemand anders überlassen, durch den sie aber sicher und gewissenhaft besorgt werden; auch habe ich schon einen beträchtlichen Theil der von Ihnen aufgezeichneten Bücher zu sehr guten Preisen erstanden. Nach meiner Rückkehr melde ich Ihnen das Weitere.

Sie entschuldigen mein flüchtiges Schreiben gewiß mit meiner Eil bei der nahen Abreise. Da ich in Berlin manches zu thun habe, so muß ich in den Osterferien auf das Vergnügen, Sie zu besuchen Verzicht thun, hoffe aber im grünenden Frühjahr, wenn Sie nichts dagegen haben, einige Tage bei Ihnen zuzubringen. Empfehlen Sie mich den Herren Grafen von Finkenstein und der Kadachschen Familie.

Mit der ausgezeichnetsten Verehrung

Ihr

ergebenster

Solger.

[S. 46]

II.

Frankfurt, den 18ten Mai 1811.

Einige Strafe, verehrter Freund, habe ich von Ihnen verdient, daß ich Ihnen nicht früher von Ihrer Commission Rechenschaft abgelegt habe. Sie werden nun sehen, daß Sie die Hauptsachen unter den verlangten Büchern erhalten haben. Den Schelmufsky hätte ich Ihnen wohl noch gegönnt. Brentano und Arnim setzen ihn dem Don Quixote an die Seite. Indessen hat er wirklich seine Meriten. Die Bücher, welche Sie nicht bekommen, sind alle über den von Ihnen gesetzten Preis getrieben worden. Der Commissionär ist einer, der dies kleine Geschäft aus Gefälligkeit übernommen hat. Ich wollte, ich könnte Ihnen hier noch mehr dergleichen Dienste leisten, damit Sie sehn, daß ich nicht immer so nachlässig bin. Meine Reise nach Berlin kam dazwischen, und dann viele Arbeit und mancherlei Unruhe, welche die Verlegung der Universität bewirkt. Ich weiß bis jetzt noch nicht mit Gewißheit, ob ich nach Berlin oder nach Breslau komme. An beiden Orten soll ich ordentl. Professor der Philosophie werden, und da wird mir denn die Wahl schwer; aufrichtig gesagt, gefallen sie mir als Universitätsstädte beide nicht.

Sie sind so gütig, mich an meinen versprochenen Besuch zu erinnern. Da darf ich es wohl wagen, mich selbst zu Pfingsten, wo ich wieder einige Tage frei habe, anzumelden. Ich würde mich sehr freuen Sie zu sehn und den Finkensteinischen Herrschaften vorgestellt zu werden. Auch die Bekanntschaft des Herrn Prediger Kadach, die ich hier gemacht habe, wünsche ich recht sehr fortzusetzen. Haben Sie aber die Güte, mich vorher noch unverhohlen wissen zu lassen, ob ich zu jener Zeit gelegen kommen würde.

Hagen hat erhalten, was Sie ihm gesandt haben; es[S. 47] wundert mich, daß er Ihnen noch nicht geantwortet. Vielleicht geht er auch nach Breslau.

Wie sich das Kind des Herrn Dr. Schwarz befindet, kann ich nicht sagen, da ich ihn in einigen Tagen nicht gesehn habe. Er mag Ihnen wohl durch diesen Boten selbst schreiben.

Mit der vollkommensten Hochachtung nenne ich mich

Ihren

ergebensten

Solger.

III.

Frankfurt, den 1ten Juli 1811.

Verehrter Freund.

Ihre unerwartet frühe Abreise hat mich sehr erschreckt; denn sie beraubt mich in der That des Vergnügens, Sie noch einmal vorher zu sehn. Ich bin auf allen Seiten mit Arbeiten gedrängt, die ich nicht aufschieben kann, und vorzüglich ist daran der Umstand schuld, daß unsre Bibliotheken schon wirklich eingepackt werden. Ich muß die Bücher, die ich daher habe, nun in aller Eil noch benutzen, wenn ich nicht in meinen Vorlesungen stecken bleiben, und in meinen andren Arbeiten ebenfalls zurückkommen will. Haben Sie ja die Güte, mir den Petz sobald wie möglich zu überschicken, da das Einpacken der Steinwehrschen Bibliothek auch schon im Gange ist.

Zürnen Sie mir nicht und glauben Sie nicht, daß ich unempfindlich gegen die Freundschaft bin, mit der Sie mich einladen. Ein Tag oder anderthalb, bei Ihnen zugebracht, hätte uns wieder kaum recht zu Worte kommen lassen. Ich sehe Sie gewiß, wenn Sie von Warmbrunn zurückkommen, es sei nun, daß ich nach Breslau gehe, oder, was jetzt wahrscheinlicher ist, nach Berlin. In diesem Falle werde ich Sie ja wohl einmal im Winter dort[S. 48] sehn, und habe auch nicht so weit zu Ihnen. Die Reise werde ich mich nicht verdrießen lassen. Wofür lebt man denn, wenn man nicht für den Genuß lebt, den ein offenes und gründliches Gespräch gewährt? Und wie selten ist jetzt leider dieser Genuß! Ich schätze es für ein wahres Glück, in Ihre nähere Bekanntschaft gekommen zu sein; meine Verehrung hatten Ihre Werke längst besessen, und ich sage aus eben diesem Grunde nicht mehr davon. Ueber manches davon aber in Zukunft mit Ihnen selbst zu sprechen, würde mir sehr wünschenswerth sein. Darf ich so viel Anspruch auf Ihre Mittheilung machen, so lassen Sie uns von Zeit zu Zeit gründlich correspondiren; ich wünschte so sehr, daß Sie mich nicht wieder vergäßen.

Sie erhalten beide Bände der old plays wieder; ich habe sie aber nicht alle lesen können wegen Mangel an Zeit. Der K. John hat sich ganz in meiner Gunst erhalten. Es ist auch in der Sprache eine Frischheit und einfache Kraft, die recht erquickt. Ich bin höchst begierig auf ihre Entwickelung der verschiedenen Bildungsstufen von Shakespeares Karakter. Wenn ich den alten John mit dem neuen vergleiche, so sehe ich recht deutlich, daß eine Welt dazwischen liegt, und daß sich allein darüber etwas höchst Belehrendes sagen läßt. Bei diesen Untersuchungen wird erst recht klar werden, was nicht allein romantische, sondern was auch moderne Poesie ist, und welch ein Wendepunkt der Protestantismus und seine ganze Lebensansicht war. Sie werden gewiß nicht unterlassen alles dieses mit einander in Verbindung zu setzen. So muß Shakespeares Geschichte allein eine Geschichte einer ganzen Hauptgattung der Kunst werden. Ich erwarte, was Sie über die Einmischung der sogenannten komischen Scenen sagen werden. Die Scene mit den Mönchen hat doch wohl einen himmelweit verschiedenen Karakter von allen anderen der Art. Ich habe über jenes Komische meine eigne Theorie, und glaube, daß es ganz denselben Ursprung hat mit jenen Reflexionen, worin die moderne[S. 49] Poesie oft so tiefsinnig die inneren Gründe der Dinge zum Bewußtsein zu bringen oder wenigstens zu berühren sucht, und woran ich in allen wahren Dichtern neuerer Zeiten einen großen Reichthum finde. Sie werden verstehn, was ich mit Reflexionen meine, nicht solche, wie Schillers Chor in der Braut von Messina anstellt. Hätte ich den K. John noch einmal aufmerksam lesen können, so würde ich über die Sprache noch einiges bemerkt haben; so kann ich Ihnen nur sagen, was mir ganz zufällig aufgefallen ist. Außer ywropt und yspilt finde ich auch noch ymixt p. 303. Ob im gewöhnlichen Shakespeare auch It little skill’d (wie hier S. 285), und mickle für much (wie hier S. 290) vorkommen, ist mir nicht recht erinnerlich. Aber Traitorisme (hier S. 293) glaube ich in ihm nicht gelesen zu haben, und auch nicht every whit (hier S. 285), obgleich oft genug not a whit. Der alte Lear hat mich sehr ergötzt. Sie haben Recht, man muß sich in Acht nehmen, daß einem so etwas nicht zu sehr gefällt; denn ich glaube wirklich, daß bei uns etwas Sentimentalität ins Spiel kommt, wenn uns diese alte Einfalt so sehr rührt. Indessen ist hier auch die Sprache über meine Erwartung gebildet; es ist im Ausdruck nichts zu viel und zu wenig; nur die Sache ist dargelegt. Die Handlung geht etwas ungleich und stockt zuweilen. Besonders bewundre ich die weise Sparsamkeit in der Darstellung der Cordelia, und den glücklichen Zug darin, den ihr scherzendes Gespräch mit dem Mumford bildet. Dieses erquickt recht das Herz; Cordelia wird uns dadurch so menschlich, und kein bloßer Tugendspiegel. Doch dies letzte ist wohl zu viel gesagt. Wie rührend ist der Ausdruck, um den sich das ganze Stück dreht: what love the child doth owe the father? Auch überraschen recht die Stellen bei der Wiedererkennung, die Sie auch ausgezeichnet haben, durch die große Einfalt, wenn man gleich keinen pathetischen Erguß erwarten konnte.

Doch ich fürchte, mich zu weit zu verlieren. Grüßen Sie[S. 50] Ihre Frau und Kinder und das ganze Haus, besonders Kadachs. Graf Alexander liegt in meinem Hause traurig danieder. Ich besuche ihn so oft ich darf; denn der Arzt verbietet ihn zu viel zu beschäftigen. Ich hoffe, daß es noch ziemlich gut mit ihm ablaufen wird. Was haben Sie zu dem Vorfall gesagt, der den Herrn Präsidenten betroffen hat, und die anderen Herren? Ich gestehe Ihnen, daß ich über manches anders denke, als diese Herren, vorzüglich in Beziehung auf die Lage der Zeit; sonst achte ich ihren Eifer für das Interesse ihres Standes recht sehr. Herr v. Raumer, gegen den jetzt viele Angriffe gerichtet sind, ist mein genauer Freund. Er ist ein geistreicher und edler Mann, und hat in vielen Stücken Recht, die nicht überall erkannt werden; aber ich leugne weder mir noch ihm selbst, daß er oft nicht Maaß hält, und sich selbst Schaden thut. Ueber diese Sachen ist indessen viel zu sagen.

Die heilsamste Wirkung, die das Bad von Warmbrunn haben kann, möge Ihnen im vollsten Maaße zu Theil werden. Behalten Sie lieb

den Ihrigen

Solger.


Staegemann, Friedrich August von.

Geb. am 7. November 1763 zu Vierraden in der Uckermark, gestorben am 17. Dezember 1840 in Berlin.

Historische Erinnerungen in lyrischen Gedichten (1828.) — Erinnerungen an Elisabeth (1835.) — Erinnerungen für edle Frauen, 2 Bde. (1846.). — Der hohe Staatsbeamte, der Stein’s und Hardenberg’s Vertrauen besaß, hat auch während seiner einflußreichsten Epochen niemals verschmäht, sich als Sänger unter die Sänger zu mischen, und anspruchsloser Geselligkeit mit Gelehrten und Schriftstellern zu leben. Gleich Nicolovius, Streckfuß u. A. gehörte auch Er zu den Mit-Stiftern und Gründern des von Hitzig ins Leben gerufenen Berliner Litteraria, die denn auch sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum (1835) festlich begangen hat.

[S. 51]

I.

Berlin, d. 10. August 20.

Hochverehrter Freund!

Es war eins meiner ersten Geschäfte bei meiner Zurückkunft, von der Lage Ihrer Angelegenheit vollständige Kenntniß zu nehmen. Die Sache verhält sich so: Es ist unstreitig Koref ein Ernst gewesen, Ihnen hier eine angemessene Stellung zu verschaffen, und sein erstes Augenmerk war, wie Sie wissen, auf die Akademie der Künste gerichtet. Die Schwierigkeit, die sich hierin hervorgethan, indem Herr von Altenstein eine vollständige Reform der ganzen Organisation beabsichtiget, und hiervon Ihre Anstellung abhängig gemacht, — welches aus mehren Gründen eine sehr langsam reifende Frucht getragen haben wird — scheint Koref’s Plan, Ihnen vorläufig ein Wartegeld auszuwirken, um Ihnen einen festen Standpunkt zu sichern, hervorgebracht zu haben. Hier kann ich aber nur sagen, es scheint, weil darüber keine Verhandlungen bei den Akten sind, sondern sich Alles in seiner Verwahrung befindet, und seinen Reden nicht immer Glauben geschenkt werden kann. Bevor er aber diesen Plan vollführen konnte, wozu freilich nicht jeder Zeitpunkt geschickt ist (obwol er mir von Zeit zu Zeit versicherte, der König habe bereits den Antrag des Herrn Fürsten Staatskanzlers genehmiget), traten unsre neuen Finanz-Discussionen ein, die ihn befürchten ließen, daß sein Plan gar keinen Eingang finden werde; er glaubte daher die sich ihm darbietende Gelegenheit, Ihnen das Gehalt der Professur des seligen Solger zu verschaffen, ergreifen zu müssen, wobei er voraussetzte, daß Sie die Pflichten dieser Professur durch einige Vorlesungen in der Woche, über Gegenstände der Wissenschaft und Kunst nach eigner Wahl, ohne Beschwerde würden erfüllen können. Diese Voraussetzung wurde durch das Urteil unsrer akademischen[S. 52] Philister über Solger, den sie nur für ein fünftes Rad am Wagen hielten, begünstigt.

Ich habe mir diese Tage die Sache nur aus den Gesprächen mit Koref, auf dessen Reden an sich, rücksichtlich der Wahrhaftigkeit, nicht viel zu geben ist, und mit Nicolovius, abstrahirt. Koref fügte hinzu, daß, da Sie auf den Antrag gar nicht geantwortet hätten, er die Sache als abgethan habe ansehn müssen. Nach Nicolovius ist inzwischen zwar über Solgers Gehalt verfügt, nicht aber über die Professur, so daß Sie noch immer würden eintreten können, wenn die Rücksichten, die Sie mir mündlich mitteilten, nicht dagegen entschieden. Die Vorlesungen selbst könnten Sie auch nach Nicolovius Meinung sich mit voller Bequemlichkeit selbst einrichten, da es nur darauf ankommt, Ihnen einen Fuß in den Bügel zu verschaffen. Herr v. Altenstein wird hiezu gern die Hand bieten, besonders, da es scheint, daß Sie die Gunst des Kronprinzen für Sich haben, mit dem er vielleicht in andrer Weise zerfallen ist. Das Gehalt wird wieder angewiesen. Den Plan, Ihnen auch ohne die Annahme der Professur vorläufig ein Wartegeld zu verschaffen, müssen wir jetzt, wie die Sachen dermalen liegen, und in Rücksicht auf die Persönlichkeit des Königs, unstreitig aufgeben. Können Sie daher Ihre Bedenklichkeiten gegen die Annahme der Solgerschen Professur überwinden, so will ich bei Herrn von Altenstein sogleich das Weitre einleiten. Vielleicht machen Sie mich mit Bedingungen bekannt, unter denen Sie sich geneigt erklären könnten; ich bin im voraus versichert, man wird Ihnen Alles zugestehen, und Sie sehr bereitwillig in eine Lage setzen, in der Ihre literarische Thätigkeit durch den Amtsberuf zu Vorlesungen nicht im geringsten beeinträchtiget wird. Kurz, man wird Sie gern so setzen, daß das Gehalt, wenn auch nicht dem Namen, doch der That nach, ein Wartegeld seyn wird, und die Zeit wird, wenn Sie nur erst[S. 53] hier und in einer Art von Praxis sind, bald herbeigeführt werden können, Sie nützlicher und für Sie einträglicher zu beschäftigen. Daß dabei auf Ihre Gesundheit immer eine Hauptrücksicht genommen werden müsse, versteht sich von selbst.

Die anderweite Organisation der Akademie ist, wie Herr von Altenstein selbst äußert, im weiten Felde. Er scheint sie ganz aufzugeben; indeß bin ich dieser Meinung so wenig, daß ich vielmehr glaube, der König sei für diese Maasregel noch am ersten zu gewinnen. Nur müssen die Künste einen kräftigern Fürsprecher haben, als Herr von Altenstein zuweilen ist. Immer, kann ich keinesweges behaupten. Sie selbst würden darauf einwirken können, wenn Sie hier sind. — Sie hatten sich vorgenommen, selbst an Herrn v. Altenstein zu schreiben, und ich würde jetzt noch mehr dazu rathen, als ich es mündlich in Dresden schon gethan, sobald Sie sich über die Annahme der Professur entschieden haben. Denn wenn es für diesen Zweck auch wesentlich nicht erforderlich seyn würde, so dürfte es doch schon für eine verbesserte Stellung in Ansehung des Gehalts von Nutzen seyn. Ich erinnere mich aber besonders noch aus frühern Jahren, welchen Eindruck ein Schreiben Adam Müllers, der damals in die dermalige Verkehrtheit noch nicht übergegangen war, obschon auf dem Wege dazu, auf ihn machte, und mit welcher Wärme er sich zu seinem Beschützer erklärte. Müllers Dialektik hatte nur wenigen Theil.

Ich sehe Ihrer gütigen Antwort baldmöglich entgegen und empfehle mich unter Versicherung der unveränderten Hochachtung und treuen Ergebenheit in Ihre freundschaftliche und wohlwollende Erinnerung

Staegemann.

[S. 54]

II.

Berlin, 21. Mai 1836.

Verehrungswürdiger Freund!

Ich bin nach dem Tode meiner verewigten Frau von unsern Töchtern beredet worden, einen Theil meiner, ihr gewidmeten Gedichte, die sich ein halbes Jahrhundert hindurch schlugen, in handschriftlicher Form drucken zu lassen, und so ist die Sonetten-Samlung entstanden, deren beiliegendes Exemplar wohlwollend anzunehmen ich Sie freundschaftlich bitte. Entschuldigen Sie geneigt, daß es später geschieht, als billig. Es kam mir aber vor, als ob solche kunstlose Herzens-Ergießungen, die nur der bis zum lezten Hauch angebeteten Freundin gefallen wollten, in ihrer zum Theil veralteten Erscheinung sich unter die Augen von Kennern schicklich nicht wagen sollten. Auch haben die rühmenden Anzeigen in einigen Zeitblättern meine Scheu keineswegs beseitigt, da ich sehr wohl weiß, was davon zu halten ist, wohl aber hat ein Brief von Schlegel aus der neuesten Zeit mich ermuthigt, auch in Ihre Erinnerung durch diese Mittheilung mich um so mehr zurückzurufen, als meine selige Frau sich zu Ihren Freundinnen zählte, und dessen besonders würdig war. Ich habe von jeher eine Abneigung gehabt, von meinen poetischen Productionen etwas drucken zu lassen, weil ich die Stunden, die ich daran gewendet, fast jederzeit den drückendsten Amtsverhältnissen habe abringen müssen, woraus niemals etwas Rechts werden kann, und nur der Haß gegen die Napoleonische Zeit und der Widerwille gegen die konstitutionellen Himmelsstürmer hat mich, zu meinem eigenen, nachmaligen Aerger, in Bewegung bringen können, da mein Gemüth ganz andre Neigungen hat, wie ich unter den Gedichten an meine selige Frau noch aus dem December 1805 eines vorgefunden habe, worin es heist:

[S. 55]

mein Kriegs-Lied ist ein zart Sonett
Auf Amors sanfte Macht;
mein Feldgeschrei: „Elisabeth“
Bei Tag’ und stiller Nacht.

Die Zeit hat es anders gefügt, bald nach jenem December.

Meine Tochter Hedwig empfiehlt sich mit mir Ihrem wohlwollenden Andenken. Unter Versicherung der treusten Verehrung und Ergebenheit

Staegemann.


Steffens, Henrik.

Geboren am 2. Mai 1773 zu Stavanger in Norwegen, gestorben am 13. Febr. 1845 in Berlin.

Ueber die Idee der Universitäten (1809.) — Ueber geheime Verbindungen auf Universitäten (1835.) — Die gegenwärtige Zeit und wie sie geworden, 2 Bde. (1817.) — Die Carrikaturen des Heiligsten, 2 Bde. (1819–21.) — Anthropologie (1822.) — Von der falschen Theologie und dem wahren Glauben (1824.) — Wie ich wieder Lutheraner wurde (1831.) — Was ich erlebte, 10 Bde. (1840–45.)

Romane: Die Familien Walseth und Leith, 3 Bde. (1827.) — Die vier Norweger, 6 Bde. (1828.) — Malcolm, 2 Bde. (1831.) — Novellen &c. &c.

Daß der edle Norweger niemals ganz richtig deutsch lernte, und dennoch einer der begeisterndsten Redner in deutscher Sprache gewesen ist, wissen Alle die einst so glücklich waren, seine collegia zu hören. Was er für den Druck schrieb, ist durch nähere Freunde, oder durch den Hrn. Verleger von allerlei „physisch statt psychisch, Muscheln statt Muskeln, mir’s — mich’s — ihm’s — die’s“ &c. &c. gesäubert worden, wie’s recht und billig war. Seine Briefe, aus denen der Mensch zum Menschen aus der Ferne spricht, wollten wir nicht korrigiren. Mögen sie gedruckt werden, wie sie sind; mögen sie Lesern, die seine Hörer gewesen zu sein sich heute noch freuen, das lebendige Bild des theuren, edlen Verstorbenen recht lebhaft in’s Gedächtniß rufen, mit seinen Schwächen, — mit seiner Größe, seiner unwiderstehlichen Persönlichkeit; ja, mit all’ den Erinnerungen aus einer mit ihm begrabenen Zeit!

Hatte er sie — und sich doch fast schon überlebt, bevor er starb. Wohl[S. 56] ihm, daß er noch zu rechter Stunde die Augen schloß! Wir hätten sonst wohl gar auch hören können, wie der erste Freiwillige von 1813 fünfunddreißig Jahre später mit splendiden Katzenmusiken bedacht worden wäre! Derselbe Steffens, der im Jahre 1809 als Professor in Halle die Idee der Universitäten jener napoleonischen Zwingherrschaft in den Bart geworfen.

I.

Tharand, d. 22. Jul. 1801.

Theuerster Freund!

Da das Wetter Ihnen kaum erlauben wird, sobald hier hinauszukommen, auch mir in Tharand gefangen hält, so muß ich nothwendig ein Mittel ersinnen, mir wenigstens, so gut es gehen will, von ihrem Treiben und von dem Befinden ihrer Familie kurze, jedoch gründliche Nachricht zu verschaffen. Ich kenne in der That nichts grausameres, als einen Mantel in solchem Wetter zu behalten, und schicke Ihnen daher den Ihrigen, mit dem verbindlichsten Dank (NB. Lebensart) zurück. — Auch drey Strausfedern folgen hiermit. Bitte mich gehorsamst ein paar Volksmärchen aus, welche richtig, nachdem ich sie consumirt habe, wieder zurückgeschickt werden sollen.

Uebermorgen erhalten Sie einen cabbalistischen Aufsatz. Mein Genius hat mir wieder angesprochen und mir — wahrlich sonderbare Dinge von 1–2–3–5 aus 7 zu 3–7 aus 2 zu 5 — das vernünftige Decimal- und das mystische Duodecimalsystem entdeckt. Ich glaube, daß sie selbst sich ergözen werden über das Zählen der Natur — das bedeutender ist, als man glaubt. — Ich werde recht zum Schreiben getrieben und bin jetzt, natürlich, nur wenig gestört. Wie wünschte ich bey Ihnen zu seyn. — Vieles würde sich in Gesprächen leicht entwickelt, was mir jetzt entgeht. —

[S. 57]

Sie können — alle Tage — mit der Botenfrau, die diesen Brief bringt — ein paar Zeilen nach Tharand spediren. —

Diesmahl bitte ich mir wirklich aus, daß Sie mir mit ein paar Zeilen schreiben: wie Sie und Ihre Familie sich befindet: ob Gustav noch krank ist.

Grüßen Sie die Madem. Hanna, Dorothea, Elisabeth Reichard, und sagen Sie Ihr, daß mein Genius mich ihre Hand im Traume gezeigt hat, daß ich ihr ganzes zukünftiges Schicksal kenne und — daß Sie erstaunen wird — so wenig hilft es sich zu sträuben. — Ich freue mich darauf die Hände, die ich nicht sehen darf, wenigstens mit zugemachte Augen, küssen zu dürfen.

Leben Sie wohl und grüßen Sie Ihre Frau recht sehr.

Steffens.

II.

Halle, d. 3. Junii 1802.

Bester Freund!

Ich muß Ihnen nothwendig von hier aus schreiben, und wähle dazu lieber einen jungen Menschen, der wenigstens nicht stören wird, wenn er einige Stunden in Ihrem Hause zubringt, und mancherley sagen kann, was zu schreiben zu weitläufig wäre. Die bewußte Sache, die ihm, wie ich glaube, unbekannt ist — (obgleich man hier in Halle feine Nasen zu haben scheint), erwähne ich nur, um Ihnen zu sagen — daß ich jetzt überaus glücklich bin. — In ein paar Tage reise ich weg, um Tag und Nacht nach Copenhagen zu eilen. Ich erwarte — wenigstens in Copenhagen ein paar Zeilen von Ihnen zu finden, um zu erfahren, wie Sie und Ihre Familie sich befindet. Sie werden mir verzeihen, wenn die neue Freude — die ich erst seit gestern kenne — mich verhindert weitläuftig zu seyn. Aus Hamburg schreibe ich einmahl[S. 58] einen Brief. Grüßen Sie Ihre Frau — Mamsel Alberti und Dorothea. Ich habe mir vorgesezt alles so in Ordnung zu bringen, daß ich in ein 5–6 Monathe wieder in Deutschland sein kann. Wie freue ich mich darauf, Sie und Ihre Familie dann wieder zu sehen. An den nordischen Sachen werde ich gleich Hand legen. Sie sollen mir in dem fremden Vaterlande in Ihre Gesellschaft bringen. Ihre Schwester und Bruder sind doch noch in Dresden — und kennen mich doch hinlänglich um einen Gruß von mir annehmen zu können?

Verzeihen Sie mir die Verworrenheit des Briefes und leben Sie nochmahls wohl.

H. Steffens.

Sie wissen wohl daß Fr. Schlegel die Aufführung des Alarcos noch abgewartet hat bey Goethe? — Der Teufel hole sonst die vornehme Art, mit welche man hier über Kunst urtheilt. — A. W. Schlegel ist wohl abgereist? Der Ueberbringer dieses Briefs heißt Rotte, ist aus Lübeck und ein Stiefsohn der Doctorin oder der Doctor Schlösser. —

III.

Hildesheim, d. 24. December 1806.

Lieber Tieck!

Auf eine erfreulichere Weise konnte ich, in so bedrängten Zeiten nicht Nachricht von Dir erhalten. Ich gestehe, daß es mir leid that zu erfahren, daß Du mir so nahe vorbeigereist warst, indessen wußte ich wohl, daß Du mich nicht vergessen hättest, und die Art, wie Du Dir meiner wieder erinnerst, ist mir die angenehmste. —

Ich will Dir alles schreiben, und wirst sehen, daß es meine Absicht keinesweges ist, Deutschland zu einer Zeit zu verlassen,[S. 59] die vielleicht bedenklich ist, aber meine Thätigkeit und meinen Wirkungskreis doch nicht aufhebt. —

Als in Halle die Universität gestöhrt war und ich nun ohne Unterhalt war, schrieb ich an meine Brüder und bath sie sich zu erkundigen, ob ich in dem Falle, wenn alles hier unglücklich gienge, eine Anstellung in Dännemark erwarten konnte. Meine Brüder, über meine Lage nach meinen Nachrichten, und noch mehr durch das Gerücht erschrocken, wandten sich unmittelbar an den Kronprinzen, der wiederholt sagte: ich möchte nur zu Hause kommen, auch Schimmelmann ließ mich bitten zurückzukehren. Der Kronprinz both mir Reisegeld an und Schimmelmann schickte mir eine Summe. Das königliche Reisegeld nahm ich nicht an, um nicht gebunden zu sein. — Nach dem aber, was geschehen war, sahe ich es für nothwendig an, mich in Dännemark zu stellen. Kehrte ich nach einer solchen Aufforderung nicht zurück, so würde ich alle meine Aussichten in meinem Vaterland auf immer vernichten. Nun bin ich aber wirklich Däne, kann nie aufhören es zu sein, und bin der Regierung große Verpflichtungen schuldig, auch habe ich eine sehr große Neigung Norwegen zu untersuchen und ein Plan wissenschaftlicher Beobachtungen, den ich längst entworfen habe, von der Regierung unterstützt, dort zu realisiren. Ferner habe, wie es sich nicht leugnen läßt, in Dännemark mächtige Feinde, aber auch mächtige Freunde (wie der Kronprinz und Schimmelm.), beides aber macht meine Lage dort sehr interessant und wenn ich die gegenwärtige Umstände, die mir in einer unmittelbaren Verbindung mit dem Kronprinzen bringt, benützen wollte, so leidet es keinen Zweifel, daß ich mir ein schönes Loos in Dännemark bereiten könnte.

Dieses alles habe ich genau erwogen — auf der andern Seite aber fühle ich es wohl, daß ich zum deutschen Docenten gebohren bin, daß die Freiheit der Gesinnung, die tiefe Empfänglichkeit der Schüler in meinem Vaterlande nicht zu[S. 60] erwarten ist, daß ich wahrlich unglücklich sein würde, wenn ich nicht an dem, was jetzt geschehen soll, Theil nehmen könnte. Endlich finde ich es schlecht in so bedenklichen Zeiten seine Stelle zu verlassen — und dies hat bei mir entschieden. — Ich weise alle Anträge in Dännemark bestimmt ab, und habe dieses dem Massov schon geschrieben. Ich kann es thun, ohne den Kronprinzen zu beleidigen. Ich stelle ihm nur vor, daß sein Unterthan, daß ein Norweger, dessen Landsleute durch die Treue gegen ihren Fürsten berühmt sind, seinen Fürsten in der Noth nicht verlassen darf, und kenne unsern Kronprinzen genug, um zu wissen, daß er meinen Entschluß in Halle jetzt zu bleiben, sehr billigen wird. Schimmelmann, dessen große, wahrhaft deutsche Gesinnung, mich durchaus fassen wird, wird mich sicher unterstützen. — In Kopenhagen ist mir ein Oncle gestorben, der mir 800 Rthlr. hinterließ, diese hebe ich zwar erst nach dem Tode der Witwe, aber die Erbschaft ist gerichtlich gemacht, und werde wahrscheinlich Geld darauf heben können. Ich lasse dann Hanne und Clärchen mit hinlänglichem Gelde versorgt, bei Grosmutter in Hamburg, und gehe selbst wieder nach Halle, lebe da als Student und ernähre mich selbst. Das Aergste ist die Ungeduld meiner verarmten Creditoren, die mich entsetzlich peinigt.

Für Dein schönes Anerbiethen, mir im südlichen Deutschland nützlich zu sein, danke ich Dich sehr — wenn alle Stränge reißen, gehe ich doch lieber nach dem südlichen Deutschland als nach Dännemark, wenigstens in den ersten vorliegenden Jahren. An Schelling schreibe ich noch heute.

Daß Du jetzt wieder in Deutschland bist, ist mir unendlich lieb, und ich zweifle gar nicht daran, daß wir bald etwas schönes und großes von Dir erfahren werden, denn die poetischen Laffen haben einen in der letzten Zeit doch zu sehr mit der neuen Zeit zugesetzt. — Ich habe mich recht darnach gesehnt, Dich in Sandau zu besuchen, die süße Dorothee[S. 61] mit ihrer Mutter, und die kleine Agnes zu sehen, und halb war es schon beschlossen. Es ist mir recht lieb, daß Dir Oehlenschl. gefällt, wenn er seine unmäßige Eitelkeit bekämpft hat, wird gewiß etwas ungewöhnliches aus ihm — neben die krankhaften Figuren, die Sonetten fabriciren, ist seine gesunde und frische Natur wohlthuend. — Grüß Malchen, die Finkensteins und Burgsdorf recht sehr. Dein lieber Brief hat mir viele Freude gemacht, und ich hoffe, daß Du Wort halten und bald antworten wirst — Hanne schreibt noch etwas. Adieu.

H. Steffens.

Ich schreibe Euch bestimmt aus H. recht lang.

Hanne.

IV.

Breslau, d. 23. Febr. 1812.

Liebster Tieck! und liebe, herrliche Tante! ihr müßt nicht zürnen, daß ich so lange nicht geschrieben. Deinen Brief zu beantworten erfordert eine Art von Ruhe, die ich hier nicht gefunden habe, wo mir alles nach außen treibt in zerstreuende Geschäfte. Ich habe leider etwas schlechtes, wenn auch nicht ganz Unnüzes angefangen, nehmlich ein mineralogisches Handbuch. Der erste Theil ist schon gedruckt, und der zweite und dritte Theil müssen noch in diesem Jahre fertig sein, denn ich habe Vorschüsse und die Verlegerin quält. Dann habe ich hier eine neue Professur und muß mich zu Vorlesungen vorbereiten, die ich nie hielt, dann nehmen mir meine jezige Vorlesungen viel Zeit weg — (Ich habe einige neunzig Zuhörer, bestehend aus Beamten und aus Bürgern der Stadt, für die Studenten muß ich abgesondert lesen) — dann ist meine Theorie der chemischen Erscheinungen, streng wissenschaftlich, nun so weit gediehen, daß es Zeit ist sie bekannt zu[S. 62] machen und einer ernsthaften Prüfung zu unterwerfen, auch meiner Stellung wegen — endlich muß ich das hiesige physikalische Institut einrichten, 1000 Rtlr., die mir zugestanden sind, in Instrumente u. s. w. verwandeln, mit Mechanici, mit Künstler aller Art, mit Glashütten, mit Handwerker mich umtreiben, mit Departement und Organisations-Commission correspondiren, den Bau des mir zugestandenen Locals leiten, den Senatsizungen beiwohnen (der Senat ist hier aus wenigen erwählten Mitgliedern zusammengesetzt), und zu diesem allem kömmt noch, daß ich Präsidial-Assessor einer hiesigen patriotischen Gesellschaft bin, was mir auch einige Zeit wegnimmt. Du glaubtest, daß ich hier im Anfange einsam leben würde. Das ist anders gekommen. Die häufigen Gesellschaften und Verbindungen, in die ich durch meine Vorlesungen gekommen bin, stören mich nicht wenig. Ich habe dieses alles so weitläufig entwickelt, weil es meine vollständige Entschuldigung enthält, und mich rechtfertigen mag, wenn Du auch in diesem Briefe Spuren der Zerstreuung finden solltest. Doch sind alle diese mannichfaltige, sich wechselseitig störende Geschäfte Folgen des Anfangs und werden bald aufhören.

Aber wie lebst Du in Deiner stillen poetischen Einsamkeit? Es freuet uns, daß Du weniger krank bist, wenn auch nicht ganz gesund. Aber die Hoffnung euch diesen Sommer noch zu sehen möchten wir ungern aufgeben. Es ist so schlimm, daß Hanne diesen Sommer nicht hier bleibt, und ich allein zurückbleibe. Wenn Du eine Badereise machen kannst, so würden sich doch einige Wochen für unser Zusammensein finden, hier oder ins Gebirge. Julii wird Hanne in Landeck zubringen, und im August und September, wenn meine Ferien anfangen, besuche ich mit ihr die Albertis in Waldenburg und Schmiedeberg. Lieber Tieck! wenn ihr es möglich machen könnt, so kommt doch her. Das Schreiben ist doch[S. 63] ein kärglicher Nothbehelf — Einen Platz für euch würden wir wohl finden. In der Zukunft zwar bequemer, denn ich erhalte eine recht bequeme Wohnung neben dem physikalischen Apparat, wo ich freilich auch eine wenn gleich mäßige Miethe bezahlen muß.

Reimer hat Recht, wenn er sagt, daß ich früher lieber nach Berlin, als nach Breslau gieng. Es waren nicht bloß meine Freunde, die mich hinzogen, vorzüglich die Sammlungen, die größern Bibliotheken, die lebendigere Verbindung mit der Welt, die einem Physiker immer wichtig ist. Indessen habe ich die Vortheile, die Du anführst wohl erkannt. Die größere Sicherheit, die größere Empfänglichkeit der Einwohner, der noch nicht erstorbene Glaube, die schönere Natur. Auch befinde ich mich hier recht wohl, und die Leute gefallen mir im Ganzen. Die Opposition gegen den Berlinismus ist nicht das Schlimmste hier und trete recht bestimmt gegen diesen auf. Die leere Einbildung dieser Leute war mir von jeher zuwieder, hier vo [4] , wo sie sich noch mehr wie in Berlin aufgeklärt gebildet dünken, und wo die red , etwas rohe , und naive Begierde die der Zeit zu fassen der gegenüber sich recht vornehm und tüchtig ausnimmt.

Dein Wunsch, daß ich an einer poetischen Bearbeitung unserer gemeinschaftlichen Natur-Ansichten denken möchte, und uns so vereinigen, hat mir recht lebhaft die alte herrliche Zeit zurückgerufen, in welcher Liebe und Poesie mein Leben verherrlichte. Ich werde in diesem Augenblick, kurz vor dem Abgang der Post auf eine so unangenehmen Weise gestört, daß es mir unmöglich, was ich eben darüber schreiben wollte, jezt zu schreiben, und länger darf ich Dich doch[S. 64] auch nicht warten lassen — aber gewiß Du wirst recht bald einen Brief von mir haben, Du Lieber! der mir gewesen ist, was keiner mir war, und dessen treue Anhänglichkeit an mich ich wahrlich nie vergesse. — Ich muß schließen.

Dein

Steffens.

V.

Breslau, d. 11. September 1814.

Lieber Tieck!

Seit ich aus dem Kriege bin, habe wenigstens ein halb Duzend Briefe an Dich vollkommen fertig, die unter sich wenig Aehnlichkeit haben mögen — Du wirst aber schwerlich eins davon jemals erhalten, denn keine Zeile ist von allen diesen Briefen niedergeschrieben, und ich kann mir sogar leicht denken, daß wir lange Zeit zusammenleben könnten, ohne daß Du eine Sylbe davon erführst, so angelegentlich es mir auch schien, grade Dir das mitzutheilen, was mich in solchen Momenten lebhaft beschäftigte. Und so mag der Zufall auch über den Innhalt dieses Briefes walten — denn wozu hülfe die Ueberlegung? — Wenn man ununterbrochen in einer Reihe von Jahren in Verbindung geblieben, so führt ein jeder Moment eine bestimmte Richtung des Daseins herbei, den man nur zu ergreifen braucht, um Inhalt und Form der Unterhaltung zu finden.

Aber Du warst mir, durch Schriften und Leben vor langer Zeit überaus wichtig. So deutlich wie auch die alten Töne mir vorschweben, und was wir sprachen, uns dachten und träumten, so hat sich doch seitdem so manches zugetragen, und mich unruhig, oft in wilder Bewegung in so viele, entfernte Regionen des innern und äußern Lebens hingerissen, daß die Faden der bestimmten Unterhaltung alle zerrissen[S. 65] sind, und nur ein allgemeines, unendliches Sehnen, welches eben nichts faßt, nichts Bestimmtes, weil es das ganze grundlose Dasein, in allen seinen Richtungen, dem alten treuen Freunde hingeben möchte — übrig geblieben ist. —

Es war eine wunderliche, ahndungsvolle Zeit, in welcher ich Deine erste Bekanntschaft machte. Aus einem fernen Lande, früh schon durch große Hofnungen und sonderbare Wünsche getrieben, fand ich mich in der Mitte vieler bedeutender Männer, die mich gern aufnahmen, und mit einem großen kindlichen, recht eigentlich absichtslosen Muthwillen ließ ich alle meine Gedanken und Anschauungen, geschenkte und eigene ein loses, leichtes Spiel treiben. Ich denke oft mit inniger Freude daran, und diese Zeit, die mir an Liebe, Freundschaft, geistiger Anregung mancherlei Art so reich war, erscheint mir immer als die Blüthezeit meines Lebens. Was Du mir, wie so vielen, damals wardst, das weist Du — denn so verschieden unser äußeres Dasein auch erscheint, so stimme ich dennoch innerlich mehr mit Dir überein, als mit irgend einem andern, und nachdem die vielen Stüzen, die man mir als Systeme reichte, und die ich gutwillig annahm, und eine Zeitlang benuzte, nun alle in der Ecke gestellt sind, — trat das freiere und dennoch gebundenere innere Leben freudiger hervor.

So gewiß, wie es ist, daß die Zeit, in welcher Goethe und Fichte und Schelling, und die Schlegel, Du, Novalis, Ritter und ich, uns alle vereinigt träumten, reich an Keime mancherlei Art waren, so lag dennoch etwas ruchloses im Ganzen. Ein geistiger Babelsthurm sollte errichtet werden, den alle Geister aus der Ferne erkennen sollten. Aber die Sprachverwirrung begrub dieses Werk des Hochmuth unter seine eigene Trümmer — Bist du der, mit dem ich mich vereinigt träumte? fragte einer den andern — Ich kenne[S. 66] deine Gesichtszüge nicht mehr, deine Worte sind mir unverständlich, — und ein jeder trennte sich in den entgegengesetztesten Weltgegenden — die meisten mit dem Wahnsinn, den Babelthurm dennoch auf eigene Weise zu bauen.

Dann kam der politische Druck und riß mich zum Haß und Wiederstreben hin in einer Reihe von Jahren. Nun ist der riesenhafte Dämon verschwunden, der mich so lange leidenschaftlich gegen sich wafnete, wie das geistige Riesenbild, welches mich mit so unsäglichen Versprechungen lockte — und es liegt nun alles da, wie ein verschwundener Traum. —

Was wären wir, wenn nach einem solchen Traum, uns nichts übrig bliebe, als ein nüchternes Erwachen? ein Dünkel, der sich eben mit seiner Leerheit brüstet, als mit einem neuerworbenen, und ganz eigenen wunderbaren Schaz, dessen Werth zu schäzen nur den erfahrenen vergönnt ist. —

Aber Gottlob! ein Jeder Mensch ist, wie der erste, im Paradies geboren, in seinem Paradies, seine Natur. Ja mit einem jeden Menschen wird ein Gottessohn gebohren, obgleich nur der eine erschienen ist, und das Antliz Gottes in allen verzerrt wird. Der Herbst leistet nie, was der Frühling verspricht, der Mann nie, was das Kind hoffen ließ. — Der Mann will begreifen, nur das Kind kennt den Glauben. — Ja, was ist alle Religion anderes, als der Kinderglaube der Geschichte?

Und so, lieber Tieck! sind mir die Träume meiner Kindheit näher gerückt, und ich glaube an die Natur, und an das Leben, und forsche nach diesem Glauben, und wie er mirs gebiethet, und ich kann Dir kaum sagen, wie innerlich glücklich ich mich fühle in einer Beschäftigung, die wenig von der gewöhnlichen der Physiker sich unterscheidet. Seit ich wieder zu Hause bin, war ich sehr fleißig. Es ist als mahnten mich die Jahre, als triebe mich ein unsichtbarer Geist,[S. 67] der mir keine Ruhe läßt — Es ist ganz das Gefühl, was mir in den schönen Tagen der Freundschaft, der Liebe, der Begeisterung in Dresden belebte.

Und so habe ich nun manches, und nur von mir gesprochen. — Ueber Deinen Phantasus, über Deinen William Lovell möchte ich mit Dir sprechen — und überhaupt, das muß nun ehestens geschehen, denn ich halte es nicht länger aus, und habe noch nie eine solche Sehnsucht gefühlt mit Dir zusammen zu seyn. Meine Frau grüßt — und ich hoffe, daß Deine Frau mich noch so liebt wie in frühern Zeiten — Hanne schreibt Dir bald, und sagt mir, daß ich noch einmahl das Malchen, Dorothee und Agnes herzlich grüßen soll.

Dein

Steffens.

VI.

Breslau, 20t. Januar 1816.

Hochzuverehrender, Wohlgebohrner,
Sehr berühmter Herr!

Es ist mir der angenehme Auftrag geworden, Ew. Wohlgebohrnen zu benachrichtigen, wie die hiesige philosophische Facultät, bei Gelegenheit des Friedens- und Krönungsfestes am 18t. Januar h. a., theils um die Veneration öffentlich kund zu thun, mit welcher sie, wie ganz Deutschland, die hohen Verdienste Ew. Wohlgebohren um die Wissenschaft und um die Poesie, zu schäzen wissen, theils und vorzüglich, um sich selber zu ehren, durch die genauere Verbindung mit einem so berühmten und von Gott hochbegabten Manne, einstimmig beschloß Ew. Wohlgeboren durch ein Ehrendiplom die höchste Würde in der Weltweißheit mitzutheilen, daß Dieselben durch den Redner der Universität, Herrn Consistorialrath[S. 68] Wachler, an dem feierlichen Tage als artium liberalium Magister nec non philosophiae Doctor öffentlich sind proclamirt worden, und daß Sie diese Anzeige als eine vorläufige zu betrachten haben, da möglicherweise, das Ehrendiploma später, als die öffentliche Zeitung, die die Creation publicirt, in Ihre Hände kommen könnte. Wir wünschen nichts mehr, als daß dieser Beweis unserer Hochachtung und Anerkennung Ihrer Verdienste von Ihnen eben so gern möge angenommen werden, als gerne wir ihn dem berühmten und hochbegabten Manne geben.

Mit ausgezeichneter Hochachtung

Ew. Wohlgebohren

ganz ergebenster

H. Steffens.

Nachschrift.

Lieber Tieck! es war mir unmöglich Dir die Doctorpromotion anders als feyerlich bekannt zu machen. Es sollte uns aber sehr lieb sein, wenn Dir dieser kleine Beweis, daß Du unter uns viele Verehrer hast, nicht ganz unangenehm wäre. —

Wir hoffen täglich auf die Möglichkeit nach Berlin zu reisen. Für Hanne wäre das etwas sehr Erwünschtes. Sie würde unter ihren Verwandten, in einem frischen Leben recht eigentlich aufleben. Vor allem wäre es uns deßwegen äußerst angenehm, weil wir dann, wie sich von selbst versteht, mehrere Tage in Zibingen zubrächten. Wie sehr ich mich darnach sehne, kann ich Dir nicht sagen. — Die geschriebenen Worte können uns, nach so langer Trennung unmöglich näher bringen. In Halle kamen wir uns gar nicht nahe. — Zwei trauliche Stunden sind mehr werth als alles. Es müßte wunderlich sein, wenn wir die alte Zeit nicht wiederfänden,[S. 69] wenn Du sie nicht auch in mir erkennen solltest. Etwas dümmer zwar bin ich wohl, wie das die Leute mit den Jahren immer werden.

Hanne grüßt und erwartet einen Brief. Deine Familie befindet sich doch wohl? Grüß Deine Frau und Deine Hausgenossen recht herzlich.

Steffens.

VII.

Breslau, d. 3. Jan. 1818.

Lieber Tieck!

Ich kann Dir leider nur einen sehr kurzen Brief, und Du wirst mir in der That entschuldigen, daß ich überhaupt im Briefschreiben so träge bin. Ich habe diesen Winter ungeheuer viel zu thun. Ich liefere zur Ostermesse zwei Bände, den 3ten Theil meines mineralogischen Handbuchs und die Carricaturen, außerdem lese ich täglich 3 Stunden. Wenn ich des Morgens um 5 Uhr aufgestanden bin, muß ich ununterbrochen bis 4 Uhr Nachmittags arbeiten, nach dem Essen habe ich bis um 7 Uhr Stunden, und dann bin ich so erschöpft, daß in der That ein Brief eine große Anstrengung ist. Ich muß arbeiten, theils weil der Gegenstand der Carricaturen meine ganze Seele in Bewegung setzt, theils, weil ich Geld verdienen muß. — Jetzt bin ich ein paar Tage auf dem Lande gewesen bei einem Freund, komme eben zurück, habe noch eine Vorlesung und schicke die verlangten Bücher mit einem sehr guten Freund, den ich vorzüglich lieb habe, und der Deine Bekanntschaft zu machen wünscht. Es ist Major v. Kanitz, der schon Deiner Familie bekannt ist.

Was Reinegys betrifft, so ist das Buch aus einer hiesigen Leihbibliothek, und ich denke, daß Du mir es wohl nach Verlauf[S. 70] eines Monates wieder zuschicken kannst. Was ich noch von ihm weiß ist nur, daß ich mich erinnere, von Dr. Mackensen gehört zu haben, daß er mit Beireis in geheimer Verbindung war, und daß Mackensen im Leipziger gelehrten Anzeiger Beireis aufforderte, Aufschlüsse über ihm zu geben. Wenn ich das Blatt aufzutreiben vermag, werde ich Dir’s schicken. Auch erzählte er mir, daß Reinegys mit dem Schauspieler Reinicke verwandt wäre.

Die Schriften überschickt Kanngießer Dir und bittet Dich, sie als ein Geschenk anzunehmen. Er hat uns verlassen und ist jezt Professor in Greifswalde.

An Koreff kann ich leider nicht eher schreiben, als nach Hardenbergs Zurückkunft. Er ist jezt, wie Du weißt, in den Rheinprovinzen, ohne allen Zweifel um sich seiner Gesundheit wegen von allen Geschäften loszureißen.

Meiner Reise nach München wegen, lieber Tieck, kannst Du unbesorgt sein, denn es wird gewiß nichts daraus. — Indessen thust Du uns beiden — Schelling und mir — irre ich mich nicht, sehr unrecht. — Schelling ist in den letzten Jahren eben auf einer Stufe gelangt, die äußerlich schwankend, unsicher, ja widersprechend erscheinen müßte; aber redlich ist er im höchsten Grade, und eine tiefe vornehme Natur, fleißig, tiefforschend wie wenige, und wird uns mit dem, was er still sinnend geschauet hat, überraschen. Ich aber bin, bei scheinbarer äußerer Beweglichkeit, leider nur zu unveränderlich, ja ich wollte Gott danken, wenn ich leichter mich in fremde Individualität zu versezen vermöchte.

Lieber Tieck! wie herrlich würde es sein, wenn ich jezt wieder so schöne Tage mit Dir zu verleben vermöchte, wie im Frühling! — Noch immer erscheinen mir die wenigen Tage als die schönsten seit langen Jahren und mit den herrlichsten meines Lebens vergleichbar. — Daß Du mit meinem Buch sowohl zufrieden bist, freuet mich ungemein. Hoffentlich soll[S. 71] das Zweite Deinen Beifall auch erhalten. — Wenigstens denke ich recht oft an Dich, indem ich schreibe, und Du kannst es immer als einen weitläufigen Brief ansehen. Denn über alle Erscheinungen der Gegenwart weiß ich keinen, dessen Ansichten ich so unbedingt huldige, gar keinen, dessen Beifall mir wichtiger wäre.

Ich muß leider schließen. Grüße Deine Frau, die Gräfin Henriette, Dorothea und Agnes recht herzlich. Hanne grüßt.

Steffens.

Ein glückliches Neujahr.

VIII.

Breslau, d. 3. Sept. 1819.

Lieber Tieck.

Indem ein tüchtiger und braver junger Mann, Doctor Müller, der als Professor der griechisch-römischen Archäologie nach Göttingen geht, vorher sich aber einige Wochen in Dresden aufhalten will, verreist, dachte ich Dir recht Vieles zu schreiben. Was soll ich aber machen? Die Zeit läuft so schnell, daß sie den Athem verliert, sie stolpert über ihre eigne unnüze Thaten, die sie immer wegwerfen muß, wenn sie kaum fertig sind, daher kann sie kaum zu Worte, viel weniger zu Gedanken kommen. — Und ich werde nur mit gehezt, weil ich mir mit der albernen Dirne gemein gemacht habe. Mir macht es freilich Spaß, wenn das Volk schreiet wie besessen, besonders ergözt mir ihr Anathema. — Aber etwas schreiben und darstellen für einen Freund in einen Brief, das ist unmöglich. — Du bist jezt in Dresden und gebe Gott, Du bliebst noch ein Jahr da, dann hoffe ich gewiß hinzukommen. — Der Ueberbringer aber ist ein junger Mensch, der mich recht beschämt[S. 72] hat, denn vor 5 Jahren war er noch ein hoffnungsvoller Primaner. In der Zeit wohne ich in derselben Stube, sitze auf dieselben Stühle, ja schnaube die Nase in dieselben Schnupftücher und weiß recht gut, wie ich alle Jahre dümmer geworden bin und mehr und mehr verlernt habe, und in der Zeit ist der junge Mann — immer unter meinen Augen — nur ein Jahr in Berlin, immer gelehrter, immer kenntnißreicher geworden, und die Kenntnisse und die Gelehrsamkeit sind am Ende bis ins Unermeßliche angeschwollen, daß ein Professor in Göttingen hat aus ihm werden können, was mir ganz ungeheuer vorkömmt. So ein Göttinger Professor kömmt mir wie ein alter Rector vor, ich fühle mich gegen ihn wie ein Junge, der seine Lection nicht weiß. — Du wirst Deine Freude haben an dem jungen Mann, der so Vieles in so kurzer Zeit gethan und gelernt hat.

Ich bitte Dich, Gräfin Henriette, Deine Frau und Kinder zu grüßen, ich lebe in der That in der Hoffnung, Dich und den guten Waagen in Dresden zu sehen.

Dein Freund

Steffens.

Und die Berliner haben noch nichts für Dich gethan? Es sieht dem Volke ähnlich.

IX.

Breslau, d. 8. Sept. 1819.

Lieber Tieck!

Ich habe mit vieler Freude erfahren, daß Du jezt in Dresden lebst. Ich denke mirs immer viel leichter dahin zu kommen, als nach Ziebingen, auch würde ein gemeinschaftlicher Aufenthalt mit Deiner Familie, Hanne, Waagen und Hartmann,[S. 73] mich auf eine täuschende Weise in glücklichere Zeiten zurückversezten. Schon diesen Herbst dachte ich nach Dresden zu reisen, aber man läßt mich in Berlin so lange warten, daß ich in große Verlegenheit versezt bin. — Der Grund nun, warum ich diesen Brief schreibe, ist der: Du bist von Max eingeladen Theil zu nehmen an einer kleinen Sammlung Erzählungen u. s. w., die Hagen mit mir ausgeben will. Von mir wird etwas, was Dir vielleicht bekannt ist, über dorische Sagen, was in Büschings Wochenschrift steht — Sagen von Rübezahl, die ich für den Kronprinzen zusammenschrieb — und die Geschichte von der Trauung um Mitternacht erscheinen. Es ist Max viel darum zu thun, Dein Name auf den Titelblatt zu haben, und ich zweifle gar nicht daran, daß Du irgend etwas liegen hast, was Du dazu benutzen kannst. Da ich in diesem Augenblick den Max nöthig habe, der mich aus einer großen Verlegenheit reißen muß, habe ich ihm versprochen, Dich zu bitten, und Du siehst also ein, daß ich die Bitte gewissermaßen in meinem Namen wage. Er wollte die kleine Sammlung zu Weihnachten herausgeben und damit dieses möglich wird, müßte er freilich das Manuscript bald haben. Wolltest Du mir durch ein paar Zeilen wissen lassen, was wir erwarten dürfen und wann? — Er bezahlt gewiß so gut, wie irgend ein anderer.

Grüß die Gräfin Henriette angelegentlichst, ferner Frau, Kinder und Waagens.

Dein

Steffens.

X.

Breslau, 14. Sept. 1819.

Was sagst Du dazu, daß Du nun, in wenigen Tagen drey Briefe von mir erhältst? Max, durch welchen Du diesen Brief[S. 74] erhältst, wünscht nehmlich, daß Dein Beitrag zu unserer kleinen gemeinschaftlichen Unternehmung, nicht zu karg ausfallen mag — wie viel, wird er Dir selbst schreiben. Er glaubte, daß eine Bitte von mir einigen Einfluß haben möchte und ich wage es, dasselbe zu glauben. Du wirst aus allen sehen, daß meine Lage mich gegen ihm in einer Stellung gesetzt, die mir die Erfüllung der Bitte wichtig macht und ich bin so unverschämt, Deine Freundschaft in Anspruch zu nehmen. Grüß alle.

Dein

Steffens.

XI.

Breslau, d. 17. Junii 1821.

Lieber Tieck!

In großer Eile empfehle ich Dir den Ueberbringer — den Schauspieler Löwe[5] den jüngern aus Prag — nicht zu verwechseln mit dem carricaturmäßigen ältern Bruder. — Er ist in der That ein liebenswürdiger Mensch und Du wirst, irre ich nicht, auch den Künstler, wenigstens gewiß sein schönes Streben und seine Bescheidenheit ehren. Er wünscht Dich lesen zu hören. — In der That nicht aus müßiger Neugierde. Ich habe ihm zwar nur wenig gesehen, aber er hat für mich etwas außerordentlich einnehmendes.

Noch hoffe ich Dich im Herbst zu sehen. Grüß alle.

Steffens.

[S. 75]

XII.

Breslau, d. 14t. April 1822.

Lieber Tieck.

Ich befürchte fast, daß Du böse bist — und zwar mit Recht. — Was konnte mich dazu bringen, einen solchen elenden Sudler mit seinen Marktschreiereien zu empfehlen? — Ich würde mich sehr freuen, wenn Du diese Zeilen nicht verstündest. — Es wäre ein Zeichen, daß der Mensch den Brief nicht abgegeben hätte.

Dieser soll Dich dafür wieder mit mir versöhnen. Ich bin überzeugt, daß Du diesen meinen Landsmann, Hrn. Nilsen, sehr lieb gewinnen wirst. Ich kenne wenige Menschen, die mir in kurzer Zeit so lieb wurden. Er ist ein Freund von Möller — ohne seinen anachoretischen Starrsinn zu theilen — wie von Dahl, und obgleich Kaufmann ein sehr vielseitig gebildeter Mann mit einer seltenen Empfänglichkeit und er versteht einem, was immer seltener wird.

Ich gebe ihm ein Exemplar meiner Anthropologie mit. — Ich soll ein Schellingianer seyn, behaupten die Leute und die Recensenten haben schon den Titel gesehen und geschimpft. Ich möchte wohl wissen, ob Du mich auch so nennen willst. Ueberhaupt meine übrige Schriften gebe ich Dir preis. — Dieses möchte ich eben in Deinen Augen gerettet wissen.

Daß ich nicht nach Dresden kommen kann, ist mir unbeschreiblich fatal.

Ganz vertraulich kann ich Dir sagen, daß die philos. Facultät hier Dich dem Ministerio zu einer Professur der englischen, italienischen, spanischen u. s. w. Literatur vorgeschlagen hat. — Noch haben wir keine Antwort. Ich würde mich über alle Maßen freuen, wenn nicht eine doppelte Besorgniß da wäre. — Erstens, daß das Ministerium kaum einen großen[S. 76] Gehalt bestimmt hat, und zweitens — daß Du selbst in diesem Falle die Stelle nicht annimmst. Habe ich mich in beiden geirrt — wer wäre glücklicher als ich. — Grüß Gräfin Henriette, Malchen, Dorothea, Agnes von mir und Hanne recht herzlich.

Dein

Steffens.

XIII.

Breslau, d. 9t. Juni 1822.

Lieber Tieck!

Ich schreibe Dir wieder ein paar Zeilen durch einen Freund. Es ist der Dr. Loebell, der Dich schon aus Heidelberg kennt. Es ist ein sehr gescheuter Mensch und wirklich gründlicher Geschichtsforscher. Ueber mein Leben und Verhältniß kann er Dir Vieles mittheilen, denn er gehört seit 8 Jahren zu meinem vertrautesten Umgang. Er ist genöthigt Preußen zu verlassen und eine, freilich äußerlich günstige Lage als Redacteur des Conversationsblattes anzunehmen, um leben zu können. Obgleich man ihm, als ein kenntnißreichen und vielfältig gebildeten Mann kennt und schäzt, kann er dennoch keine Anstellung hier erwarten, nicht etwa wegen demagogischer Gesinnung, vielmehr umgekehrt, weil das demagogische Consistorium hier, während Untersuchungen gegen ihre Umtriebe, Cabinetsordre die dem Minister eine unerhört willkührliche Gewalt giebt, sich jagen, allein alle Stellen vergiebt und das Ministerium trozt. — Eine Verwirrung die einen verrückt machen kann.

Von Berlin ist keine Antwort auf unsern Antrag Dich hier anzustellen gekommen. Loebell weiß von Allem und kann Dich über alle hiesige Verhältnisse völlig orientiren. So auch über die Lage des Theaters. Vertrauen verdient er durchaus.

[S. 77]

Grüß die Gräfin Henriette, Deine Frau, Dorothea, Agnes. — Könnte ich Euch nur besuchen! Vier Monathe dauert das unglückliche Rectorat noch.

Dein

Steffens.

XIV.

Breslau, d. 5t. Sept. (Keine Jahreszahl.)

Du nimmst mir nicht übel, lieber Tieck! daß ich Dir einen jungen Mann auf seiner Durchreise nach Göttingen zu empfehlen wage. Ich werde es gewiß sehr selten thun und habe es bis jetzt immer ausgeschlagen. Dieser junge Mensch, Hermann Frank, ist aber in der That brav, gescheut und weiß recht viel und sein Vater hat mir Geld geliehen. Er gehört zu denen, die mich öfters besuchen. Morgen reise ich nach Berlin; weil ich muß. Wieder eine Reise, die wenn auch Gottlob! nicht so unangenehm, doch auch mich einer seltsamen Lage versetzt. Ich hoffe mit dieser Reise auf immer mit der verfluchten politischen Welt abzuschließen. Alles ekelt mir darin an.

Die Frau und Clärchen grüßen alle — und wenn Gott will hoffen wir gewiß Euch künftigen Sommer in Dresden zu sehen.

Dein

Steffens.

XV.

Berlin, d. 6t. Octbr. 27.

Lieber Tieck!

Nachdem ich Dir solange nicht geschrieben habe, nehme ich die Gelegenheit wahr, indem ich Dir einen jungen Mann empfehle, dessen Bekanntschaft Dir ohne allen Zweifel sehr[S. 78] angenehm seyn wird. Es ist Hr. Ampère aus Paris, der eine sehr genaue Bekanntschaft unserer ganzen Literatur besizt, und sich ihr mit großer Neigung, ja mit Leidenschaft widmet. Er wird, wie ich denke, Dir schon bekannt seyn.

Ueber dasjenige, was uns — hoffentlich doch nur scheinbar — in der letzten Zeit getrennt hat — schreibe ich Dir jetzt nicht. Daß eine solche Aeußerung die erste war, die von Deiner Seite über mich laut ward, mir nicht angenehm seyn konnte, doch, besonders was meine Ansicht der Religion betrifft, ein seltsames, mir völlig unbegreifliches Mißverständniß von Deiner Seite stattfand, und daß, besonders in Breslau, Dummheit und moderne Verfolgungssucht, als Deine Kritik erschien, triumphirend über mich herfiel — ist leider nur zu gewiß. Indessen gehören Dinge der Art, wie man sie auch betrachten mag — zu den vorübergehenden Erscheinungen des Lebens und dürfen das Unveränderliche, was allein einen Werth hat, Freundschaft und Vertrauen nicht berühren. Daß ich Tadel verdiente, weiß ich sehr wohl — Genug davon.

Ich behalte Dich und die Deinigen unveränderlich lieb, wenn ich auch, wenn diese Seite berührt wird, manchmahl, nach meiner, eben nicht lobenswerthen Art, in einer Art von Wuth gerathe und das albernste Zeug mit bewunderungswürdiger Beredsamkeit schwazte.

Grüß alle — vor Allem Dorothea, die sich meiner so freundlich erinnert hat.

Dein

Steffens.

XVI.

Berlin, d. 10t. Apr. 1833.

Lieber Tieck!

Ich grüße Dich durch den Ueberbringer dieses Briefs, den Herrn Cand. Kreis aus Strasburg, der erste bedeutende Zuhörer,[S. 79] der sich hier innig an mich anschloß. Ich trenne mich mit Schmerzen von ihm und er wird, ich darf es mit Zuversicht erwarten, auch Dir lieb werden.

Es war meine Absicht in diesen Osterferien nach Dresden mit Frau und Kind zu reisen. Aber leider muß ich es jetzt bis Pfingsten aussetzen. Dann aber komme ich gewiß, wenn gleich nur auf wenige Tage — vor Allem freue ich mich dann Dich, lieber alter Freund zu sehen. — Du glaubst — ich wäre Dir feindlich gesinnt — glaube es nicht. — Ich habe mich nie von einem Freund getrennt, der es einmahl im wahren Sinne war. Ich kann es nicht, wenn ich auch wollte und die Mißverständnisse, die mir bis jetzt noch unbegreiflich, uns getrennt haben, werden, ich weiß es gewiß, verschwinden, wenn wir uns sehen. Grüß Gräfin Henriette, Deine Frau und Töchter. Ich hoffte immer, wenn auch nicht Euch alle, was freilich das Schönste wäre, so doch Dorothea hier zu sehen.

Dein

Steffens.

XVII.

Berlin, den 3. Julii 33.

Lieber Tieck!

Auf Deinen freundlichen Brief, der mir viele Freude gemacht hat, muß ich Dich doch, wenn auch nur mit einige Zeilen antworten. Das Fest war mir höchst angenehm und ich habe mir allerdings aus Gründen, die Du gewiß nicht verkennen wirst, angebothen Deine Gesundheit auszubringen. Da die Versammlung sehr zahlreich und ausgezeichnet war und eine größere Anzahl durch den beschränkten Raum ausgeschlossen, sich gemeldet hatte, so hast Du hier in Deiner Geburtsstadt eine laut ausgesprochene Anerkennung erhalten, die Dir nicht unangenehm seyn kann und da es darauf ankam[S. 80] diese zu veranlassen; so kann es Dir gleichgültig seyn, wenn wir uns ein wenig prostituirten.

Du wünscht den Inhalt meiner kleinen Rede zu erfahren. Was ich wollte war folgendes: Ich wünschte auf den großen und ausgebreiteten Wirkungskreis eines bedeutenden Dichterlebens aufmerksam zu machen. So wollte ich die Belebung der Mährchenwelt erwähnen, und wie, aus einen wahren Naturgrund, durch diese, die Mythenwelt in einem jeden Gemüth wieder hervorrücke, nicht blos als ein abgetrocknetes Exemplar der geschichtsforschenden Herbarien, vielmehr lebendig und productiv, wie sie die hohle Lüge der Erziehung, wenn auch nicht ganz überwand, doch verdrängte — wie sie die alte Mythenwelt verständlich machte, der Geschichte der deutschen Poesie Bedeutung gab, einen neuen Zweig der Gelehrsamkeit, kaum dürftig angefangen, in allen Richtungen belebte und ausbreitete, in die Forschungen der frühern Geschichte der Deutschen eingriff und so, was durch Dich angeregt war, eine ausgedehnte geschichtliche Bedeutung gab. Die Menge der Schauspieler und Schauspielerinnen, die zugegen waren, was mir freilich in einer Rücksicht erfreulich war, verhinderte mich auf eine entschiedene Weise zu erwähnen, wie Dein Lehnsessel das einzige übriggebliebene Theater in Deutschland wäre, welches bereichert durch Goethe — Calderon — Shakspeare — Holberg — an die schöne verschwundene Zeit erinnerte. Ich nannte ihm aber nur Deine Kritik und Deinen Shakspeare und nun noch Manches — Wie Deine Novellen, was uns ängstigt und quält und in Verzerrungen mancherley Art krankhaft ausartet in der heitern Mitte der Dichtung ausgleichen wie Dein Prosa — aus dem Metrum erzeugt — den klaren Rythmus durchscheinen läßt, der reine Erguß, das „apte dicere“ das einfachste und klarste, als das höchste festhält und alle Manier verbannend, wohl erzeugend wirkt auf jeden Empfänglichen, aber nie nachgeahmt werden kann, wie Deine Person, mächtig, wie Deine Schriften, durch die Gastfreiheit[S. 81] und den freundlichen Zutritt, die Du der Jugend verstattest, in weiten Kreisen thätig war, wie keiner in Deiner Nähe traht, der nicht durch Dich erregt, befruchtet, Dich wieder verließ, wie viele Deiner Ideen, wissentlich und ohne Wissen, gut oder schlecht, immer merkwürdig und reich, wenn auch nie das was gewesen wären, wenn Du sie ausgesprochen hättest — seit so vielen Jahren, in so vielen Schriften — in weiten Kreisen ausgebreitet sind, und selbst in den geselligen eingedrungen auf den Ton der geistigen Unterhaltung einen bedeutenden Einfluß gehabt haben. Ich habe dieses Alles gesagt — und mehr — aber meine Rede taugte nicht. Ich muß freilich frey sprechen, wenn ich erträglich sprechen soll. — Aber der Gegenstand muß mich ganz durchdringen — in bestimmten Umrissen, in sicherer Gestaltung mir vorschweben. So aber war Allerlei vorangegangen — Du hast das Zeug von den eingesalzenen Heering gelesen — denn es ist gedruckt und als nun die Bühnenhelden und Grazien diesseits und jenseits der Spree die Romanze und ihre hingehauchte Begleitung mit plumpen Zungen zertrampelten, trat ich völlig zerstreut auf — und sagte zwar Alles, aber nicht so, daß das früher Gedachte ein neues Leben erhielt, wie ich es sonst wohl vermag, vielmehr mit großer Anstrengung, als eine dunkle Erinnerung. —[6]

[S. 82]

Nur noch dieses. Was ich jetzt that würde ich, zu jeder frühern Zeit grade so und unter günstigern Umständen, viel besser gethan haben. Ich bin — was man so nennt — böse gewesen — weil ich unzufrieden war, weil Du mich entschieden mißverstanden hast und weil Dein erstes öffentliches Wort über mich — eben dieses Mißverstandene laut werden ließ und die ganze Heerde der Gemeinheit nun sich mit Dir verbunden glaubte. — Ich sprach das, wie ich pflege, heftig und wenn Du willst, übertrieben aus. — Aber nicht bloß solche Sachen, die für heute und morgen sind, gelten mir nichts, auch was man Literatur nennt, und wir leider wohl auch so nennen müssen — gilt mir in Innersten nichts — wo die Geschichte, der Geist, die unsterbliche Persönlichkeit allein das Recht haben zu reden. Hast Du, weil ich einmahl die Sprache einer Gemeinde führte, ein andermal ein Confession schrieb, weil mir die Religion — eben Religion ist — alles — oder nichts, geglaubt daß diese nach allen Richtungen reinigende, keine ausschließende Persönlichkeit in mir nach einer dummen Ecke hingeschleppt sey, und da so zusammengepreßt, daß ihr der Geist aus der Brust entschlüpfte — so kann ich das nur bedauern, aber es kann nichts ändern in meiner Ansicht von Deiner Person, denn eben, daß ich das Unveränderliche in Dir erkannte hat mich an Dich gefesselt.

Es ist glaube ich gut — daß dieses ausgesprochen ist — ehe wir uns sehen. Es hat mich innig gerührt, daß Du den scheinbaren Zwiespalt so ernsthaft genommen hast — Dein Zorn war doch Liebe und ich muß Dir doch wichtiger seyn, als Deine öffentliche Aeußerungen errathen lassen. — Verständigen werden wir uns gewiß und mit Gottes Hülfe sehen wir uns im Herbst.

Grüß Deine Frau, Dorothea und Agnes und die Gräfin Henriette von mir und meine Frau und Tochter.

Dein treuer

Steffens.

[S. 83]

XVIII.

Berlin, d. 16. Octbr. 33.

Es ist grob, lieber T.! daß ich einen ganzen Monath in Deinem Hause zugebracht, dort so vieles Gute genossen, eine mir auf immer unvergeßliche Zeit, die ich tagtäglich rühmend und preisend gegen alle Welt hervorhebe und in der ich noch lebe und schwelge — und noch keinen Brief schrieb, was ich Allen sage, dem nicht mittheile, der es zuerst erfahren sollte.

Und doch scheint es mir fast natürlich — Denn in diesen vierzehn Tagen war ich noch immer in Dresden, vermochte es nicht mich hier heimisch zu fühlen — und betrachtete mich fortdauernd als Deinen Gast.

Jetzt zerren Senats- und Facultätssitzung, Rectorats-Wechsel und Mahnbriefe von Max so mächtig an mich, daß wohl inne werden muß, wie ich wirklich in Berlin lebe. Am ärgsten ist das Harren auf Zuhörer, die sich freilich noch nicht melden können, das unangenehme Gefühl — es quälte mich immer — seine innerste Lage alle Halbejahr von Neuem in Frage gestellt zu sehen.

So bin ich nun wirklich zu Hause gekommen, habe in der That aufgehört Dein Gast zu seyn und eile Dir zu sagen, wie lieb und theuer die Zeit mir war, die ich nach so langer Zeit in Deiner Nähe zubrachte. — Es ist Dir, lieber Fr.! gelungen, in einer Stadt, die am wenigsten dazu geeignet schien, einen Kreis zu bilden, der lebendiger, umfassender, wie er seyn soll, beweglicher, als irgend ein anderer ist. Hier ist nichts dergleichen. Das stille Gespräch in Deiner einsamen Stube, ist ein wirksames Privatissimum und gewiß lehrreicher, als die Kette der Vorträge. Es ist nicht die Religion allein, die jene gefährliche, ausschließende Richtung erzeugt, die wir[S. 84] gemeinschaftlich bekämpfen. — Hier in Berlin sehe ich es nur zu deutlich, wie eine jede Wissenschaft einen fanatischen Kern trägt, einen Wurm, der sie selbst verzehrt, indem sie die wahre Wissenschaft, die alle versteht und ehrt und fördert, ausschließt. Eine wirklich geistreiche Geselligkeit — man scheut sich selbst diese Benennung der höchsten irdischen Güter zu brauchen — so abgenuzt ist auch sie — würde mehr als Alles die engherzige, geistlose, vereinzelnde Einseitigkeit, die neben der leeren Universalität einherschreitet, verdrängen. — Ich habe Dieses recht lebhaft in Deinem Hause gefühlt, wo ich doch einmahl, wie in heiterer Luft, recht frisch aufathmen konnte.

Wird Deine Novelle bald fertig — des Dichters Sterben meine ich — Ich sehne mich unbeschreiblich nach diesem Genuß — Sie verspricht so viel, sie ist so durchaus im tiefsten Sinne wahr.

Ich bitte Dich mir Alle Deine Hausgenossen recht herzlich zu grüßen — die Comtesse Henriette, die mich so freundlich aufnahm und deren Gesellschaft und stille, verständige Theilnahme, wir recht schmerzlich in den letzten Tagen vermißen, — Deine Frau — Dorothea — Agnes (Heinrich biethet ihr den brüderlichen Kuß). —

Ich kann Dir nicht sagen, wie die Erinnerung an mein Leben in Dresden, mein Zusammenseyn mit Dir, die kleinen vom Wetter begünstigten Touren, mich in der Erinnerung erfrischen.

Baudissin ist mir vorzüglich lieb geworden. Ich bitte ihn recht herzlich zu grüßen — dann den braven, lieben Dahl. —

Dein

treuer

Steffens.

Es würde mich sehr glücklich machen, wenn ich Dorothea als Gast empfangen könnte; aber ich sehe wohl ein, daß es[S. 85] eine Geburth der überspannten Phantasie ist, die nicht in die wirkliche Welt paßt. Noch mehr ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, Dich hier zu sehen. Alle Welt spricht davon, die Zeitungen haben es angekündigt. Ich dächte Du kämest. Herrlich wäre es, obgleich ich wohl einsehe, daß ich Aermster wenig davon haben würde.

XIX.

Berlin, d. 11t. Octbr. 36

Lieber Tieck!

Meine Frau hat ohne Zweifel alles abgehandelt, was der Gegenstand eines Briefes seyn kann, so daß mir nichts übrig bleibt, als Euch Allen für die freundliche Aufnahme und für die schönen Tage zu danken, die wir unter Euch verlebten. Sie waren uns doppelt angenehm, da wir so Manches anders und besser fanden, als wir erwarten dürften. — Die Gräfin und Dich nach so großen Gefahren wohl und gesund, ja beide so angenehm heiter, wie das herrliche Wetter und die schöne Gegend.

Die arme Malchen quält sich leider; aber wir hoffen, daß Sie jetzt erleichtert ist und sich, wenn diese Zeilen ankommen, wohl sogar erholt hat von der Operation.

Unsere Reise war recht schön. — Hier habe ich den Reichthum der Kunstausstellung und einiges Vortreffliche bewundert. — Deine Büste hier ist ohne allen Vergleich besser als die von David, und Alle erkennen sie als ein Meisterstück Deines Bruders. Das ist aber nicht der Fall mit dem Gemählde, es scheint uns mislungen und ich wüßte nichts zu loben, als v. Sternbergs Aehnlichkeit. Zwar scheinen alle mehr oder weniger ähnlich, aber nicht auf eine angenehme Weise. —[S. 86] Wäre doch das große Bild hier. Gewiß es würde Bewunderer haben.

Grüß Alle.

Dein treuer

Steffens.

XX.

Berlin, d. 11. Decbr. 36.

Lieber Tieck!

Abermals wage ich es, Dir einen Landsmann zu empfehlen. — Diesesmal ein recht tüchtiger junger Mann, Hr. Bügge, Rector der gelehrten Schule in Trondhjem (Drontheim), der in seinem Vaterlande in großem Ansehen lebt und auch hier sehr geschäzt wird. Die norwegische Regierung hat ihm hierher und überhaupt nach Deutschland gesandt, damit er sich mit der Einrichtung der Schulen bekannt mache und es ist kein Zweifel, daß er in Norwegen die Einrichtung der gelehrten Schulen leiten wird. Es ist ein gescheuter und recht hellsehender Mann und seine Bekanntschaft wird Dir, wie ich glaube, lieb seyn.

Mit Dir, wie ich höre, geht es gut, obgleich Du noch immer einige Unbequemlichkeiten als Folgen Deines Sturzes empfindest und Deine arme Frau hat sich nun in ihrem Zustande ergeben. Herzlich grüße ich Euch, Ihr Lieben Alle.

Dein

Steffens.


[S. 87]

Stieglitz, Heinrich.

Geb. 1803 zu Arolsen im Waldeckschen, gestorben am 24. Aug. 1849 zu Venedig.

Bilder des Orients, 4 Bde. (1831–33.) — Stimmen der Zeit in Liedern (1834.) — das Dionysosfest, Tragödie (1836.) — Montenegro und die Montenegriner, Reiseskizzen (1841.) — Istrien und Dalmatien (1845.) — Erinnerungen aus Rom (1848.) — Eine kleine von Venedig in die bewegte Welt geschleuderte Schrift, worin der deutsche Dichter sein Vaterland verleugnet, und sich als rother italienischer Republikaner ausruft, möchten wir gern vergessen; ihr folgte bald sein räthselhafter Tod.

Wer hätte geahnet, als Heinrich und Charlotte Stieglitz am Schiffsbauerdamm in Berlin, ein hübsches junges Paar, hauseten; als Marmier (auf längere Zeit in Berlin anwesend) sie und ihre Wohnung mit zwei Turteltauben auf zierlichem Nest verglich, und sie als beneidenswerthe Gatten, ihre Ehe als ein seltenes hochpoetisches Glück pries, wovon er den Parisern Wunderdinge zu erzählen denke!.... Wer hätte geahnet, daß Beide so enden würden?

I.

Berlin, 13. Mai 29.
(Schloßfreiheit No. 1.)

Es mag Ihnen seltsam erscheinen, hochgeehrtester Herr Hofrath, beim Rückblick auf ein halbes Jahrhundert des lebendigsten und mächtigsten Wirkens, mit einem Male von drei zum Theil nur durch frühe unzulängliche Versuche, zum Theil noch gar nicht bekannten jungen Männern, sich aufgefodert zu sehen zur Theilnahme an einer literarischen Unternehmung. So oft ich aber auch mich gefragt habe, ob ich wohl wagen dürfe Ew. Wohlgeboren im eignen und der Freunde Namen anzugehn um einen Beitrag zu unserem für 1830 unternommenen Musen-Almanach, so war immer die[S. 88] innere Antwort, daß ich mir es doch nimmermehr verzeihen könnte, die Anfrage unterlassen zu haben; und ich fühle, selbst ein gescheiterter Versuch würde künftig weniger schmerzen als das Unterlassen, wobei doch stets der innre Vorwurf des „Vielleicht?“ geblieben wäre.

Zu wohl weiß ich, daß auf Sie, den unbestechlichen Richter, den im vertrautesten Umgange mit dem höchsten Genius lebenden Dichter, Namen nicht als Ueberredungsmittel wirken; sonst könnte ich Ihnen die der geehrtesten hier lebenden ältern Dichter nennen, deren jeder einen Beitrag zu unsrer Unternehmung gegeben. Daß es aber nicht äußere Bedürftigkeit ist — denn nicht an Masse fehlt es uns — sondern ein unabweisbarer innerer Drang, der mich zu Ihnen führte, und daß ich versprechen darf, spätestens nach neun bis zehn Monaten den ersten Theil eines größeren Werkes, woran ich seit nunmehr fünf Jahren mit ganzer Hingebung und Freudigkeit arbeite, in Ihre Hände zu legen, das erhöhet meine Zuversicht, wozu dann auch das freudige Bewußtseyn von der Tüchtigkeit in Kraft und Streben der beiden schon seit längerer Zeit mir innig befreundeten und zum gegenwärtigen Zweck mit mir verbundnen jungen Männer, Moritz Veit und Carl Werder, ermuthigend hinzutritt.

Und so will ich denn mit Ueberwindung aller Besorgniß, nur den einen Gesichtspunkt im Auge, daß ein so hoch geehrter Name uns nicht fehlen möchte, mit der inständigen Bitte mich an Sie wenden, hochgeehrtester Herr Hofrath, uns nicht ungern Ihren Beitrag gewähren zu wollen; jedes, auch das kleinste Gedicht, ein Klang, ein Epigramm, von Ihnen ausgehend, ist willkommen als ein schöner Schmuck des Ganzen.

Und so scheide ich denn in der frohen Hoffnung nicht vergebens mich an Ew. Wohlgeboren gewendet zu haben, und mit der Bitte, einer geneigten Antwort wo möglich bis zum[S. 89] Ende des Junius entgegen sehn zu dürfen, als Ew. Wohlgeboren mit vorzüglicher Hochachtung verharrender

ganz ergebenster

Heinrich Stieglitz.

II.

Berlin, am zweiten December 1833.

Sie leben, hochverehrter Mann, jetzt so ganz in und mit uns (und vornehmlich machen Ihre Novellen, welche in dem Kreise, der sich um uns gebildet von der ersten bis zur letzten an uns vorübergehn, um ein dauerndes reiches Eigenthum zu bleiben, einen so schönen Theil unsrer Winterabende aus), daß ich nicht unterlassen kann beifolgendes Buch mit einem schriftlichen Gruße zu begleiten, ganz abgesehen von dem Erfolg. Eine große Freude ist übrigens mir und einem wackeren, Sie durchaus kennenden und erkennenden[7] Freunde, Dr. Theodor Mundt, geworden, und wird uns täglich mehr, nehmlich die Lust des Sieges beßrer Ueberzeugung über manchen hier lebenden der Kunstjünger einer neuen philosophischen Schule, die sich nicht entblödete, Sie, Trefflicher, früher von dem einseitigsten Standpunkte aus anzufeinden, und mit denen, wie hoch ich auch den nunmehr entschlafnen Meister um seines tiefen und großartigen Geistes Willen in der Sphäre des Gedankens ehre, ich in der Kunstansicht mich überhaupt nur selten habe befreunden können. Auch mit meinem trefflichen Oheim in St. Petersburg, einem Manne seltener Natur und von einer Geistes- und Herzensfrische, wie sie wohl nur Wenige in solch enormen Verhältnissen des täglichen Erwerbs sich erhalten haben, bildet nach unserm[S. 90] dießjährigen Sommeraufenthalt eben jetzt das nähere Erkennen Ihrer Werke einen Theil des lebhaften Brief- und Gedankenwechsels.

Doch wohin gerath’ ich? — Ich wollt’ Ihnen ja nur mein jüngstes Kind darbieten mit dem oft gebrauchten aber gewiß niemals inniger empfundnen „nimm es hin!“ —

Und so denn mit dem Gruß wahrhaftester Ergebenheit und dem Wunsche, daß Sie uns, der Nation, recht lange noch mögen erhalten werden, empfiehlt sich einer Ihrer innigsten Verehrer

H. Stieglitz.


Stjernström, Eduard.

Das ist offenbar der schwedische Schauspieler, den Herr von Beskow in seiner Briefe einem erwähnt. Leider haben wir nicht auskundschaften können, wie Tieck den hier kundgegebenen Plan aufgenommen, und was er dem jungen Manne für eine Antwort ertheilt haben mag? Möglicherweise gar keine! Und vielleicht hat die deutsche Bühne dadurch einen Verlust erlitten!

Wenn der verstorbene Jerrmann mit eisernem Willen und Fleiße durchsetzte, auf dem théatre français in einigen Talma’schen Rollen geduldet zu werden; — wenn eine schöne Magyarin binnen etlicher Jahre aus der „ūngarischen“ Schauspielerin sich in eine deutsche umzubilden vermochte; — wenn Bogumil Dawison, der als ein „gebrochenes Deutsch“ redender Pole aus Lemberg nach Berlin kam, in verhältnißmäßig kurzer Zeit zu einem der ersten Schauspieler unserer Bühne, und was hier noch schwerer ins Gewicht fällt, zu einem der besten Redner in unserer Sprache sich erhob — — — dann seh’ ich doch wirklich nicht ein, weshalb der gute Herr Stjernström nicht hätte prosperiren können? — Weil er unrichtig in deutscher Sprache schreibt etwa? — Ach, lieber Himmel, wer wird das einem Schweden übel nehmen? Es hat vortreffliche Künstler gegeben (und wer weiß ob es ihrer nicht noch giebt?), die ihre eigene Sprache nicht sicherer schrieben, als Stjernström die fremde, und die deshalb doch auf den Brettern ganz tüchtig waren.

[S. 91]

Stockholm, den 26. Oktober 1841.

Hochwohlgebohrner Herr Hofraht!

Drei Jahre sind dahin geeilt, seit ich die Ehre und das Glück hatte, Ew. Hochwohlgebohrnen Bekantschaft in Dresden zu machen, in meinen Dankbarem Herzen die schönend Abende bewahrend, die mir durch Ihre Güte und Ihre liebevolle Gastfreiheit zu Theil wurden.

Ich wage jezt Hochwohl. Herr Hofraht eine höchst eigene — vielleicht voreilige Frage, die nur der Kunstrichter dem verzeihen kan, der sich so gerne die Dramatischen Kunst ganz hingeben möchte. — Ich habe schon lange die Deutsche Sprache mit Vorliebe unter der Leitung einer Beschützerin, der Frau Oberstin von Ehrenström, einer Deutschen und eine unserer gebildeter Frauen einer Freundin Tegnér, Beskow, Brinkman m. m. studirt, und habe auf unserer Königlichen Bühne mehrere Rollen in jener Sprache gespielt: Graf Hahn der jüngere in „Der Braut,“ den Direktor in „den Probenrollen,“ und bin auch in verschiedenen klassischen Scenen als „Don Carlos,“ „Mortimer“ aufgetreten, und haben mehrere Deutsche mir gesagt meine Aussprache sei rein und ich könnte als Schwede im Ausland einige Gastrollen versuchen. Nun wünschte ich im nächsten Sommer wieder eine Reise auf den Contenent zu machen, um die grosen Künstler Deutschlands zu studieren und wo möglich in einigen meiner besten Rollen dort auftreten zu können. Da müßte ich junge Fremdling aber auf Ew. Hochwohlgebohren Schutz und Güte rechnen, müßte mich der Ueberzeugung schmeicheln können, von Ihnen geleitet den Muht zu fassen, als „Carlos,“ „Mortimer,“ „Max in Wallenstein,“ „Ferdenand in Kabal und Liebe,“ „Alfred im Zöglinge“ und als der „junge Graf in den beiden[S. 92] Klingsberg“ aufzutreten. Wohl fühle ich meine Schwäche, aber die Seltenheit einen Sohn des Nordens in Deutsche Sprache spielen zu sehen, würde vielleicht mir des Publikums Nachsicht schenken, das ja weiß, daß wir noch weit hinter den Germanen stehen, weil uns leider ein Kunstrichter wie Ludwig Tieck fehlt. — Im Juli monaht bekomme ich meinen Urlaub, und wünschte gehorsamst zu wissen, wo ich Ew. Hochwohl. entweder in Berlin oder in Dresden treffen dürfte, im Fall Sie mich nicht zu vermessen ansehen und meinen Vorschlag mißbilligen, den nur unter Ihrer Gütigen protection kan und will ich es wagen diese Gastreise vorzunehmen — aber wen Sie die Sache nicht für ganz unmöglich halten dann eile ich Ihrem Vaterland entgegen und erbitte mir als Gnade einige Zeilen Ihrer werthen Hand, geleitet durch den Raht eines Kenners, der den Alleinstehenden jungen Künstler nicht verlassen will.

Ich habe in unserer Schwedischen Zeitungen vor einigen Monate gelesen daß Sie Ew. Hochwohlgebohrner einen großen verluhst gehabt durch Ihres Fräulein Tochters unerwarteten Tode; ich beklage es von ganzem Herzen! Das muß für ein Gefühlvolles Herz schwer seyn, die lieben Anverwanten zu verlieren. Ich kann leider über diese Empfindung nicht Beuhrtheilen, den meine Verwanten starben so früh, daß ich wohl sagen kan, ich habe sie nie gekannt, und ich stehe nun ganz allein in der Welt.

Der Herr Baron von Brinkman wie auch der Herr Hofmarschall von Beskow befinden beide wohl. Die Briefe die Ew. Hochwohlgeboren mir für beide Litteratören anvertrauten, waren sehr willkommen. Auf meiner Benefice-Vorstellung im vorigen Winter gab ich Scenen aus „König Birger“ von B. v. Beskow, die zum erstenmahle hier erschienen und mit lauten Beifall entgegen genommen wurden.

Indem ich nochmals in Unterthänigkeit Ew. Hochwohlgebohrnen[S. 93] zu ersuchen wage mit einer Antwort zu begünstigen und verharre mit ausgezeichneten Hochachtung und tiefer Ergebung

Ew. Hochwohlgebohren

gehorsamste Diener

Edouard Stjernström,

Schauspieler der Königl. Theater

in Stockholm.

P. S. Meine Adresse ist: Klara Bergsgränden No. 37. — 2re trappor upp.


Strachwitz, Moriz, Graf.

Geb. zu Peterwitz bei Frankenstein in Schlesien 1822, gestorben im Jahre 1847.

Lieder eines Erwachenden (1836.) — Neue Gedichte (1848.).

In der Blüthe der Jahre sterben, und mit poetischen Blüthen geschmückt, die übers Grab hinaus fortleben, frisch duften, erfreuen.... kann es ein schöneres Loos geben?

Breslau, 28. Aug. 183 ?

Verehrter Herr,
Hochverehrter Herr Hofrath!

Vor mehr als vier Jahren hatten einige kindische Romanzen eines fünfzehnjährigen Knaben das Glück, durch Friedrich von Sallet in Ihre Hände zu kommen. Sie waren überschrieben: Wellenmährchen und nie in seinen übermüthigsten Momenten hatte der Verfasser geträumt, daß das schlottrige Heft voll schlottriger Reime durch den Namenszug Ludwig Tiek’s geadelt werden sollte. Sie waren so freundlich einige ermunternde Worte unter das Schlußgedicht zu schreiben. Ihre Unterschrift schon genügte,[S. 94] den Knaben ganz glückselig zu machen, er prahlte allenthalben damit und dünkte sich nicht weniger als ein Dichter, wenn er sagen konnte, das hat Ludwig Tieck gelesen. Der Knabe hat einen ernsteren Flug gewagt und tritt kühn vor den aus der Ferne verehrten Meister mit der Bitte, ein schwaches Bändchen voll kecker Reime ebenso freundlich hinzunehmen, als damals den noch kindischeren Versuch. Noch heute ist es sein höchster Stolz, einst von Ludwig Tieck gelobt worden zu sein, wenn er es auch nicht verdiente. Es sind hier Verse so gut und so schlecht, als manches Andere; lesen Sie dieselben wenigstens und dies wird hinreichen, vollkommen zu beglücken

Ew. Wohlgeboren

warmen Verehrer

Moritz Graf Strachwitz.


Strauß, David.

Geb. am 27. Januar 1808 zu Ludwigsburg im Königr. Würtemberg.

Das Leben Jesu, 2 Bde. (1835.) — Die christliche Glaubenslehre, 2 Bde. (1840–41.) — Streitschriften, 3 Hefte (1837.) — Charakteristiken und Kritiken (1839.) — Julian der Abtrünnige (1847.) — Schubarts Leben, 2 Bde. (1849.) — Christian Maerklin (1851.) — Leben und Schriften des Dichters und Philol. Nikodemus Frischlein (1856.) — Ulrich von Hutten, 2 Thle. (1858.) &c.

Vergleicht man mit dem gediegenen Ernste dieses gelehrten Forschers die oberflächliche, gleißende Tändelei des modern-französischen Nachahmers, dann müssen doch wohl auch seine glaubenseifrigsten Gegner zugestehen, daß deutsche Tiefe und Gründlichkeit zu andern Resultaten führt, als jenes Salon-Gewäsch, welchem alle Würde fehlt, welches aber verschlungen wird, wie eine neue Offenbarung. Dem strenggläubigen Christen hat David Strauß sicherlich keine unruhige Stunde gemacht; manchen Skeptiker dagegen hat er auf die Bahn unbefangener Studien geleitet. Er hat mehr genützt, denn geschadet, weil aus ihm der Drang nach Wahrheit spricht. — Wie viele halbgebildete Leser entzücken sich an Herrn Renan, denen Strauß „zu trocken“ war! —

Ja, ja, wir arme Deutsche bleiben weit zurück hinter der „großen Nation!“

[S. 95]

I.

Stuttgart, 21. März 39.

Euer Hochwohlgeboren

würde ich kaum hoffen können, meine Person noch in Erinnerung zu rufen, könnte ich diese nicht glücklicherweise an einen Besuch von Raumer bei Ihnen anknüpfen, mit welchem ich im Jahre 1832 auf der Reise zusammengetroffen war, und mehreren Ihrer abendlichen Vorlesungen besonders der unvergeßlichen der „Sündfluth,“ wenn ich den Titel noch recht weiß, beizuwohnen die Ehre hatte. Die Freundlichkeit, mit welcher Sie mich damals aufnahmen, gibt mir den Muth, meinem Freunde und Landsmann Kern, einem hoffnungsvollen jungen Theologen, von vieler ästhetischen Bildung, seinem Wunsche gemäß ein paar Zeilen mitzugeben, die ihm vielleicht das Glück verschaffen werden, sich Ihnen vorstellen zu dürfen.

Ihren poetischen Schöpfungen folge ich immer mit allem Interesse; für den unsterblichen Tod des Dichters nehmen Sie ganz besonders meinen begeisterten Dank. Aber die Cevennen? sollen sie denn wirklich ein Torso bleiben? — Was meine seitherigen literarischen Arbeiten betrifft, so täuscht mich gewiß die Hoffnung nicht, daß Sie dieselben nicht mit Tendenzen verwechselt haben, die mir gewiß so sehr wie Ihnen selbst zuwider sind.

Von meinem Landsmann und alten Freunde N.[8], an den Sie Sich damals gütig erinnerten, sind seitdem Nachrichten eingegangen; er ist ein fanatisch gläubiger Methodistenprediger in Nord-America; auch verheirathet; bezeichnend ist eine Stelle seines Briefs hierüber; am Abende der Trauung, schreibt er, wurde gebetet &c. „und da hatten wir einen Vorschmack[S. 96] von dem Reiche, wo man weder freit, noch sich freien läßt.“

Mit dem herzlichen Wunsche, daß Sie sich zur Ehre Deutschlands noch lange Jahre frisch und gesund erhalten möchten, bin ich

Euer Hochwohlgeboren

aufrichtiger Verehrer

Dr. D. F. Strauß.

II.

Stuttgart, 10. März 1840.

Euer Hochwohlgeboren

haben kürzlich einen Landsmann von mir, dem ich mir erlaubte ein Schreiben an Dieselben mitzugeben, unerachtet Sie Sich, wie leicht zu denken war, meines persönlichen Besuchs vor bereits 8 Jahren nicht mehr erinnerten — dennoch mit so viel Güte aufgenommen, daß ich dem Wunsche einer liebenswürdigen Frau und verdienstvollen Schauspielerin am hiesigen Hoftheater, der Madame Wittmann, nicht entgegen sein mag, sondern mir die Freiheit nehme, sie mit diesen Zeilen bei Euer Hochwohlgeboren einzuführen.

Madame Wittmann wünscht am Dresdner Theater einige Gastrollen zu geben, wo sie, wie ich denke, um so eher gefallen dürfte, als sie namentlich in mehreren Stücken Ihrer Prinzessin allerliebst spielt. Können Euer Hochwohlgeboren ihr hiebei Vorschub thun, so werden Sie Ihre Güte einer Künstlerin erweisen, welche derselben in jedem Betrachte würdig ist.

[S. 97]

Entschuldigen Sie die Freiheit, die ich mir auch dießmal genommen, und genehmigen die Versicherung unwandelbarer Verehrung von

Ihrem

ergebensten

Dr. D. F. Strauß.


Thorbecke, Johann Rudolph.

Geb. um 1796 zu Zwolle, holländischer Gelehrter und Staatsmann, 1849 Minister, seitdem wieder Professor in Leyden.

Im Jahre 1820–22 machte er Reisen durch Deutschland, wo er mit hervorragenden Persönlichkeiten der Philosophie, Staatswissenschaft und Litteratur nähere Beziehungen anknüpfte und auch späterhin schriftlich fortsetzte. Er ist Verfasser mehrerer publicistischer und rechtswissenschaftlicher Werke.

Von ihm hat Tieck fünf Briefe aufbewahrt. Wir haben denjenigen ausgewählt, welcher uns durch die darin entwickelten ästhetischen Ansichten am nächsten berührt. Der fünfte d. d. Leyden 1834 wäre allerdings der interessanteste gewesen, hätten nicht darin enthaltene konfidentielle Mittheilungen die Veröffentlichung unstatthaft gemacht.

Es ist ein schwerer Kampf zwischen herausgeberischen Gelüsten und diskreter Gewissenhaftigkeit, der in solchen Fällen bestanden werden muß.

Berlin, 27ten Jan. 1822.

Ich sollte Ihnen, innigst verehrter Herr Doctor, vielleicht nicht schreiben, und thue es dennoch. Warum? kann ich nicht bestimmt sagen; obwohl ich dieses weiß, daß es mich immer von hier fort zu Ihnen hintreibt. Warum ich in meinen jetzigen Umgebungen so wenig Ruhe und Befriedigung finde? davon liegen die Gründe vielleicht tiefer und ferner, als ich es mir selber oft deutlich denke, oder auch vorzustellen wage. Wie die Menschen das Beste des Lebens aus der Erscheinung bannen, nehme ich oft mit stiller Wehmuth, oft mit einer[S. 98] Ironie wahr, die von Anderen hart, kühn und zerstörend gescholten wird, wobey es ihnen entgeht, daß eben dieser die innigste Wehmuth von Allen zu Grunde liegt; und daß ich mit der nehmlichen Ironie auch mich selbst strafe, und den Schein und das Zufällige in meinem eigenen Innern heimsuche. Denn diese ist wohl die bejammerungswürdigste Seite unsres Looses, daß wir so tief im Hinfälligen stecken, daß nur aus dieser Schwäche sich die bleibende Kraft entwickeln kann. Das Wahre tritt uns nicht in der ursprünglichen Gestalt, wie es Eins ist mit sich selbst, entgegen, sondern erst dem Zeitlichen und Vergänglichen gegenüber erscheint das Ewige, oder geht nur aus der Verwandelung seines Gegensatzes hervor. Wir besitzen das Höchste nicht an und für sich, sondern in seiner Offenbarung, und nach dieser ist es in sich selbst getheilt und zerspalten. Wer nun ein solches Bewußtseyn mit sich herumtrüge, welches sich nie ganz in jedem einzelnen der Entgegengesetzten verlöre, sondern, auf welchem Standpunkte es sich befände, beständig die Beziehung auf das Eine und Wahre im Auge behielte; von diesem könnte man erst sagen, daß er im Mittelpunkte der Welt und des Lebens stehe und beides erschöpfe: denn ein solcher erlebte die Schicksale und gewissermaßen die Geschichte des Wesentlichen. Aber ich fühle es, es ist dieses das Bewußtseyn der Philosophie, und auf eine andere Weise der Kunst, für den einzelnen Menschen vielleicht nie, oder auf Augenblicke, zu erreichen. Und für diese Augenblicke soll unser ganzes Leben die Vorbereitung und Zurüstung seyn? Wenn man nun aber zusieht, wie eben dieses Leben von den Meisten genommen, wie es von uns selbst genommen und behandelt wird, wo soll man dann die Achtung für die Menschen, wo die Achtung für sich selbst hernehmen? Und noch wäre der Mensch gut berathen, wenn er nur nicht im Stande wäre, das Eine von dem Anderen zu trennen: aber auch dieses vermag er, und bereitet sich damit wohl die schrecklichste Vernichtung;[S. 99] indem er auch dasjenige aufhebt, was allein noch erhalten könnte.

Neulich las ich Kleist’s Käthchen von Heilbronn[9] und seinen Prinzen von Homburg. Die Berliner sind gegen beide, vorzüglich gegen den letzteren, eingenommen, und doch scheint mir in diesem Stücke, welches ich eigentlich nur aus einer schlechten Vorlesung kenne, eine von den höchsten Aufgaben der Kunst gelöset. Wie die Gegensätze, worin sich unsre Existenz bewegt, sich nur im tiefsten unmittelbarsten Leben des Bewußtseyns zur wahren und wesentlichen Einheit zusammenschließen, und wie wir das Wahre und Heiligste nur in diesem unmittelbaren Leben besitzen, hat der Dichter von einer durchaus eigenthümlichen Seite geschaut. Das Bewußtseyn von den Beziehungen der inneren wie der äußeren Welt abgelöst, und auf sich selbst zurückgewandt, wird nothwendig zu einer bloß animalischen Anhänglichkeit an das irdisch zeitliche Leben, und dieses zu einem hohlen leeren Gefäß, zu einer gleichgültigen Form, worin nichts erlebt, sondern alles, wie es gehen will und muß, hineingeschoben und wieder ausgeworfen wird. Das Tragische liegt dann wohl am wenigsten darin, daß der einzelne, wenn auch hohe und vortreffliche, Mensch untergeht, sondern vielmehr eigentlich in der schmerzlich wehmüthigen und erschütternden Wahrnehmung, daß wir die Gegenwart des göttlichen Lebens verlieren, worin allein die Gegensätze sich durchdringen und versöhnen konnten; und diese nun, sich selbst überlassen, in gegenseitiger Aufhebung ein Weltall voll ewiger Wahrheit und Wesenheit, in welches auch wir uns getragen fühlten, unter uns zertrümmern. Auch das beruhigende, was ohne weitere Entwickelung zugleich unmittelbar hiemit, wie mit allem ächt Tragischen, verknüpft ist, hat Kleist, dünkt[S. 100] mich, vortrefflich ausgeführt. Ueber Ihre Bemerkungen zu dem Stücke in der Vorrede habe ich mich unendlich gefreut. Das Käthchen von Heilbronn hat mich nicht minder innig ergriffen. Unsern heutigen Damen, die nach der Etiquette lieben, wenn sie auch bisweilen früher aufhören sollten, als es selbst diese befiehlt, darf man mit einer solchen Liebe nicht kommen. Aber wenn ich hier sagen darf, was ich meine, so scheint mir in diesem Kunstwerke die höchste Würde der weiblichen Natur ausgesprochen, und der wahre Charakter der Liebe von einer gewissen Seite eben so ursprünglich als rein und tief aufgefaßt. Im Käthchen zeigt sich uns die vollständigste Einheit und Durchdringung von Nothwendigkeit und Freiheit in der Liebe, wie sie nur das himmlische Gemüth einer edeln Frau in sich aufzunehmen vermag. Der Mann, von mehr bewegter vielseitigerer Kraft und Selbstthätigkeit, geht, abgesondert für sich dastehend, gewiß nur von Zeit zu Zeit so ganz in dieser göttlichen Einheit des Lebens auf, daß nicht noch ein Rest von Willkür stehn bliebe, welche, auch wenn sein Wesen sich einmal mit seinen vielen und mannigfaltigen Beziehungen und Uneinigkeiten in die Liebe verwandelt hat, an der anderen Seite wieder auf’s Neue erscheint, als wenn die Verwandelung nur ein Durchgang gewesen wäre.

Darum drückt, glaube ich, ein Mann für sich betrachtet den ewigen Begriff der Liebe, der bey ihm das höchste Bewußtseyn selber ist, durchgängig nur theilweise aus, und erfüllt ihn nur in einzelnen Momenten, die dann aber auch nicht mehr der Zeit, sondern der Ewigkeit angehören, völlig erschöpfend. Den Frauen ist ein bewußtloseres, aber auch mehr stätes Leben in der Liebe beschieden: Aus ihrer Brust wird, mit dem allmächtigen Eintreten der Göttin, Alles übrige hinweggewischt, um erst nachher in erhöhterer Bedeutung und selbstständigem Abschluß mit sich selbst wieder aufgenommen zu werden. Aber freilich kommt die Liebe, so betrachtet, nur vor, wie sie in ihren[S. 101] Elementen auseinander gezogen erscheint. Wie sie aber nach ihrer eigentlichen, völlig in sich vollendeten Bedeutung und Gestalt, in einer so wunderbaren und vollkommnen Einheit beider bestehe, daß man sich selbst nur in der Anderen oder vielmehr in jenem dritten Wesen erlebt, worin das eigenthümliche Wesen beider, sich nicht mehr begränzend oder beschränkend, nach seinem wahren, ich möchte sagen, göttlichen Leben ineinandergreifend enthalten ist, und wie jetzt erst das zuvor auseinander gefaltete und getrennte sich in der seligsten Erfüllung des gegenseitigen aufeinander bezogenen Strebens mit sich selbst vereinigt, geht nicht minder herrlich aus der Dichtung hervor. Darum möchte ich auch die Vision, welche den Blick über alles Menschliche und Zufällige erhebt, und den unmittelbar göttlichen Ursprung einer solchen Liebe beständig im Hintergrunde gegenwärtig erhält, im Ganzen nicht tadeln. Käthchen aber und den Grafen vom Strahl ausgenommen, ist das übrige Leben des Stücks mehr ein bewegtseyn der äußeren Handlung, als ein inneres abgerundetes und individuelles Leben von Personen: Und wiewohl ich hier den Gegensatz nicht verkenne, so hätte doch billigerweise das Innere und Aeußere auch von dieser Seite sich mehr durchdringen sollen. — Anderes von Kleist kenne ich noch nicht. —

Verzeihen Sie, verehrtester Herr Doctor, daß ich hier manches so hinschrieb, als ob ich mit Ihnen spräche unbefangen und fast unwillkürlich meine innerste Meinung äußernd. In einer solchen Mittheilung, worin ich zu Ihnen sprechen kann, (und zu wem könnte ich es so?) gerathe ich gewöhnlich in eine Art Rausch, die mir die Beschränkung meiner selbst raubt, und viel Anderes sagen läßt, als ich mir vorgesetzt hatte. Nehmen Sie auch dieses mit Ihrer gewohnten Güte und Milde auf. Hier habe ich Niemanden, mit wem ich mich eigentlich verständigen könnte. Den Meisten liegt nicht einmal daran, zu wissen, ob sie sich mit sich selbst verständigt[S. 102] haben, sondern sie wollen sich nur reden hören, oder es dahin bringen, daß sie sich einbilden können, von Anderen gehört zu werden. Es wird hier viel Vortreffliches getrieben, aber auch das Vortrefflichste wird durch die ungestüme Berliner Theilnahme zum Alltäglichen. Dahin möchte ich hauptsächlich die Musik rechnen; welche mir indessen unter allem vorgefundenen den schönsten und reichhaltigsten Genuß gewährt. Vorige Woche hörte ich noch das Requiem von Mozart, die Iphigenie auf Tauris und die Jahreszeiten. Auch versäume ich keine sehr ausgezeichnete Oper und kein besonders treffliches Concert. Aber auch nur diese nehmen mein Interesse in Anspruch, denn andere Vergnügungen sind mir eben keine, und ein Schau- oder Trauerspiel habe ich auch noch nicht ein einziges beygewohnt; was wohl Niemanden wunderbarer dünken wird, als Ihrer Agnes. Der Grund liegt theils in der ausgesucht schlechten Wahl der Stücke, theils in meinem Eigensinn, daß ich mir ein liebes Kunstwerk nicht will verderben lassen, theils in äußeren Umständen, die mich hinderten, was ich sonst gewünscht hätte, der Aufführung z. B. von der Maria Stuart zuzusehen. Calderonische Stücke sind noch keine gegeben.

Mein Brief ist über alle Erwartung und Maaß lang geworden. Schließlich habe ich Ihnen und den Damen von der Frau Professorin Solger die schönsten und freundlichsten Grüße zu bestellen. Sie hat mich ersucht, zu bemerken, daß sie von den Damen baldigst einen Brief erwartet. In meinem Namen bitte ich mich der Gräfin und Ihrer Frau Gemahlin bestens zu empfehlen, und Dorothea und Agnes freundlichst zu grüßen. Mit herzlicher Verehrung und Liebe

der Ihrige

J. R. Thorbecke.

Ich verlange außerordentlich nach der Herausgabe von Solgers nachgelassenen Schriften, womit mir Krause und v. Raumer unverzeihlich langsam scheinen zu Werke zu gehn.


[S. 103]

Ticknor, George.

Geboren 1791. Bis zum Jahre 1814 war er Advokat in seiner Vaterstadt Boston, begab sich aber sodann nach Deutschland, um erst in Göttingen, später in Berlin den Studien obzuliegen. Aus Deutschland ging er nach Frankreich und Spanien, und machte sich in Paris und Madrid so vertraut mit den Litteraturen dieser Nationen, daß er bei seiner Heimkehr nach Amerika befähigt war, an der Harvard-Universität den Lehrstuhl romanischer Sprachen &c. &c. einzunehmen. Dabei las er auch über Goethe und über altenglische Dichter. Im Jahre 1835 gab er diese Professur wieder auf, und trat abermals eine Reise nach Europa an, die mehrere Jahre währte, und hauptsächlich auf Benützung großer Bibliotheken gerichtet war. Im Jahre 1840 begann er jenes große Werk, dem er seinen Weltruhm verdankt, die Geschichte der spanischen Litteratur, 3 Bde. (1848.) und welches jetzt, in vermehrter, mit besonderer Hinweisung auf deutsche Verdienste um spanische Litteratur ausgestatteter zweiter Auflage erschienen ist. Dieses Werk ist in mehre Sprachen, auch in’s Spanische übersetzt worden, und wird auf der pyrenäischen Halbinsel als ihre beste Litteraturgeschichte betrachtet.

Außerdem schrieb er eine Biographie des Gen. Lafayette und eine (1863.) des amerikanischen Historikers Prescott.

Sein Brief an Tieck enthält nichts Besonderes; wir nahmen ihn auf, damit neben Briten, Dänen, Schweden und Franzosen auch ein Amerikaner sich melde!

Boston, U.-States March 5. 1844.

My dear Mr. Tiek!

I take the liberty to present to you Mr. Francis Lieber, one of your own countrymen, who has lived so long in the United States, that he has become, no less one of mine. He is now professor in the University of South Carolina, and is well known both in this country and in England as the author of several important works on Political Economy and Legislation, as well as the Editor of the American Conversations Lexicon. I have known him many years and[S. 104] commend him to you, as a man of talent and great knowledge, of a faithful and excellent character, whose acquaintance, I am sure, it will please you to enjoy.

Mrs. Ticknor and myself always remember with peculiar pleasure Dresden and above all the delightful evenings, we spent there with you. It grieves me to think you are no longer there; — how much more must it grieve Mad. de Lüttichau. Pray offer the affectionate regard of both of us to her, when you see her or write to her.

Always faithfully yours

George Ticknor.


Uechtritz, Friedrich von.

Geb. zu Görlitz 1800.

Chrysostomus, Drama. — Alexander und Darius. — Rosamunde. — Die Babylonier in Jerusalem — u. a. m.

Albrecht Holm, Roman, 7 Bde. (1852–53.)

Vom Jahre 1822 bis zum März 1827 fehlen Uechtritzens Briefe. Diese Lücke, welche wir mit zwei Zuschriften Tieck’s ausfüllen zu können so glücklich waren, fällt nun gerade in jene Zeit, wo der junge Dichter des „Alexander und Darius“ durch dieses hochpoetische Werk Meister Ludwig’s Zuneigung gewann, die bei näherer persönlicher Bekanntschaft sehr bald in aufrichtigste Freundschaft überging, und deshalb so dauernd festhielt, weil sie sich von Tieck’s Seite, trotz der Ungleichheit der Jahre auf Achtung gründete. Er sah in Uechtritz eine, von den Erscheinungen der Zeit scharf gesonderte Specialität, die sich durch frommen Ernst, durch heiligen Eifer für das Höchste und Reinste in der Dichtkunst auszeichnete, ohne dabei rigoristisch und exklusiv aufzutreten. Empfänglich für die Bestrebungen Anderer, nachsichtig in seinen Urtheilen über deren Versuche, war Uechtritz nur streng gegen sich selbst und seine Arbeiten. Wer „Alexandarius,“ (so nannten ihn scherzhafterweise die Berliner Freunde unter sich) gesehen hat, wenn er mit der abermaligen (vielleicht zehnten) Emendation einiger Zeilen — gleichviel ob Verse, oder Prosa — zum Regisseur, zum darstellenden Schauspieler, zum Vorleser, zum Buchdrucker eilte, um wo möglich noch anzubringen, was er für deutlichere Entwickelung des[S. 105] Gedankens, für wohlklingendere Abrundung der Form gethan, — nun, der hat einen rechten Begriff vom innersten Respekt, von der wahrhaften Ehrfurcht, welche den Dichter für die Sache der Poesie durchdringen soll. — Als Gerichtsrath, als Immermann’s Kollege in Düsseldorf lebend, ward er Genosse und fördernder Theilnehmer der schönen Tage, welche am dortigen Kunsthimmel strahlten. Und daß deren Heiterkeit durch ihn niemals getrübt worden ist; daß er sich einer so entschieden dominirenden Herrschernatur wie Immermann gewesen, liebevoll zu fügen verstand, ohne an eigener edeler Selbstständigkeit sich etwas zu vergeben... darin liegt wohl das glänzendste Zeugnis für seinen vortrefflichen, reinen Charakter.

I.

Berlin, am 23. März 1822.

Hochzuverehrender Herr!

Als ich vor anderthalb Jahren eine Erzählung, Aurelio, Ew. Wohlgeboren schüchtern vorlegte, empfahlen Sie mir, die gestaltlose Unbestimmtheit, die man so leicht in frühern Jahren für die recht eigentliche Poesie halte, zu fliehen und dafür die Wirklichkeit als den natürlichen Boden der Poesie anzusehen. Ich habe mich seitdem mit Eifer bestrebt, diesem Rathe nachzukommen und mich besonders um feste Zeichnung der Charaktere, Rundung des Ganzen und, im Otto, raschfortschreitende Handlung bemüht. Auch hatte nach Vollendung des Otto die Hoffnung endlichen Gelingens meine Zweifel an mir selbst in einzelnen Augenblicken wenigstens zurückgescheucht. Seit kurzem aber bin ich durch mehrere Ereignisse auf traurige Weise irre an mir geworden, so daß ich nicht weiß, ob ich nicht besser thue, mich in den Pflug des praktischen Lebens einspannen zu lassen, ohne weiter mich nach den Wiesen und Blumen der Poesie umzusehn. Aber ich werde nicht können. Und dieses innre Drängen und Treiben nach etwas, wovon ich nicht weiß, ob es die Welt jemals einen Pfennig werth achten wird, macht mich eben nicht glücklich, besonders,[S. 106] da ich recht kluge Menschen um mich sehe, die aber sehr mittelmäßige Gedichte machen und sie dennoch für viel besser halten, als ich die meinigen. Denn da die Kunst es doch nicht einzig und allein mit der Form zu thun hat, so wird der schlechte Dichter, wenn er sonst nicht stumpf an Geist und Gemüth ist, in die schlechten Formen, die ihm zu Gebote stehn, so viel trefflichen Gehalt zu seiner eignen Ergötzung hineinfühlen, daß seine Augen nicht Unrecht haben, wenn sie sein Machwerk für ein Meisterwerk halten. Es war daher nicht der eitle Wunsch, von Ew. Wohlgeboren meine poetische Bestallung schriftlich zu erhalten, um damit zu prunken, was mich dazu trieb, mich Ew. Wohlgeboren als meinem Meister und Richter anzuvertrauen. Einige Worte mündlich im einsamen Kabinet, wie ich sonst so glücklich war von Ihnen zu hören, wären mir eben so theuer gewesen. Aber eine lange, ganz ungewiße Zeit liegt dazwischen, ehe ich das schöne Dresden wiederzusehn hoffen darf. Ich ersuche daher Ew. Wohlgeboren, wenn Sie nicht einmal die Hoffnung zu etwas Tüchtigem in meinem Otto finden, mir denselben ohne weitere Beylage und Brief, unfrankirt mit der Post zurückzusenden.

Ihre nachsichtige Güte, Hochzuverehrender Herr, wird dem jungen Manne, der seine theuersten Interessen in Ihre Hände gelegt hat, diese vielleicht zudringliche Bitte verzeihen. Wie aber auch Ihre Entscheidung ausfallen mag, so werde ich sie mit der Ehrfurcht annehmen, die mir im Verhältniß zu einem der größten Dichter meines Vaterlandes geziemt.

Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung habe ich die Ehre zu verharren

Ew. Wohlgeboren

ganz ergebenster

v. Uechtritz.

[S. 107]

II.

Berlin, den 29. August 1822.

Hochverehrter Herr!

Ihnen, mein hoher Meister, der mich durch seine freundliche Güte zuerst auf ungewohnter Bahn ermuthigte und stärkte, sende ich dieses erste Produkt meines Geistes, das es wagt, allein und für sich in die Welt zu treten. Ich möchte es fast für eine verlassene Waise erklären, denn ich bin nichts mehr dafür zu thun im Stande und Alles andre ermangelt ihm, selbst eine namhaftere Buchhandlung, was es nur so weit empfehlen könnte, daß es gelesen werde. Aber Ihre gegen mich stets bewiesne Güte ist mir ein freundlicher Stern der Hoffnung. Ihrem Schutze empfehle ich die arme Verlassne. Ob sie dieses Schutzes würdig sey, weiß ich nicht. Ich übergebe sie Ihnen auf Gnade und Ungnade.

Mit der ehrerbietigsten Hochachtung

Fr. v. Uechtritz.

III.

Berlin, den 15. Dezember 1822.

Wohlgeborner Herr!
Hochzuverehrender Herr!

Ew. Wohlgeboren haben mir auf die Uebersendung des Chrysostomus nicht erwiedert und dennoch wage ich auf die Gefahr hin, zudringlich zu erscheinen, Ihnen einen neuen dramatischen Versuch in dem einzigen Manuscript, das ich davon besitze, vorzulegen. Ich hoffe mich darin von den Irrthümern befreyt zu haben, die mich bey der Wahl des Stoffes sowie der Behandlung des Chrysostomus verleiteten. Wenigstens für ein sich bildendes poetisches Talent ungünstige Umgebungen,[S. 108] unter denen ich A. Müller nennen muß, tragen, wiewohl nur mittelbar, die Schuld dieser Irrthümer, die freylich für mein Talent kein günstiges Zeugniß ablegen. Im Otto glaube ich endlich zu mir selbst zurückgekommen zu seyn und die vielleicht zu eitle Hoffnung von Ew. Wohlgeboren auf diesem wiedergewonnenen Wege, wenn auch nur mit wenigen Worten, berathen und ermuntert zu werden, hat mich so kühn gemacht, Ew. Wohlgeboren nochmals zu belästigen.

Genehmigen Ew. Wohlgeboren die ehrerbietigste Versicherung meiner Hochachtung und Verehrung, womit ich die Ehre habe zu verharren

Ew. Wohlgeboren

ganz ergebenster

Der Referendar v. Uechtritz.

Ludwig Tieck an Uechtritz.

IV.

Dresden, den 10. Dec. 1825.

Geehrter Herr von Uechtritz!

Es freut mich Ihnen melden zu können, daß das hiesige Theater Ihren Darius und Alexander mit großem Vergnügen empfangen und angenommen hat. Vorläufig ist die erste Aufführung auf den 24ten Januar kommenden Jahres angesetzt, und da ich allen Fleiß anwenden werde, damit das Stück, so weit mein Einfluß nur reicht, gut gespielt und würdig überhaupt dargestellt werde, so verspreche ich mir einen glücklichen Erfolg, und glaube, daß wenn selbst die Darstellung um einige Tage aufgeschoben werden sollte, sie doch gewiß noch im Februar erfolgt. Auf jeden Fall melde ich Ihnen selbst oder durch jemand anders noch einmal den ganz festen Tag der Aufführung, und es wird uns allen hier große Freude[S. 109] machen, Sie alsdann auf einige Zeit hier zu sehn. Es wird mir sehr angenehm sein, da ich Ihnen schon so manches vorgelesen habe, Ihnen Ihr eignes Gedicht vorzutragen, das bei dem kleinen Publicum, dem ich es bis jetzt zu verschiedenen Malen mitgetheilt habe, großen Beifall gefunden hat. Auch Ihren Wunsch, etwas über dieses Gedicht öffentlich zu sagen, denke ich zu erfüllen, und an einem Orte, wo es Ihnen hoffentlich nicht unangenehm sein wird. Sprache und Vers könnten hie und da mehr ausgearbeitet sein: der Ausdruck schwankt: hie und da, auch im Anfang, erinnert er an Kleist, dem man nicht nachahmen soll: aber mit allen Fehlern, die die Kritik vielleicht entdecken kann und soll, hat mir seit dem Homburg kein dramatisches Gedicht eine so reine Freude gewährt. Wahre Begeisterung hat es hervorgebracht; darum muß es auch andre begeistern. —

Mündlich mehr; jetzt nur noch die Versicherung, daß ich mit wahrer Liebe und Hochachtung bin und bleibe

Ihr wahrer Freund

L. Tieck.

Ludwig Tieck an Uechtritz.

V.

Den 11ten Febr. 1827.

Mein theuerster Freund!

Zürnen Sie mir nicht, daß ich Ihre Briefe so lange ohne Antwort gelassen und Ihnen auch noch über Ihr neues Schauspiel nichts gesagt habe. Glauben Sie mir indeß, keine Nachlässigkeit oder verminderte Freundschaft ist Schuld an der Verzögerung, sondern überhäufte Geschäfte und Arbeiten, mit Unpäßlichkeit wechselnd. — Ich hatte, aufrichtig gestanden, bei Ihrer Verstimmung und Kränklichkeit dies neue[S. 110] Schauspiel[10] noch lange nicht erwartet, denn ein solches Gedicht verlangt den ganzen Menschen und volle Kraft, es kann zuweilen den Gesunden krank, schwerlich den Kranken, Ueberreizten gesund machen.

Ich las es sogleich mit der größten Begierde und finde, daß ich Ihnen denn doch nicht gut gerathen habe. Nachdem ich Ihr Schauspiel drei, viermal wieder durchgelesen habe, fühle ich immer deutlicher, was ich schon das erstemal sah, daß die eigentliche Kraft und Begeisterung, der Enthusiasmus, das Tragische, und daher die Wahrheit und Ueberzeugung ermangelt. Sie haben zu schnell, zu sehr und zu arbeitend gearbeitet. Ich glaube auch, daß die Scene nicht in Nürnberg, sondern etwa in Mailand und zwar in einer frühern Zeit sein müsse. So wie es da ist, erscheint der Gegenstand zu kleinlich und, wie gesagt, ohne Motive. Es wird Ihnen gewiß, wenn Sie die Sache ein wenig ruhen lassen, nicht schwer werden, die eigentliche Begeisterung, die Leidenschaft für die Gegenstände zu finden, wodurch sich doch nur der Enthusiasmus dem Zuschauer mittheilt.

Ich gestehe unverholen, daß es mir nicht lieb ist, daß Sie schon andern Freunden Ihr Gedicht gezeigt haben: auch der Stich, — darüber kommen Meinungen, von den Schauspielern ganz schiefe Urtheile herum, die auch der künftigen Umarbeitung schaden können. So, wie das Stück jetzt da liegt, rathe ich nicht, es irgend einer Bühne anzubieten.

Ich wünschte aber, wir hätten Gelegenheit uns mündlich über diesen Gegenstand zu besprechen, weil die Briefe so gar ungenügend sind, sich auch die Sache nicht in so kurze Worte fassen läßt. Ein Schauspiel, welches auf der Politik ruht, ist überhaupt vielleicht das schwierigste, weil die Grundsätze[S. 111] und Ansichten der Klugheit, Verfassung, Reform und Revolution in Leidenschaft müssen gesetzt und mit den übrigen Leidenschaften verbunden werden, dabei aber doch so viel Vernunft für sich haben, daß sie auf diesem Wege täuschen und beruhigen können.

Nehmen Sie meine Freimüthigkeit, wie sie gemeint ist. Mein Gefühl ist aufrichtig und für Sie wahrhaft zärtlich freundschaftlich. Sie müssen nach Alexandern keinen Rückschritt thun. Dieser ist auch keiner, nur zu eilig gethan, vorschnell. — Kann ich nicht vom Alexander ein Exemplar auch eine Vorrede oder diese allein erhalten? Warum sind Ihre Briefe so ceremoniös, nicht so natürlich, wie die meinigen.

In Eil. Ein andermal mehr.

Ihr aufrichtiger Freund

L. Tieck.

VI.

Berlin, 3. März 1827.

Mein theuerster hochverehrter Freund!

Sobald ich Ihren Brief erhalten hatte, bin ich sogleich zum Grafen Brühl gegangen und habe gebeten, die Aufführung meines Ehrenschwerdtes, die zum April festgesetzt war, bis zum nächsten Winter aufzuschieben. Im Mai oder Juni denke ich nach Dresden zu kommen und Ihnen ein neues Ehrenschwerdt vorzulegen, das bis dahin wohl seine Vollendung erhalten wird. Seit dem Augenblicke, daß ich Ihnen meine, ich möchte es gern Skizze nennen, schickte, habe ich nicht aufgehört, zu überarbeiten und sorgfältiger auszuarbeiten. Aber ohne Ihren liebevollen Zuruf wäre doch nichts rechtes daraus geworden. Der hat mich im Innersten aufgewühlt und mir die Kraft gegeben, die Bande, die man sich[S. 112] durch eine verfehlte erste Bearbeitung immer auflegt, zu zersprengen und in wiedererrungener Freiheit ganz neues Werk zu dichten, bei dem ich aber von dem ältern vieles zu brauchen denke. Warum ich mich nicht entschließen kann, die Scene von Nürnberg wegzulegen, werde ich Ihnen mündlich vortragen, doch hoffe ich einen großartigern Hintergrund zu gewinnen, indem ich die demokratische Richtung der Zünfte gegen die adligen Stadtgeschlechter, die sich ungefähr um diese Zeit in fast allen Reichsstädten offenbarte, als historisches Motiv benutze. Ich werde die Bürger, in deren Schilderung mich das Beispiel Shakespeares leitete, edler und wichtiger nehmen, den Rudolf Welfinger aber, wie jetzt, bloß sein eignes Recht, ohne Rücksicht auf politische Zwecke verfolgen lassen. Aber ich fühle, daß ich mir mehr schade, indem ich Ihnen das so trocken hinschreibe, und verspare lieber Alles auf mündliche Unterredung, bis zu welcher ich schon, wie ein Kind, die Stunden zähle.

Wie tief mich der Ton Ihres Briefes gerührt hat, mein väterlicher, hochverehrter Freund, soll Ihnen der Eifer beweisen, mit dem ich mich bestreben werde, mich dieses Briefes würdig zu zeigen. Der Schauspieler Krüger hat mich gebeten, ihm einen Brief an Sie mitzugeben, und ich werde wohl genöthigt sein, die Farben etwas stärker aufzutragen, da ich nicht weiß, was er damit anfangen kann.

Empfehlen Sie mich, mein gütiger, liebevoller Meister und Freund, der Frau Gräfin von Finkenstein zu Gnaden, so wie allen theuern Ihrigen auf das herzlichste.

Ihr ewig dankbarer

Fr. v. Uechtritz.

[S. 113]

VII.

(Bruchstück.)

Trier, den 24. Juny 1828.

Mein hochverehrter Freund!

Wie Sie wissen, bin ich zum hiesigen Landgerichte versetzt worden und Ihre Frau Gemahlin, die ich so glücklich war, auf dem Dampfschiff von Coblenz bis Bonn zu begleiten, sagt mir, daß Sie mit dieser Veränderung meines Aufenthaltes und meiner Entfernung von Berlin zufrieden seyen. Meine Entfernung von Berlin mag nun allerdings ihre guten Seiten haben, denn es ist in meinen Jahren gewiß wohlthätig, von Zeit zu Zeit in neue Verhältnisse versetzt zu werden, wenn man die frühern — ich möchte sagen — ausgelebt hat, und Berlin war zur Zeit meiner Abreise der Tummelplatz sehr unedler Streitigkeiten. Auch mein Name, den ich bis jetzt von solchem Schmutze rein zu erhalten gesucht habe, ist dabey genannt worden, aber ganz ohne mein Wissen und Willen, wie Ihnen vielleicht Raumer schon mitgetheilt haben wird. Man hat ihn (so wie den Namen des Dr. Förster) unter die ganz verfehlte Erklärung der Dreyzehn[11], ohne mich vorher zu befragen, mit unterdrucken lassen. Meine Entfernung zu einer solchen Zeit konnte mir nur angenehm seyn — aber leider tritt mir das hiesige Leben nicht als ein sonderlicher Ersatz für so manches, was ich in Berlin verloren habe, entgegen.

[S. 114]

VIII.

Düsseldorf, den 15. May 1832.

Mein theuerster, hochverehrter Freund!

Es ist sehr unrecht von mir, daß ich nicht schon längst gegen Sie selbst meinen innigen Dank für die außerordentliche Güte und Freundschaft, die Sie in letzter Zeit für mich bewiesen, ausgesprochen habe, — aber aus meinen Briefen an unsre theure Dorothea werden Sie wenigstens ersehen haben, daß ein Mangel des Gefühls nicht die Ursache davon war. Ich gestehe, daß ohne Ihr Versprechen, die Rosamunde herauszugeben, die Dresdner Geschichte doch am Ende etwas ungünstig auf mich und meine Stimmung gewirkt haben möchte. Denn schwerlich würde ich unter den obwaltenden Umständen einen Buchhändler gefunden haben und bloß für mein Pult zu dichten ist eine Aussicht, die nicht sehr ermuntern kann. — Die Verbesserungen in dem beyfolgenden Manuscript betreffen nur Sprache und Versbau, ich hoffe aber doch, daß sie nicht ohne günstige Wirkung für das Ganze sind. Fast keine derselben ist in den letzten Tagen und in Eile gemacht, die bey weitem meisten haben schon die Prüfung einer gewissen Zeit überstanden. Doch bleiben Sie, wie sich von selbst versteht, oberster Herr und Richter, wenn ich auch eine gewisse Vorliebe für die übersendete Bearbeitung letzter Hand nicht verhehlen kann. Vor einigen Wochen war Freund Löbell hier, dem ich am Rheine viel näher gekommen bin, als in Berlin und den ich in jeder Hinsicht sehr hoch halte. Er vertheidigt, wie Sie wissen, die strengste Unterordnung der dramatischen Poesie unter die Gedichte oder vielmehr die Einheit von beyden, — ihm gegenüber will Immermann der Willkühr des Dichters fast gar keine Schranken setzen lassen. Ich selbst repräsentire bey den darüber entstehenden[S. 115] Streitigkeiten eine Art von Juste milieu und schmeichle mir im Geheimen, Sie, wenn ich mich einmal recht gegen Sie aussprechen könnte, auf meiner Seite zu haben. Auf der einen Seite kann ich nicht zugeben, wie Immermann meint, daß der Dichter mit seinem Stoffe wie ein Russe mit seinen Leibeignen schalten dürfe — von der andern Seite muß ich aber darauf bestehen, daß wenn er wie Jakob um die schöne Rahel sieben Jahre gedient, dann die Reihe an ihn komme, Herr im Hause zu seyn. Aber, wie gesagt, er muß erst dienen. — — Mit meinen Verhältnissen hier bin ich übrigens noch fortdauernd sehr zufrieden und das Schicksal hätte mich für meine Art zu seyn und da ich nun einmal am großen Staatskarren mit ziehen muß, nicht günstiger stellen können. Wie glücklich würde es uns Alle machen, Sie einmal in unsrer Mitte zu sehn und auch Ihnen denke ich sollte es bey uns gefallen. Es ist eine wahre Freude, jezt unsre Akademie zu betreten und man darf die schönsten Hoffnungen darauf gründen. Auf Schadow selbst hat zwar, nach meiner Meynung, die Italienische Reise und die Auffrischung früherer religiös künstlerischer Eindrücke und noch mehr der Aufenthalt Overbecks hier, nicht günstig gewirkt und ihn an seinem eignen Werke irre gemacht. Er schien sich wie ein Abtrünniger vorzukommen, der früher von Rom als Kunstapostel ausgesandt das Himmelreich vergessen und der Eitelkeit der Welt gefröhnt, mit andern Worten statt einer Madonnen- eine Genremalerschule gestiftet habe. Doch wird sich das Alles wohl ins Gleichgewicht setzen. Wenn ich meine Ansicht über unsre neueste Kunst aussprechen darf, so möchte ich sagen, daß wie die alte große Kunst aus einem gemeinsamen Volksgefühle hervorging, an dem der Einzelne, so verschieden davon seine individuellen Gefühle und Ansichten seyn mochten, doch mehr oder weniger theilnahm, so jene neueste Kunst durchaus auf dem individuellsten Gefühle und seiner[S. 116] intensiven Kraft beruht. Die Folge davon ist, daß im Mittelalter auch der weniger fromme Maler religiöse Gegenstände mit Glück und ich möchte sagen Unschuld malen konnte, während ich in jetziger Zeit die Hoffnung Schadows, einen Künstler wie Lessing (der in seinen besten Sachen manche Aehnlichkeit mit Lord Byron hat) noch einmal Madonnen malen zu sehn, beinahe unter die Verkehrtheiten rechnen muß.

Tausend Grüße an die theuern Ihrigen, besonders Freundin Dorothea. Wenn es mir irgend möglich ist, sehen Sie im Herbst

Ihren

F. v. Uechtritz.

Eben erhalte ich den Rest meines Dresdner Honorars und erlaube mir die Quittung beyzulegen.

IX.

Düsseldorf, 30. März 1836.

Sie werden, verehrtester Freund, aus den beygehenden Schreiben schon ersehen haben, welch ein fataler Streich dem hiesigen Theater in dieser Nacht durch den Schauspieler J. gespielt worden ist. Die Flucht desselben droht allerdings das ganze Institut zu Grunde zu richten, da sich gar nicht absehen läßt, woher, und besonders in der nöthigen Eile, ein irgend passendes Subject für das ihm übertragne Rollenfach herbeyzuschaffen seyn dürfte. Mehrere Darstellungen bedeutender Werke, die uns in nächster Zeit versprochen waren, werden durch seine Flucht geradezu unmöglich gemacht. Insbesondre schmerzt es mich, daß auch die Wiederholung Ihres Blaubart aufgegeben werden müßte, wenn man des Flüchtlinges nicht wieder habhaft werden könnte.

Eine große Anzahl Ihrer Verehrer hatte sich in diesem[S. 117] Winter vereinigt, den Verwaltungsrath des Theaters, in dem leider einige Individuen aus dem Publicum des gestiefelten Katers Sitz und Stimme haben, dringend um diese Wiederholung im Laufe des gegenwärtigen Winters zu bitten. Im Namen und Interesse derselben, so wie in dem meinigen, erlaube ich mir daher, Sie auf das inständigste zu bitten, dem widerrechtlich Entlaufenen keine Aufnahme, auch nur zu Gastspielen, zu verstatten, ihn vielmehr durch alle Mittel, die Ihnen zu Gebote stehen, so schnell als möglich zu uns zurückzutreiben.

In größter Eile und mit gewohnter Verehrung, so wie mit der Bitte mich den theuern Ihrigen und der Frau Gräfin von Finkenstein herzlichst und angelegentlichst zu empfehlen

Ihr

F. Uechtritz.

X.

Düsseldorf, 23. Febr. 1842.

Was müssen Sie von mir denken, mein verehrter Freund, daß ich Ihre liebe, freundschaftliche Zuschrift so lange unbeantwortet gelassen habe. Von Entschuldigung kann hier gar keine Rede seyn, obwohl ich manches wenigstens zur Milderung meines Vergehens anführen könnte.

So hausen Sie also jetzt in der Stadt der Gräber. Ich kann es mir lebhaft denken, wie sehr gerade Sie von den großen Erinnerungen bewegt werden müssen, die sich in Weimar auch dem weniger tief Empfindenden und zur Melancholie Geneigten entgegendrängen. Geben Sie sich nur nicht zu sehr dieser Anregung und der Seite des Todes und Grabes hin. Auch das Leben behält seinen Werth und seine Reize und wir ehren jene großen Gestorbenen am höchsten, wenn wir uns an ihnen als an ewig Lebenden und Lebenspendenden erquicken.

[S. 118]

Ich habe kürzlich einen größeren Aufsatz über Schiller publicirt (in der deutschen Vierteljahrsschrift von Cotta, Jahrgang 1842, erstes Heft) und bin begierig wie er Ihnen zusagen wird. Derselbe schließt sich unmittelbar an meine Betrachtungen über Goethe im zweiten Bande der Blicke in das Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben an. Ich hoffe, Sie sollen damit nicht unzufrieden seyn, wenn ich Ihnen auch manchmal früher in meiner Anerkennung und Beurtheilung Schillers nicht genug gethan habe.

In diesem Augenblicke bin ich wieder, der kritische Beschäftigungen müde, zur alten geliebten Leier zurückgekehrt. Ich habe ein größeres Gedicht Ehrenspiegel des deutschen Volkes vollendet, das in sieben romanzenartigen Dichtungen eben so viele Glanzpunkte des deutschen Volkslebens feiert.

Jetzt bin ich mit den Vorarbeiten zu einem größeren Romane beschäftigt, die mich sehr in Anspruch nehmen. Die Aufgabe ist, die Reformationszeit nach ihren innersten geistigen Bewegungen darzustellen. Doch hat sich diese Aufgabe erst aus der besondern Fabel entwickelt, die mir vor einigen Jahren aufging und sich in mir immer mehr zu einem beinahe erlebten Ereigniß ausgebildet hat. Es ist nicht möglich, in der Kürze eine auch nur einigermaßen genügende Anschauung davon zu geben. — Sie sehen, daß ich thätig bin und mich in frischer Lust des Schaffens bewege. Möchte ich bald dasselbe von Ihnen hören.

Mit der Bitte mich und meine Frau den Ihrigen auf das angelegentlichste und herzlichste zu empfehlen

Ihr

F. Uechtritz.

[S. 119]

XI.

Düsseldorf, ... Januar 1846.

Mein hochverehrter Freund!

Beigehend erhalten Sie die gewünschten Briefe (und zwar auch die bereits in Abschrift zugesandten, da doch irgend ein Abschreibefehler übersehen worden seyn könnte) im Original. Leider sind einige derselben nicht ganz vollständig erhalten. Ihre gütige Zusage, mir diese Briefe baldmöglichst wieder zurückzustellen, nehme ich mit Dank an. Sie werden am besten fühlen, welch’ ein Schatz dieselben für mich sind.

Recht innig hat es mich gerührt, daß Sie meiner in Ihren gesammelten dramaturgischen Blättern gedenken wollen. Fühle ich mich doch oft so ganz vergessen und aus der Literatur abhanden gekommen. Vielleicht würde ich mehr für die Bühne geleistet haben; aber die ungünstige Aufnahme der Rosamunde in Dresden, die durch die Zeitverhältnisse verhinderte Aufführung in Wien (Schreivogel interessirte sich sehr dafür), so wie die Zurückweisung derselben in Berlin, wobei unser Freund Raumer nicht ohne Schuld ist, hatten mich in meinen Erwartungen, die ich auf die Bühne setzte, irre gemacht und die Zuflucht, bloß für den Leser Dramen zu dichten, wollte auch nicht genügen. Lassen sie sich doch von dem Werke, das ich jetzt wieder unter der Feder habe und woran ich, wenn mich nicht mein fortdauerndes Unwohlseyn hemmte, mit Lust und Liebe arbeiten würde, durch Röstell erzählen, der während meines letzten Aufenthaltes in Berlin einen großen Theil des ersten Bandes kennen gelernt hat.

Wie herrlich, daß wir bald wieder etwas von Ihrer Hand und etwas so wichtiges, wie Ihre dramaturgischen Mittheilungen zu erwarten haben.

Die Immermann war sehr glücklich über die ihr zugestellten Grüße. Ich aber bin und bleibe

Ihr ewig dankbarer

F. Uechtritz.

[S. 120]

XII.

Düsseldorf, den 28. November 1846.

Mein hochverehrter Freund!

Der Dichter Emanuel Geibel, mit dem ich diesen Sommer in Marienbad zusammengetroffen bin, hat mich gebeten, ihn bei Ihnen einzuführen oder doch in Erinnerung zu bringen. Was sein entschiedenes und großes Talent als Dichter angeht, das sich in den bereits erschienene sechs Auflagen seiner Gedichte in immer steigender Fülle, Anmuth und Tiefe bewährt hat, wird er keiner Empfehlung bei Ihnen bedürfen. Doch auch was seine Persönlichkeit, seine Ansichten über Litteratur, Drama und Theater betrifft, hoffe ich, daß er Ihnen in seiner frischen, selbstständigen, im ächten Sinne freien Stellung gewiß zusagen wird. Er wandelt, keinem der Vorschreier des Tages huldigend, ja ihnen zum Theile muthig den Krieg erklärend, seinen eigenen Weg und ich werde der wenigen mit ihm verlebten Tage immer mit der frohen Erinnerung gedenken, mich einmal mit der Jugend der Zeit in einem ihrer besten Vertreter im Einklange gefühlt zu haben.

Die schwermüthige Stimmung und Ansicht des Lebens, die in Ihren bei Rücksendung der Briefe Dorotheens an mich gerichteten Zeilen herrscht, hat mich nicht bloß gerührt, sondern wahrhaft erschüttert. Auch Sie, der in so vollem Sinne in der Poesie „die heitre Wissenschaft“ gefunden haben, am Schlusse des Lebens von so dunklem Flore umfangen! Ich wage es nicht, diese Saite (besonders hier, wo es doch nur oberflächlich geschehen könnte) weiter zu berühren. Meines tiefsten Antheiles und wohlwollendsten Verständnisses sind Sie ja auch ohne Versicherung gewiß. Ihre Zeilen habe ich jenen theuern Briefen, gleichsam als das Schlußwort derselben, beigefügt; sie sollen miteinander bewahrt bleiben.

[S. 121]

Empfangen Sie, mein hochverehrter Freund, meinen innigsten Glückwunsch zu Ihrer Genesung, die ich zu meiner Freude in demselben Zeitungsblatte gemeldet fand, wo mir die erste Nachricht von Ihrem Erkranken bei Gelegenheit der gebrauchten Weintraubenkur wurde. Möchte diese Kur trotz der bösen Störung wenigstens nachträglich die gewünschten Früchte getragen haben. Mit mir geht es in Folge meiner Badekur in Marienbad und einer ebenfalls später gebrauchten Weintraubenkur ganz leidlich; doch bin ich noch immer angewiesen, die besten Erfolge erst von der Zukunft zu hoffen.

Mit der freudigen Hoffnung auf ein durch beiderseitiges besseres Befinden erheitertes Wiedersehen im nächsten Herbste und der Bitte, mich der Frau Gräfin, so wir Raumer, Waagen und allen Freunden angelegentlichst zu empfehlen

Ihr dankbarer

und getreuer

F. Uechtritz.


Ulrici, Hermann.

Geboren am 23. März 1806 zu Pförten in der Niederlausitz. Seit 1834 Professor der Philosophie an der Universität Halle.

Geschichte der hellenischen Dichtkunst, 2 Bde. (1835.) — Ueber Shakspeare’s dramatische Kunst (1839.) — Das Grundprinzip der Philosophie, 2 Bde. (1845–46.) — System der Logik (1852.)

Der berühmte Gelehrte tritt mit diesen zwei Briefen als Dichter vor den älteren Dichter, dem er einige Jugendarbeiten widmet. Die grausame, fast feindselige Kritik, womit er seiner Muse Kinder behandelt, verräth schon im Voraus den Pfad, welchen sein Forschergeist einschlagen wird. Ihm verdankt man ein tiefes, gründliches Werk über den Poeten, von welchem Goethe den Polyphem sagen läßt: „hebt mir ihn auf, daß ich zuletzt ihn speise!“ den Poeten, dessen Studium einen großen Theil von Ludwig Tieck’s langem Leben ausfüllte. Die Ahnung, daß sie beide, schon innerlich durch gleiches Streben verbunden, sich auch in ihren Werken auf gleicher Bahn begegnen würden, mag den jüngeren Mann zu Tieck gezogen haben, für dessen Denkmal diese Briefe ein paar feste Grund- und Ehrensteine bilden.

[S. 122]

I.

Berlin, den 29ten Februar 1832.

Wohlgeborner Herr!
Hochzuverehrender Herr Hof-Rath!

Anliegend habe ich die Ehre, Ihnen das Manuscript einiger Novellen zu übersenden, welche ich des Nächsten herauszugeben gedenke. Aus inniger Verehrung Ihres dichterischen Genius wünschte ich sie am liebsten Ihrem Namen zu widmen. Mir hierzu die Erlaubniß zu erbitten, überschicke ich sie Ihnen zur gefälligen Ansicht. Sie behandeln sämmtlich die Kunst in ihren verschiedenen Formen, und der Grundgedanke einer Psychologie der Kunst sollte das Werk zu einem Ganzen vereinigen. Leider aber ist mir mit der Kopie der dritten Novelle, welche der Musik gewidmet ist, ein Unglück widerfahren, und ich habe mich genöthigt gesehen, sie nochmals dem Abschreiber zu übergeben. Da indessen Ostern nahe ist, und ich mit der Herausgabe gedrängt bin, so wage ich es, Ihnen das Manuscript in dieser unvollkommenen Gestalt zu übersenden, im Vertrauen auf Ihre gütige Nachsicht und in dem Glauben, daß es Ihnen auch in dieser Form genügen wird, um Sie auf den ersten Blick von dem Werth oder Unwerth des Ganzen zu unterrichten. Dieselbe Eile zwingt mich aber auch zu der gehorsamsten Bitte, mir es so bald als möglich zurückzuschicken. Dürfte ich hierzu noch einen Wunsch aus eigner Brust hinzufügen, so würde ich um ein wahres und unverhohlnes Urtheil von Ihrem Kennergeiste bitten — bei Ihrer wenigen Muße wage ich dieß indessen kaum zu hoffen. —

Gewiß werden Sie die Dreistigkeit eines Unbekannten gern verzeihen, da auch Sie vielleicht die Sehnsucht des jüngern Geistes kennen, dem höheren, am Ziele stehenden[S. 123] Genius sich zu nähern. In der Hoffnung auf Ihre Güte empfehle ich mich und meine poetischen Versuche Ihrem Wohlwollen, und zeichne mich im Gefühle inniger, tiefer Verehrung

Ew. Wohlgeboren

ganz ergebenster

Herrmann Ulrici Dr. ph.

II.

Berlin, den 15t. März 1833.

Hochzuverehrender Herr Hof-Rath!

Endlich bin ich im Stande, Ihnen die zwei Bändchen Novellen, welche aus meinem Ihnen im vorigen Sommer vorgelegten Manuscript herausgedruckt worden sind, zu übersenden. Als ich damals Ihren gütigen Brief erhielt, der mir die Erlaubnis ertheilte, Ihnen diese kleinen poetischen Versuche widmen zu dürfen, hoffte ich noch, daß ich Ihnen den Druck zum Frühling dieses Jahres persönlich würde überreichen können. Diese Hoffnung hat sich fast gänzlich zerschlagen, da ich zu dieser Zeit wohl schwerlich die Mittel zu einer Reise nach Dresden möchte aufbringen können, zum Sommer aber meine Vorlesungen an der hiesigen Universität beginnen muß. Nehmen Sie deshalb nicht weniger gütig auf, was ich Ihrem Genius aus reiner, inniger Verehrung darbringe, und entschuldigen Sie die Bitte, mir den großen Verlust einer mündlichen Unterredung mit Ihnen durch ein Paar Zeilen schriftlicher Unterhaltung wenigstens einigermaßen zu ersetzen. — Ich fürchte fast, daß ich meine poetischen Kleinigkeiten im Druck Ihnen weniger behagen werden, als nach einigen günstigen Aeußerungen zu urtheilen, es im Manuscript der Fall gewesen zu sein scheint. Mir selbst genügen sie immer weniger, und nachdem ich vor kurzem Ihren Sternbald wieder[S. 124] einmal durchgelesen habe, wünsche ich fast, sie wären lieber gar nicht gedruckt worden; so weit scheinen sie mir von der hohen Vollendung meines Vorbildes und Musters entfernt zu sein. Schon daß sie an dieser herrlichen Dichtung ein Vorbild und Muster haben, kann ihnen nicht zum Vortheil gereichen; besonders aber erscheinen in jener die freien, selbstständigen Gestalten des Lebens, wie sie die Poesie kraft ihrer göttlich-wirkenden Gestalt erschaffen und hinstellen soll, mit dem Wesen und Leben der Kunst, in welchem sich die ganze Dichtung bewegt, so schön und innig verschmolzen und unbeschadet ihrer gegenseitigen Unabhängigkeit vereinigt, daß mir dagegen in meiner Erzählung beide Elemente ganz auseinander zu fallen, und wie zu einer unnatürlichen Verbindung zwischen Poesie und philosophischer Aesthetik zusammengezwängt zu sein scheinen. Dazu der Mangel an poetischer Farbe der Zeit, in welcher meine Novellen spielen; die überall nur angedeutete, nirgend tiefbegründete Charakteristik; der Mangel an aller Erfindung und poetischer Verwickelung der Lebensverhältnisse; der jugendliche Anstrich des Ganzen u. s. w. u. s. w. Was kann da noch Gutes übrig bleiben? Jedenfalls der gute Wille und die begeisterte, heilige Verehrung der Kunst, deren ich mich bewußt bin; vielleicht entzündet diese manches gleichgestimmte Gemüth zu schöneren, glänzenderen Funken, und dann hätten meine anspruchslosen Kinder vollkommen ihre Bestimmung erfüllt. — Legen auch Sie, hochverehrter Herr Hof-Rath, keinen größeren Maßstab an; — das Gemessene möchte sonst in Nichts verschwinden.

Indem ich mich Ihrem ferneren geneigten Andenken gehorsamst empfehle, wage ich die Bitte zu wiederholen, mir, wenn es Ihre Zeit erlauben sollte, durch ein Paar Zeilen gelegentlich Nachricht von Ihnen zukommen zu lassen, damit eine der schönsten Hoffnungen meines Lebens mir bleibt, doch noch dereinst Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, und[S. 125] dann bereits eine befreundete Erinnerung in Ihrer Seele zu finden.

Empfangen Sie nochmals die Versicherung meiner innigsten Verehrung und tiefgefühlten Hochachtung, mit der ich verharre

Ihr

ganz ergebenster

H. Ulrici, Dr.


Ungher-Sabatier, Caroline.

Das war ein üppiger Frühling voll süßer Blüthen und Töne, da in der Kaiserstadt Rossini seine Opern mit den besten Sängern gab; da Lablache, Ambrogi, Donyelli, David, Rubini, die Fodor-Mainville in voller Jugendkraft schwelgten; da Carl Maria kam, die Euryanthe mit Therese Grünbaum, Forti, Haizinger, Henriette Sontag zu studiren; da Caroline Ungher ihre ersten Triumphe als „Libussa“ feierte...! Auch dieser Frühling mußte scheiden, und seine Sänger verflogen sich über Land und Meer. — Sechzehn Jahre später begegnen wir Frau Ungher-Sabatier, die Gattin eines französischen Publicisten, wie sie auf ihrer Kunstreise auch Dresden berührt, und durch dramatische Wahrheit ihrer Gesangs- und Darstellungs-Kunst sich Tieck’s Anerkennung gewinnt. — Dies Briefchen zeigt, wie sehr die geistreiche Frau zu würdigen wußte, was ihr Talent sich errungen.

Linz, am 22. August 1839.

Mein verehrter Freund!

Sie sehen, daß es mir unmöglich wird so lange zu harren, als meine Reise dauert, um den ersehnten versprochenen lieben Brief zu erhalten, der meine schönste Krone seyn soll, welche mir als Künstlerin wird, und ein liebes Pfand Ihrer mir so unendlich werthen Freundschaft.

Die schönen Tage in Aranjuez sind vorüber —! o! zögern Sie nicht lange mit dem lieben Briefe, wenn ich Sie nicht[S. 126] hören kann, so will ich Sie doch lesen, um so mehr als ich hoffen darf, Sie werden mich recht strenge zurechtweisen.

Der liebenswürdigen Frau Gräfin meinen dankbarsten Gruß für alle Freundlichkeit, so auch Ihrer lieben Familie; wenn Sie recht schnelle schreiben, so kann ich in Wien die Antwort bekommen und dies wäre mir sehr lieb, da ich in Wien recht liebe Freunde habe, die mein Schatz wie mich selbst erfreuen würde. Wollen Sie so gütig seyn, Baron Lüttichau mich zu empfehlen? Tausend Herzensdank noch für die schönen Stunden, die ich in Ihrem Hause verlebte. Die Erinnerung wird nie aus meinem Herzen entschwinden.

Ihre

ergebenste

Caroline Ungher.


Vaerst, Eugen, Baron.

Geb. am 10. April 1792 zu Wesel, gest. im Jahre 185? auf Gut Herrendorf bei Soldin.

Nach Beendigung der Feldzüge von 13–15, die er tapfer mitgemacht, trat er als Hauptmann aus den preuß. Garden und führte lange ein, von tausenderlei sich durchkreuzenden Plänen und Unternehmungen, bewegtes Dasein. Verschiedene Ziele verfolgend, schien er bisweilen die fabelhaften Abenteurer zum Vorbild nehmen zu wollen, die gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts zahlreich aufgetreten; dann wieder widmete er sich ernstlich schön-wissenschaftlichen Studien, schmiedete Sonette nach strengster Form, und ging ausschließlich mit Gelehrten, Dichtern und Künstlern um; dazwischen spielte er, unter glänzenden Auspicien, an der Pariser Börse und gewann bedeutende Kapitalien; dann abermals durch politische Rückschläge dieses Gewinnstes beraubt, ergriff er das alte Waffenhandwerk, begeisterte sich für’s katholisch-monarchische Princip und unternahm einen Ritterzug zu Don Carlos nach Spanien — nicht um dort als Marquis Posa aufzutreten, sondern um einen strahlenden Ordensstern heimzubringen. Schon bei Karl Schall’s Lebzeiten hatte er diesem das Erbrecht an die „Breslauer Zeitung“ abgekauft. Es bedurfte aber vieler Bemühungen seinerseits, und mancher einflußreicher Protektionen, bis er,[S. 127] nach Schall’s Tode die Concession auf seinen Namen erhielt. Hier zeigten sich nun Vaerst’s praktische Talente. Er lernte bald diese bisher vernachlässigte Unternehmung zu einer sehr lukrativen machen; und entfaltete noch regeren Spekulationsgeist, wie er späterhin das neuerbaute Breslauer Theater in Pacht nahm. Etwas Anderes wie Spekulationen sind ihm beide Institute nicht gewesen, und was er in den Briefen an Tieck über Heranbildung des Publikums spricht, dürfte er während des Schreibens spöttisch belächelt haben. Seinen Zweck erreichte er, ward ein wohlhabender, folglich angesehener Mann, gab seine Diners, verkehrte mit Aristokratie und haute finance — sollte aber sein Glück nicht genießen, denn er verfiel einem furchtbaren Rückenleiden, welches ihn mit langsam-tödtenden Qualen in’s Grab gemartert hat. Es fehlte ihm weder an Lobern noch an Tadlern. Uns wollte immer dünken: „Die Welt“ — was man so nennt — habe seinen Geist auf Kosten seines Herzens zu viel gelobt; und er selbst war eitel auf dergleichen tadelndes Lob. Wer für seine Verwandte, besonders aber für seine Mutter thut, was Vaerst mit kindlich treuer Ausdauer gethan, auch in Epochen eigenen Mangels; wer sich und seiner höchst sensuellen Natur jeglichen Ueberfluß versagt, und lieber selbst darbt, als es der Mutter am Geringsten fehlen läßt,... der hat ein Herz, und dem sitzt es auf dem rechten Flecke. Im Uebrigen .... er hat endlich abgebüßt, was er sonst verschuldet haben könnte; denn die Vehemenz seiner Leiden wird nur durch die lange Dauer derselben überboten.

Unter dem Autornamen Peter Lelly hat er Mancherlei gedichtet und sonst geschrieben. Am bekanntesten wurden die größeren Werke: Cavalierperspektive (1836.) — Die Pyrenäen, 2 Bde. (1847.) — Gastrosophie, 2 Bde. (1852).

Wie das letzte dieser Bücher, welches fast nur aus sublimirten Küchenzetteln und kompilatorischen Raisonnements über Feinschmeckerei besteht, auf solchem Kranken- und zehnjährigem Sterbe-Lager gemacht und diktirt werden mochte?... das zu erläutern geht über unsere Kräfte.

I.

Breslau, am 30. März 1835.

Verehrter Herr.

Der Kandidat Wenzel, ein die Wissenschaft liebender und lebendiger junger Mann geht nach Dresden und wünscht[S. 128] natürlich Sie kennen zu lernen, ich bitte für ihn um Gewährung dieser Gunst, Ihre gewohnte Güte wird mich entschuldigen, wenn ich, ohne alles Recht dazu, Ihnen den Ueberbringer bestens empfehle. Bei meiner allerdings kurzen Anwesenheit vor drei Jahren in Dresden hielt mich Scheu ab Sie, wie früher, sogleich zu besuchen, daran ist Freund Witte Schuld, der Ihnen — ohne mein Wissen und Willen — unsre Sonette zugeschickt hatte. Diese Versuche hätten, meines Bedünkens, Ihnen nicht vorgelegt werden sollen; meine Rechtfertigung soll in einem Werke größern Umfanges bestehen, was ich im Laufe dieses Sommers, wenigstens zum Theil, in die Welt schicken will.

Seit Schall’s Tode, der Versetzung von Steffens und Witte, lebt es sich in unserer Stadt viel trauriger, wie früher; obgleich der Tod des Ersten und das Wohlwollen der Behörden mir sein Institut, die hiesige Zeitung, ein für den Besitzer ganz lukratives Ding, verschaffte. Zur Probe meines Treibens darin, erlaube ich mir den gestrigen Bücherschau-Artikel beizulegen.

Mir hat die liebenswürdigste unserer Damen, Frau von N., sehr feurige Empfehlungen für Sie aufgetragen, die mich nicht ohne eifersüchtige Empfindungen gelassen haben.

Mit tiefer Verehrung

Ew.

gehorsamer

Baron Vaerst.

II.

Breslau, 21. Dez. 1843.

Hochverehrter Herr und Gönner.

Ihr sehr freundlich Schreiben mit der Empfehlung des Herrn Altmann gab mir die willkommene Gelegenheit, Ihnen[S. 129] meine alte Ergebenheit zu bethätigen. Gleichzeitig damit erhielt ich einen Brief Holtei’s, er suchte gerade einen jungen Mann, der sich der theatralischen Laufbahn widmen wollte. Holtei ist hier in der Provinz, in Grafenort bei dem Grafen Herberstein, eine lustige Gesellschaft von Schauspielern ist um ihn versammelt; sie spielen Komödie nach Herzenslust. Der Graf, sein Schloß, die Gegend, der ganze Aufenthalt, es ist alles durchaus poetisch, hier bildete sich der große Seidelmann zuerst für das Theater.... auch für mich knüpfen sich reizende Jugenderinnerungen an Grafenort. Dorthin sendete ich mit beßter Empfehlung Herrn Altmann, dem ich zugleich die ganz bestimmte Zusage gab, daß ich ihn hier anstellen würde, wenn er von dort zurückkommen werde; ich hoffte ihn im Frühjahr mit einem leidlichen Repertoir wiederzusehn. Was weiter mit ihm geworden, wollen Sie aus der Einlage von ihm und Holtei ersehen. Wie Holtei vorausgesehn, trat er nicht auf, er kam früher zurück, jetzt wollte er hier auftreten; auch das sagte ich ihm zu. Dann ließ er sich 8 Tage lang nicht sehen, dann schrieb er mir einen 12 Seiten langen Brief, er verlangte 300 Thaler und drohte mit Erschießen, wenn er sie nicht erhielt. Er hatte mir nicht einmal gesagt, wozu er das Geld brauche, und als ich ihn fragte, wollte er mir darüber keine Rede stehen. Konnte ich, bei solchen Umständen, mir diese Summe mit der Pistole in der Hand abtrotzen lassen? es war mir unmöglich; es ist unmöglich, daß Sie mir darüber zürnen werden! Jetzt schreibt er, daß er ein großes Talent habe, dramatischer Schriftsteller zu werden, er wolle sich lieber nicht erschießen, er bittet um Reisegeld zu seinen Angehörigen, gestern wollte er damit reisen, schon Vormittag Antwort holen. Das Geld liegt bereit, aber er ist nicht gekommen, ich weiß nicht wo er wohnt, ich will die Polizei nicht in Athem setzen, da ich wenig in Sorgen bin; er schreibt mir viel zu viel Briefe, um Zeit für das Erschießen zu haben. Er wird reisen, ob er[S. 130] zu Ihnen kommt, weiß ich nicht, er weiß es gewiß selbst nicht. Ich schließe diese Angelegenheit, ich weiß nicht, ob ich gegen den jungen Mann gesündigt, ich darf nur versichern, daß es mein ernster Wille war, ihm förderlich zu sein.

Mir geht es materiell vortrefflich, es thut mir leid, Sie gar nicht zu sehen, ich komme nur ungern nach Berlin, weil man dort mir meine Jugendthorheiten gar zu hoch anrechnet. Die höchsten Staatsbehörden haben mir, meine kleinen Fähigkeiten überschätzend, ohne mein Ansuchen, eine würdige Stellung in Berlin — und dahin gehöre ich — zugesagt. Sr. Majestät hat sie vor zwei Jahren befohlen, viele Gönner, namentlich Sr. Hoheit der Prinz Carl sich lebhaft dafür, aber vergebens, interessirt. Was ist zu thun? Nichts!

Mein Theater beschäftigt mich seit 3 Jahren lebhaft, hören Sie einen Schlesier, so wird er dasselbe, wie mich, loben; es lebt sich hier angenehm, ich erfreue mich der lebhaftesten Anerkennung von Stadt und Provinz. Aber unser großes Publikum heranzubilden durch Theater und Zeitung — die beiden Haupthebel, wodurch man hier auf die Masse öffentlich wirken kann, beide mir angehörend — ist über meine Kräfte... mit einem Worte, ich fühle mich nicht an der rechten Stelle und kenne, bei meinem praktischen Sinn, kein größer Unglück. Das Papier ist aus, nicht meine Lust mit Ihnen zu plaudern. Mit unbegrenztem Vertrauen

Ihr

treuer Verehrer

B. Vaerst.

III.

Breslau, d. 20. Januar 1844.

Sehr verehrter Herr und Gönner.

Durch Krankheit war ich verhindert, Ihr so sehr freundliches Schreiben früher zu beantworten. Dafür kann ich nun[S. 131] aber auch berichten, daß Altmann zu den Seinigen spedirt ist, wie er in einem seiner freilich etwas länglichen Briefe schreibt. Er will weiteres hören lassen, von der Leidenschaft für das Theater hab ich ihm gründlich geholfen. Er scheint mir in Summa mehr Mitleid als Zorn zu verdienen; ich danke ihm besonders die Gelegenheit, daß Sie meiner gütigst gedachten.

Eine Stelle meines Briefes soll ich Ihnen commentiren. Sie fragen: was mir in Berlin zugesagt war? Die Staatszeitung. Das Wachsen und Gedeihen meiner, der Breslauer Zeitung, die Schall etwa 300 und mir nach 6 Jahren tüchtiger Arbeit über zehntausend Thaler Revenüen brachte, die Art, wie ich sie zur großen Zufriedenheit der Regierung, ohne das lebendige Interesse der Leser zu vergessen, redigirte, hatte mir vielfaches Lob der höchsten Behörden gebracht. So hatte noch kurz vor dem Tode des hochseeligen Königs der jetzige mich gefragt: was kann ich thun, Ihnen die Staatszeitung zu verschaffen? Ein von mir vor Jahr und Tag dem jetzigen Monarchen vorgelegter Plan zur Reorganisation dieses Instituts war wohlgefällig aufgenommen worden, sogar Allerhöchstenorts befohlen worden — da eine der höchsten Personen bereits früher anderweitige Versprechungen gegeben haben sollte — ein neues mit breiten Privilegien versehenes Blatt in Berlin unter meiner Leitung zu begründen. Auch dies ward nicht in’s Leben gerufen! Ich bin mystisch; interessiren Sie sich für diesen abgestorbenen Gegenstand, so fragen Sie gelegentlich, ich bitte, Herrn von Varnhagen, er ist mir günstig und kennt die Sache!.... Aber was geht mir hier ab? —... was geht einem gewissen unsaubern Geschöpf auf dem Mist ab? es ist eine schmutzige Frage! Ich gehöre, sagt meine Eitelkeit, nicht hieher, sondern in die Residenz! So lange wenigstens die Staatszeitung so überaus elend bleibt, hab ich doch ein Recht zu sagen, daß man mich gekränkt hat; erscheint dies erste Blatt in würdiger Gestalt, so werde und will ich[S. 132] schweigen, nicht früher. Unterdeß, wie mir denn allezeit das Bestreben entschiedenster Gegner heilsam gewesen, hat sich meine gewohnte Thätigkeit, nicht ohne Glück, in ein neues Feld geworfen. Mein Theater hier blüht und gedeiht, ohne allen Zuschuß, und findet Anerkennung. Das habe ich zwar schon neulich gesagt, aber ich war immer voll malice und Sie werden nicht glauben, daß ich so etwas ganz harmlos dem berühmten Dramaturgen wiederhole. Wahrlich das Publikum einer großen Hauptstadt, (Sie glauben am Ende gutmüthig, ich meine Breslau?) zu bilden, den Geschmack läutern, es ist eine schöne und würdige Aufgabe für jeden Befähigten!

Da haben sie Klagen und Hoffnungen, Träume und Allerlei. Lassen Sie sich nicht ferner mit mir ein, aber ich bitte, behalten Sie ein wenig lieb

Ihren

getreusten Verehrer

Vaerst.

IV.

Berlin, 4. Dec. 45.

Mein hochverehrter Herr und Gönner.

Ihnen zu Liebe habe ich den Cancan gelesen, leider darf ich Ihnen ob des Glaubens: „ich habe ihn geschrieben,“ nicht schmollen; ich plaudre wie der Verfaßer, verspreche aber nie so zu schreiben, denn ich liebe so wenig die Flächen Berlin’s und der großen Mongolei, wie die der Literatur.

Hiebei eine kleine Arbeit, die Se. Majestät wohlgefällig aufgenommen hat, ich lege sie Ihnen vor, nicht in Absicht, damit Sie dafür kämpfen, vielmehr in Hoffnung eines freundlichen Worts für mich privatissime, solches ist mir wünschenswertheste Anerkennung.

[S. 133]

Mein Post-Prozeß ist gewonnen, ich reise, nehme aber vorher mit dero gütiger Erlaubniß noch persönlichen Abschied.

Mit treuer Ergebenheit

Vaerst.


Varnhagen von Ense, Karl August.

Geb. am 21. Febr. 1785 zu Düsseldorf, gest. 1859 in Berlin.

Biographische Denkmale, 5 Bde (1824–30.) — Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften, 8 Bde. (1843–59.) — Leben des Generals Seydlitz (1835.) — Leben des Generals Winterfeld (1836.) — Leben des Feldmarschalls Grafen Schwerin (1841.) — Leben des Feldmarschalls Keith (1844.) — Leben des Grafen Bülow von Dennewitz (1853) u. A. m.

und

Rahel von Varnhagen,

dessen Gemahlin.

I.

Berlin, den 16. Juli 1833.

Empfangen Sie, Hochverehrter, mit meinen besten Grüßen dies hiebeifolgende Buch. Sein Entstehen, sein Sinn, sein Inhalt bedürfen bei Ihnen keiner Rechtfertigung; ich kann Ihnen aber auch noch sagen, daß die Beschäftigung, welche ich in dieser Herausgabe fand, mir während der letzten vier Monate das Leben erhalten half, das man ja gewohnt ist, unter allen Bedingungen als einen Gewinn zu rechnen! Ich empfehle mich angelegentlichst Ihrem ganzen Hause, und verharre mit innigster Hochachtung und Ergebenheit

Ihr

gehorsamster

K. A. Varnhagen von Ense.

[S. 134]

II.

Berlin, den 1. Juli 1836.

Durch Ihre freundliche Zuschrift, und durch die Art, wie Sie darin von Rahel sprechen, haben Sie, Hochverehrter, mir die Seele wunderbar angeregt! Denn ich bin wohl unempfindlich und hart genug gegen Mißkennung und Tadel, aber darum nicht minder gerührt und erfreut durch jede Gunst und Zustimmung, welche meinem Andenken an die geliebte Freundin sich vereinbaren. Die Freundschaft und Achtung, welche Sie für Rahel bekennen, ist mir wohlthuend; auf bedingte Einzelheiten der Ansicht und des Urtheils kommt es hier nicht an. Lassen Sie mich auch sogleich ausdrücken, daß Sie mich nicht umsonst als „verständigen Freund“ sollen angeredet haben; ich darf Ihnen versichern, daß Antrieb und Zweck wie Stimmung und Sinn Ihres Briefes mir ganz erklärlich sind, und dieser bei mir eine gute Stätte findet. Möge davon das Nachstehende, was ich, im Gedränge zwischen Unwohlsein und Abreise, nur eben rasch zusammenfasse, Ihnen vorläufiges Zeugniß sein!

Zuvörderst eine Entschuldigung. Ich sandte Ihnen die erste Sammlung der Rahel’schen Briefe, weil sie nicht im Buchhandel war, und ich sie in Ihren Händen zu wissen wünschte. Die zweite Ausgabe, so gut wie mein neustes Buch, bei denen zwar jener Umstand wegfiel, hätte ich Ihnen nicht minder zugesandt; allein Frau von Arnim sagte mir damals bei ihrer Rückkunft von Dresden, Sie hätten sich mißliebig und feindlich über Rahel geäußert, und so fand ich es nicht gehörig, mit solchen Zusendungen fortzufahren, die Ihnen unangenehm sein konnten. Mißverstehen Sie, Hochverehrter, ich bitte Sie, dieses nicht! Ich mache nicht den Anspruch, irgend ein Urtheil in seiner Freiheit zu beschränken, ich kann[S. 135] jede Art und Ansicht und Meinung, die sich mir nicht aufdrängt, vertragen, und wenn mich etwas in Aeußerungen verletzt, so ist es eher das Allgemeine, als das nur Persönliche. Ich gebe meine eignen Bücher nicht anders der Oeffentlichkeit hin, als wie man die Geburts-, Heiraths- und Todesanzeigen in die Zeitungen wirft; Tausende müssen diese Meldungen gelesen oder ungelesen hinnehmen, die vielleicht nur sechs oder sieben Personen angehen, für diese aber sind sie. Mancher findet vielleicht bei einer Todesanzeige nur Scherz und Lachen. Immerhin! Jeder muß nach seinem Antheil und Sinne sich benehmen. Ich habe Ihnen deshalb, weil ich Sie feindlich gegen Rahel glaubte, keineswegs gegrollt, nur bisweilen mir die Bewandtniß zu erklären gesucht. Mit inniger Freude erfahre ich nun von Ihnen, daß ich einen Irrthum aufgenommen hatte, und bedaure nur, dadurch Ihnen abgewendeter, als ich es wirklich war, erschienen zu sein.

Was nun Genelli betrifft, so habe ich ihn nie gesehen; nur von ihm gehört durch Rahel’s, Marwitzens und Bernhardi’s von einander unabhängige Erzählungen. Aber alles, was Sie von ihm sagen, ist mir mit der Erscheinung, die er sich für jene zu geben gewußt, gar wohl vereinbar. Hat er geschmäht und gelästert, wo er früher angebetet, — es sei ihm verziehen! Wie ich es auch Gutzkow’n verzeihe, daß er das mir theuerste Andenken auf brutale Weise berührt hat. Es thut mir nur leid um ihn. Ich bin für Rahel, wie auch für mich selbst, in diesem Betracht fest und sicher, und was die Leute sagen, kann ich sehr leicht beruhen lassen. Lebte Rahel, so hätte ich allerdings die leiseste Empfindlichkeit für sie, und ich würde manches nicht aussagen, andres ernstlicher aufnehmen; aber so...! Die Lebenden will ich überhaupt geschont wissen, und ich glaube, daß ich es meinerseits nur allzu sehr gethan habe; in welchem Maße, könnte nur der beurtheilen, der einsähe, was alles in meinen unendlichen Papieren ich[S. 136] zum Schweigen gebracht habe! — Freilich läßt sich im Druck nicht alles sagen, noch jedem Mißverstand ausweichen; aber das läßt sich nirgends thun, und ist auch kaum nöthig, wie die Welt nun grade einmal gemischt ist, wo alles durcheinander keimt und blüht, und sich die Frucht oft da ansetzt, wo man sie am wenigsten erwartete.

Die Möglichkeit, welche Sie mir zeigen, daß Sie mir noch einige Briefe von Rahel hervorsuchen könnten, ist mir ein lieblicher Sonnenstrahl aus Ihren Zeilen! Mir kann keine werthere Gabe zukommen. Ich beklage sehr, daß von den Briefen Rahel’s an Burgsdorf und an Finkenstein keine mehr zu finden sind; ich gäbe viel darum, grade diese zu haben, oder auch nur zu lesen! Bleiben Sie, hinsichtlich der von Ihnen noch aufzufindenden erstern, wenigstens meines eifrigsten Wunsches gütigst eingedenk! Auch die Gelegenheit, welche Sie als möglich andeuten, zu Rahel’s Briefen einmal mannigfache Erläuterungen und Berichtigungen zu geben, würde ich gern herbeirufen, und das gewiß gewinnreiche Ergebniß mit Freuden aufnehmen, wiewohl ich doch anmerken muß, das vieles auch in meinen Papieren noch ganz andre Gestalt hat, als jetzt im Gedruckten, und daß ich selber manches berichtigen, andres aber auch umständlich belegen und erhärten kann, was Rücksichten nur obenhin oder eingehüllt mitzutheilen geboten. Führt mich ein guter Stern einmal in Ihre Nähe, so werde ich Sie hoffentlich überzeugen, daß mein Vertrauen in diesen Dingen zu Ihnen ganz rückhaltlos sein kann, und ich würde mich wahrhaft freuen, Ihre Prüfung zu bestehen und Ihren Rath zu empfangen!

Verzeihen Sie dies eilige Blatt! Ich reise in acht Tagen nach Holland, um Seebäder zu gebrauchen, und bin gestört und verwirrt durch die Vorbereitungen, und durch die Uebel selbst, die ich bekämpfen soll! Ich danke Ihnen wiederholt für Ihr werthvolles Schreiben, und wünsche und erbitte eifrigst[S. 137] die Fortdauer Ihrer Wohlmeinung. Verleihe der Himmel Ihnen die beste Sommerstärkung und jede Fülle des Guten. Mit aufrichtigster Hochachtung und Ergebenheit verharr’ ich treulichst

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

III.

Berlin, den 12. April 1844.

Hochverehrtester Herr Geheimrath!

Beifolgende Einlage für Sie, von Herrn Lewes in London, empfing ich soeben in einem Bücherpaket von Herrn Asher, und säume keinen Augenblick, Ihnen dieselbe ergebenst zu überreichen; ich erhielt sie aufgeschnitten, ebenso wie mein Brief es war, und das ganze Paket. — Herr Lewes, mir durch Thomas Carlyle empfohlen, ist ein junger Litterator von schönen Kenntnissen und gutem Willen, der eine Sammlung von Dichtern herauszugeben beabsichtigt, und zu diesem Zwecke kurze Biographieen und kritische Würdigungen wünscht. Ich selbst bin zwar nicht im Stande, irgend einen Beitrag zu liefern, würde mich aber freuen, dem Werke sonst förderlich sein zu können. —

Mit den eifrigsten Wünschen für Ihre uns Allen theures Wohlsein und mit dem innigsten Ausdruck der Verehrung und Ergebenheit

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

[S. 138]

IV.

Berlin, den 19. März 1847.

Hochverehrtester Herr Geheimrath!

Das Buch, von welchem Carlyle’s Brief allzu günstige Worte sprach, wurde dadurch der Gegenstand Ihrer freundlichen Nachfrage, und ich darf wohl entschuldigt sein, wenn ich nicht dem Zufall überlassen will, dasselbe vor Ihre Augen zu bringen! Gönnen Sie dem beifolgenden neusten Band einen gütigen Blick, und wenn darin Einiges Ihrer Theilnahme würdig erscheinen mag, so wird mir dies die größte Befriedigung sein! —

Mit Verehrung und Ergebenheit

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

V.

Berlin, d. 30ten Juni 1847.

Hochverehrtester Herr Geheimrath!

Den von Ihnen gewünschten Brief Carlyle’s bin ich so frei hiebei ergebenst zu überreichen; meine Nichte hat die Abschrift angefertigt, ungemein erfreut, daß ihre Dankbarkeit Gelegenheit fände, sich mit etwas zu beschäftigen, das Ihnen bestimmt wäre. Sollten Sie jedoch wünschen, Carlyle´s eigne Handschrift daneben einzusehen, so steht auch diese gern zu Diensten. Ueber Carlyle schrieb mir dieser Tage eine Freundin aus England: „Of the Carlyles I have seen more, and like them the better after every visit; he ist the only original talker I know now in England, — he is more like thinking aloud than discoursing for the benefit of[S. 139] others, and the apparently unconscious manner in which he rambles from one subject to another without the least troubling his head about the fitness of it, — is very curious to listen to.“ Dies stimmt mit allem, was ich sonst von ihm gehört, bestens überein. —

Ich bin neulich sehr ungern von Ihnen weggegangen, — ich mußte leider, — aber mit bewegter Seele und dankerfülltem Herzen! Ich hatte Sie so lange nicht lesen hören, und mich dünkte ganz Neues und Ungehörtes zu vernehmen. Das artige Lustspiel Goethe’s ist mir in Ihrem Vortrag erst recht lebendig und klar geworden, und der Eindruck wird mir davon nie wieder vergehen. Dieses sanfte Feuer, diese Stärke ohne Heftigkeit, diese Macht des Maßes, wirken auf das Gemüth so wohlthuend wie die edle reine Stimme lieblich auf das Ohr! —

Möge der Sommer Ihnen alle Annehmlichkeiten des Gartenlebens und jedes frische Gedeihen gewähren! —

Mit größter Verehrung und dankbarster Ergebenheit

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

Wegen der Handschriften von Rahel — wenn sie künftig erledigt werden, — eines Blattes von Frau von Knorring, und sonstiger gelegentlichen Gaben — „ohne der Wohlthätigkeit Schranken zu setzen“ ist in Berlin ein gebräuchlicher Ausdruck — will ich mich bestens zu Gnaden empfohlen haben!


[S. 140]

Rahel Antonie Friderike Varnhagen.

VI.

Berlin, Sonntag den 6ten Apr. 1823.

Grüß Sie Gott lieber Freund! Und schike Ihnen die beßte Gesundheit; für das Andere müssen wir selbst sorgen; und je älter je mehr; oder vielmehr, je besser sehen wir dies ein. Wie ich zu dieser art von Gruß komme? Den ganzen Winter war ich krank, kränklich, und unwohl, und mein ganzes Haus mit mir; und am Ende hört ich noch Sie seyen auch krank gewesen. Mit dem Frühlingswinde mit dem ich Ihnen gerne noch besseres als den herrlich nicht zu erfindenden Frühling schiken möchte, bin ich doch so glüklich Ihnen die persönliche Bekandschaft der Fräulein Pfeiffer[12] machen zu können. Ich kann ihr die Freüde, die sie uns hat empfinden lassen, wohl nicht glänzender lohnen! Sehen Sie sie mit den kritischsten Augen an; es kann ihr und dem Urtheil über sie nur gedeilich gerathen: und an der allgemeinen Freüde Deutschlands würd’ ich auch mit Stolz meinen Theil haben, wenn Sie, um ihr eine Rolle zu schreiben, uns ein Stück zu schenken verleittet würden. So etwas hoffe ich. Ich will Ihnen mit meiner Beurtheilung dieser großartigen Aktrice nicht vorgreiffen. Nur so viel: ich erinre mich keines Großen ihrer Art, keines Fleck, Talma, Esslair, keiner Raucour, George, Bethman, Schröder, mit denen sie nicht momentane Aehnlichkeit hätte: und wie alles Wahrhafte wieder an alles Wahrhafte erinerte; an Wetter, Musik und Situationen, in denen man nie war &c. Folgen Sie ja womöglich die ganze Reihe ihrer Vorstellungen; sprechen Sie[S. 141] mit ihr hin und her, lassen Sie sich von ihr lesen, untersuchen Sie sie ganz. Machen Sie’s Einmal wie die Richter in Egmond: verhöhren Sie etwas hinein wenn Sie nichts heraus verhöhren können. Nämlich, schiken Sie von Ihrem nach der Tiefe ihrer Seele, und Sie kommen mit Beute zurük. Ich sah sie in Kawansky zuerst und besuchte sie dann: ich freue mich, daß meine alte Tage sich noch aufführen wie meine jungen: und daß ich den Muth zur Trägheitsbesiegung noch in mir — unter manchen sehr ungünstigen Umständen — zusammenfand. Lassen Sie sich von mir ansteken! Verführen! Wie wohl Leute ein Glas Wein zusammen trinken, je älter je besser: so wollen wir diesen Genuß unserer Kindheit, mit altem Geschmak, — auch je älter je besser — wieder und noch haben. Geht es Ihnen auch so? ich möchte die alte Zeit immer zur Rede stellen, vor die Schranken fordern; es ist als hätte sie mir nicht recht stille gehalten: ich hatte damals zu viel Anderes vor, man ließ uns nicht Zeit, nicht Muße; ich möchte ihr zeigen, ich war’s wohl, bin’s noch werth was sie mir both; ich empfinde es ja noch: und Alles was jetzt ist. Wie? ist das Wahr? Ist’s nicht mit Ihnen auch so?

Gehen Sie in allen Fällen hübsch in die Komedie lieber Freünd! Und schenken Sie uns Ihre Kritiken. Deutschland braucht’s. Goethe hatte vor ganz Kurzem noch nichts in Ihrer Verlobung gelesen, und mit vieler Liebe von Ihnen gesprochen: da nannte man ihm die Novelle. So etwas muß mich doch freüen. Mich. Sie wissen wie ich Göthe vergöttre. Und welchen Triumpf ich bey dem Kronentausch erlebe! nicht harter Lorbeer; Nachruhms-Laub: Rosen, frische Liebesrosen reichen sich die Lebendigen! Und wir, die mit Anerkennung auch begabten, Klatschen in die Hände! Wißt ihr Dichter und Authoren, es sind, heil uns! mehr[S. 142] als ihr denkt. Und deshalb schreib’ ich, eine der Geringen, Ihnen so!

Noch weiß ich nicht was wir diesen Sommer machen, es ist nur ganz gut, wenn es uns mit Ihnen zusammen bringt.

Ihre treüe

Fr. Varnhagen.

Tausend herzliche Grüße der Madame Tiek, der lieben Gräfin und den lieben Mäderln!

Varnhagen hustet noch und ist leidend, er wünscht alles Gute mit mir.

VII.

Berlin, Mittwoch den 13t. Aug. 1823,
angenehmes warmes, nicht ganz
beinahe helles Gewitter-Wetter.
11 Uhr Morgens.

Was ist das? daß Sie einen ganz neuen Tiek uns in alten Koffern Jahrelang vorenthalten! Mit dem größten Preis und Lob, mit dem innigsten geflügelsten Dank, mit allen Ausdrüken der höchsten Bewunderung wollte ich anfangen: Vorgestern kamen Ihre Gedichte heraus; Abends las uns Varnhagen welche; und Brillanttränen der höchsten Erschütterung — wie der Soufleur im Meister — weinte ich, über dem Gelungenen, Sie: anstatt dessen, stürzt mir ein Vorwurff heraus! Beßter Freünd welch Präsent! Wie schmeichlen Sie meinem Stolz! Stolz, gradzu stolz. Mit dem ich stolz auf Sie seyn kann. Nicht weil ich Sie kenne, nicht weil Sie mein Freünd sind. Nein, weil Sie da sind; und ich doch in einer Sprache mit Ihnen lebe. Mir ist’s immer als müßte ich die honneurs machen von dem was ich liebe und vergöttre: und sehen Sie in den ganzen Abgrund[S. 143] meiner Seele! dies ist, weil ich dann von Niemand glaube, daß er es so durchdringt, auffaßt, von jeder Seite, liebt, vergöttert, und tausendmal von vorne an, und von neüem, wie ich. So kann es der, der es wirklich gemacht hat nicht lieben, und bewundern, und deüten, und schätzen. Ich weiß ja, daß wenn ich etwas gemacht habe, daß es mir anders, aber nicht so werth ist. O! Es ist, giebt nur Eines was Gaben in richtige Bewegung setzen kann, sie zu Talenten macht; und diese in Brennpunkt des Genies treibt. Wahrhaftigkeit. Jedes Ihrer römischen Lieder führt diesen Beweiß auf’s lebendigste. Alles ist nur wahr, haben wir Gaben genung, mit diesen Kräften gelangen wir bis zu Gott. Darum facht jedes Wort in Ihren Gedichten unsre reinste Liebe an. Dies sollten Sie geschwind wissen; drum sage ich’s Ihnen gleich; und für Viele. Wir haben auch Verstand und Sinn genug, und gelebt; um mit zu merken, und zu bemerken, Ernst, Verdruß, Freüde, Scherz, Ungemach, Leiden und Ungeduld, seelige Stille, und heitern Frieden, und größte Bewunderung, und fliegende Gedanken mit zu fühlen und mit zu machen. Herrlicher Freünd, der Herzvoll des „Großen Freünds“ gedenkt und Schakespeare anruft, zur wahren rechten Zeit! Das nenn’ ich dankbar. So sind nur die Edelsten, die voll Fülle! Wissen Sie noch? wie Sie in Prag in einer langen Unterredung, die wir hatten, endlich sagten: ein gewisses Nichtverstehen, eine Sorte Dummheit, sey unsittlich. Das war für mich ein Wort für einen alten gestaltlosen Gedanken; und unendliche reihen sich seit der Zeit besser verstanden an ihn an: und er auch hilft mir behaupten, Ihre Gedichte sind so liebenswerth, nur so schön weil sie rein wahr sind. Schönen Dank! Beßter Freünd Tieck! für mich ist es nun gar eine Wonne, ich fühle so gar Ihre Krankheit mit; habe solch regen Sinn durch sie für Ungemach; bin so entzückt, daß Sie Italien so individuel[S. 144] nehmen: ich sehe ja alles, rieche es: Jede Stille breitet sich in mir aus; jeder Lärm plagt mich: ich sehe, ich kenne die Italiener. Lassen Sie sie reden, so ist Ihr Deutsch Italienisch; sie ennuyiren mich mit; bringen mich auf’s Aeüßerste; machen mich lachen: ich sehe Wände, fresco’s, Markt, Alles. Ich glaubte an so etwas nach Goethens Elegien nicht: das bestärkt mich in meiner Frommheit! Im ganzen Hoffen, wo ich nichts begreiffe. Goethe wird sich freüen. Neulich bewunderte ich eine Ouverture von Spontini — gegen den ich bin — und dachte bey jeder schönen Stelle, o! wie würde dies erst Righini gefallen! Aber was soll ich zu Ihrem Spanier sagen, der Schildwach steht! Schöneres ist in der Art noch nie gemacht worden! Alter Meister Tieck! Mit der festen Hand! Darüber waren alle Höhrer, Roberts, Mdm. Krikeberg, Jettchen Solmar die Sängerin, außer sich! Der Soufleur, ich, weinte, große Brillanten; die zwingt eine Meisterschaft, vollkommen Gelungenes ab. Ich sage Ihnen, und nehme es allen Ihren Kritikern vor weg: ich höhrte complet die drey Sprachen distinct in diesem Gedicht; Spanisch, Italienisch und Deutsch. So arbeitet man mit einer, wenn man die Welt und die Sprachen auffaßt und dies von sich geben kann. Maëstro! Wie recht haben die Italiener mit diesem Wort, es ihren Dichtern und Musikern zu sagen: wie verstand ich die Marchetti und die Sänger, wenn sie zu Righini, entzückt und ehrerbietig und in größter Schmeichlung „caro maëstro!“ sagten, und sonst nichts. Solche Nichtsdingige Sachen — Fütilitäten — die wir alle sehen und bemerken, so mitspielen zu lassen, als des Spanier’s Schnallen und Anzug! Seinen gravitätischen Zorn, sein zorniges Heimweh so auszudrücken, bringt unser Deutsch zu neuen Ehren. Warum ließen Sie dies alles (precipitando) so lange liegen? Manchmal ist mir, als wüßt’ ich’s, Sie könntens gar nicht machen; wenn Sie’s nicht auch[S. 145] so lange vernachläßigen könnten. Seit heute strich ich mir an, worüber ich mit Ihnen sprechen wollte: aber es werden alle Gedichte aus Italien, die andern hab’ ich noch nicht angesehen. „Weinachten,“ die Künstler die alle Töne keck aufbiethen um zu heuchlen und zu grimassiren! „Karnewal,“ des Mißbehagens und Zürnens, der Boßheit, des Grolles tausendfältig verschlossene Ursachen! „Campo vacino“, der Saülen Lockenhaupt-Geflüster. „Stiergefecht,“ wie schön: und meine Ochsenfurcht: „der Ueberlästige,“ göttlich beschrieben: „ohne Ursach lachend.“ Zur Raserey! „Die Marionetten.“ Wie der Wegweiser spricht, das ausgemachteste Italienisch! „Schmerz in der Lust.“ Vortrefflich! Das Gedicht heilt uns selbst! meine Leiden! „Heimweh.“ Göttlich beschrieben: einzige Worte. „Ein Schwindel ergriff mich; mein Leben zerrann.“ Kein Wort geht verlohren, glauben Sie’s, theurer Landsmann! Sie haben nicht nur die Freude des Dichtens gehabt; Sie machen die größte. „Die Tiroler“ sind schon fertig componirt! Was soll ich aber zu Botzen, zu Trident sagen!!! Ich, die nichts weiß; roch, athmete, daß es Italiens Gränze ist; und es war wahr! Trident! wie fühlte das die Kranke! Alles wird Ihnen zum Gedicht. Wie Goethe sagt. Als wäre ein Thal ein Ort, voll saftiger Farben, und Sie nähmen von denen gradzu und mahlten: so erscheint’s mir. Luft lassen Sie mich athmen. Stille empfinden: Laub im Sonnenthal vermissen; versöhnen mich wieder. Aber was spreche ich! Wären Sie nicht Tieck, läsen wir Ihnen die Gedichte mit Gewalt vor! Wir thun das Einer dem Andern. Seyn Sie überzeügt; es giebt noch unaffektirte Menschen in Deutschland, und die alle genießen das herrliche Geschenk und freuen sich, und wissen vor Dank nicht was sie anstellen und sagen sollen. Die Hohen in unserm Volke, die krönen und belohnen sollten, sind noch nicht so weit. Dafür kann ich nicht: und es muß eine große[S. 146] Ursache haben, daß ich keine Prinzes bin; denn unrecht ist’s. Wenn hier Friederike von Baiern — z. B. — anstatt Varnhagen drunter stünde?! Und das vor Ihrer Thür was ich Ihnen schikte? Wagens! Mit denen Sie in meine Nähe auf Ihre Villa reisten! Nun werd’ ich ganz traurig; nun höhre ich auf, und lese in Ihren ungebundenen nicht einmal gehefteten Blättern weiter. Bey Gott! ich attrapire mich, daß ich schon lächle. Schönen Dank! Heil Dir im Siegerkranze. Sie sehen, ich bin närrisch vor Jubel. Gott stärke Sie noch lange und plötzlich: für uns alle! Kramen Sie doch noch ein Bischen mehr in Ihren alten Koffern! Ich bin erst seit Sonnabend 8 Tage ein Mensch: so leidend war ich Juny und July. Schon im 3ten Jahr so in den Monathen. Viele schöne Grüße der Gemalin, den Kindern, und Gr. Finkenstein. Kennen die schon lange diese Gedichte? Ich gönne es ihnen. Varnhagen jubelt! und ist Ihr größter Verehrer. Es ist göttlich, daß wir in der Jugend nicht vertraut waren! Schade! für alle die verlohrne Saaten! aber echt war’s von Beiden. Still wurmte es in uns. Kennen Sie den Berlinisism noch? Robert wird Ihnen wohl schreiben. Der lächelte nur immer, wie über ein Gotteswunder: wie über einen Ausbund von Blume: ich aber brach aus; nach den schweigenden Thränen. Varnhagen triumphirte: der hatte es gebracht, und las. Den hallischen Wolff hab’ ich die Kunst gehabt auf einer Fahrt gestern, ganz lüstern nach den Gedichten zu machen. Alles Griechische und Latein half nicht dagegen! adieu Theurer maestro! bald schreib’ ich noch mehr.

Ihre arme

Friedricke Varnhagen.

Wenn sich der junge Krikeberg — Sohn der gewesenen Schauspielerin Mme. Koch, die ich noch häufig sehe — bey[S. 147] Ihnen präsentirt seyn Sie gütig gegen ihn. Er ist bescheiden, wohlerzogen, voller Sinn und will Sänger werden. Wenn er Sie hat lesen höhren, so hat er St. Peter gesehen. Seyn Sie gütig gegen ihn. Die Mutter wird Ihnen schreiben. Sie ist noch bey unserm Theater, und nicht gewesene Mimin, sondern gewesene Koch; Köchin. adio!

VIII.

Berlin, den 8t. Septbr. 1824.
Mittwoch vor Tisch. Sirocco-
Wetter. Keine Lust von keiner
Seite; zum Sterben.

In diesem Wetter komme ich so eben von Reimer. Er hat mir erlaubt, daß Ihre Sewennen, Bogen vor Bogen in’s Französische dürfen übersetzt werden, und mit dem deutschen Buche zu gleicher Zeit erscheinen dürfen. Ihre Genehmegung zu erhalten, überlies er gerne mir. Ich denke, ich habe sie schon. Wir haben hier einen jungen Freund bey der Französischen Legation, der sehr gut deütsch weiß; es liebt und pflegt; seine Sprache wie ein Engel schreibt; und vortrefflichst übersetzt — wie jetzt nur die beßten — dieser junge Mann fühlt sich gerüstet zu litterarischen Arbeiten: aber ein Buch zu verfassen erschrikt ihn doch; so beichtete er uns diese Woche in einem langem Gespräch, nach langer Lecture von Originalen, in beiden Sprachen, und Uebersetzungen, die er uns mittheilte, kurtz — im litterarischen Gespräch. Er fragte um Rath und nach einem guten deütschen Werke: ich hatte schon lange H. Kleist’s Erzählungen im Kopf. Varnhagen aber kam den andern Morgen mit dem herrlichen Gedanken als Fund zu mir, Ihre Sewennen übersetzen zu lassen. Der junge Mann kennt bis jetzt weder Meister noch Werk. Er weiß nur, daß er Bogen vor Bogen erhält, und sein Ehrenwort[S. 148] geben muß absolut Niemanden davon zu sprechen, noch zu zeigen!

Wollen Sie das? So lassen Sie mir baldigst ein Wort, nur ein Wort durch meine Schwägrin, oder Agnes, oder Dorothee schreiben: und Sie sind so ehrlich wie vorher; sagt man hier; wie Sie gewiß noch wissen. Könnte mein Vorschlag wie ein gesunder Peitschen-Pfiff im frischen abendlichen Jagdwald Ihren Pegasus ermuntern, und er Sie flugs ganz in die Sewennen entführen! Und mit vielen Blättern beschwert käme er und Sie zu aller Freunde Freude zurük! Fragen Sie einmal Robert wie vortrefflich unser junger Franzose übersetzt! Soll ich nun dem Lebenskenner, dem Dichter, der über alle schaltet und waltet, noch viele Worte machen? Von meinem Leben sprechen? Er weiß was Einer leben kann, der noch nicht todt ist, und von dem nicht das trivialste und höchste etwa, in den Zeitungen berichtet wird. Die Lebensfunktionen müssen aber leidlicherweise vor sich gehen können; aber solch ein Wetter behaupte ich, war noch nicht. Naturforscher, Naturkenner und Beobachter werden Wunder davon berichten, bin ich überzeügt. Der Erde Befinden ist gestöhrt durch ein fremdes Ereigniß, ihr bis jetzt fremdes und ich, wie Hamlet, bin gebohren — nicht — sie wieder einzurenken; aber es zu empfinden. Also wissen Sie auch wie ich mich befinde; trotz, daß mein Körper endlich — wie eine Seele ruhig seyn wollte, gesetzt und gelassen wurde wie Pollonius unter der Treppe! —

Varnhagen weiß nicht, daß ich Ihnen schreibe: grüßt also tüchtig und herzlich: Ich alle 4 Damen Ihres Hauses! Lassen Sie mich wissen ob auch Sie das Wetter empfinden. Im Ganzen weiß ich von Ihrer aller Gesundheit.

Roberts gehn ab. Da ist nichts zu sagen, als es zu leiden. Das wäre ganz genug? Nicht wahr? Gott bewahre![S. 149] Man hat auch noch Vernunft: und nun muß man dazu rathen. Und nun ist der Mensch fertig — fertig da!

Wenn Sie je etwas auf mich gehalten haben, so lesen Sie Alfons, ou l’Espagne, von Salvandy.

IX.

Sonnab., Berlin, den 8t. April 1826,
halb 2 Mittag. Helles warmes
Wetter mit einem unerzogenen
Wind, der nicht recht weiß wo er
herkommen soll; obgleich er leider
Nordost ist.

Gott grüß Sie lieber Freünd! Gleich, vielleicht zur ungünstigsten Stunde — ich werde gewiß unterbrochen, und kann auch ohnehin nicht die Feder führen, wohl einen Brief schreiben — will ich. Ihnen danken für den Heilungstrost den Sie mir in Ihren dramaturgischen Blättern gewähren, wovon ich jetzt eben etwas im 2t. Bande las, gegen den vielen Dummheitsgift, den man so langjährig verschluken muß. Zu 4, 5 Monathen gehe ich nicht in’s Theater: aber es fehlt mir nichts; ich weiß doch davon, denn eine Vorstellung ist alten wahrhaftigen Theaterliebhabern, wie wir gebohren sind, genug, die Schändung desselben zu überschaun! Die jetzt hinein gehen, schreien, rezensiren, klatschen, lesen, sind unfähige, sinnliche Wüstlinge, die der Wüste in sich zu entfliehen gedenken, und sie nach außen treiben, klexen und sprechen. Diese dürren Referirungen, „Referent“!!!, wo hergebrachter Unsinn als fleißigstes Unkraut wuchert, und ein maulsperrendes Parterre toll und stumm macht! mit Staatsdirektoren an der Spitze, die aus vollen Beuteln der Raserey Palläste bauen: steinerne, und wieder hölzerne darin, die eine ganze Natur unter einander wüthen lassen, und eine Kunst zu machen vermeinen![S. 150] Halt! — ein! so geschrieben! Ha — — — lt! Sie haben gesprochen, und Gott lob! Sie haben auch schon das Vorurtheil für sich: es wird also rechts und links wirken. Beßter Tieck! Höhren Sie nur nicht auf, lassen Sie alles, was Sie verheißen, bald druken! Geschwind. Zwingen Sie sich zur Tugend; wie Hamlet von der Mutter will. Ja lieber Freünd, es ist eine Tugend; weil Zwang und eine wirklich gute Handlung zusammenkommen. Es ist nicht solche Kleinigkeit, welches Theater eine Nation hat, wenn sie so weit ist eins zu haben. Bey den Deutschen ist es ja schon ein allgemeines Bedürfniß, und an allen Ecken und Enden erbaut. Es ist so wohl der Beweiß was eine Nation will, als ihr Weg zu dem was sie wollen soll. Nehmen Sie um’s Himmels und um der beßren willen, so existiren, und die sich entwicklen können, den Zügel des tollen jagenden Fuhrwerks in Ihre Hand, lassen Sie’s einlenken ehe es noch mehr geladen vom höchsten Fels der Verkertheit zerschmettert stürtzt, oder verfahren in Einsamkeit verwittert und in 50, oder Gott weiß welche Geschichtszahl von Jahren, nicht wieder zu sich kommt. So wie es ist, verdirbt’s die Jugend. — Die Höfe. Noch geht alles von den letztern aus; und die erste umspannt alle Zukunft. Es ist wahrhaftig nicht solche Kleinigkeit wie unumsichtige wähnen! Warum soll Gemeinheit herschen; tausendfache Vor- und Unurtheile aller Art; und alle Abend in diesen Tempeln predigen, wirken, verleiten, hoffärtig, stupid und närrisch machen dürfen? So, daß man nach dem Theater gegen 10 Uhr auch mit keinem Menschen mehr sprechen kann? Mit demselben wohlgepflegten Unverstand richten sie ja nicht minder Thaten und Sitten?! und helfen im strengsten Sinn des Worts unsre Welt so machen wie sie ist. Ein Jeder muß helfen, den sie schlecht findet: und deshalb schreib’ ich, Ihnen. Wissen Sie! Sie haben Freünde, Gleichgesinnte hier. Die letzte Veranlassung, wegen welcher ich Ihnen[S. 151] schreibe, ist Alexander und Darius. Da hatte ich die Ehre Wort für Wort zu schreien — und zu vertheidigen — was ich heüte von Ihnen las. Welche Freüde, welcher Trost und Triumpf! Alle Stellen, die Sie rühmen, hab’ ich lobend zitiren müssen. Jedes mein’ ich wie Sie, und todt habe ich mich bey den beßten sprechen müssen. Immer denselben stereotipen Helden wollen sie bald sehen! In einer schlechtern Art als die Franzosen, die sie stupid tadlen. Ich will keine Einheit! Mir gefiel das Gastmal, der Tanz; das andre persönliche häusliche Daseyn des Alexanders &c.: was Sie sagen! und in noch mehr bin ich Ihrer Meinung. Entzükt war ich, einmal kein kritisch Stück zu höhren: wo ja Fouqué doch im Zauberring alles vorweg genommen, durch die Pferde, die 20, 30 Schritte, und noch mehr, vor Heiden-Helden pruschen und scheuen! Mißverstehn Sie mich nicht. Die Unnatur in den höchsten Sphären, und die Unvernunft dort, reizt meine höchste Empöhrung. Varnhagen steht mir treulich bey, auch manchmal mit einem gedruckten Ruf. Er grüßt Sie herzlich und einverstanden! Agneschen wird Sie auch schon gegrüßt haben. Ich war so glücklich sie Mad. Milder in ihrer höchsten Begeisterung en petit comité höhren zu lassen, und ihren höchsten Stücken. Agnes wird Ihnen doch wohl meine medizinische Verordnung mitgetheilt haben! Fragen Sie sie ab im Neinfall! Gott gebe Ihnen Gesundheit! Das ist der treüste Wunsch

Ihrer treüen

Fr. Varnhagen.

Ich grüße die Damen Ihres Hauses auf’s Schönste!

Bedenken Sie ja das laufende Theater mit Ihrem Fleiß!!! O! hätten Sie ein würdigendes Wort von Mad. Brede gesagt. Sie ist jetzt hier. adio!

[S. 152]

X.

Berlin, Sonntag, den 18t. März 1827.

Figur

Ich verlasse mich auf Ihre Ehrlichkeit, lieber Freund, in Talia und Melpomene! Diese Sache wird immer rarer; die Mißgeburthen und Mißurtheile immer mehr überschwemmend! — und bitte Sie nur, den Hrn. Krüger zu sehn, wenn er in Dresden spielt! für den Rest ist mir nicht bange. Wenn es seyn kann, nur irgend; so lassen Sie ihn den Alexander in Uechtritz’ Stück spielen! Er fürchtet, grade diese Rolle in Dresden zu spielen, in welcher Sie mit dem dortigen Schauspieler so zufrieden waren. Ich fürchte mich aber gar nicht; wie er diese Rolle nahm, und leisten konnte, das war grade sein Wendepunkt. Seit der Zeit ist er ein Anderer; bis dahin war er nicht, was er seyn konnte. Wenn auch der Herr in Dresden diesen Alexander ganz anders nehmen und darthun mag, so spielt Krüger einen Menschen, eine vollkommen gestaltete, zu verstehende Person in ihm. Sie werden doch den Mimen gestatten, was Sie mit unerläßlicher dichterischer générosité dem Dichter zulassen: die Historie in den jetzigen, oder in irgend einen lebendigen zusammenhängenden Moment zu übersetzen! Dies leistete mir Krüger im Alexander; ich sah hell und klar in den Busen eines Erobrers: Nicht trüb und düster war es zu schaun, herrschsüchtig, und Schmerz und Wunden verachtend, zerstörungslustig, oder nicht achtend — wie jetzige und gewesene Helden von der Menge imaginirt, gehaßt und nicht geliebt werden. Es war ein heitere großmüthige Seele, der es nicht einfallen konnte, ein Bürgerleben zu führen, irgend etwas in’s Kleine zu sehn; der wenn es je zur Frage bey ihm gekommen wäre, gewiß lieber den doch alles Leben endenden Tod schnell, heiter, vergnügt vor einem kleinen ihm ganz fremden Leben vorgezogen hätte. Den Feldherrn[S. 153] zeigte Kr. im Zelte, der seine Leute genau kennt; der einen schlechten Vorfall nicht anerkennt, und selbst Hand anlegend einen guten daraus macht. Auch gab er den Alex.: den Uechtritz zeigte vortrefflich: bey’m Gelage z. E.: Griechenleben, umgränzt von Allem, was jetziger Anstand fordert. Sehr gut; wenn er’s dort eben so macht. Ueberhaupt; sollte er bey Ihnen diese Rolle geben, so halten Sie ihn an; daß er sie grad eben so gebe, wie hier das Erste Mal. Besonders muß er zuletzt so abgehen und das so sagen, was er zuletzt zu sagen hat. Eine Welt von zu Geschehendem that sich auf! Solch Ende überhaupt will ich: nicht eine Idee, wie sie’s nennen, ein todt-willkührlich-Abgemachtes, wie so etwas nach einer schöngeschriebenen Vorschrift; warum nicht gar! weiter, und weiter entwickelt sich Leben; und Dichtung geht ihm nach und vor! Lassen Sie ihn ja Leister in Maria Stuart spielen! Wolff[13] ein geputzter, leerer Hystrione darin: Ifland hoffend, das Publikum würde aus äußern Gestikulazionen, Pausen, Mienenschneiderey — Traurigkeit über die Rolle — Putzkostüm, sich selbst einen Leister zusammenmachen. — Nichts! der spielt ihn: er macht keinen Würdigen daraus: zeigt aber wie so er unwürdig ist; und wie auch als ein Träger solches, doch wahre Angst, Absicht, Furcht, Scheu und Entschluß haben kann. Schiller selber hätte seinen Leister besser erkannt. Krüger hat Stimme und Sprache in seiner Gewalt, steht über seiner Person, macht sie zu einer (weggerissen) spielt nicht einzelne Stellen, und nach einzelnen Ausdrücken, sondern schon aus seinen ganzen Rollen, hat sich ausgeschrieen, ohne der Stimme zu schaden, und declamirt fast nie mehr.

[S. 154]

Beschützen Sie solchen gut gerichteten Fleiß, und seinen jetzigen und künftigen Ertrag.

Alles was Sie über Theater sagen, unterschreib ich das ganze Jahr hindurch; aber zu Hause! selten lasse ich mich fangen zu der Ungeduld. Die machen sie mir. Doch sehe ich alles, was zur Geschichte des Bühnenwesens gehöhrt; wann das muß, das unterscheide ich auf dem Punkt. Ich bin einer der größten Theater-Kenner. Das beweisen Sie mir. Wieder; auch; denn ganz allein, würd’ ich es auch glauben.

Seyn Sie gesund! Beßeres weiß ich nicht! Das lernt man quand on est criblé de rhumatisme. Er ist toll; und haust auf mich, in mir. Hr. Krüger wird mir von Ihnen erzählen: Sie schreiben nicht. Wie schwer wird’s mir!!!!!!!! Gift ist es mir. Schöne Grüße all Ihren vier Damen! Keine soll etwa Krüger bey Ihnen verkleinern; sondern, Sie rein und frisch urtheilen lassen. Wie sonst, und immer

Ihre

Fr. Varnhagen.

Varnh. weiß nicht, daß ich Empfehlungen schreibe! Adieu.


Vorholz.

Wenn diese Sammlung den Hauptzweck verfolgt: Tieck’s Angedenken unserer jüngeren Generation ehrenvoll wach zu rufen, und gewissen Leuten vor Augen zu stellen, wie tief und innig der oft geschmähete Meister mit seinen Werken in die Seelen der guten, klugen, redlichen Zeitgenossen gedrungen ist, welchen Wiederklang seine Dichterstimme erweckt hat,... dann können wir dieß Zeugniß eines schlichten Bürgersmannes nicht hoch genug anschlagen. Es sagt in einfachen ungekünstelten Worten unendlich mehr für Tieck, als spitzige, in Gift und Galle getauchte Federn, auch von gelehrten Gegnern geführt, gegen ihn aufzubringen vermochten.

[S. 155]

(Ohne Datum.)

Sehr verehrter Herr!

Ich habe den jungen Tischlermeister gelesen. Wenn je ein prosaisches Buch mir Nahrung für Herz und Seele gewährte, so ist es Dieß, Ihr herrliches Product. Wie bin ich froh, nicht nach dem ersten Durchlesen gleich Gelegenheit gehabt zu haben, Ihnen Verehrter meine Herzensmeinung darüber zu sagen, Sie hätten gewiß geglaubt, es sei in meinem Oberhause nicht richtig. Aber! ich habe den Tischler nochmal gelesen und werde ihn wieder lesen! und bei der zeitigen Ueberschauung ist der Nachhall nur desto dauernder. Ist die ganze Auffassung breit und lang, so habe ich es recht gefunden, der Tischlermeister kommt mir vor, wie ein in die kleinsten Bedeutungen ausgeführtes Gemälde, mit Naturschönheiten, belebten Stellen und Personen. Freilich! an dem Urtheil des Laien liegt in der Regel wenig, doch wenn ich Ihnen sage: daß ich diesen Leonhard nicht nur empfunden, sondern durchlebt habe, wird es Sie nicht wundern. Wer anders könnte ihn zeichnen, als eine große Seele, die den tiefsten Blick in das Leben der sogenannten Stände gethan. Wer wie ich, es erfahren hat, daß der Stand des Handwerkers oft das Einzige Hinderniß, daß Personen, die sich gerne ihm hingeben möchten, sich zurückhalten, der wird finden, wie treu Sie den Elsheim zeichneten, als er verlangte, Leonhard müsse als Professor aufgeführt werden. Wie sehr füllte er im Hause der Baronin seine Stelle aus, sogar die reizende Charlotte verliebte sich in den verheuratheten Handwerksmann und doch hätte er Nichts gegolten, wenn er als Tischler erschienen wäre, man hätte über ihn mitleidig gelächelt und ihm seinen Plaz bei der Bedienung angewiesen! wie schön deßhalb bald nach dem Eingang des Buches, wie schön die Schilderung des[S. 156] patriarchalischen Standes des deutschen Hausvaters und Bürgers im Gegensaze mit den französirten Halbherren der Neuzeit, o wie ganz aus meiner Seele genommen! Das Gasthofgemälde mit der rüstigen Wirthin, dem trägen Wirth und Allen den vielen Gästen bildet schon für sich ein anziehendes Bild. Sie wissen es selbst, wie wenig sich die sogenannten höhern Stände um die Andern bekümmern, hätten Sie es sonst nicht gefügt, daß die ganze Gesellschaft im Schlosse der Baronin in Leonhard keinen Tischler vermuthete? den alten Bedienten allein ließen Sie ganz richtig die Wahrnehmung machen. Die Färbung des Pietismus ist so ganz Wahrheit und wie richtig, wie die lockende Verführerin gar bald eine Fromme wird und ihr eroberter Eheherr muß demüthiglich mit beten, sammt dem Hof und Haushalt.

Sollte ich mich aber versteigen und Ihnen über die Zeichnungen der Theaterstücke und ihre Aufführung etwas sagen? Das sei ferne von mir. Ich empfinde Ihre hohe Meisterschaft, sie auszudrücken bin ich nicht berufen, die Welt hat Ihren hohen Rang darin anerkannt. Ich bleibe hübsch in meinem Geleise der Bürgerlichkeit und wandre mit Leonhard in das altteutsche Nürnberg, wo ich vor zwei Jahren die weite Reise zum Dürerfeste hin nahm und welches von Ihnen so treu, so wahr mir wieder vorgeführt ward, wo ich so viel erfahren, was Sie an Leonhard der Welt anschaulich machten.

Sie, verehrter Herr, haben es durchschaut und ein großer Dichter hat es irgendwo ausgesprochen: daß es nichts poetischeres gebe, als der Handwerksstand in Teutschland. Sie fühlen es ferner, wie sehr sich Alles aus diesem Stande hinausarbeitet, Sie durchschauen aber auch, daß der Titular-Fabrikant mit einem Taglöhner arbeitend, mehr gilt, als der wackere Handwerksmann mit sechs Gesellen, daß äußerer Anstrich mehr gilt, als die stille anspruchlose Bescheidenheit mit ihrem heitern Loose.

[S. 157]

Alles Dieses haben Sie bewiesen in dem Buche, für dessen reichen Inhalt Ihnen ein treuherziger Handwerksmann die teutsche Hand drückt. Ich habe lange gesprochen, aber, Sie haben es auch so gemacht! Könnten Sie in mein Innres schauen, Sie würden das lesen, was ich nicht zu schreiben vermag. Ich sage Sie würden? nein! Sie werden lesen, ein Mann der den tiefsten Blick in die Bildungen des Herzens that, hat schon im Eingange ersehen, was der Unfähige ihm vorlallen wollte.

So schließe ich nun und bitte die Freiheit ab, mit der ich es gewagt, vor den großen Mann zu treten, wie die Maus vor den Löwen! Nehmen Sie dieses nachsichtlich als einen Beweis von Dankbarkeit von einem Manne, der nicht sagen kann, wie sehr er stets sein wird, Hochgeehrtester Herr

Ihr ganz ehrfurchtsvoller

C. Vorholz, Bäckermeister.


Waagen, Gustav Friedrich.

Geb. zu Hamburg am 11. Februar 1794. — Direktor der Gemälde-Gallerie der königl. Museen; seit 1844 Professor der Kunstgeschichte an der k. Universität Berlin.

Ueber die Maler van Eyck (1822.) — Kunstwerke und Künstler in England und Paris, 3 Bde. (1837–39.) — Kunstwerke und Künstler in Deutschland, 2 Bde. (1843–45.)

Aus vielen vorhandenen Zuschriften, welche W. an seinen verehrten Freund und Oheim im Laufe langer intimster Verhältnisse gerichtet, haben wir nur einen ausgewählt, und diesen gerade, weil er vom Tode der unvergeßlichen Dorothea handelt, und uns die Menschen und ihr Verhältniß zu einander klar macht. An alle übrigen durften wir uns, ihrer Familien-Beziehungen halber, nicht wagen. Als erwünschten Anhang zu diesem Briefe geben wir eine Einlage des späteren königl. General-Adjutanten und Gesandten in Rom[14], Freiherrn von Willisen. (Nr. 4.) — Zwei höchst bedeutende Schreiben Tieck’s (Nr. 1 und 2) hat dieser schon, als für den Druck bestimmt, in Abschrift seiner Sammlung beigefügt.

[S. 158]

Ludwig Tieck an Waagen.

I.

Zibingen, den 4. Febr. 1815.

Mein liebster Gustav!

Immer wieder von neuem erfreut mich Deine Liebe zu mir, und jedes Wort von Deiner Hand thut mir wohl, nur schmerzt es mich zu hart, daß Dein Gesundheitszustand so wenig ist, wie er sein sollte, daß Du schon seit vier Monaten das Zimmer nicht hast verlassen können. Ich hoffe, mit dem Frühjahr soll es Dir besser gehn. Dieser Winter ist ungesund, und ich habe mich auch seit lange nicht wohl befunden, so daß auch meine Arbeiten auf mancherlei Art sind unterbrochen worden. Es thut mir, wie Dir leid, daß Du nicht nach Heidelberg gehen kannst, indessen mußt Du Dir nicht schon vorher Deinen künftigen Aufenthalt in der Phantasie zu sehr verleiden; Breslau hat schöne Denkmäler der Architectur, merkwürdige Alterthümer, herrliche Bibliotheken, in denen sich wahre Seltenheiten, auch treffliche Manuscripte befinden. Das Volk gefällt mir eben so wenig, wie Dir, indessen leben doch viele ausgezeichnete Menschen dort, wovon Dich viele, wie ich hoffe, gut und freundlich aufnehmen werden: was ich Dir dort irgend nützlich sein kann, soll Dir gewiß nicht fehlen, ich will Dir an v. d. Hagen einen Brief schicken, den zweiten Raumer kennst Du durch den Bruder, doch werde ich noch Deinetwegen an ihn schreiben. Du hast doch den Vortheil zum wenigsten, daß Du bei Verwandten im Hause wohnen wirst, wo Du wie ein Sohn und Bruder wirst sein können, und Dich nicht plötzlich in eine fremde ferne Welt hinausgestoßen fühlen, was Einem in den jungen Jahren recht bange thun kann. Vielleicht hast Du in der Zukunft doch noch Gelegenheit zu reisen, vielleicht auch noch auf einer andern Universität[S. 159] zu studiren. Hüte Dich nur, das ist das Wichtigste, vor der Hypochondrie, lerne Dich ein, jede Stunde des Lebens zu genießen und froh zu sein; der heitre Mensch lernt und denkt in einer Stunde mehr, als der trübe und verstimmte in Wochen. Nur Heiterkeit bringt den wahren, gedeihlichen Fleiß hervor. —

Es ist schön, daß Du so fleißig bist, ich hoffe, Du bist es nicht zu sehr; nur, Liebster, hast Du denn auch gute Ausgaben der Classiker? Denn das ist die Hauptsache, um sie in Deinen Jahren mit Nutzen zu lesen. Vielleicht kann Dir Gustav Alberti damit aushelfen. Theile Dir Deinen Tag etwas ein, und ermüde Dich nicht zu lange über einem und demselben Buch. Lies ja auch Griechische Autoren, Plutarch, wenn Du schon so weit bist, den Thucydides, und neben dem Homer den Sophocles. Tacitus ist erst wahrhaft groß in seinen Annalen und der Geschichte. Was Du mir vom Horaz und Virgil schreibst, begreife ich wohl. Ich habe an mir selbst und an Mitschülern in der Jugend die Erfahrung gemacht, daß diejenigen jungen Leute, die wirklichen Sinn für die Poesie hatten, lange Zeit den Alten keinen Geschmack abgewinnen konnten. Trifft es sich, wie es natürlich geht, daß wir unter den Neuern Lieblinge antreffen, und uns irgend einen großen Dichter der neuern Zeit befreunden, so werden dadurch leicht die größten Schönheiten des Alterthums auf gewisse Weise verdunkelt, so daß uns erst späterhin wieder der Sinn für diese aufgeht. Dazu kommt, daß die einfache, rührende Größe des Alterthums erst recht einleuchtet, wenn wir vieles in uns überwunden, durchlebt, Irrthümer erfahren und abgelegt haben. Warum soll denn auch die Jugend das Interessante, Blendende, Sonderbare nicht vorziehen dürfen? Doch laß Dich, mein Lieber, ja nicht in Deiner Verehrung für den Cervantes irre machen, so ist es nicht gemeint, und ich wünschte nur, Du könntest diesen großen Meister erst Spanisch[S. 160] lesen, um ihn noch mehr zu verehren; studire nur recht den Shakspeare und Goethe, und wohin Dich Deine Neigung führt, die bei Deinem wahrhaft poetischen Gemüthe gewiß nichts Abgeschmacktes oder Unedles ergreifen wird. Es kann ja auch sein, daß in Dir selber ein zukünftiger Dichter schläft, und jemehr dies der Fall ist, je bestimmter und einseitiger wirst Du vieles von Dir zurückstoßen und Dir andres gewaltsam aneignen: die Universalität sollen wir in der Jugend, und vielleicht nie, haben; ein frühzeitiges Streben danach erstickt Talent und Urtheil, und viele neuere Schulen, die neben der Sprachgelehrsamkeit auch ästhetisch hierin haben verfahren wollen, sind auf dem allerfalschesten Wege gewesen. Alles, was ich aber hier gesagt habe, kann sich überhaupt kaum auf die Römer beziehn, und ich theile hierüber nur Deine Gefühle, denn genau zu sprechen, haben sie wohl keine Dichtkunst, wie keine Kunst besessen; Herrschen, Reden, Geschichte schreiben, Krieg führen, dies waren ihre Talente. Was sie an Poesie aufzuweisen haben (wenn nicht das Alte, Einheimische untergegangen ist) ist auch nie national geworden, wie bei den Griechen: was ist Plautus und Terenz anders, als Uebertragung und Verderbung griechischer Vorbilder? Wie mögen die Verse der griechischen Lyriker anders ausgesehen haben, als wir sie beim Horaz wieder finden? Da, wo wir ihm auf der Spur sind, sehn wir den Unterschied nur gar zu deutlich. Der originellste Dichter der Römer ist nach meiner Meinung Ovid, nur ist er oft gering und klein; Catull ist mir sehr lieb, und im Horaz seh ich den feinen, edlen Weltmann, mich erheitert die Urbanität seiner Gesinnungen und mich reizt die Eleganz seines Ausdrucks, aber wenn ich an große, an wahre Dichter denke, ist er der Letzte, der mir in’s Gedächtniß kommt. Darum sind auch seine Satyren eigentlich nur das Werk, von dem man als einem recht eigenthümlichen[S. 161] sprechen kann. Welchen falschen Einfluß sein lustiger Brief ad Pisones, den man ars poetica hat nennen wollen, auf die Bildung der neuern Welt gehabt hat, wird Dir wohl noch einmal in Zukunft recht deutlich werden. Kann es eine unglücklichere Aufgabe für einen Poeten geben, als überhaupt die Art des Landbaus beschreiben zu wollen und zu lehren, oder gar wie es Virgil gethan hat? Das sind die Gedichte, die nur entstehn können, wenn ein Volk Luxus genug hat, um auch Dichter haben zu wollen, mißverstandenen Stolz genug, daß sie lehrreich sein, und Verirrung aller Begriffe, Mangel an Kunst und Enthusiasmus, daß sie sich mit gezwungener Künstlichkeit auf etwas beziehen sollen. Wie sieht dagegen das unschuldige, aus dem Gemüth geschriebene, aber freilich auch unpoetische alte Spruchgedicht des Hesiodus aus! Ueberhaupt, Lieber, mache Dich nur mit frischem Muth an die Griechen, und ich bin fest überzeugt, daß sie Dir einleuchten und Dich begeistern werden, ohne daß deshalb Deiner zärtlichen Liebe für die Neuern Eintrag geschieht.

Wie Du den Homer liebst, weiß ich; auswendig muß man ihn wissen, er ist kein Dichter mehr, er ist Natur, Menschheit und Kunst selbst; kannst Du zum Aeschylos und Sophocles gelangen, so studire sie, und auch nachher den Pindar. Euripides ist eine höchst merkwürdige Zerbrechung griechischer Kunstvollendung und mir darum sehr lieb und wahr, weil er mir manche große Erscheinung der Neuern erklären hilft. Gegenüber die großen Prosaiker Herodot, Thucydides und dann Plato, Aristoteles, welche Namen! Der Theocrit wird Dir gewiß zusagen, um so weniger Dir Geßner gefällt. Livius, Tacitus, alle Geschichtschreiber der Römer studire fleißig und die lateinischen Dichter der Sprache, weniger des Inhalts wegen. Die Philologie ist überhaupt eine Wissenschaft, in der sich alles in einem herrlichen Zirkel vereinigt, und selbst das Unbedeutende wichtig wird, weil es erklärt, etwas Wichtiges[S. 162] erhellt, und so durch das ganze Studium Ein Leben geht. — Erhalte Dich nur gesund, halte gute Diät, bewege Dich im Freien, wenn das mildere Wetter eintritt. Will Dich Melankolie überschleichen, so gedenke an den Wechsel aller Dinge, den Untergang der Staaten und Herrscher, und übe Dich, auch das Größte und Ernsteste im komischen Lichte zu sehen. — Vielleicht findet sich im Frühjahr Gelegenheit, daß Du uns besuchst, ich möchte noch mündlich über vielerlei Gegenstände mit Dir sprechen: in Prag warst Du heiter, sei immer so; damals war die Lage der Welt gewiß trostlos und Deine eigene nicht erfreulich zu nennen. —

Ich bin diesen Sommer acht Wochen in Berlin gewesen; die letzten drei Wochen war Martins da, ich habe ihn aber nicht gesehen, ob ich ihm gleich durch andre sagen ließ, wo ich wohnte. Das hat mir von dem jungen Menschen nicht gefallen, gegen den ich doch, wie Du selbst gesehen hast, in Prag so freundschaftlich und hülfreich gewesen bin, wie ich es nur sein konnte. Ich hoffe, Wilhelm soll in seinem neuen Berufe glücklich und zufrieden werden, ich wünsche ihm alles Glück.

Wenn ich glauben soll, daß Dir dieser lange Brief Freude und nicht Verdruß gemacht hat, so antworte mir recht bald. Quäle Dich nur mit Deiner Hand; glaube nur, es hat mich auch in Deinen Jahren viel Mühe gekostet, deutlich zu schreiben. Dich umarmt

Dein

Freund

Ludwig Tieck.

[S. 163]

Ludwig Tieck an Waagen.

II.

Ziebingen, d. 30. März 1815.

Lieber Gustav.

Nimm meinen herzlichsten Glückwunsch an auf dem Wege zu Deiner neuen Bestimmung. Gewiß wirst Du Dir einen neuen Muth zum Leben fassen und immer mehr einsehn lernen, daß unser guter Wille eins und alles ist, was wir bringen können, um zu erlangen, was wir erstreben. Darum wirst Du auch gewiß Deine Aengstlichkeit verlieren und Deine Anlage zur Heiterkeit wird sich immer mehr entwickeln. Du findest ja auch Freunde in dem Orte Deiner Bestimmung, und ich hoffe, daß die Einlagen Dir einigen Nutzen gewähren sollen. Meinst Du, daß ich Dir bei irgend wem sonst noch helfen kann, so brauchst Du mir nur einen Wink darüber zu geben, um mich bereitwillig zu finden. Vergiß ja niemals, daß die Universitäten nicht dazu da sein können, den Gelehrten zu vollenden, sondern nur um dem Studirenden den ganzen Apparat, alles Werkzeug, alle Handhaben zu geben, damit er in Zukunft ein Gelehrter werde. Denn nur zu oft geschieht es, daß ein junger Mann sich abängstigt, wenn er sieht, wie viel ihm fehlt, wie vieles so manche seiner Lehrer schon besitzen. Er übertreibt oft Arbeit und Anstrengung, um denen gleich zu werden. Aber Umsicht soll er gewinnen, sich zurecht finden lernen, Ordnung, Zusammenhang begreifen. Die Köpfe, die schon als Studenten sich als wahre Gelehrte ankündigen und oft die schönsten Hoffnungen erregen, haben nur selten diese Hoffnungen erfüllt. Man stürzt sich auch gar zu leicht auf ein einseitiges Studium, gewinnt hier wirklich Grund und Boden,[S. 164] und hat es in spätern Jahren dann um so schwerer, den Zusammenhang wieder zu finden, den man über einseitiger Anstrengung verfehlen mußte. Alle guten Köpfe müssen doch eigentlich Autodidacten werden, nur nicht zu früh: Die Universität schlägt uns das Gesammte der Wissenschaft wie ein Buch auf, damit wir in so weit uns und die Gelehrsamkeit kennen lernen, zu sehen, wohin wir unsre Wünsche richten möchten; wir ahnden dann, wo noch Dunkelheit, Lücke ist, die wir erhellen oder ausfüllen möchten, sei’s im Einzelnen oder im Ganzen. Schreibe mir doch ja von Zeit zu Zeit, und suche im Griechischen weiter zu kommen.

An Raumer findest Du einen reichen und hellen Kopf; Hagen ist sehr bewandert im Fach des Altdeutschen. Steffens kennst Du; nur, (unter uns gesagt) laß Dich von der Philosophie nicht so reizen, daß sie Dir, wie so vielen jungen Leuten, alle Zeit und Kräfte wegnimmt. Denn des bösen Einflusses nicht zu gedenken, den eine solche Einseitigkeit auf Gesinnung und Charakter meist hat, so vergiß nicht, daß man Philosophie immer studiren kann und in reifern Jahren um so besser, daß man aber nicht so die versäumten Sprachen, die gründliche Geschichte nachholen kann. Doch übe Dich im Denken, weise nichts ab, was Dir Anfangs nicht einleuchten will, sei aber wo möglich eben so wenig polemisch gegen, wie anbetend und bekehrend für Deine Lehrer gestimmt. Logik besonders haben die neuern Philosophen zu sehr vernachlässigt; sie ist die Vorschule. Hast Du Dich geübt, so wird Dein Sinn Dich später schon auf die Philosophie führen, die Dir die rechte ist, oder Du siehst ein, daß Du kein Talent dazu hast. Denker sollen wir alle, aber nicht alle Philosophen sein, so wenig wie Violinspieler. Sprachen, Geschichte, Alterthümer, und wo möglich alles recht im Zusammenhang, das muß Dein Haupt-Augenmerk sein, wenn Du noch die Absicht hast, keines der eigentlichen Brodstudien zu erwählen.

[S. 165]

Grüße vorerst Steffens und seine Frau, und Raumers recht herzlich von mir, recht bald sollen sie auch einen Brief erhalten. Sei nur froh und heiter, und erhalte Dich gesund.

Dein

Dich liebender Freund

L. Tieck.

Waagen an Tieck.

III.

Berlin, den 20ten März 41.

Liebster Onkel.

Ich bin überzeugt, Du wirst es nicht für Mangel an Theilnahme halten, daß ich Dir bisher nicht geschrieben. Jeder hat seine Art zu fühlen, und die meinige ist, daß mir in einem solchen Fall, der die Natur bis in ihre geheimsten Tiefen durchschüttert, jedes, auch das bestgemeinte, das innigste Wort so unbeschreiblich dürftig und arm erscheint, daß ich eine gewisse Scheu habe, es auszusprechen. Und was konnt’ ich vollends einem Manne wie Dir sagen, der dieses vor so vielen andern auf seine Weise durcharbeiten muß! Von der Größe Deines Schmerzes konnt ich mir aus dem, den ich empfand und noch empfinde, eine Vorstellung machen, denn nach dem Tode des seeligen Vaters hat kein Fall mich so erschüttert, als dieser. So muß das Gefühl sein, wenn man eine unendlich geliebte Schwester verliert, denn es ist mit Dorothee mir ein Wesen hingeschieden, was zu meinen geistigen Lebenselementen gehörte und mir durchaus unersetzlich ist. Ich habe ihr Todtenopfer auf meine Weise dadurch begangen, daß ich mir alle die schönen Zeiten, welche ich in Deinem Hause von frühster Kindheit mit ihr erlebt, auf das lebhafteste vergegenwärtigt habe.[S. 166] Ihr ganzes Wesen, die wunderbare Einfachheit, Wahrheit und Schlichtheit, womit sie sich über die tiefsten und zartesten Beziehungen des Lebens aussprach, was ich immer am meisten an ihr bewunderte, ist mir dadurch auf das Erquicklichste vor die Seele getreten. Nach einem solchen Verlust müßen alle Deine Freunde sich enger und inniger an Dich anschließen, und so fühle auch ich denn die reine Liebe, mit der ich Dir von ganzem Herzen zugethan bin, liebster Freund, jetzt doppelt lebhaft. Du bist mir von Kindesbeinen an mit Rath und That immer ein treuer Eckhart gewesen. Es hat mich daher sehr beruhigt, daß Dein Schmerz sich bald in Thränen hat Luft machen können. Sehr gefreut hat es mich aber, daß Du den Blick in die Zukunft richtest, daß Du durch Umziehen und Reisen ein neues Leben beginnen willst. Gewiß die rechte und einzige Weise, um einen solchen Schlag in Deinen Jahren zu verwinden, wie die Faßung dieser Entschlüße dafür bürgt, daß es Dir gelingen wird. Wie unendlich leid thut es mir jetzt, daß die vielen Geschäfte, welche der Regierungswechsel im vorigen Jahre mir zu Wege brachte, mich verhindert haben, den alten, beglückenden Zustand als ein Glied Deiner Familie noch einmal zu genießen! Mit Deinem Herkommen im Laufe dieses Sommers, wird dafür ein Lieblingswunsch von mir in Erfüllung gehen. Dein Aufenthalt in Sanssouci gestaltet sich jetzt sehr behaglich; an dem Dich so sehr verehrenden Willisen wirst Du einen treuen und feinen Vermittler in allen Deinen Beziehungen zum König und auch in allen Dingen einen höchst practischen Beistand haben. Du kannst Dich ihm mit dem unbedingtesten Vertrauen hingeben, da er einer der wenigen Menschen ist, die durchaus zuverläßig sind. Wie freue ich mich darauf, Dir bei der Schau des Museums alles möglichst bequem zu machen!

In meinen Arbeiten bin ich seit meiner Rückkunft aus Wien viel gestört worden, indeß wird doch der erste Theil meines[S. 167] Reiseberichts, der das Erzgebirge, die Städte in Franken, so wie Nördlingen und Augsburg umfaßt, in diesem Frühjahr bei Brockhaus gedruckt werden können. — Seit vier Wochen leide ich so sehr an einem heftigen Anfall von Hämorrhoiden, daß ich das Zimmer hüten muß und von Schmerzen und schmaler Diät ganz matt bin.

Da außer Dir Schlegel, Schelling, Cornelius und die Grimms diesen Sommer hier sein werden, wird hier ein recht lebhafter geistiger Verkehr stattfinden. Nur den treuen Raumer wirst Du freilich immer sehr vermißen.

Mit der Bitte der herzlichsten Grüße an die Gräfin, womit auch Blandine die ihrigen für Dich und sie vereinigt in treuer Liebe

Ganz Dein

Gustav Waagen.

IV.

Berlin, 20/2. 41.

Verehrtester Herr Hofrath.

Unser gnädigster Herr und geliebtester König denkt schon jetzt oft mit Freuden an die Zeit, die Sie im nächsten Sommer hier zubringen werden. Unter Besonderem, was er davon hofft, sagte er neulich, wolle er Sie veranlassen, auf dem Theater im Neuen Palais, also nur vor einem kleinen eingeladenen Publikum, die Aufführung eines antiken griechischen Trauerspiels ins Werk zu setzen. Wir sprachen natürlich mehr von der Schwierigkeit des Unternehmens und ich sagte dann bald, daß Sie jeden Falls die Aufgabe wenn nicht besser doch für sich selbst angenehmer lösen würden, wenn sie Ihnen jetzt bekannt würde, als wenn dies nur unmittelbar geschähe, worauf ich dann die Erlaubniß erhielt, Ihnen dieses mitzutheilen.[S. 168] Der König hat sich für keines der Stücke entschieden erklärt, nur sagt er, daß er für Oedipus in Theben eine große Vorliebe habe. Die Wahl wird aber Ihrem Ermessen wesentlich überlassen werden und bleiben. Drei große Fragen sind es vornämlich, die sich bei der Lösung der Aufgabe darbieten. Einrichtung des Theaters; die Masken; Behandlung der Chöre. Sie haben gewiß über alle schon sehr positive und begründete Ansichten und die Vorstellung, es erscheinen zu lassen und ins Werk zu richten, wird Sie über Manches noch zu weiterm Nachdenken veranlassen. Wenn wir dann einmal bei solchen Kuriositäten sind, hoffe ich auf eine echte Vorstellung eines Shakespeare’s, ich verspreche mir sehr viel von solcher Vorstellung ohne das störende Beiwesen der äußern Pracht.

Wie sehr ich mich freue, Sie in diesem Sommer eine längere Zeit zu sehen, kann ich Ihnen gar nicht sagen; es ist mir darin eine Hoffnung nahe gerückt, die ich mit um so mehr Schmerz schon ganz aufgegeben hatte, als sie früher zu meinen sehr innig gehegten gehört hatte. Gebe nur Gott, daß Ihre Gesundheit und Kräfte Ihnen die Reise erlauben. Vor dem Aufenthalt hier brauchen Sie sich nicht zu fürchten, denn es soll alles geschehen, um Ihnen alle Bequemlichkeiten, deren Sie bedürfen, zu verschaffen.

Ich bin sehr erfreut, daß dieser Allerhöchste Auftrag mir Gelegenheit giebt, die ungemessene Verehrung auszusprechen, mit der ich bin und immer sein werde

Ihr

ganz gehorsamster Diener

v. Willisen,

Major und Flügel-Adjutant.


[S. 169]

Wackenroder, Wilhelm Heinrich.

Geb. zu Berlin 1772, gest. daselbst am 13. Februar 1798.

Die Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797) an denen Tieck mitgearbeitet, und der jetzt nicht mehr genauer zu bestimmende Antheil, den andrerseits W. am Sternbald gehabt haben dürfte, sind Alles was dieser wunderbare Mensch hinterlassen. Wir haben deshalb seine Briefe sämmtlich — mit Weglassung weniger kurzer Stellen — aufgenommen. Wir glauben dies im Sinne Derjenigen gethan zu haben, denen überhaupt der Sinn einwohnt für das Verständniß solch’ „ahnungsvoller prophetischer Natur.“ Auf Tiecks Jugend, auf dessen geistige Entwickelung werfen diese Documente schwärmerischer Jünglings-Freundschaft manch’ helles Licht. Ja, sie scheinen wie die Morgenröthe jener ganzen Epoche der Dichtkunst, welche man höhnisch „die romantische“ benennt, und die man mit Tieck und Eichendorff glücklich begraben wissen wollte. — Lächerlich! So lange Sterne flimmern, Blumen blühn, Vögel singen, Bäche murmeln, Baumblätter säuseln; so lange unerklärliche Sehnsucht jugendliche Herzen nach der Welt der Wunder zieht; so lange wird die romantische Poesie auf Erden walten. Und Wackenroder, der selige Jüngling wird ihr erster, reiner Priester bleiben; Er, von dem Rud. Köpke so treffend sagt: „Das Wunder schien die Welt zu sein, in der er eigentlich lebte, während das Alltägliche für ihn zum Wunder wurde.“

In diesen wenigen Worten liegt das ganze Geheimniß der wahren Poesie.

I.

Berlin, Dienstags. 1792.

O Himmel, lieber Tieck, wie sonderbar kommts mir vor, daß ich hier stehe an meinem Schreibtisch, um an Dich zu schreiben: es ist das erste Mal in meinem Leben. Doch, es kann ja nun einmal nicht anders seyn.

Mein Abschied von Dir war mir herzlich traurig; und die Stelle vor Bernhardis Thür, wo das Schicksal uns von einander riß, wird mir immer fatal bleiben. Aber schreib mir nur oft, und bleib gesund, und schone Deinen Körper und Geist, und arbeite nicht zu viel, und vergiß mich auch nicht: — Das sind[S. 170] die Bedingungen, unter denen ich Deine Abwesenheit so eben erträglich finden kann. Du weißt, daß jene Ermahnungen aus dem Herzen kommen, und nimmst sie mir daher nicht übel. Daß Du mir noch nicht geschrieben, verdenk’ ich Dir nicht; wenn Du Dich aber fürs künftige an Dein mir mündlich gethanes Versprechen, mir wenigstens alle 14 Tage, wo nicht noch öfter, zu schreiben, erinnern wolltest, und es erfüllen, so würd’s mir gar herzlich lieb seyn. Deinen Brief an Rambach habe ich gelesen, und mich sehr gefreut, daß die Reise Dir so gut bekommen, und Du so vergnügt bist. Bleib dabey. Mein sehnlichster Wunsch würde erfüllt seyn, wenn ich itzt durch irgend eine zauberische Gewalt zu Dir hin versetzt würde, und mit Dir des aufblühenden Frühlings in den schönen Feldern Deines Dorfes genießen könnte. Du führst da ein herrliches Leben. Die Abschrift vom 1. Akt der Anna Boleyn hab’ ich auch gesehen. Hast Du noch etwas drin geändert? Den eingeschobenen Auftritt vor Norris Monolog hab’ ich gefunden. Schmohls und Deine Hand wechselt auf eine kuriose Art ab. Einmal hat Schmohl nur ein Paar Worte geschrieben: es ist viel, daß Du mehr Geduld hast als er. — Bey Rambach bin ich ein paarmal gewesen. Er gefällt mir sehr. Schon das erstemal war er gleich so aufgeschloßen gegen mich, daß er sich für den Verfasser der eisernen Maske bekannte. Ich verspreche mir viel Vergnügen von seinem Umgange. — Vor ein paar Tagen bin ich auch mit Bernhardi nach dem Gesundbrunnen spaziert. Ich habe mich recht sehr angenehm mit ihm unterhalten. Er scheint sehr gern über Musik zu kritisiren und zu ästhetisiren; das ist mein Lieblingsobjekt auch; da haben wir denn so mancherley gesprochen. Ich sagte ihm von manchen Dingen, was ich wußte: es bleibt aber noch immer mein Verlangen, einmal in der praktischen Komposition noch weiter zu kommen, dann würd’ ich weit reichere Quellen des Räsonnements darüber haben; — wenn[S. 171] auch nur so weit, daß ich kleine Arien, Duetten, Chöre u. s. w. komponiren könnte, — daß ich Dein Lamm nach meinen Schallmeyen und Flöten auf der Bühne springen lassen könnte. Aber — in diesen 14 Tagen habe ich noch zu wenig Zeit gehabt, an Dein Lamm, noch an etwas ähnliches mit Ernst zu denken. Wollte der Himmel, ich wäre in einer so herrlichen Lage als Du jetzt. — Mit Bernhardi hab’ ich auch einen Satz abgehandelt, den wir auch zuweilen wohl in unserm Gespräch berührt haben, und der mir jetzt sehr einleuchtend ist: daß nämlich der Geschmack größtentheils seinen Grund im feinern (schwächern, empfindlichern) Bau und Organisation des Körpers habe. — Von Wißmann hab’ ich Abschied genommen. Daß es ihm sehr lieb seyn würde, wenn Du ihm schreibst, ist natürlich. — Grüße Schmohl. — Schreib mir ja bald und oft: mein 2ter Brief wird wohl nach Halle, nicht nach Bülzig gehen. Mein jetziger ist ziemlich kompendiös und aphoristisch: künftig mehr. Ich weiß, daß wir beyde uns doch immer verstehen, wir mögen uns schreiben, was und wie wir wollen. Nicht wahr? Sonst ist es wirklich eine sonderbare Sache ums Briefschreiben. Der ihn schreibt und der ihn empfängt, können in hundert verschiedenen Stimmungen und Situationen seyn; und wenn beyde dann nicht genau mit einander bekannt sind, und der letztere nicht die erforderliche Laune hat, so sieht er jedes Wort durch eine gefärbte Brille. Doch dies gilt nicht für uns. — Leb wohl, lieber Tieck! und bleib mein Freund! Denn das ist meine höchste Freude, und mein größter Stolz. Daß Du 14 oder 30 Meilen von mir entfernt bist, darf ich mir gar nicht deutlich denken; sonst werd’ ich zu traurig. Suche so viel als möglich vergnügt und zufrieden zu leben. Ich werd’s auch. Schreib mir nur oft und bald. Hörst Du? recht oft! Bleib gesund.

Dein Freund

W. H. Wackenroder.

[S. 172]

II.

Sonnabend, Abends, den 5ten May.

Liebster Tieck.

Dein Brief hat mir unaussprechliches Vergnügen gemacht; ja, er hat mich wirklich bis zu Thränen gerührt. Wenn Du weißt, wie weich ich bin, wirst Du mir das glauben. Tieck, ich bin entzückt, daß Du mich so liebst! Werther sagt ganz himmlisch schön, daß er sich selber anbetete, wenn seine Geliebte ihm die Neigung ihres Herzens kund thäte, — und er wiederhohlt sich selbst einmal über das andre die Worte: Lieber Werther, in dem Tone wie sie sie ihm ausgesprochen hat.

O Tieck, ich möchte mich auch selber anbeten, wenn ein Mensch, wie Du, dessen Worte mir Orakel sind, mich so mit dem veredelten Bilde meiner selbst in Rausch und Taumel versetzt. — Und wenn ich ja in Deinen Augen etwas werth bin, wem hab’ ich es anders zu danken, als Dir? Dir verdank’ ich Alles was ich bin, Alles! Was möchte aus mir geworden seyn, wenn ich Dich nie kennen gelernt hätte? O Tieck, lies Dir diese Worte mit Feuer vor, und sey stolz darauf, daß Du einen Menschen auf immer glücklichst machst durch Deine Freundschaft, — so stolz als ich bin, daß Du mich würdigst, mein Freund zu seyn. Bleib es, lieber Tieck, bleib’s; Du weißt, daß ich in alle Ewigkeit Dich über alles lieben werde.

Herzlich freue ich mich, daß Du so schön und angenehm jetzt auf dem Lande lebst. Ueber Deinem ganzen Briefe schwebt ein so sanfter, schöner, heiterer Geist des Frohsinns, den Dir das Ergötzen an den Naturschönheiten eingeflößt hat. Suche ja in dieser Stimmung zu bleiben, und befolge ja doch selber die Regel, die Du Bernhardi giebst, nicht so viel zu sitzen. Möchte übrigens Deine traurige Ahndung seinethalber nicht eintreffen. Er ist so freundschaftlich und wirklich zärtlich gegen[S. 173] mich, als ich es nur immer erwarten kann, und ich werde ihm sehr, sehr gut. Wir sprechen nicht selten von Dir. Gestern bin ich mit ihm im Komödienhause gewesen; wo sich eine Mamsell auf der Harmonika hören ließ. Er hörte das Instrument zum erstenmal und freute sich sehr darüber. Ich hörte es (zum 3tenmal) mit sehr vielem Vergnügen. — Wenn ich in ein Konzert gehe, find’ ich, daß ich immer auf zweyerley Art die Musik genieße. Nur die eine Art des Genußes ist die wahre: sie besteht in der aufmerksamsten Beobachtung der Töne und ihrer Fortschreitung; in der völligen Hingebung der Seele in diesen fortreißenden Strom von Empfindungen; in der Entfernung und Abgezogenheit von jedem störenden Gedanken und von allen fremdartigen sinnlichen Eindrücken. Dieses geizige Einschlürfen der Töne ist mit einer gewissen Anstrengung verbunden, die man nicht allzulange aushält. Eben daher glaub’ ich behaupten zu können, daß man höchstens eine Stunde lang Musik mit Theilnehmung zu empfinden vermöge, und daß daher Konzerte und Opern und Operetten, das Maaß der Natur überschreiten. Die andre Art wie die Musik mich ergötzt, ist gar kein wahrer Genuß derselben, kein passives Aufnehmen des Eindrucks der Töne, sondern eine gewisse Thätigkeit des Geistes, die durch die Musik angeregt und erhalten wird. Dann höre ich nicht mehr die Empfindung, die in dem Stücke herrscht, sondern meine Gedanken und Phantasieen werden gleichsam auf den Wellen des Gesanges entführt, und verlieren sich oft in entfernte Schlupfwinkel. Es ist sonderbar, daß ich, in diese Stimmung versetzt, auch am beßten über Musik als Aesthetiker nachdenken kann, wenn ich Musik höre: es scheint, als rissen sich da von den Empfindungen, die das Tonstück einflößt, allgemeine Ideen los, die sich mir dann schnell und deutlich vor die Seele stellen. — Wie ich bey Schauspielen die Musik zwischen den Akten genieße, habe ich Dir wohl schon sonst gesagt. Die erste Symphonie[S. 174] vor dem ersten Akt, höre ich immer mit gespanntem Gefühl und inniger Theilnahme an; aber bey allem folgenden ist mir das unmöglich, und ich sehe die Zwischenmusik nur als eine Leinwand, als ein Tuch an, (dies Bild hab’ ich mir schon immer davon gemacht,) worauf ich mir die Scenen des vergangenen Aktes noch einmal vormale. Wird die Musik alsdann unterbrochen; so ists, als würde mein Gewebe zerrissen, und ich habe nichts, woran ich die Bilder meiner Phantasie anheften kann. Hat jeder dies Gefühl?? Ich möchts gern wissen.


Rambach hat mir einen Theil einer neuen Ausgabe von Sineds (Denis) Liedern geliehen. Die Ausgabe ist in 4to 1791 in Wien prächtig gedruckt, (so wie hier Unger druckt) und enthält in 6 Bänden die Uebersetzung Ossians, und die eigenen Gedichte. Ich lese jetzt diese, worunter auch seine Uebersetzungen aller nordischer Gedichte, aus der Edda u. s. w. mit aufgenommen sind. Er scheint zu denen zu gehören, welche gerne die schönen Götter des griechischen Parnaßes mit den schlechten Dichtern, deren heisere Stimme ihre Namen entweiht hat, in Eine Polterkammer werfen, und die alten nordischen Gottheiten aus ihrem langen Schlummer erwecken und auf den Thron der Dichtkunst setzen wollen. Aber dies widerstreitet noch immer meinem Gefühl. Daß die alten Barden und Skalden der Natur treu auf der Spur folgten, und die Empfindung rein und ungeschminkt darstellten, weiß ich. Auch find’ ich in manchen von Denis Uebersetzungen, sanfte, wenigstens sich dem sanften nähernde Stellen, die den Stempel der Natur an sich tragen. Und daß die Eigenthümlichkeit der Bardenlieder, die sie fast alle zu Kriegsliedern macht, worin Tapferkeit und Muth im wilden Schlachtengetümmel als die erhabensten Männertugenden gepriesen werden, daß dieses ein Anstoß für den gebildeten Ton unsers Zeitalters[S. 175] sey, fang’ ich auch an, nicht mehr zu glauben. (Denn gern überzeug’ ich mich von Deinem Grundsatz: „ein wahrer Dichter macht alles dichterisch-schön!“) Allein, — wird es ein Gewinn seyn, wenn wir die ausgebildete Mythologie des edelsten, feurigsten, feinsten Volks, das je die Erde trug, mit dem rohen Wuste der Nord. Barbaren vertauschen? Und was ist der Grund? Denis will blos darum Barde und Skalde seyn, weil Odin und Thor u. s. w. sonst vaterländische Götter waren. Dieser Grund ist mir nur sonderbar. Was will man denn in unsern Zeiten mit dieser Vaterlandsliebe? Doch scheint jetzt eine gewisse Mode hierin zu herrschen. Gemeine Schullehrer scheinen wirklich zu glauben, daß sie wer weiß wie große Fortschritte in der Pädagogik gemacht haben, wenn sie ihren 8jährigen Knaben jetzt die Brandenb. Geschichte, als Geschichte des Vaterlands recht weitläuftig erzählen. Ein Bürger, oder sonst einer, der nicht Gelehrter werden will, braucht doch wahrlich in unsern Zeiten, im Grunde die vaterländische Geschichte so wenig als eine andre; und es würde nach meiner Meynung also zweckmäßiger seyn, wenn man irgend eine interessante Geschichte, ohne Rücksicht, ob dieses oder jenes alten oder neuen Volkes? — in unteren Schulen vortrüge. — Wie gesagt, ich glaube man könnte eine ganze Menge Gründe wider die unzeitige Vaterlandsliebe von Denis und seiner Anhänger, vorbringen. Wer noch jetzt die Trümmer der nord. Mythologie zu einem Gebäude zusammensetzen und die Lücken ausfüllen wollte, würde ein schönes Flickwerk zu Stande bringen. Und es ist doch gar nicht zu läugnen, daß bey aller vortrefflichen, großen Simplicität, bey aller der erhabenen und feurigen Phantasie, die die alten nordischen Dichtungen zeigen, dennoch so viel Ungeheures, was ans Lächerliche und Ungereimte gränzt, so viel Schwerfälliges, so viele entsetzlich harte, unschmackhafte Bilder vorkommen, daß man, wenn man beständig sein Auge auf die eingepelzten[S. 176] Götter Skandinaviens heften wollte, allen Sinn für ein sanftes griechisches Profil verlieren würde. Der Unterschied ist wie Nebeldämmerung und Morgenröthe, wie — — nun Du magst Dir selbst Vergleichungen aussinnen.


Heute fand ich in der Allg. Deutschen Bibliothek recensirt: Poetische Versuche von Hamann. Ist denn das der unsrige? Mich dünkt, eine schläfrige Erinnerung sagt mir halblaut ins Ohr, daß er einmal in die Berlin. Zeitung ein Gedicht eingerückt hat. Die mitgetheilte Probe, die ich in dem Journale las, war vom Schlage des Gewöhnlichen; zuweilen schien der Reim auch den Sinn, der drein hätte liegen können, geraubt zu haben. Der Recensent urtheilte auch so.


Spillner habe ich nur noch einmal besucht. Er wird wohl diesen Donnerstag abgereiset seyn. — An Piesker schreibe ich, was Du verlangst, (morgen nämlich,) und bitte ihn, mir auf alle Fälle zu antworten, damit, wenn er auch in der kurzen Zeit, die Du noch in Bülzig bleibst, Dich nicht sollte sehen können, ich Dir doch den Grund seines Ausbleibens künftig schreiben kann. — Den Brief an Deine Schwester habe ich abgegeben, und dabey Deine liebe Stube wiedergesehen. Wäre ich Alexander, so würde ichs mit der eben so machen, wie jener mit Pindars Hause. Sie müßte eine ewige Reliquie bleiben, wenn auch ganz Berlin untergienge. Ich werde die Stube nie ohne Rührung, nie ohne von wehmüthigen Erinnerungen gepreßt zu seyn, ansehn. Es ist eine herrliche Stube!


Könnte ich doch bey Dir seyn, und auch mit Deinem allerliebsten Lamme spielen. Die Mutter von Matthison würde[S. 177] mir, wie Dir, eine sehr interessante Bekanntschaft gewesen seyn. — Was Schmohl betrifft, so grüß ihn herzlich. Ich sollte denken, daß Dein Feuer nothwendig durch längern Umgang in sein kühleres Blut übergehen, und ihn immer mehr vom Felde der trockenen Betrachtung abziehen müßte, um ein Jünger Deiner Götinn, der Phantasie, zu werden.


Es ist bald 12 Uhr Nachts. Ich lege mich jetzt schlafen. Ich merke daß es eine wahre Wonne ist, an Dich zu schreiben. Selig, selig ist der Tag, den ich mit dem Gedanken an Dich beschließe. Er wird mich auch im Schlafe nicht verlassen. Träume Du auch von mir. Denkst Du jetzt an mich? Oder träumst Du von mir? — Eine allerliebste schmelzend-sanfte Elegie von Voß fängt an:

„Denkt mein Mädchen an mich?“

Es ist eine höchst natürliche schöne Empfindung darin. — Jetzt hat es grade 12 geschlagen. Gute Nacht. Tieck, fliege her, und ich drücke den feurigsten Kuß auf Deine Lippen. Gute Nacht, der Himmel sey mit Dir! Gute Nacht!


Den 6ten May, Sonntag, Morgens.

Sieh! ists nicht schön, daß ich mit dem Gedanken an Dich zu Bett gegangen, und mit dem Gedanken an Dich wieder aufgestanden bin? — Du siehst, daß ich prompt im Antworten gewesen bin. Meinen ersten Brief, den Rambach eingeschlossen hat, wirst Du wohl empfangen haben. Ich schrieb ihn grade an demselben Tage, da Du Deinen schriebst, den 1sten May. Du wirst mir nun wohl nicht eher, als aus Halle antworten; aber wenn Du kannst, erfülle meine Wünsche bald. Ich werde mein Versprechen in Ansehung des Schreibens gewissenhaft halten. — Noch eins! Sey so gut und mache[S. 178] künftig keinen Brief an mich mehr frey. Wozu sollst Du meinetwegen unnütze Ausgaben haben? Hörst Du? Du mußt es aber auch gewiß thun. Es bleibt dabey. —


Ja lieber, bester Tieck, wir müssen uns auf Michaelis wiedersehen, ich harre sehnlich auf diese Zeit. O auch mir ist das Andenken an unsre Spaziergänge das heiligste, das ich kenne. Du kannst wohl leicht denken, wie ich mich itzt im Thiergarten befinde, wann ich ihn besuche; jeder Gang, jeder Baum ruft mir Dich zurück; bey jedem Schritte denk ich an Dich und will Deinen Arm in den meinigen nehmen, und fühle, daß mir immer etwas fehlt. Aber dennoch, — oder, was sag ich — vielmehr eben deswegen, werd ich den Thiergarten noch beständiger und häufiger als jeden andern Ort mit Vergnügen besuchen. Die Bäume darin prangen itzt mit dem herrlichsten, frischesten Grün; einem Grün, das man im Sommer in der verdörrten und versengten und bestäubten Farbe des Laubes gar nicht mehr wiedererkennt. — Mitschicken kann ich Dir noch nichts. Ich habe seit Ostern noch so viel fatale und häßliche Abhaltungen gehabt, daß ich kaum meine gemeinen Alltagsverrichtungen habe thun können.


Ein recht ärgerlicher Streich! und ich bin Schuld daran. Ich erfahre eben, daß, da die Post heute früh um 9 Uhr abgeht, die Briefe schon gestern Abend um 7 hätten hin gebracht werden müssen. Meine dumme Unwissenheit hat also über meine Gutwilligkeit, Dir gleich zu antworten, den Meister gespielt. Verzeihe mir’s. Der Brief könnte nun erst den Mittwoch abgehn (nach Bülzig), und weil er Dich alsdann vielleicht nicht mehr in Bülzig treffen sollte, so schick’ ich ihn lieber nach Halle.

[S. 179]


Den 11ten May, Freitag, Mittags.

Ich vollende jetzt meinen Brief und ärgre mich nochmals, daß meine Bereitwilligkeit mir und Dir nichts geholfen hat. Mein Brief wird Dich nun wohl in Deiner neuen Residenz in Halle begrüssen. An Piesker habe ich gleich geschrieben, und so dringend als möglich: aber die kalte, unbeugsame Seele hat mir nicht einmal geantwortet auf meine rührenden Klagen und Vorwürfe. Gestern Abend bekomm’ ich ganz unerwartet einen Brief von Wißmann.


Abends.

O Freude, o Freude! heut Mittag hab’ ich schon einen zweyten Brief von Dir bekommen; Du kannst gar nicht glauben, wie ich triumphirt habe. Aber ein Ding ist sonderbar. Du hast meinen ersten kleinen Brief — (3 Oktavseiten lang, — es war nichts Merkwürdiges darin) — den ich den Dienstag vor 8 Tagen, als den 1sten May an Rambach zum Einschluß gab, nicht bekommen. Und was noch sonderbarer ist: ich bringe heut nach Tische gleich den Brief an Deine Schwester, und sie sagt mir, sie hätte 2mal an Dich geschrieben, und in Deinen Briefen sagtest Du, daß Du auch nichts von ihr bekommen hättest. Liegt die Ursache von diesen Konfusionen in Einer Ursache? Ist der Herr Fuhrmann in Wittenberg etwa Schuld? — Fast verdenk’ ich es Dir, daß Du nicht unruhig darüber geworden bist, oder nicht deswegen auf mich ein wenig mehr gescholten hast, daß ich, nach Deiner Meynung, noch nicht, wenigstens mit der Feder in der Hand, an Dich gedacht habe. Du weißt indeß nun den ganzen Zusammenhang und den Verlauf der Sachen: und ich werde also wohl in Deinen Augen exculpirt seyn.

Ist es denn wirklich Dein Ernst, lieber Tieck, daß Du mich nicht vergessen kannst? O! er muß es wohl seyn! Es[S. 180] hat mich recht gerührt, daß Du schreibst: „es war recht unvorsichtig von uns, daß wir uns die letzte Zeit in Berlin so oft sahen.“ Es hat mich recht gerührt. O Tieck, Tieck, ich habe es geglaubt, daß Du mir gut wärst; aber kaum, kaum hab’ ich es je glauben können, daß Du so zärtlich gegen mich denkst. Und daß Du mir nichts als wahre Empfindung Deines Herzens äußerst, weiß ich. Womit soll ich’s Dir vergelten? Du demüthigst mich. — Ich breche ab.


Wie bist Du denn zu den ausgebreiteten Bekanntschaften in Koswig gekommen? Und, ums Himmels willen, wie ist es möglich, daß Du in einer Gesellschaft so lange hast Karten spielen können? Das ist ja ganz schrecklich. Ich glaub’ ich hätte vor Aerger geweint, wenn ich Dich in eine solche Situation geklemmt gesehen hätte, — Dich am Spieltisch, dem Thron von Affen und Laffen, — Dich! Es ist wahrlich viel? Ich bedaure Dich. — Auch die andre Gesellschaft, die Du in Koswig gehabt hast, muß gar herrlich für Dich gepaßt haben. Aber daß Du Karten spielen mußtest, und in die Nacht hinein, das ist mir noch immer das schauerlichste. Ich kanns gar nicht vergessen. Das Fatum muß nothwendig einen Fehlgriff in der Urne gethan haben, da es das Looß dieses Tages für Dich zog: das fatale Fatum!


Du stiehlst meiner eigenen Werkstätte von Gedanken etwas, wenn Du mir die Bemerkung machst, daß um das Große in den schönen Künsten zu fassen, ein selbst groß und erhaben denkender Geist der Kritiker seyn müsse. Das hab’ ich schon immer gedacht, und, wenn ich nicht irre, Dir auch schon gesagt. Aber das was Du hinzusetzest, kann ich nicht ganz billigen. Ich weiß nicht recht, warum das Erhabene[S. 181] Dich eher zu Thränen rühren sollte, als das Empfindsame. Ad vocem Empfindsam, will ich Dir doch einen Zweifel und eine Bemerkung mittheilen. Ich bin nicht recht mit mir einig, was man eigentlich Empfindeley nennen solle. Mir scheints am Ende blos affektirte Empfindung zu seyn; ich will Dir sagen, warum. Empfindungslose Empfindsamkeitspötter nennen oft etwas Empfindeley, was an sich schöne, feine Empfindsamkeit ist, und nur dann falsche Empfindung oder Empfindeley wird, wenn jemand es affektirt, zu haben. Ich sehe z. B. nicht ein, warum der Vorsatz, nicht aufs Feld gehen zu wollen, weil man da mit jedem Tritt eine Menge kleiner im Sonnenschein spielender Geschöpfe vernichtet, — in gewissen Situationen, auf eine kurze Zeitlang, nicht wahre, ächte Empfindung seyn sollte. Sagt aber jemand, der an der Modesucht krankt, solche Dinge, und sehe ichs ihm an den unnatürlich verdrehten Augen an, daß er gern beliebte Paradoxa hervorbringen will, kurz, erkenn’ ich an ihm die Symptome der Affektation, so würde ich sagen: er empfindelt. Denn an sich sehe ich nicht ein, warum es nicht möglich seyn sollte, bey allen Dingen unter der Sonne, unter gewissen Umständen, etwas zu empfinden. Und wenn jemand in eine Stimmung versetzt wird, daß er Empfindungen in seinem Busen fühlt, in welchen er noch keinen Vorgänger gehabt, so muß diese seine Empfindung doch für ihn wahr und richtig seyn. Oder willst Du noch falsche Empfindung und Empfindeley unterscheiden? Ich habe mich verirrt und erwarte Deine Fackel in diesem kleinen dunkeln Labyrinth. — Sey so gut und belehre mich doch über dergleichen Anfragen, Dubia u. s. w., wenn Du Lust hast. —

— — Um noch einmal zu Deiner Materie vom Erhabenen zurükzukehren, so scheinst Du mir da etwas verwechselt zu haben. Daß das Erhabene Dich in eine Art von Wuth[S. 182] d. i. in den höchsten Paroxismus der Begeisterung und Entzückung versetzt, will ich glauben. Aber Thränen kann wohl nur das Rührende entlocken, — und, — (wie wir es mündlich ausgemacht haben) — das Schauerliche, Schreckliche.

Daß Schmohl durchaus kein freiwilliger Diener der Musen werden, nicht auf dem Altar der Grazien opfern will, wundert mich doch. Sein fremdes, frostiges Betragen gegen Deinen vertrauten Freund Shakespear muß Dich wohl natürlich beleidigt haben. Sollte Dein Geschmack denn gar nicht an seiner Denkungsart abfärben, wie an der meinigen?


Bernhardi hab’ ich in dieser Woche einmal, Rambach zweymal nicht zu Hause getroffen. Daher hab’ ich mir von diesem auch noch nicht Deine Anna Boleyn geben lassen können, so gern ichs gethan hätte. Es geschieht aber noch: ich werde sie noch aufmerksam lesen, und soviel ich kann, Dir darüber sagen, wenn auch nur in Kleinigkeiten. — Unter allen den Abhaltungen, die mich an tausend Dingen verhindert haben, nur nicht an Dich zu denken und zu schreiben, habe ich denn doch auch eine höchst angenehme gehabt. Du weißt, oder weißt nicht, daß ich in Sachsen, bey Jena, einen Freund habe: er ist es wirklich, denn ich schätze ihn sehr, und habe mich überzeugt, daß er zur Freundschaft geschaffen ist. Vor ein paar Jahren lernte ich ihn hier kennen, und seitdem habe ich meinen unterbrochenen Umgang mit ihm durch Briefe fortzusetzen gesucht. Sein Nahme? Er heißt Schuderoff und ist Prediger in Drakendorf und Zöllwitz, 1 Meile von Jena, ein liebenswürdiger junger Mann, dessen jugendlichschöne, feine Gesichtsbildung eine geläuterte Denkungsart und ein edles Herz ankündigt. Er ist zum Besuch hier und kommt bey seiner Rückreise vielleicht durch Halle. Er ist Kantischer Philosoph, und hat neulich Briefe über die moralische[S. 183] Erziehung herausgegeben, die ich itzt lese und die recht schön sind. Zweymal bin ich mit ihm im Thiergarten gewesen. Das frische Grün ist da ganz zauberisch schön. Die gewölbten Birkenalleen sind das lieblichste Bild des Frühlings. Und weißt Du wohl was ich gestern in der gekreuzten Birkenallee für eine Freude hatte? Du wirsts errathen. Verschwunden war die verdammte Statue ohne Kopf. Ich möchte wissen, welcher gute Genius sie fortgeschleppt, oder in die Tiefen der Erde hinuntergeschleudert hat. Der Gang ist nun noch einmal so schön.


Vom Theater willst Du etwas wissen. Hier ist etwas fragmentarisches, so viel ich Dir geben kann. — Vor einiger Zeit ist ein neues Stück von Jünger: die Geschwister vom Lande, gegeben, das nicht vorzüglich seyn soll. Die Hagestolzen und Axur werden oft wiederholt. Ein gewisser Lißner scheint hier zu bleiben; und ein andrer Schauspieler, Garly, soll auch hier engagirt seyn. Dieser soll eine sehr schöne Bildung haben und viel Anlage besitzen. Diesen Mittwoch ist Emilia Galotti aufgeführt: ein durchreisender Däne, Herr Preisler, hat den Prinzen, und Garly den Marinelli gespielt. Ob es wahr ist, daß Czechtizky und Mattausch noch wegkommen werden, weiß ich nicht. — (N. B. Seit dem Don Juan, der, als Du in Fredersdorf warst, gegeben ward, bin ich nicht im Schauspiel gewesen.)


Dank für das kleine Gedicht von Deinem Freunde Toll. Es ist süß und lieblich, und wird mir sehr werth bleiben. Ich werds, wie Deine Briefe, als ein Kleinod aufbewahren. — Verzeihe nur meiner Armuth, daß ich Dir jetzt unmöglich etwas mitschicken, und meinem Mangel an Zeit, daß ich Dir[S. 184] nicht etwas abschreiben kann. Wolltest Du so gefällig denken, die Länge meines Briefes als einen Ersatz dafür anzunehmen? — Unsre Korrespondenz soll sich nun nicht wieder verwirren. Du bist wohl so gut, und schreibst mir zuerst wieder, wenn ich nicht zu viel verlange. Doch schreib so wenig oder so viel Du Zeit hast; je mehr natürlich, je besser, aber nur bald. Doch beinahe möcht’ ich glauben, mit diesem dringenden: Bald, Deine Delikatesse zu verletzen, weil mir Deine 2 schnell aufeinander folgenden Briefe eine sehr hohe Idee von Deiner reizbaren Briefschreibethätigkeit eingeflößt haben. Ich werde Dir dann gewiß bald antworten. Oder hoff’ ich zu vorschnell, und bin ich unbillig wenn ich von Halle aus, wo Du in mehr Verbindungen und Geschäfte kommst, so oft etwas von Dir zu lesen erwarte? — Aber was schwatz’ ich denn? Du bist mein Freund, und wirst schon wissen, was mir gut und lieb ist. So will ich denn mit festem Muth auf Dich hoffen, und mein Vertrauen allein in Deine Freundschaft setzen.


Den 12ten May Sonnabend Mittags.

Von Denis eigenen Oden, Elegien und Liedern muß ich Dir noch sagen, daß mir manches sehr darin gefallen hat. Am schönsten dünken mich die Gedichte zu seyn, die er Klagen nennt: z. B. über Gellerts Tod, über den Mißbrauch der Dichtkunst u. s. w. Der letztere Gegenstand ist vortrefflich behandelt. Da wirds recht mit lauten dreisten Worten unserer entarteten Dichterrepublik gesagt, daß nur Empfindung, Empfindung der Genius seyn solle, der das Lied beleben könnte, daß Witz ein verzogenes Kind sey, das nur jenseit des Rheins zu Hause gehöre; und mehr dergleichen, was, wie Du weißt, schon lange meine Herzensmeynung gewesen. „Soll Witz, soll Witz im Liede seyn?“ fragt Denis und ich frags mit ihm.

[S. 185]


Ich habe nicht länger Zeit, und muß Dir also ein herzliches Lebewohl sagen. Sag mir doch manchmal Deine Meynungen über meine Meynungen, die ich Dir so in meinen Briefen äußre. Schreib mir nur ja bald, recht bald; ich antworte dann gewiß auch bald. Sorge für Deine Gesundheit und grüße Halle. O die liebe Reichard’sche Familie! Wenn ich doch Miekchen auch sehn könnte! Grüße sie herzlich von mir; auch Schmohl; auch die kleinen Mädchen bey Reichards, die ich noch alle bey Namen weiß. Vielleicht versucht meine Muse bald wieder eine Kleinigkeit, ich schicke sie Dir dann. Schreib mir bald und bleib’ mein Freund. —

W. H. Wackenroder.

III.

Montag, den 4ten Juni. Abends.

Eben leg’ ich Deinen Brief wieder aus der Hand, den ich wieder gelesen habe. An meinen verlaßnen Freund Tieck soll ich denken? O ich denke oft, und mit ganzer Seele an ihn, — aber daß er verlassen sey, — daß eine düstere Traurigkeit sich wieder wie ein Staar über das heitere Auge seines Geistes gezogen hat, — daß er in Halle noch nicht vergnügt gewesen ist, — das, das hatte ich nicht erwartet. Schreibst Du doch fast grade so, wie Wißmann, dem ich heute früh geantwortet und Trost einzusprechen gesucht habe. Von ihm ahndete ichs; — aber von Dir, wahrlich, von Dir hatte ichs nicht erwartet. Ich glaubte, Du würdet dort Dich zerstreuen, und — wenigstens in den Augen Deiner Freunde, und auch in Deinen eigenen, wenn Du nicht zu tief in Dich hineinblicktest, — einer frohen Heiterkeit genießen. O wehe! daß ich mich getäuscht habe. Du bist in Halle noch gar nicht vergnügt gewesen! Ich bitte Dich, lieber Tieck! Du bist ja[S. 186] lange hinweg über die Periode in dem Lebenslaufe empfindender Menschen, da sie sich alles zu Herzen ziehen, und ihre üble Laune nur pflegen, und es für Sünde halten sich aus ihren Klauen loszureißen! Du weißt ja über Dich zu siegen, Du hast es mich ja gelehrt, so daß ich auch mir wenigstens Mühe gebe, es eben so weit zu bringen. Aus Bülzig schriebst Du mir so heiter, daß ich mich recht freute. Was soll ich nun sagen? Ich möchte mich schämen, daß ich hier noch zufriedner leben soll, als Du in Halle. Tieck, ich bitte Dich, wache auf Dich! — Und, was mich in ein bittersüßes Erstaunen setzt, ist, daß Du mich so vermissest. O Tieck, so liebst Du mich denn mehr, als ich je kühn genug war, und seyn konnte, zu erwarten? Es ist als hättest Du mir meine Empfindungen gegen Dich aus meinem Herzen geraubt und ströhmtest sie nun auf mich zurück. Du giebst mir wieder, alles was ich Dir geben kann? Ich beschwöre Dich, hör’ auf! Es ist die göttliche Seligkeit, die ein menschliches Herz zu fassen vermag, aus dem Munde eines Freundes sein Lob zu hören! aber dieser Nektar möchte Gift für mich werden. Hör auf mit diesem Wiedergeben und Wechseln der Freundschaftsergebenheit, denn du berauschest mich, und wir machen uns in unsrer jetzigen Lage (da kein Sprachrohr einmal dem einen Worte des andern überbringen kann), nur noch unglücklicher. Ich erschrecke aufs heftigste, wenn Du mir in die Augen sagst: ich sey Dir zum leben nothwendig! Noch einmal! Was stiehlst Du mir meine Gefühle, — warum verwechselst Du die Rollen in dem schönen Duodram, das wir zusammen spielen, und nimmst die meine? Tieck, ich müßte mich ja in den Staub legen und trauern, wenn ich wüßte, daß meine Entfernung Dir so viel trübe Stunden brächte. Ich habe das nie so geglaubt! Du hast mir das nie so deutlich zu empfinden gegeben. O ich möchte verzweifeln, — ich weiß nicht was ich thun soll,[S. 187] um Dich glücklich zu machen. Du nennst meine Sprache Schwärmerey. O wenn ich Dich je weniger lieben könnte, — ich wäre der bedaurenswürdigste Mensch unter der Sonne. Und wenn ich je Deiner Freundschaft weniger werth seyn sollte, o so erinnere Dich, daß Du mich geliebt hast, und sey so mitleidig, mich wieder zu Dir hinaufzuziehn; verachte mich nicht! — Aber genug! Tieck laß die wilden Ströhme unsrer Empfindungen sanfter fließen. Wir jagen alles heiße Blut in unsre Adern und bringen uns durch diese schädliche Erhitzung in einen kranken Zustand.

Wie sehr muß ich es bedauren, daß Schmohl mit Dir nicht mehr harmonirt. Ich hatte auch das nicht erwartet. Er scheint sich eher von Dir zu entfernen als sich Dir zu nähern. Was Du mir von Bothen sagst, Du kannst leicht denken, wie auffallend und unvermuthet auch das mir gewesen ist. Aber ich glaube es, weil Du es sagst. Wie Menschen sich ändern können! Wenn du zwischen diesen beyden Dir heterogenen Köpfen hin und wieder schwankst, so kannst Du freilich nicht in Ruhe seyn. Aber — ach! Gott! eben wollt’ ich einen Trost für Dich aussinnen, und — Du wirst Dir meine Gedankenstriche erklären können. Ja! es ist schwer für mich, Dich zu trösten. Doch wohl Dir, wenn Du keines Trostes bald mehr bedarfst; wenn der rasche Flügel der Zeit die Gewölke vor Deinen Blicken zertheilt hat, wenn der allmählige Aufenthalt Dir behaglicher wird, und Du Umgang, und in Dir selbst Zufriedenheit findest. Nimm deine Kraft zusammen und erhalte Deinen Körper und Geist aufrecht und fest. — Ach! ich schreibe konfuses Zeug! Wollte Gott, Du wärst glücklich. O Du wirst, Du mußt es werden.

[S. 188]

IV.

Dienstag, den 15ten Juni, Abends.

Mit nassen Augen fang’ ich an, Dir zu schreiben. O Tieck, Du hast mir schon manche Thränen ausgepreßt; tausend süße, für die ich alle Schätze der Welt nicht verlangte; aber auch bittere, herbe Thränen, die in meinen Augen gebrannt, und mich zu einer melancholischen Sympathie erhitzt haben. Du hast mich lange nicht so erschüttert als durch Deinen letzten Brief. Wenn Du weißt, wie heftig ein solcher Donnerschlag, ein solches Ungewitter, das dem Wohl eines Freundes droht, in dem Herzen seiner anderen Hälfte wiederhallen muß; wenn Du Dir vorstellen kannst, wie schrecklich wahr und lebhaft alle Züge und Bilder vor mir stehen, die Dein flüchtigkühner Pinsel auf das Papier wirft; o so wirst Du empfinden wie das, was Du mir zu erzählen wagst, den kältesten Schauer über mein Gebein gegossen, und alle meine Nerven gewaltsam durchbebt hat. Gütiger Himmel! auf welchem entsetzlichen Rande hast Du gestanden! O Tieck, — Gott möge verhüten, daß unsre Freundschaft, die ein Beyspiel der möglichen Menschenglückseligkeit seyn sollte, keinen Stoff zu einem Trauerspiel gebe.

Um alles in der Welt willen, welcher Dämon macht sich denn ein Vergnügen, Dich unglücklich zu machen? Ich weiß nicht wie meine Zunge zu Dir sprechen soll; sie erstarrt.

Aber ich muß, ich muß Dir laut zurufen auf Deinen gefährlichen Irrwegen; Du möchtest, — Gott! wie hat es denn dazu kommen müssen. Halt Dir Dein Ohr nicht zu, wenn ich jetzt mit starker Stimme zu Dir spreche, ich muß. — Sprich? bin ich Dir denn so nöthig, um Dich von Verirrungen und schwelgerischen, verderblichen Ausschweifungen in den Genüssen des Geistes zurückzureißen? Ist Schmohl denn so[S. 189] ein kaltes, stummes, theilnehmungsloses Marmorbild? Ich bitte Dich, um alles was Dir heilig ist: wende ein Körnchen Deiner Vernunft an, und betrachte was Du gethan hast. Welch ein entsetzliches Unternehmen, 2 Bände in einem Nachmittage und einer Nacht hintereinander in einem Athem zu lesen! Nicht genug! Ein Buch, was alle Phantasie aufs äußerste umherjagt, über die Gränzen der Besinnung herumjagt! Wie ist es denn möglich, daß Du Dich selber nicht mehr kennst? Oder opferst Du einer lüsternen Begier, einem Kitzel, etwas außerordentliches Dir selbst vorzuthun, Deine Zufriedenheit auf, deren Zerstörung Du voraussiehst? Tieck, ich schäme, ich verdamme mich, daß ich solche Ausdrücke brauchen muß, aber ich kann nicht anders. Das Todte, Unbelebte des Buchstabens mag der Nachdruck der Worte ersetzen. Ist Schmohl denn so blutwenig um Dich besorgt? Wie ist es zu begreifen, daß er Dir immer hat zuhören, und, als wärst Du eine Sprechmaschine, dabey einschlafen, ruhig einschlummern können?

Tieck, ich wollte vieles aufopfern, wenn meine Freundschaft ein einziges von Dir verlangen könnte. Ich weiß, daß Du das Leben nicht achtest, daß Du Dich als einen der Welt schon abgestorbenen betrachtest, der in einem gleichgültigen Mittelzustande lebt, alles um sich her wie aus dem Grabe, wie durch das Gitterfenster eines düstern Gewölbes ansieht; der ohne Ueberlegung aus Laune seinem Körper und Geiste Pönitenzen auflegt, und sich selbst wie einen Nichtswürdigen behandelt, weil er nichts an sich verlieren zu können glaubt. Wann wirst Du von dieser unseligen Krankheit genesen? O daß ich alle Beredsamkeit, die in allen Welttheilen je menschliche Herzen gebeugt hat, zusammenrufen, und auf einen Punkt konzentriren und damit wie durch den Sonnenstrahl vom Brennspiegel Dein verirrtes Herz mit Wahrheitsglanze blenden könnte! Tieck ich beschwöre Dich bey allem was Dir[S. 190] heilig ist, bey der göttlichen Kraft die die Welt beseelt, und deren Funken in Deiner Seele glüht; ich beschwöre, frage Deine übertäubte Vernunft um Rath. Unaufhörlich stürmst Du auf die Gesundheit Deines Körpers und Deiner Seele los, — wie kannst Du etwas anderes als Mißbehagen fühlen? In einem Anfall schrecklicher Melancholie würde der Gedanke, das Innere des heiligen Geheimnisses, des Lebens, zu zerstören, zu welchem die Natur allein den Schlüssel hat, er würde in einem heiteren Lichte Dich umschweben, und es würde Deinem Schooßkinde, der Phantasie, gar herzlich kitzeln, wenn sie die Vernunft wie eine weinende Bettlerinn, vor ihrem Thron harren sähe. Aber hier, hier ist es Zeit an Deine Liebe zu appelliren! Hier stelle ich unsre Freundschaft Dir vor die Füße; diese mußt Du zuvor umstürzen, ehe Du die abentheuerlichen, zauberhaften, erquickenden Freuden eines lebenlosen Lebens oder — des Nichtdaseyns selbst kosten kannst. O sammle Dich Freund, in diesen Augenblicken muß ich Dich mit dem kühnsten Stolze angreifen, mit der gespanntesten Empfindung Dich in das Geleise des gemeinen Nachdenkens zurückbringen; — — doch es ist Unsinn was ich schreibe, Du hast kein Acht auf mich, Du hörst mich nicht. Soll ich Dich feiner angreifen? Soll ich Dir im Spiegel der Zukunft die thränenvollen Tage, das unglückselige Schicksal zeigen, das mich verfolgen würde, wenn Du, aus Ungeduld der langsamen Natur zu folgen, oder Lust ein großer Geist zu werden, Dich immer unglücklicher machtest? Und bin ich der einzige? Du weißt nicht, wie sehr z. B. Bernhardi Dich liebt; ich weiß es. Und Du, Du, Tieck, Du könntest unbesonnen genug seyn, aus muthwilligem Humor, aus bloßem armseligem Kitzel, aus Sucht, Dir ein schaales kleines Vergnügen zu machen, etwas zu thun, wodurch Du Deine Freunde auf ihre Lebenszeit unglücklich machst, Elend auf ihr heiteres Leben säest, und durch sie auf die sie umgebende Welt auch[S. 191] noch trübsinnige, melancholische Gefühle verbreiten willst? Du denkst: „Ich möchte doch sehen, ob ich das Buch in einem Abend ganz durchlesen könnte, — ich möchte doch wissen, ob ich es aushielte, mehrere Nächte hintereinander oder in einer heftigen Geistesspannung zu arbeiten, — ich hätte wohl einmal Lust, in einem Tage 14 Meilen zu gehn, — ich möchte gern aus Spaß einmal in einer ganz finstern Nacht auf den Giebichensteiner Felsen an den gefährlichsten Stellen heraufklettern“ — und tausend andre Sachen. Entsetzlich! Deine Laune, die durch einen elenden Genuß einer angenehmen Stunde befriedigt seyn will, Deine Laune soll der Götze seyn, an dessen Altar Du die Freundschaft, die Glückseligkeit von wahren Menschen schlachten willst, die Du zu lieben, über alles zu lieben vorgabst? Alle die hohen Gefühle, die wir Dir geweiht haben, alle die Seligkeiten, die Dein wachsender, immer wachsender Geist uns künftig versprach, stößest Du die unter nichtsbedeutendem Lächeln, und mit abgewandtem Gesicht, in den furchtbaren Ocean des Nichts? Tieck, ein Engel ruft durch mich Dir zu: Erhalte Dich, schone Dich, mache Dich glücklich um Deiner Freunde willen!!

Pfui, daß ich so abscheuliches Zeug habe sagen müssen. Ließ es schnell, und zerreiß’ es, — zerreiße das Papier und die Worte, — aber den Sinn, den ich Dir durch dieses Gewirre krasser Ausdrücke ins Herz habe prägen wollen, den präge hinein, — mit brennenden Flammenzügen. Alles, alles bezeugt meine innige Liebe zu Dir, und diese, wenn Du mich kennst, und mich zu durchschauen würdigst, wirst Du auch durch alle heftigen Vorwürfe, die ich Dir je gemacht habe, hell und glänzend durchscheinen sehen. —

Ach ich hatte doch geglaubt, daß Du froher in Halle leben würdest; Deinen Rückfall, was sag’ ich, Dein Fortschreiten in der fürchterlichsten Schwermuth, hatte ich wahrlich nicht erwartet. Du flößest mir eine tiefe Betrübniß ein.[S. 192] Mir kommen wirklich wieder die Thränen in die Augen: Tieck — Du hast es jetzt nicht ganz vergessen, daß Du vor — langen Jahren einmal mit mir vergnügt warst? Oder erinnerst Du Dich, daß Du in Deinem Leben mehr als einmal gelacht hast? Um Gotteswillen! Ist die Trennung von mir, von Deinen Freunden die Ursach Deiner beklagenswürdigen Stimmung? Willst Du zu eben der Zeit, da ich Deine Lehren über eine weise Gleichmüthigkeit gegen die Kleinigkeiten des vulgären Lebens, auszuüben anfange, wieder mir durch ein entgegenstehendes Verhalten Anlaß zur Trauer geben? O Wehe, Wehe! daß ich in der That einen schwarzen Trauermantel um meinen Freund, um meinen besten, einzigen Freund anlegen möchte! Denn mein Freund ist — unglücklich! O wenn mein heißes Gebet zum Himmel Erhörung herabzöge! — Tieck, es muß besser werden mit Dir, besser sag’ ich, — schiele nicht nach dem traurigen Platz um die Kirche hin, wo Hügel und Kreuze stehn, und falber Wermuth wächst, — nein! besser in diesem Leben. Sollte der Himmel Dir einen erhabenen Geist blos zu Deiner eigenen Qual gegeben haben? Und willst Du, unter dieser Voraussetzung, immer selbst Deiner vermeyntlichen Bestimmung zum Unglück, entgegenarbeiten? — Es ist nicht möglich, Tieck! Du bist ein Engel! und Du solltest ewig unglücklich seyn?


Sonnabend, Mittag.

Auch Deine Antwort auf meine Zweifel wegen meiner Wahl einer Akademie, hat mich etwas frappirt. So hatte ich sie nicht ganz erwartet. Du überzeugst mein Herz, wie wehe es dem Deinigen thun werde, Dich aus Deiner Situation in Halle herauszureißen, und doch setzest Du mit einer Kälte, mit einer Trockenheit, die mich erschreckt hat, weil sie die Frucht einer verzweiflungsvollen Stimmung zu seyn[S. 193] scheint, hinzu, Du würdest am Ende doch wohl noch mit mir nach Erlangen gehen. Bedenke genau was Du thust; frage dich selber sorgfältig um Rath, ehe Du hierüber etwas, vielleicht aus Uebereilung, die Du späterhin bereuen möchtest, zu beschließen wagst. Zürne nicht, und (was noch tausendmal ärger wäre) mißverstehe mich nicht, argwöhne nichts, was ich Dir verschwiege, unter dieser Vorsicht versteckt. Es ist dies ein Punkt, über den ich mit der nacktesten Offenheit mit dir sprechen muß. Also noch einmal: bedenke zuvor, ehe Du Dich entschließest; und glaube nur um Gotteswillen nicht, daß ich aus einer gehässigen Kälte und aus Vernünfteley zu unrechter Zeit die Wirkung Deiner leidenschaftlichen Liebe zu mir stören will. Es ist zu Deinem besten, was ich sage. Du wirst in Halle bis Ostern gewiß immer mehr Behagen fühlen, wirst in angenehme Verbindungen verkettet werden und manchen schönen Umgang anspinnen. Nun prüfe Dich selber ja mit Strenge, ob Du stark genug bist, alles dies aufzuopfern, um — einem einzigen Menschen zu gefallen, von dem Du doch nach 1 oder 1½ Jahr alsdann wieder getrennt wirst, 30 Meilen weiter in die Mitte von Deutschland hinein zu ziehen. Es würde nichts kränkender für mich seyn, als wenn Du dies mißverständest, und nur auf einen Augenblick verleitet werden könntest zu glauben, meine Liebe zu Dir wäre um einen Gran verringert geworden. Mein Vater meynt, es würde Dir vielleicht nicht leid thun, mehr von Deutschland gesehen und in Erlangen einige Zeit gelebt zu haben. Nun — vielleicht ist uns der Himmel günstig. Vielleicht, daß es möglich wäre! — könnte meine Gegenwart die Wolken von Deiner Stirn scheuchen. Aber dann die Trennung wieder! Welch ein neuer Blitz für uns beyde! — Nur keine Aufopferung von Deiner Seite, Tieck! Ich will keine Schuld auf mich geladen wissen! Und wenn ich künftig auch nur etwas weniger Deine Liebe verdienen[S. 194] sollte, und Du auch nur etwas von Deiner heißen Liebe nachgelassen hättest, — — doch, wo gerath’ ich wieder hin. O, ist es denn nicht vergönnt, daß wir zusammen glücklich seyn können? Nun — vielleicht! Die Hoffnung soll mich nie verlassen! Möchte sie Dir auch beystehen!


Vergieb mir, wenn mein Brief heftig und sonderbar ist. Ich küße Dich zärtlich, und — verspreche, wenn es nur irgend angeht, Dir künftigen Posttag wieder zu schreiben. Gott sey mit Dir.

W. H. Wackenroder.

V.

Berlin, den 18ten Juni, Montag Abend.

Da ich versprochen habe, Dir wiederzuschreiben, so kann ich unmöglich Deine Erwartung täuschen. Ich halte solch ein Versprechen, dir gethan, für das kräftigste Mittel, mich zu etwas zu zwingen, wenn das Geschäft an Dich zu denken, das mir das süßeste ist, noch eines Zwanges bedürfte. Aber wahrlich, ich fühle es, ich hätte Dir ganz gewiß, wenigstens ein Paar Zeilen geschrieben, wenn ich auch die zeitraubendsten Abhaltungen gehabt hätte, denn ich weiß es selber gar zu gut, was es heißt, vergeblich warten und seine sicheren Hoffnungen vereitelt sehn. Aber Abhaltungen und Zerstreuungen habe ich jetzt doch bis zum abscheulichsten Ueberdruß. Es ist ein großer Trost, den ich Dir geben kann, daß du frey, nach Deiner eigenen Willkühr, in schöner Unabhängigkeit Deiner Zeit genießen kannst; indeß ich durch Geschäftsgänge, und durch überhäufte Vergnügungen, durch meinen trägen Körper, der eines eisernen Schlafes gewohnt ist, und durch die[S. 195] inkonvenienten Verhältnisse mit manchen meiner Bekannten beständig nicht nur an Beschäftigungen, sondern auch an selbstgewählten Erholungen und an besserem Umgange gestört werde. Rambach und Bernhardi lieb’ ich sehr. Letzteren kenn’ ich bis jetzt noch besser und bin ihm also auch noch mehr zugethan als jenem. Ich habe mich gewundert neulich, als er mir manchen geheimen Winkel in seinem Inneren aufdeckte und mich mit allerhand sehr feinen Bemerkungen unterhielt, in ihm so viel Aehnlichkeit mit Dir zu finden. Wisse, daß Du ein sehr lieber Gegenstand unsers Gesprächs bist; und werde durch mich überzeugt, daß er Dich innig schätzt, und von den Abenden, da Du mit ihm zusammen gewesen bist, mit einer lebhaften und frohen Erinnerung redet. Ich bin mit ihm seit ein Paar Wochen 2 mal im Theater gewesen, und habe beydemal dicht bey ihm vorn in der Mitte gestanden. Wenn ich so einen Menschen zu meiner Seite habe, von dem ich weiß, daß er alles so tief fühlt als ich, — ich weiß nicht, dann ists mir immer so wohl, und ich finde mich in dem Gewühl der Menge Zuschauer so glücklich, als wäre ich allein auf meiner Stube mit einem Freunde. Stehe ich aber so verlohren und einsam in dem lachenden und witzelnden und albernen Parterre, so ist mir alles so öde und wüst. Bey keinem aber, als bey Dir, ist mir jenes Gefühl so laut und deutlich gewesen: faßte ich Dich unterm Arm, so wars mir so wohl, als wenn ich mich nach einer erschlaffenden Ermattung des Abends in mein Bett warf, oder als wenn ich mich vor Wintersturm und Regen in mein sicheres Stübchen rettete. — Die 2 Stücke die ich sah, waren, — höre hoch auf, denn ich spreche große Worte: — Kabale und Liebe, und Ifflands Elise von Valberg, Schauspiel in 5 Aufzügen. Ist das letztere, das von Kennern für das Meisterwerk des Verfassers erklärt wird, gedruckt, so lies es ja. Es macht einen erhabneren, weniger rührenden Eindruck, als[S. 196] die Hagestolzen und hat eine weit, weit lebhaftere, raschere Handlung. Nichts übersteigt das Interesse der Situationen, den originalen Stempel einiger großen Scenen, den Effekt, den kleine Züge hervorbringen, — und nichts übertraf, als ich das Stück sah (es ward zum erstenmale gegeben), das Spiel von Fleck, der Unzelmann, Garly (kennst Du diesen talentvollen Anfänger?) u. s. w. Auch Czechtizky, auch die Baranius spielten gewiß sehr schön; auch Mattausch übertrieb seine Gebehrden wenigstens nicht. Als die unschuldige, unbefangene Elise mit der Fürstinn sprach, als das ungezierte, offene Mädchen Muth bekam, ihr Dinge zu sagen, die ein Kenner der Menschen und des Hofs an dieser Stelle kaum zu denken gewagt hätte, als sie die Fürstinn überzeugte, daß sie völlig rein, vom Fürsten noch nicht befleckt sey, und ihr dagegen ihre Pflicht als Gemahlinn ans Herz legte, und ihre Kälte, ihren anscheinenden Stolz gegen ihn ihr vorhielt; da dacht’ ich an die Scene in Maaß für Maaß, wo auch das schüchterne Mädchen in Gegenwart des Herzoges so enthusiasmirt wird. Das Stück ist höchst vollendet und ausgearbeitet; der Gang höchst natürlich. Und noch eines, was ich noch nicht gesagt habe, setze ich hinzu; die Feinheit und Delikatesse in den Aeußerungen der Personen ist unübertrefflich, unnachahmlich. Beyspiele liefern besonders die Abschiedsscene zwischen Elise und Witting, und die Versöhnungsscene zwischen dem Fürsten und der Fürstinn. — Kabale und Liebe hat auf mich gewirkt wie es soll: stark, entsetzlich stark. Ich freute mich, das Ganze besser zu verstehen, als da ich es vor einigen Jahren las. Ich weiß mich der Zeit noch sehr gut zu erinnern, da ich diese Verse von Göthe: „Trocknet nicht, trocknet nicht, Thränen der heiligen Liebe! Auch dem halbtrocknen Auge schon, wie öde, todt ist die Welt!“ — gar nicht verstand. Aber, als ich das Gefühl der Liebe, in seinem schönsten Aufblühen, in seiner reinsten, sich selbst nicht kennenden[S. 197] Unschuld, in dem Reiz, wie die edelsten und süßesten Minnedichter es schildern, — als ich es empfand, — da empfand ich auch, was jene Verse sagen wollten. So erweitert sich allmählig der Kreis der Empfindungen, und wo vorher das Herz kalt blieb, treibt es das Blut nun rascher und wärmer durch die Adern. So gings mir ohngefähr bey einigen Stellen in Schillers Stück. Ich habe es nun göttlich gefunden: es gehört mit zu den einzigen Triumphen, die den glorreichen Dichter zum höchsten Gipfel des Ruhms erheben. Wer hat die Empfindung stärker gemahlt, als er, in der Scene, da der Vater die Geliebte des Sohnes seinen Händen entreißen läßt? Diese hat mich am schrecklichsten erschüttert. Und das Ende! Es kann keine heftigere Spannung der Leidenschaften geben! Ich fühlte es, wäre ich in Ferdinands Lage, — wahrlich, Tieck, ich hätte kaum anders gehandelt. Was meynst Du? Fleck, die Unzelmann, Herdt und vornehmlich auch Unzelmann als Kammerdiener, spielten herrlich. Kaselitz hat nur wenig edles und ausdrucksvolles; und die Engst schien in den großen originellen, vielumfassenden Charakter der Brittinn nicht ganz zu passen. Ihr Mund will sich immer nur zu einem leichten Lächeln verziehen; ihr Auge immer unter den schwarzen Augenbrauen mit schalkhaftem Muthwillen hervorblicken, ihre Stimme immer über anmuthige Scherze mit einem sanften Accente dahingleiten: und dieser ihr angebohrner Charakter, wie es scheint, schimmerte immer hervor, wenn sie sich auch Mühe gab, mit ihrem Arm pathetisch zu gestikuliren und mit ihrer Stimme die treffenden Töne wahrer, erhabener Empfindung zu modulieren. Die ächt Schillersche Sprache in dem Stück ist oft der kühnste Schwung der Poesie.

Ich habe Göthens Groß-Cophta gelesen, worin sehr viel artiges ist. Auch habe ich Pfeffels Gedichte durchgelesen, die zwar manche allerliebste, anpassende Fabel enthalten, aber[S. 198] auch einiges, was nicht für meinen Geschmack ist, als: Romanzen auf alte Leisten, vom gewöhnlichen Schlage; gemeine, alberne Erzählungen; kleine Erzählungen, die nakt da stehn ohne Interesse, und man weiß nicht wozu, in eine geringe Anzahl von Versen zusammengepreßt sind; endlich, mehrere fade oder läppische Witzeleien, die für Epigramme verkauft werden. Daß man es sich doch nicht der Mühe verdrießen läßt, sogar solch allgemeines und gemeines Courantgeld, als die Epigramme sind, zu verfälschen! — Uebrigens scheint mir Pfeffel der einzige blinde Dichter zu seyn, der in seinen Werken keine Spur von finstrer Phantasie zeigt, sondern vielmehr durch seine heitere Laune sich und andre aufheitern will. Wie kommt das? Es ist viel!

Wenn Burgsdorff wieder solider geworden ist, so freut michs sehr. Grüß’ ihn herzlich. — Die Geschichte Deiner selbst wird mir immer willkommen seyn, und mir zu einem heiligen Unterpfande unsrer immerwährenden Freundschaft dienen.

Bernhardi denkt, wenn er irgend kann, in den Hundstagsferien nach Halle zu reisen, und freut sich sehr zu Dir. Er hatte schon auf einen Brief von Dir gewartet. Ich habe ihm Deinen gegeben; auch die an Deine liebe Schwester hab’ ich abgegeben. Warum schreibst Du ihr nicht öfter? Versäume ja nicht, lieber Tieck, an sie und Deine Aeltern zu schreiben. Hörst Du? Deine Schwester verräth ein so gutes, sanftes Gefühl, und so viel Liebe und Zärtlichkeit für Dich! —


Dienstag Mittag.

Ueber das Naive hab’ ich noch nicht recht Muße gehabt, nachzusinnen. Es ist ein so schwerer als interessanter Gegenstand. Bernhardi hat jetzt Deine Anna Boleyn. Es geht[S. 199] ihm beynahe so wie mir: es wird ihm schwer, etwas zu tadeln oder Verbesserungen vorzuschlagen. Ich habe mir alle mögliche Mühe gegeben; aber glaub’s mir, ich finde wahrlich nichts. Den 2ten Akt versteh ich immer besser, und find ihn immer schöner und schöner. Ganz vortrefflich ist’s, daß die Anna am Ende vornehmlich nur ihrem Heinrich zu Gefallen entfliehen will; nur ihm zu Liebe, damit ihre Gegenwart ihn nicht stören soll. Aeußerst feiner, trifftiger, rührender Grund!

Lebe wohl und sorge für Deine Gesundheit und Zufriedenheit. Schreib mir bald, lieber Tieck.

Dein

ewiger Freund

W. H. Wackenroder.

VI.

Freitag, den 20ten Juli.

Mein zärtlich geliebter Tieck.

Endlich hör’ ich einmal wieder etwas von Dir. Gewiß hätt’ ich schon lange, wirklich lange schon wieder an Dich geschrieben, wenn ich nicht so viel Zerstreuungen gehabt hätte. Ich habe in der That allen meinen Verstand und meine Ueberredung, d. h. all mein Phlegma aufbieten müssen, um bey Deinem Stillschweigen, das mich so lange beunruhigt hat, nicht zu unruhig zu werden. Da ich Deine Harzreise ahndete, so war ich ungewiß, ob mein Brief Dich schon wieder in Halle antreffen würde; auch erwartete ich immer einen von Dir, heute aber am sichersten, und — ich bin inniglich froh, daß ich mich nicht getäuscht habe. Aber glaube es mir auf mein Wort ich hätte, wenn Du auf noch längere Zeit geschwiegen hättest, es doch kaum über’s Herz bringen können, Dir Vorwürfe darüber zu machen: ich hätte es wahrlich nicht gethan.

[S. 200]

Seit Deinem letzten Briefe habe ich oft mit sehr zärtlicher Rührung und reger Empfindsamkeit an Dich gedacht; und ich bin über alles glücklich, daß Du, wie ich sehe, auch an mich noch immer mit einer Innigkeit denkst, die ich erst seit Deiner Entfernung aus Deiner Schriftsprache recht erkenne.

Verzeihe es meiner Freundschaft, wenn ich in meinem vorletzten Briefe das demüthige Gefühl der Hochschätzung, den meisternden Ton heftiger Vorwürfe angenommen hatte. Aber Du hast mir schon verziehen. Ich weiß es ja auch selbst, wie übel dieser Ton mir steht, und wie häßlich dabey meine Empfindungen verzerrt werden. Doch der Fall, der diese Diskursion veranlaßte, hatte mich zu gewaltsam erschüttert, als daß, — nun — möge ewige Vergessenheit darüber ruhn. Daß grade jenes Dein Uebelbefinden nicht eine Frucht der Tollkühnheit war, die ich schon manchmal, wenigstens in Gedanken, an Dir gerügt habe, kann seyn; daß Du aber die großscheinende Schwachheit sonst gehabt hast, — (Tieck, verzeih um’s Himmels willen, daß ich es wieder Schwachheit nenne; ins Gesicht könnt ich’s Dir wahrlich nicht sagen, ich weiß nicht, warum ich’s mir vergebe zu schreiben? —) nun, das gestehst Du selber ein. Und davon Dich abzubringen, (wohl Dir, wenn Du Dich selbst schon geheilt hast,) das allein war die Absicht meiner Invektive gegen Dich. Und o! wie erhaben dünk’ ich mich als ein Glied der Kette, die Dich an diese Erde fesselt. Ich glaube, ich habe meine Bestimmung in der Welt genugsam erfüllt, wenn ich nur ein starkes Glied dieser Kette bin. Möchte sie nimmer zerreissen.

Du bestrafst mich mit der größesten Belohnung, wenn Du zu meinem Einwand wegen Deiner Wahl von Erlangen blos sagst, ich hätte Dich mißverstanden. Wenn ich aber in einer Sache, wo Eigennutz, (doch der edelste denk’ ich,) mit der Besorgniß für die Zufriedenheit des Freundes kämpft, nicht so nachsichtig wäre, wenn ich strengere Beweise von Deiner Seite[S. 201] fordern könnte, daß nicht das Glück, was mir zu Theil werden soll, Dir abgehen würde, so würde ich in der That Deine Erklärung hierüber wenig befriedigend finden. Du hättest in Halle keine Verbindungen, deren Auflösung Dir wehe thun könnte? Hast Du nicht die Reichardtsche Familie, Burgsdorff, und vielleicht noch andere? Hast Du nicht schöne Gegenden, die Dich kennen und die Du liebst, Flumina nota u. s. w.? Bist Du Deinen Aeltern nicht näher? — Doch meine selbstsüchtige Seele hält mir den Mund zu, da meine liebende Seele mich fortfahren heißt.

Scheine ich Dir nicht einem Kinde ähnlich, das nur darum sich so lange nöthigen läßt, ein Geschenk anzunehmen, um es nachher mit desto größerm Scheine des Rechts, mit desto begierigeren Händen ergreifen zu können? Ich will nicht entscheiden, in wie fern Du in dieser Vorstellung unrecht haben möchtest. Dennoch, — überlege: sieh auf Dich selbst. Wenn dann unser beiderseitiger sehnlichster Wunsch erfüllt werden kann, wenn wir an Einem Orte die blumenreichsten Jahre des Lebens zubringen dürfen: — o welche unaussprechlich reizende Aussicht in die Zukunft. Zwey Wesen, von dem traurigen Schwall und Wuste der Welt isolirt, in einer Freiheit, die Götter beneiden könnten, in einer Sorglosigkeit, die man vergeblich an andern Orten der Erde und in andern Zeitpunkten des menschlichen Lebens sucht, — durch nichts an die Menschen, blos an einander mit den unauflöslichsten Banden gekettet: — so setzen wir uns dann mit Entzücken auf die Schaukel des Glückes, und lassen uns zusammen von unseren Freuden in herrlichem Schwunge bis an die Sterne schleudern: Coetusque vulgares udamque spernimus humum! — Aber ich schweife wieder aus! Ach! diese Seligkeit scheint mir zuweilen so groß, daß, — soll ich nach der bäurischen Einfalt meiner dunkeln, ahndungsvollen Empfindungen sprechen? — daß ich bange davor bin. Denn ich kann mich nicht überreden, wie[S. 202] das im Guten so haushälterische Schicksal, das so genaue Rechenbücher über die Freuden und Leiden hält, die es uns zutheilt, mich mit einem so großen Kapital beschenken könnte, ohne mir nachher dafür die drückendsten Zinsen abzufordern. Doch ich trage diese Beschwerden, wenn Du mich so glücklich machst. Und ich nehme Deine Wohlthat, die Du an mir thun willst, mit dem dankbarsten Gemüthe an, wenn sie Dich nicht gar zu viel kostet. Dabey bleibt’s. O ich habe heut schon herrliche Scenen aus unserer künftigen Gemeinschaft geträumt! —

Du wirst es wohl ahnden, daß ich den 2ten Theil des Genius nicht ohne besorgliche Gedanken, und nicht ohne etwas dagegen eingenommen zu seyn, kurz nicht ohne fatale Nebenideen zur Hand genommen habe. Aber daß der Verfasser ein origineller Kopf ist, der die Sprache so in seiner Gewalt hat, wie ein Schauspieler seine Stimme, der das Blut durch alle Adern jagen, der kalte Thränen des Schreckens aus den Augen pressen, der die Seele in ein Meer der entzückendsten Gefühle eintauchen kann, das ist unwidersprechlich. Um seinen Styl zu schildern und zu loben, müßte man selbst schreiben wie er. Um nur der Charakterzeichnungen zu gedenken, die im 2ten Theil so häufig vorkommen, welche Meisterstücke! Ich kenne wenigstens keine höheren Muster. Da sind Ideen gehascht und in Worte gekleidet und hell vor die Seele gestellt, die man gewöhnlich nur in einem Nebel sieht, ohne sie sich selbst deutlich erklären zu können; da sind die feinsten Falten des Herzens aufgedeckt; da ist das ganze Aeußere und Innere des Menschen in ein Gemählde von Worten gebracht, wo alle Züge wahr, bedeutend und treffend, und mit der schönsten Kunst ausgeführt und vereinigt sind. Die Scenen beym Einsiedler sind vortrefflich.

Deine Bücherrekommandationen sind mir natürlich immer sehr willkommen. Den Tasso werde ich mir zu verschaffen[S. 203] suchen. Wie heißt aber eigentlich der Roman von Florian? Estelle? Ich kann’s nicht recht herausbringen.

Im Großkophta hab’ ich freilich auch nicht etwas außerordentliches, so wie man es von dem Verfasser des Werther gewohnt ist, entdeckt. — Der Charakter des Sekretärs ist Dir in Cabale und Liebe zu abscheulich, und mehr als Franz Moor? Mir scheint selbst der letztere weit mehr zu entschuldigen zu seyn; wie wohl immer mehr Scharfsinn, als ich besitze, dazu gehört, um dergleichen seltene Ungeheuer im Drama zu rechtfertigen. Du weißt, daß sie mir leicht mit zu starken Farben gezeichnet sind, und daß ich auf der Bühne eine Person verabscheue, die gar nichts Menschliches an sich hat, und nicht das geringste uns auffordert, uns mit ihr nur einigermaßen auszusöhnen, wenigstens unsern Abscheu in dem Grade zu dämpfen, daß doch das Gefühl des Mitleids und des Bedauerns dabey in unserer Seele noch Platz behält. Und freilich habe ich noch nichts gefunden, was dies bey der genannten Rolle veranlaßte. Ich sprach vor einiger Zeit auch mit Bernhardi davon. Mich dünkt, daß er in der Anhänglichkeit an den Präsidenten, in dem Diensteifer, den so ein teuflischer Diener gegen seinen Patron hat, etwas zu seiner Entschuldigung dienendes wollte entdeckt haben. Aber ich sage kein Wort darüber. Denn ich möchte Bernhardi’n etwas falsches unterschieben, weil ich dergleichen Dinge nicht immer mit dem geschicktesten Handgriff zu fassen weiß.

Elise von Valberg wirst Du noch tausendmal vortrefflicher finden, als ich bis itzt wenigstens im Stande gewesen bin, es zu finden, da ich es nur einmal gesehen habe; und da Du die Schönheiten und Feinheiten dramatischer Plane und Situationen Dir auseinanderzusetzen verstehst. Aber, o Himmel! was ist diesem Meisterstücke für ein Ding gefolgt! Hieronymus Knicker, Operette in 2 Akten von Dittersdorf, ist schon 3mal gegeben, und scheint leider Beyfall zu finden! Nach dem[S. 204] was ich nur von solchen, die nicht Willens waren, dem Dinge ihren hohen Beyfall ganz zu versagen, gehört habe, muß es, was Musik, Geist und Geschmack des Gesanges, u. s. w. betrifft, fast noch unter dem rothen Käppchen stehn. Es hat denn doch bis itzt noch alles sein Ende in dieser Welt erreicht; selbst die verderbliche Dürre, die über 14 Tage gewährt hat, ist nun durch ein Gewitter, wenigstens zum Theil, gebrochen; aber die unsinnige Operettenwuth der Berliner scheint nur mit der Zeit immer mehr Nahrung zu bekommen, und noch nicht den höchsten Grad erreicht zu haben. Ist dieser da, so muß nothwendig eine Revolution erfolgen, sonst werden wir so barbarisch in der Kunst als — die Lappländer. — Fort mit dem Gedanken an diese verdammte Seuche. Ich will Dir etwas besseres erzählen. Und das ist, daß ich neulich Diderots Hausvater und den Traktat über die dramatische Dichtkunst, der das Stück begleitet, gelesen habe. O was ist dieser Diderot für ein verehrungswürdiger Mann! Wie weicht sein Charakter, sein Geschmack, doch so ganz von dem empfindungslosen französischen Geist ab! Was hat Er für Fülle des Herzens, für alte Gutherzigkeit, für alten Edelmuth, (denn nach dem modernen Geschmack scheint das nicht recht zu seyn.) Man sollte ihn, wäre sein Name nicht französisch, für einen Deutschen oder Engländer halten. Erinnere Dich an die herrlichen Grundsätze, Vorschläge und Aeußerungen, die in der Poetik vorkommen. Erinnere Dich jener herrlichen Stellen, die mich vorzüglich entzückt haben, und die so sehr für Dich als für mich schön seyn müssen!

Von Deiner Harzreise schreibst Du mir vielleicht künftig noch etwas. Weißt Du denn schon, daß Bernhardi Dich bald vielleicht besuchen dürfte? Aber rechne noch nicht sicher darauf; denn er hat mir gesagt, daß er noch nicht gewiß wäre, ob es Zeit und Umstände erlaubten. Ich rathe ihm sehr zu. Seine Freundschaft ist mir itzt viel, sehr viel werth. Wir kennen uns[S. 205] itzt genauer als sonst, und sprechen sehr vertraulich, ungleich vertraulicher als sonst. Wenn Du wüßtest, wie sehr er Dich liebt! wie sehr er Deine ganze Gegenliebe verdient! Rambach seh ich seltener. Er ist gewöhnlich, oder doch oft nicht zu Hause, wenn ich ihn besuchen will. — Daß Du auf Michaelis herkommst, ist doch in höchstem Grade wahrscheinlich? — um nicht mit einem: Gewiß, Dir Einwendungen, wider meinen Willen, zu entlocken. Deine Schwester und ich wir trösten uns dadurch über Deine Abwesenheit, wenn ich sie spreche. Soll ich Dich bey Dir selber verklagen? Soll ich Dich nicht auffordern, an Deine liebe gute Schwester und Deine Aeltern öfter und länger zu schreiben? Sie würden sich sehr freuen, wenn Du es thätest. — Dein Bruder ist ein paarmal bey Bernhardi gewesen, der ihn zuerst wegen Deines Gesichts und Gleichheit im Aeußern liebgewonnen hat. — Ich lege einen Brief von Deiner Schwester ein. Ich habe es ganz vergessen, es ihr eher anzubieten.

Liebst Du mich, so antworte mir bald, damit unser Briefwechsel in ordentlichem Schritte geht. Ich für mein Theil werde alles dazu beytragen. — Die Zeit vergeht mir jetzt schneller als jemals, und deswegen werde ich verleitet, fast alle Tage schon an meine Abreise aus Berlin zu denken. Sie wird mich Thränen kosten; und käm’ ich ohne Freund auf eine 56 Meilen entfernte Universität, so würde ich mich gar nicht wohl befinden.

Noch habe ich versäumt, Dir vom Père de Famille zu sagen, daß meine Erwartung hier einmal wieder um ein kleines Haarbreit getäuscht ist. Der natürliche Sohn von Diderot hat mich wegen der vielen schönen Empfindung, die darin herrscht, zu heißen Thränen gerührt, und thut dies bey wiederholtem Lesen gewiß immer. Den Hausvater find’ ich schön, — aber — so innig habe ich nicht Antheil genommen, so lebhaft bin ich lange nicht erschüttert, als bey jenem Stück. Liegt[S. 206] beim Hausvater die Schönheit mehr im Plan? Vielleicht fühl’ ich sie bey wiederholtem Lesen tiefer. Der Sohn, der Hausvater, und die Geliebte des erstern, sind herrlich gezeichnet. Aber ich muß gestehn, was z. B. die Putzhändlerin in der 1. Scene des 2. Akts thut, was diese ganze Scene wirken soll, oder warum sie nothwendig war, sehe ich noch nicht ganz ein. Belehre mich hierüber etwa einmal, wenn Du willst.

In der Hoffnung, Dich auf Michaelis hier zu sehn und baldige Antwort von Dir zu erhalten, bin ich

Dein

Wackenroder.

P. S. Bernhardi schreibt künftigen Posttag, ob er noch nach Halle kommt, und schickt Dir kleine Bemerkungen über die Anna Boleyn.

VII.

Montags.

Mein liebster Tieck!

Wo bleibt mein Brief, den ich nun wohl bald erwarten dürfte? Wenn zu allen Deinen Fähigkeiten hinzukäme, Ordnung und Pünktlichkeit zu beobachten, so würdest Du ein ganz vollkommnes Wesen seyn, — vielleicht zu vollkommen für diese Welt. Ich freue mich nur über mich selbst, daß ich jene Schreibeträgheit und Nachläßigkeit im Korrespondiren bey mir nicht bemerke; doch ich habe freilich fast lauter angenehme Briefwechsel.

Lebst Du denn vergnügt, gesund? Bernhardi hatte inniglich gewünscht, Dich in den Hundstagsferien zu besuchen, denn er sehnt sich nach Deinem Umgange sehr und wünschte sich mit Dir recht aufzuheitern; aber einfältige Hindernisse sind ihm in die Queer gekommen. Wie schön wär’s nicht gewesen,[S. 207] wenn er zu Dir gekommen wäre; hätt’ ich ihn dann begleiten können! Tieck! hätt’ ich Dich in Halle sehen können! —

Meine Abhaltungen sind durch neue Abhaltungen ersetzt. Der Vater meines Herrn Vetters mit seinem Bruder aus Stockholm, sind itzt auf ein Paar Tage hier; ich sehe mit ihnen dies und das, und gehe hier und dort hin: bald werden sie abreisen, um eine Reise, die zum Theil Geschäfte zum Theil Vergnügen zum Zwecke hat, durch Deutschland vorzunehmen. Von hier reisen sie nach Wien, durch Sachsen. Himmel! was sagst Du, wenn ich sie begleiten könnte, und Dich vielleicht auf einen Augenblick wenigstens im Vorüberreisen, umarmen!

Mein Hauptlehrer, der Assessor Köhler, ist verreist, auch nach Wien; einige andre meiner Lehrer setzen ebenfalls ihre Stunden itzt aus. Ich habe nur 2 Vormittage in der Woche besetzt. Was werde ich in diesen unerwarteten Ferien anfangen? Womit werde ich die Nebenstunden der Erholung ausfüllen, wenn ich nicht einen Freund, einen einzigen, unaussprechlich-geliebten Freund bey mir hätte, oder eine Ferienreise nach Halle unternehmen, mit ihm auf die Felsen klettern, und die Krümmungen der Saale in den wohlgebauten Fluren des Sachsenlandes beschauen dürfte?

Ich habe noch heute an Wißmann geschrieben. Da Bernhardi, Du, keiner seiner Bekannten ihm schreibt, will ich nicht der letzte Hartherzige seyn. Seine Mutter, die ich zuweilen besuche, ist eine geistreiche, gefühlvolle, edle, gütige Frau. Ich bin ihr sehr gut. Sie wünscht mich nach Frankfurth zu ihrem Sohne. Ach! ich wünsche mich am ersten zu Dir! zu Dir, Du Freund meiner heiteren entzückend frohen Stunden, und meiner trüben launenvollen Aprilltage! Wann werd’ ich Dich wiedersehen?? — Soll ich Dir einen kleinen Schreck einjagen? Ich kann Dich nicht länger täuschen und mit Vorbereitungen hintergehn. Kehr’ um und lies die Antwort:

[S. 208]

Künftigen Montag!

Höre die Auflösung des Räthsels. Ich bin vor Entzückung ausser mir; ich taumle in der seligsten Hoffnung!

Der Vater meines Herrn Vetters hat mit meinem Vater verabredet, daß ich ihn über — (Höre wie glücklich ich bin,) — über Wörliz, Dessau, Halle! Leipzig, Meissen, bis Dresden begleiten soll. So kurz, so schleunig ward dieser Entschluß gefaßt, daß ich meiner eigenen Ueberzeugung von der Gewißheit nicht traue. Ich sehe Dich — diesen Montag — in Halle! Wer hätte gedacht, daß ich geboren wäre, um so glücklich zu seyn!

Aber ich eile Dir einige langweilige Betrachtungen vorzupredigen, die ein Paar Tropfen Wassers in das Feuer meiner Entzückung tröpfeln. Es wird nicht angehn, daß wir länger als Einen Tag in Halle bleiben; denn unsre Zeit ist beschränkt. Ferner muß ich dort in Halle einen Besuch für meinen Vater machen. Doch so viel als das gütige Fatum mir Zeit übrig läßt, oder so viel ich Stunden, Minuten und Sekunden von meinen Reisegefährten erbetteln kann, — so lange leb’ ich ganz für Dich. Doch versteht sich nicht das von selbst? — Aber ferner, was Dich zwar nicht betrifft, aber wohl mich und meine Laune: meine Reisegesellschafter sind, in dem engen Raume eines offnen Extrapost-Wagens: — mein Herr Vetter, die beyden Herren von —, und ihr Hofmeister. Dies ist etwas, was vielleicht meine reine, hochgestimmte, volle Freude und Empfindung des Wohlseyns zuweilen etwas dämpfen möchte. Aber fort mit den Ideen! Meine Reise ist vortrefflich; ich bin so froh, Dich zu sehen, daß ich keinen angemessenern Ausdruck für meine Freudigkeit finden kann.

Donnerstag Mittag reisen wir: am Abend sind wir in Potzdam: den folgenden Tag wird die Reise nach Wörliz vollendet; am Sonnabend genieße ich die schöne Natur und Kunst, an einem Orte, den Du betreten hast und mit dem[S. 209] Du (das thut mir leid, daß darin unsre Hoffnung fehlschlägt,) mich zuerst bekannt machen wolltest. Den Sonntag werden wir wohl nach Dessau gehn, vielleicht uns dort etwas umsehen und dann — nach Halle, zu meinem Tieck! fahren. Doch ist es auch keine absolute Unmöglichkeit, daß wir erst Montag früh hinführen. Im ersten Fall würden wir den Montag, im andern Montag Nachmittag und Dienstag Vormittag in Halle bleiben. So viel kann ich im Voraus sagen. Daß, sobald ich ankomme und es angeht, es sey Morgen, Mittag, Abend oder Nacht, ich nach der Klausstraße und nach dem Chirurg. Kern frage, ist so gewiß, als ich wünsche, Dich gesund und froh in der Stimmung zu finden, Deinen Freund zu umarmen. Der Montag wird einer meiner goldenen Tage seyn. —

Noch eins! ich bringe Dir ein Paar stumme Freunde mit: 2 Briefe von Deiner Schwester und von Bernhardi.

Aber noch eins! Wenn ich wüßte, daß Du nicht auf Michaelis nach Berlin kommen würdest oder könntest oder wolltest, was doch der Haupttrost Deiner Aeltern u. s. w. ist, so würde ich mich auf ein ganzes Packet Bewegungsgründe gefaßt machen, die aus dem Munde eines Freundes doch wohl einige Autorität haben müßten.

Wen ich außer Dir in Halle sehen möchte? Keinen als Reichardts! Diese Familie liebe und schätze ich innig. — O ich sehe es schon im Geist, wie wir in ihrem romantischen Garten wandeln, und vom Giebichensteiner Felsen herab die Landschaft unter uns liegen sehen! Dann meinen Arm um den Deinen und meinen Mund auf Deine Lippen, — so kenn’ ich nichts höheres! An dem Tage wollen wir die Zeit mit unserm süßen Geschwätz so ausfüllen, daß kein Moment ungenutzt bleibt, — so wie in einem wohlgefüllten Raum von Menschen kein Apfel zur Erde kommen kann.

So lebe denn wohl, mein Theuerster! Ich brenne vor[S. 210] heißer Sehnsucht, Dir an den Busen zu fliegen! — Nur! — erwarte mich nicht zu ängstlich zu einer gewissen Stunde, — freue Dich nicht zu sehr auf einen vergänglichen Tag, — hörst Du? — Doch sey, wenn Du von meiner Hand berührt wirst, eben der gütige Freund, der Du in einer Entfernung von 20 Meilen geblieben bist.

Mit entzückungsvoller Hoffnung des Wiedersehns —

Dein

Freund

W. H. Wackenroder.

VIII.

Dresden, Montag Abends,
nach 10 Uhr.

Mein liebster, mein bester Tieck!

O Wehe! da bin ich wieder von Dir gerissen, und muß mich in Gesellschaften herumtreiben, die gegen die Deine so sehr abstechen, wie — die schöne Venus, die ich heute im Antikensaale gesehen habe, gegen den Kerl im Leipziger Garten, der mit dem Schlag 15 sich den Dolch in die Schulter stieß!!

Dresden ist eine köstliche Stadt, aber doch muß ich in dieser Gesellschaft mich hüten, mich nicht zuweilen von unbehaglichen Empfindungen betreffen zu lassen, die das Fremde, Unvertrauliche eines noch ungewohnten Ortes, wo man nicht zu Hause ist, einflößt. Dich am Arm, — so wär’ ich selbst in Kalifornien nicht fremd.

Ich werde nicht die heiligen 7 Tage vergessen, die ich mit Dir verlebt habe! Empfange meinen feurigsten Dank für Deine Freundschaft, mein zärtlich geliebter Tieck!

Sonnabend, als wir Abschied nahmen, war mir natürlich[S. 211] sehr fatal. Wir aßen Mittag in Hubertsburg, wo ein altes und ein neueres Schloß sich gut präsentiren; und Abends in Meißen (10 Meilen von Leipzig). Gestern früh besahen wir hier auf dem Berge den Dom und bestiegen seinen Thurm, der von oben eine göttliche Aussicht hat. Der ganze Berg liegt äußerst malerisch. Der Weg von Meißen bis Dresden (3 Meilen) verdient das Lob, das ihm jeder giebt. Er zieht sich beständig längs den gelben Fluthen der Elbe hinunter und wird immer von grünen Weinbergen begleitet, aus denen tausend kleine weiße Häuser, Thürmchen u. s. w. hervorglänzen. Ich genoß diese Schönheiten in stummer Stille, und hegte allerhand poetische Empfindungen dabey.

Die Aussicht von der Dresdner Brücke ist fast dieselbe, und daher mitten in der Stadt von unschätzbarem Werth. Gestern Abend haben wir die ziemlich schlechte Secondasche Truppe gesehen, wie sie Liebhaber und Nebenbuhler in Einer Person, aufführte. Herr Kordemann (vermuthlich der Berliner) spielte den verkleideten Ritter. Heut früh haben wir die Antikensammlung, die nächst der Kapitolinischen, Vatikanischen und Florentinischen die erste in der Welt ist, und heut Nachmittag die Bildergallerie besehen, doch so, daß ich bey beyden kaum Zeit hatte, einige wenige der vorzüglichsten Stücke nur flüchtig anzusehn. Gehts irgend an, seh’ ich beydes noch einmal.

Sonntag oder Montag früh reisen wir weg. Dienstag oder Mittwoch sind wir in Berlin. O dann komm doch so bald als möglich!! Bin ich in Berlin, so schreib’ ich Dir gleich. Schreib Du, je ehr je lieber!

Bleib gesund: grüße Burgsdorf, Reichardts, und — die Giebichensteiner Felsen. Lebe wohl Du Theurer: Dein Bild steht mir ewig vor der Seele; und die 7 Tage, besonders den in Wörlitz, vergesse ich nie.

[S. 212]

Es wird mir schwer, mich von Dir zu trennen, aber die Zeit will’s! Leb wohl.

Ewig

Dein Dich liebender

W. H. Wackenroder.

In Berlin erzählen wir uns noch viel. Da hörst Du noch alles von Dresden.

IX.

Novb. 92, Sonnabend Vormittag.

Mein geliebter Tieck.

Daß Du mir nicht sobald schreiben würdest, habe ich wohl gedacht, ich freue mich nur, daß ich nun höre, daß Du gesund und auf Deiner Reise vergnügt gewesen und jetzt mit Göttingen so zufrieden bist. Ich kannte aber in der That kaum mehr Deine Hand auf dem Kouvert, als ich den Brief bekam; so lange hab’ ich nichts von Dir gesehn. Indeß vermied ich, mit Aengstlichkeit an Dich zu denken; und ich bin nun nur vergnügt, daß ich mir Dich in Göttingen gesund und wohl vorstellen kann. Ich bin gesund gewesen, und habe mancherley Zerstreuungen gehabt. Bernhardi und Rambach, (beiden hab’ ich zu ihrer Freude Deinen Gruß bestellt,) grüßen wieder und hoffen auf Briefe. Bernhardi hab’ ich wenig sehn können bis itzt; aber Mittwochs sind wir mehrmals zusammen in ein Konzert gegangen, wo ich mich abbonnirt habe, haben uns zusammen in einen Winkel gestellt oder gesetzt, und Gutes und Schlechtes nicht nur angehört, sondern auch, wie Du denken kannst, vom Grund des Herzens bewundert, bekritisirt, bedisputirt, belacht und bespottet. Ich glaube, hätten wir unsern Willen, so würde Er gleich ein Baumeister, aus Liebe zur[S. 213] Kunst, ich ein Musiker, — wenigstens auf einige Monathe lang. Rambach hat mir neulich Etwas aus seinen Syrakusern vorgelesen. Bernhardi und ich finden, daß er hierin seinem Styl eine Vollendung und seinen Gedanken und Empfindungen eine Würde und Wahrheit gegeben hat, die er bey seinen vorigen Fabrikwaaren, aus leidigem Zwange, verläugnen mußte. Er selbst gesteht, daß er dies mit ungleich mehr Besonnenheit und Ueberlegung geschrieben. Ich habe gesehen, wie viel er vermag.

Es hat mich gefreut, daß Du in Leipzig wieder an mich gedacht hast, aber leid gethan, daß diese Erinnerungen Dich einen Tag trübe gemacht haben. Die Truppe „wobey Herr Kordemann Hauptrollen spielt“ habe ich in Dresden gesehen. (Herr Kordemann machte den Ritter in Liebh. und Nebenb. in Einer Person.) Es ist wahr, daß die Komödianten alle an einer unglücklichen Mittelmäßigkeit oder gar Schlechtheit laboriren. Der Herr Geiling ist im Komischen noch erträglich, aber doch Karrikatur und hat, wie Du an allen wirst bemerkt haben, ein abscheulich häßliches und widriges Gesicht. — N. B. Vorige Woche sind: „Die heimlichen Vermählten,“ die wir in Leipzig mit so vielem Vergnügen sahen, hier aufgeführt — aber — wie Du vielleicht schon zur Ehre und großem Ruhm aller Ohren des Berliner Publikums ahnden wirst, mit großer Gleichgültigkeit aufgenommen. Doch mag das dazu beytragen, daß man hier die Musik nicht mit dem Feuer und der Lebhaftigkeit spielt wie da, (so habe ich gehört, ich habs hier noch nicht sehen können,) vornehmlich aber, daß — Du wirst erschrecken — die Stelle des jungen Menschen, über dessen unnachahmliche Leichtigkeit und Natur und Anmuth in Geberden und Gesang wir uns so freuten, hier von dem steifen, hölzernen Herrn Franz ersetzt wird, der blos — gut singt. Lippert mag jenem Italiäner in affektirten Armschleuderungen nichts nachgeben. Das artige junge Mädchen[S. 214] wird von der M. Müllern gespielt. Die Wittwe ist die Baranius; die andre die Unzelmann. Er, Unzelmann, der den komischen Alten spielt, soll, wie leicht zu erachten, das Stück hier allein noch heben. Heut ist wieder ein neues kleines Lustspiel von Babo, „die Mahler.“

Deine Gasthofs-Arbeit ist freilich im Ganzen nichts Außerordentliches. Aber ich bin dabey auf die Gedanken gekommen, daß ein Mensch, der poetische Natur durch Uebung und Kritik gereinigt und geläutert und gebildet hat, einer, der eine Anna Boleyn schreiben kann, (wenigstens anfangen kann — verstehst Du?) auch in der kleinsten Armseligkeit, die er hinwirft, nicht durchaus, nicht gänzlich sich so herablassen kann, daß kein Funken von seinem Talent erkennbar seyn sollte. Ich habe immer geglaubt, daß der größte Kopf auch einmal, aus hunderterley möglichen Veranlassungen, das fadeste Zeug schreiben kann; allein ich halte dafür, daß auch in diesem elenden Zeuge, immer etwas ist, wär’s auch nur ein Einziges Wort, das im kleinen ein Miniaturbild seines Genies ist, und daß ihm vielleicht so zu sagen wider Wissen und Willen entschlüpft ist. — Die letzte Strophe Deines Gedichts ist recht schön. In den andern ist Manches, was mir nicht gefällt. Schiefes und Queres und Reimzwang. Aber erkläre doch, die (ganz bekannt seyn mögende, mir aber immer etwas räthselhaft gewesene und gebliebene) Phrase: nach Thränen, Seufzern und dergleichen die Stunden zählen! — Uebrigens muß ich Dir in allem Ernst sagen, daß jedes kleine Geschöpf Deiner Muse, es mag so roh seyn als es will, mich doch immer leichter in den poetischen Humor stimmt, als sonst etwas. Aber überhaupt habe ich gemerkt, wenn ich von Dir nichts höre und sehe, — so feiert meine Muse, ich vergesse sie. Ist’s doch, als wäre Dein Geist ein Theil von ihr, als zöge sie aus ihm nur Nahrung, als wäre sie nichts ohne ihn. Es ist mir[S. 215] gar auffallend, daß, sobald ich was von Dir lese oder, noch besser, mit Dir mündlich in das Feld der Poesie hineinschweife, mein Blut sich erwärmt, und ich meine lebhaftern Empfindungen in Rhythmen daher ströhmen zu lassen versucht werde. Jetzt habe ich wenig Zeit; allein sollte ich etwas dichten, so schick’ ichs Dir. Doch zweifle ich, bald.

Viva vox docet, ist ein Sprüchwort, was mir bey sehr vielen Wissenschaften, bey historischen z. B., wenig Kraft zu haben scheint. Aber daß die viva vox eines Freundes nöthig ist, um dem Freunde Geist und Frohsinn in die Adern zu gießen, das fühl’ ich. Täglicher Umgang, wie ich ihn habe, erschlafft und verdirbt. Doch es wird anders werden.

Grüße Burgsdorf von Herzen. Was macht sein Carneval, und Karl und Montmorin?

Bernhardi lachte sehr, als ich ihm Dein Urtheil von Heynens Kollegium sagte: er glaubts gern. Ich? auch! Aber kurios ists um die Fama, dieses großsprecherische Geschöpf mit aufgeblasenen Backen. — Solltest Du in Göttingen einmal den Professor Forkel, der eine Geschichte der Musik, eine musikal. kritische Bibliothek u. s. w. geschrieben, und ein vortrefflicher musikalischer Kritiker ist, kennen lernen, so schreib mir von ihm. Schreib mir doch ja, ob er Kollegia über die Musik itzt liest? Er ist mir ein interessanter Mann.

Ich habe nicht mehr Zeit. Bald mehr. Sey nur hübsch ordentlich im Schreiben. Ja? Schreib recht bald. An mir soll’s nicht fehlen. Leb’ wohl und vergiß mich nicht.

Wackenroder.

[S. 216]

X.

Berlin, den 27ten November,
Dienstag, Abends. 1792.

Mein innigstgeliebter Tieck!

Es sieht zuweilen wohl so aus, als wenn ich ohne Dich eine Zeitlang so nothdürftig vergnügt leben könnte; aber im Grunde ists doch nicht wahr, und ich betrüge mich selbst, wenn ich mir so viel zutraue. Du kannst versichert seyn, daß ich in dieser Stunde aus wahrem Bedürfniß an Dich schreibe: es ist mir, um diesen Abend noch mit Ehren und guter Manier zu erleben, so nothwendig, als Dir, etwas Theatralisches zu dichten. Wo sind die schönen Zeiten, da ich keinen Nachmittag oder Vormittag ruhig seyn konnte, wenn ich Dich nicht gesehn hatte; da ich an jedem Tage mit Dir 1 oder 2 Stunden zusammen genoß und unsre Seelen sich einander umarmten? Wie oft strichen wir gegen Mittag, wie oft zur Zeit der untergehenden Sonne im Thiergarten herum, den ich nun wohl über einen Monat nicht gesehn habe! Und wenn wir Abschied nahmen, thaten wir es nie, ohne voraus zu bestimmen, wann wir uns wiedersehen würden. Einst, da ich Dich an einem Sonntag Nachmittag aufsuchen wollte, lief ich die Stadt herum, suchte vorm Komödienhause und 2 mal vor Deiner Thür, kehrte zurück und gieng in meiner Stube eine halbe Stunde auf und nieder und weinte. O wenn Du wüßtest, ja fühlen könntest, wie diese Thränen für Dich voll Wonne waren! — Aber was hilft mir die freundschaftliche Unfreundlichkeit, Dich an diese Vergangenheiten zu erinnern! Ich war gerade in einer so weichen Stimmung.

Und ich merke, daß ich sie nicht sogleich verliere, weil sie mir so süß ist.

An Rambach und Bernhardi hab’ ich Deinen Gruß bestellt:[S. 217] sie freuten sich sehr darüber. Letzterer hat auch Deinen Brief mit großem Vergnügen gelesen: Er, der einzige, dem ich mich jetzt vertraulich mittheilen, und aus dessen Geist ich Nahrung schöpfen kann (denn bey meiner täglichen Gesellschaft muß er gewöhnlich die Fasten observieren). Er ist auch so gebunden als ich und seine Zeit ist eingeschränkt. Arbeiten fürs Seminarium haben ihn gehindert, daß ich ihn seit einiger Zeit in 8 Tagen etwa nur einmal gesehen habe. —

Aber ich will nicht klagen. Was sind das alles auch für Kleinigkeiten gegen die Zukunft, die mich so unendlich belohnen soll?

Was mit dieser Zukunft zusammenhängt, will ich Dir doch zuerst melden. Der Prediger Schuderoff hat neulich an meinen Vater und mich geschrieben, und auf meine Anfrage mir mit heitrer Miene und freundschaftlichem Händedruck geantwortet, daß er uns beyde mit offenen Armen auf Ostern aufnehmen wolle. Oder vielmehr nach Ostern, denn in den Festtagen selbst ist er mit Predigten u. s. w. so überhäuft, daß er blos für sein Amt leben kann. Mit inniger Freude hat er uns zugleich bekannt gemacht, und mit der wärmsten Theilnehmung haben wir es angehört, daß er im Januar ein herzlich gutes Mädchen aus der Nachbarschaft heirathen wird. Er hat mir mit der lebhaftesten Freude geschrieben, wie er uns mit seiner Künftigen, und mit den herrlichen Gegenden worin er so glücklich lebt, und mit den benachbarten Städten u. s. w. bekannt machen, und uns wohl gar auf den Weg nach Erlangen bringen wolle. Und es ist ihm sehr lieb, Dich zu sehn und zu sprechen, da ich ihm schon mehrmals von Dir erzählt habe, wie das denn natürlich ist. Er kann auch schon recht artig Deinen Namen schreiben. Seiner Braut hat er auch schon gesagt, daß wir kommen würden. Kurz sein Brief ist so voll Zärtlichkeiten, daß ich meiner Hoffnung nicht ein besseres Fest zu geben weiß, als sie auf künftige Ostern hinzuweisen.[S. 218] Ich denke, wir werden dann sehr glückliche Tage haben. —

Sieh einmal, wie ich immer in die Extreme falle! Mit dem Vergangenen fieng ich an! — Ein Sprung, ein paar Zeilen kostet er und ich in der Zukunft. Soll ich einmal wider meine Natur (contra naturam meam et indolem) mich auf die goldene (vielmehr nur vergoldete) Mittelstraße begeben und von der Gegenwart sprechen? — (Von der ich, im Vorbeygehen sey es gesagt, noch diesen Sommer ein merkwürdiges Gegen-Argument aufgefunden, indem ich in dem Dorfe Falkenberg, 1 Meile von Berlin, im herrschaftlichen Garten, eine hölzerne Brücke mit eigenen Augen gesehen, wo die goldene Mittelstraße sicher ins Wasser führte, und man sich nur den Extremen der Seitenpfosten überlassen mußte, um sein Leben zu fristen. Wer weiß, ob bey der berühmten und berufenen Bittermannischen Hünerstall-Brücke die Excellenz nicht blos darum das Malheur gehabt, weil sie jener elenden Schulregel gefolgt ist? Sie sieht mir indolent genug dazu aus, mit allen Phlegmatikern ein Anhänger dieses gemeinen aber nichts weniger als allgemeinen Gemeinplatzes zu seyn. Und, quae cum ita sint, um, Kürze halber, von dem zweifelhaften: Wer weiß, sogleich zur Gewißheit überzuspringen; weil dem also ist, sag’ ich, so ist handgreiflich, daß die verdammte Mittelstraße auch im Drama den größten Schaden anrichtet. Denn wenn die Excellenz nur ein wenig mehr Genie gehabt hätte, so hätte sie sich an die Extremitäten des Seitengeländers gehalten, hätte sich in ihrem Leben nicht so blamirt, den Rock vor dem honorablen Publiko auswässern zu müssen, und, worauf ich hier besonders ziele, hätte nicht die Sünden der Autoren vermehrt durch Hinzufügung des 1000sten schlechten Tragödienplans zu den bereits vorhandenen 999.) Ich will es einmal thun. (Besuche die vorige Seite, wenn Du wissen willst, worauf dies geht.)

[S. 219]

Ich weiß aber nicht, wie ich in diesen Ton falle. Es läßt, als sollte dies eine Probe von meinen künftigen witzigen Schriften seyn, zu denen doch, bild’ ich mir ein, in meiner Seele nie ein Embryo lag. Ich thue Dir vielleicht in dem Augenblicke, da Du dies liest, einen sehr schlechten Gefallen damit. Doch Du mißverstehst mich doch nie, und erkennst, als ein rechtschaffner Botaniker, den Grund und Boden auch aus den seltenen Gewächsen (N.B. neulich fand ich in einem alten Musikalienkatalog: „Koncert-Gewächse!!!“), die sich darauf befinden.

Ich wollte von der Gegenwart reden. Dahin gehört, daß ich neulich 2 mal in der Komödie gewesen bin. Zuerst hab’ ich die Räuber gesehen. Fleck strengte sich diesmal sehr an und zeigte sich als ein Genie: vornehmlich in dem ächten Ausdruck der Wuth und in der Natur abgestoßner leidenschaftlicher Interjektionen. Czechtizky, bey dem ein verzerrter Mund, wolfsartig gewiesene Zähne und ein aus dem Hinterhalt hervorglotzendes Auge Universalzeichen für alle Leidenschaften sind, wie er es mit denen, die ihn applaudiren, verabredet zu haben scheint, daß sie es seyn sollen, — verläugnete als Franz, wie man denken kann, sein Charakteristisches weniger als je. Einige Stellen gelangen ihm vielleicht. Aber ich kann nur oberflächlich darüber urtheilen, weil mein Platz mir nicht zuließ, strenge Acht zu geben. Die Herdt als Amalie ist ein Muster zu allem, was zu einem elenden Spiele gehört. Die Räuberscenen werden immer abscheulich, besonders durch Kaselitz, wenn er im Hemde erscheint. Garly spielte den Kosinsky mit sehr gewählten und schön in einander fließenden Gebehrden, die nur noch etwas zu sehr, wie mich dünkt, den gebildeten Hoff-Acquis verriethen. Franz sah als Grimm wie der niederträchtigste und ruppigste Schuhflicker aus; und Berger verdarb eine andre Räuberrolle.

[S. 220]

Das zweytemal das ich in der Komödie war, hab’ ich die erste Wiederholung eines hervorgesuchten alten Stückes: Athelstan, nach dem Engl., Trauerspiel in 5 Akten, gesehn. In langer Zeit ist mir kein so plump anfängermäßiges und seichtes, schwaches Stück vorgekommen, wo jedes Wort, jeder Gedanke von der Heerstraße genommen ist (nach Deinem artigen Ausdruck); Du wirst es wohl kennen. Aber was mich entschädigte, war Flecks unendlich schönes Spiel. Sein Athelstan brachte mir seinen König Lear sehr lebhaft ins Gedächtniß. Er griff sich sehr an und traf wieder mit den glücklichsten Gebehrden, mit dem wahrsten Accente des Tons, das Heftige, das Ueberströhmende der Leidenschaft. Es ist mir so erfreulich als überraschend gewesen, ihn 2 mal hintereinander in solchen großen Rollen so glänzen zu sehn. Für’s erstemal kann ich Bernhardi als meinen Zeugen anführen. Berger ist mir übrigens nie unausstehlicher gewesen, wie er mir als König Harold gewesen ist. Keiner als Du kann ihm den verdammt singenden und abgleitenden und ruckweise von pianissimo zum fortissime übergehenden Ton seiner Rede so gut nachahmen. Alles Affektvolle wird durch das Manierirte seiner Sprache verwischt. — Beym Athelstan gebrauchte man zum Füllstein das Milchmädchen oder die beyden Jäger. Ich sah dies kleine Ding, was sich (mit Vorbehalt meiner allemaligen Grundsätze über die Operetten, sey es gesagt) recht artig und nett ausnimmt, zum erstenmale; sah zum erstenmale den Herrn Greibe erstarren, hörte zum erstenmale (mirabile auditu) sein Herz im Leibe knarren. Greibe spielt wirklich sein Komisches mit einer recht edlen Simplicität. Lippert ist oft gemein. Die Baranius hat einige Arien, die mir sehr wohl gefallen haben; wie ich denn überhaupt von der angenehmen, paßlichen und einfachen Musik viel Vergnügen gehabt habe.

Vielleicht hab’ ichs Dir auch noch nicht einmal geschrieben,[S. 221] daß ich auch vor einiger Zeit den Barbier von Sevilla gesehn habe. In der Musik ist viel schönes; Kaselitz und Unzelmann spielen allerliebst; u.s.w. u.s.w. Du bist doch wohl nachgerade so weit gekommen, meine (unmaaßgeblichen) Urtheile suppliren zu können?

So viel von Theaternachrichten. —

Es wird Dich wohl nicht befremden, wenn ich von Schmohls Briefen weiß. Gütiger Himmel, es ist eine traurige Erfahrung, daß sich Menschen so fürchterlich ändern und so räthselhaft werden! Ich mag kein Wort weiter drüber verlieren. Aber das wünschte ich, dazu beytragen zu können, daß Du Dich beruhigest. Du kannst es Dir ja wohl vorstellen, daß Deine liebe gute Schwester Deine Aeltern und sich selbst mit den natürlichsten Gründen gegen jene mir unbegreiflichen Niederträchtigkeiten besänftiget hat. Gottlob daß Du fort aus Halle bist. Schreiben wirst Du ihm doch gewiß wohl nicht. Ich wünsche von ganzer Seele und bitte Dich inniglich, ihn und seine schlechten Streiche so bald als möglich zu vergessen. Ich mag nichts mehr davon sagen, über diesen unerhörten Vorfall. Ich bitte Dich nur, Dich zu beruhigen, lieber Tieck!


Donnerstag, Abends.

Gestern war ich mit Bernhardi in dem Koncert, wie gewöhnlich des Mittwochs. Weil ich da gewöhnlich sehr aufmerksam bin, so ist es mir besonders auffallend, wie müde die Musik mich immer macht: ich fühle es wirklich sehr, wie die Töne, wenn man sie mit ganzer Seele aufnimmt, die Nerven ausdehnen, spannen und erschlaffen.

Bernhardi grüßt Dich herzlich, wird Dir bald antworten und macht sich zu einer recht fleißigen Korrespondenz mit Dir im Winter Hoffnung. Du hast auch an Rambach geschrieben?[S. 222] und an Deine Schwester? Wir wundern uns alle, aber nicht ohne herzliche Freude, über Deine Sorgfalt und Aemsigkeit im Schreiben. Ich höre Du bist so fleißig in G., und lebst vergnügt. Bleib gesund und arbeite nicht zu viel, damit ich Dich auf Ostern wohlauf sehe.

Du glaubst nicht, wie lebhaft ich gestern Abend, am Ende des Konzerts, als ich im Winkel saß, an unsre herrlichen Tage auf der Reise, besonders an den in Wörlitz dachte. Gott was war das für ein Vormittag! Idealischer hab’ ich nie einen erlebt. Erinnerst Du Dich des halben Stündchens, da wir in dem Felsengemache auf den Steinen saßen, und durch die Oeffnung auf den ruhigen Kanal heruntersahn? Wie lachte alles um uns her, wie milde leuchtete die Sonne, und in welch liebliches Blau hatte sich der Himmel gekleidet! Bey allem dem aber bin ich fast überzeugt, daß ich mir diesen Morgen jetzt noch schöner vorstelle, als er in der That war; und ich glaube, daß es mir mit allen meinen vergangenen angenehmen Schicksalen so geht. In der Erinnerung sondert die Phantasie alles Heterogene von selber ab, scheidet alles stillschweigend aus, was nicht in den Hauptcharakter des Bildes gehört und giebt uns für das immer noch mangelhafte individuelle Bild ein Ideal. Noch eigentlicher ist dies das Geschäft der Hoffnung. Ueberhaupt glaub’ ich, daß in der Welt nichts so schön sey, daß man sichs nicht noch schöner vorstellen könnte, und daß also der so gemeine Ausruf bey einer schönen Gegend: man kann sie sich nicht schöner vorstellen, grundfalsch ist. Einen Strauch hingesetzt, wo ein dürrer Fleck, eine Lücke in der Landschaft war; eine hervorstehende Felsmasse, die eine reizende Aussicht verdeckt, weggenommen; und das Ganze gewinnt unter unsrer schöpferischen Hand unendlich. Doch das ist wohl leicht einzusehn.

Neulich hat der Vater von meinem Herrn Vetter geschrieben. Ich kann es ihm nicht verdenken, daß er es etwas übel[S. 223] genommen hat, wenn ich mich von seiner Gesellschaft so entfernt hielt auf der Reise. Doch, einerley. Sein Sohn wird in Erlangen, vermuthlich mit seinem Vetter, der schon da ist, zusammenziehn. An diesen werde ich schreiben, um mir Quartiere für uns, in Einem Hause zu bestellen. Mich dünkt, Du hast mir auch sonst gesagt, lieber in andern Häusern als in Professorhäusern. — Ich wünsche von ganzer Seele, daß Du mich nicht allzu fade wiederfinden mögest. Ich bin sonst jetzt in der schönsten Schule, es zu werden. Aber noch ein Wort über den Umgang mit meiner täglichen Gesellschaft. Ich kann mich noch immer nicht überzeugen, und werde es auch schwerlich, daß man bey dergleichen Leuten seinen Charakter so ganz offen zeigen, und bey jeder Gelegenheit, wenn auch nicht seine ungewöhnlichern Meynungen mit Indiscretion aufdringen, doch sie ganz rund heraussagen müsse, wenn man dazu veranlaßt würde. Meine Meynung ist: sag’ ich so einem Menschen Einen Satz aus meinem System, äußere ich ihm Eine Behauptung aus meinem eigenthümlichen Vorrath von Grundsätzen, so weiß er das ganze System, sieht gleich, daß ich in die Klasse der Sonderlinge gehöre, und ich komme immer in Kollision mit ihm. Sage ich ihm z. B. der oder jener scheint mir fade, so kommt den Augenblick eine Gelegenheit, wo er mit diesem einerley Meynung ist, mit ihm gleich dumm gesprochen hat. Oder man sieht mich immer als einen Menschen an, der alles besser wissen will (wenn ich auch mit aller Bescheidenheit Paradoxa vortrüge, — und ein Paradoxon ists ja selbst, daß — die Hagestolzen schöner sind als Don Juan); man nimmt wohl zuweilen zu meinem Richter-Ausspruch als zu einem Orakel, seine Zuflucht, aber man hält sich auch hinter dem Rücken über mich auf. Ueberdies traue ich mir nicht zu, diese Rolle beständig und ununterbrochen zu spielen: und eine Rolle ist wirklich mein eigener Charakter bey Leuten wie jene; — ich[S. 224] bin zuweilen auch menschliche, sinnlicher, lustiger, gewöhnlicher; was kann mehr auffallen als diese Ungleichheit? Man wird sich ruhig zurückziehn und kalt gegen mich seyn, auch wenn ich mich recht herzlich über das schöne Wetter freue, oder über eine lustige Anekdote vertraulich mitlachen will. Mich dünkt (wenn meine Worte meine Gedanken jetzt im Augenblick auch nicht passend und glücklich genug ausgedrückt haben), Du kannst mir in dieser Sache den traurigen Ruhm mehrerer Erfahrung wohl zugestehn! — Wenn ich Dir nur noch Beyspiele geben könnte. — Aber mir wollen keine beyfallen. Genug, ich kann meinen wahren Charakter nicht ganz zur Schau stellen; ich würde ihn selbst dadurch vielleicht verderben und ihm eine falsche Richtung geben. Ich überdecke also seine vielleicht anstößigen Stellen. Nun aber glaube ja nicht, ums Himmelswillen nicht, daß ich mich so erniedrige, meine Hauptgrundsätze zu verläugnen. Nichts in der Welt ist mir gehässiger und würde mich selbst mehr mit Schaamröthe beziehn, als wenn ich’s auf ähnliche Weise wie ein Musiker in Berlin machte, der, um nicht anzustoßen, in jeder Gesellschaft, wenn man ihn nach Alessandri’s Musik fragte, vortrefflich, vortrefflich antwortete, ohne ihn je innerlich leiden zu können. Meine Universalmedicin, mein Arkanum, was ich schon so unendlich oft in so unendlich mannigfaltigen Fällen mit Vortheil angewandt habe, ist — das Schweigen, oder auch, was fast eben so viel ist, eine ganz allgemeine, ganz unbestimmte, ganz unbefriedigende Erklärung, die eigentlich die Antwort mehr von sich ablehnt, als wirklich antwortet. Auch hinter spitzfindige Zweydeutigkeiten versteck’ ich mich nicht gern. Folgt’ ich nicht diesen meinen Regeln, so würde ich (Du kannst wirklich das nicht so ganz einsehen als ich) jeden Moment anstoßen. Langeweile, schlechte Gesellschaft, Geschmacklosigkeit, und wer zählt alle die Gegenstände die bey solchen Herren im Gespräch anzüglich seyn[S. 225] können? Du sagst sehr richtig, daß ich mich vor ihnen nicht zu zwingen und zu geniren brauche. Aber was hilfts mir, Streit und mißvergnügte Stunden zu haben? Ich sehe kein ander Mittel, als mich ihnen (hoffentlich weißt Du nun in welcher Hinsicht) etwas zu nähern. — Freilich kann ich nicht läugnen, daß ich mich zuweilen wohl etwas zu weit erniedrige, nur um durch einen Einfall sie zu amusiren und mich vor der Langeweile zu bewahren; allein welche Uebereilung, welche Schwachheit wäre in einer mühseligen Prüfungszeit von 365 Tagen und noch halb 365 Tagen, nicht verzeihlich? Und versichern kann ich auch, daß ich wohl öfter noch, auf der andern Seite, etwas zu sehr in die mir natürliche Hitze komme, wenn ich sehe, daß man gar zu albern spricht und urtheilt. Doch schweig’ ich bald, so gern, so sehr gern ich auch oft meine Leidenschaft ausließe (Du kennst mich). Beide Extreme mußt Dir aber nicht zu übertrieben vorstellen. (Doch, abermals: Du kennst mich; — ich habe ganz aufrichtig geschrieben, wenn auch nicht immer mit den passendsten Worten.) Was meynst Du nun?

Rambach, der mir heut wieder eine vortreffliche Stelle aus seinen Syrakusern (Ist: Hiero und seine Familie genannt) vorgelesen hat (Bernhardi, mit mir, haltens für sein vollendetstes Werk), fragte mich heut auch, ob ich nichts für mich schriebe? Ich habe keine lebendige Aufmunterung; die Hälfte meiner Seele ist von mir gerissen! Und meine Zeit wird von oft nicht würdigen Dingen und Zerstreuungen besetzt. Ach! die Jurisprudenz! Wann werde ich mich überwinden können, nur mein Gedächtniß mit der Terminologie, Definition, Distinktion u. s. w. zu bemühen! Was ist das Römische Recht für ein seltsam Gewebe von Worten und Worten und Worten, womit die einfachsten Sachen umsponnen sind! Und was führt ein Richter für[S. 226] ein Amt! Eine Begebenheit, die Herzen zersprengen und Köpfe wahnsinnig machen kann, eine Sache der Leidenschaft, der menschlichen Seele, wie sieht er sie an? Er sucht unter den verschiedenen barbarischen Namen, welche die Römer den Klagen gegeben haben, den aus, der für den Fall paßt; und nun wird das Uhrwerk aufgezogen; es geht seinen Gang und läuft ab. Es ist grade so, als wenn der Knabe, der rechnen lernt, auf seinem schematisch aufgesetzten Einmal Eins oben 4 an der Seite 5 aufsucht, und mit beyden Fingern zusammenfährt, bis er auf 20 trifft. Ehe diese Sache zu Ende ist, sind schon 100 neue eingelaufen: das Räderwerk geht immer und ewig, — jene Menschen trotzen aller menschlichen Empfindung, nähren sich von Blut und Thränen; — o man kann sich das Bild sehr schrecklich machen! — Aber freilich sprech ich wohl etwas einseitig. Ich selbst indeß mag nie Richter, nie ein großer Jurist seyn. — —

Du bist von mir immer das aufrichtigste Urtheil gewohnt gewesen. Dies und nichts mehr mag die Einleitung dazu seyn, daß ich Dir gestehe, in Deinem Adalbert und Emma, das ich heut Abend durchgelesen habe, wenig Vortreffliches gefunden zu haben. Das meiste ist (ich spreche immer von Dir, und in Vergleichung mit dem was Du vermagst) sehr gewöhnlich, und trägt die deutlichsten Spuren der Flüchtigkeit an sich. Warum müssen doch Leute wie Du, so schnell schreiben! Die Züge, die Du an 10 verschiedenen Orten unter 100 weniger schönen hinwirfst, könnten, zusammengestellt, Meisterstücke geben! Wenn doch mehr vollkommene, wenigstens mehr ausgearbeitete Werke erschienen. — Doch dies paßt hier nicht. — Im Ganzen bleib’ ich hartnäckig bey meinen Gedanken, daß das Charakteristische des Ritterkostums im ganzen Geiste nicht so recht dargestellt ist. Aber darüber ein andermal. Dann kommts mir so vor,[S. 227] als wenn nicht die einzelnen Umstände unter Deiner Hand sich Dir dargeboten und sich zu Deinem Zwecke hingeneigt hätten, sondern, als wenn Du sie immer selbst hättest zusammenholen und zum Ziele bringen müssen. Ich meyne, man sieht zu sehr immer das Bedürfniß des Verfassers; es ist alles zu schwach. Auch sind Deine Schilderungen Dir zu häufig entfahren. Ich könnte Dir viel Belege und Beyspiele zeigen, aber das ist zu weitläuftig. Die Schilderung, wie Emma ihren Adalbert nach und nach vergißt, und Friedrich hingegen das Gegentheil, ist sehr gut. Aber dadurch daß Emma nachher gleich zwischen Wilhelm, den sie zum erstenmale sieht, und Adalbert, einen ehemaligen wahren Geliebten, dessen Gedächtniß in ihrer Seele schlummert, gleich eine so grelle Vergleichung anstellt, ist höchst widrig. Die einzige ächt genievolle Stelle, die mir sich aufgedrungen hat, ist die Schilderung von Adalbert’s Hinreiten zur Friedens-Burg, am Ende: diese ist sehr erschütternd. Die Idee in den letzten Versen am Ende ist sehr artig. Die Stelle: Als er am Morgen aufwachte, war Adalbert und sein Versprechen, sein Erster Gedanke: ist ganz aus der menschlichen Seele geschöpft.

Sonnabend. Gestern Abend hab’ ich Deiner Schwester den neuen Theil des Stücks ganz vorgelesen und mich über ihre Urtheile sehr gefreut. Sie stimmten fast durchaus mit den meinigen überein. Sie sagte sehr richtig bey jener widrigen Stelle: Eine neue heftige Leidenschaft verlischt gänzlich die Erinnerung der alten. In Löwenaus Entschuldigung vor sich selbst sind auch viel wahre und schöne Stellen, nur zerstreut.

Meinen herzlichen Gruß an Deinen Burgsdorf. Wißmann läßt Dich grüßen. Ich freue mich unendlich auf Ostern und auf die Zeit nach Ostern! Ich bestelle Dir noch eine[S. 228] Stube und eine Kammer? — Schreib mir bald, mein liebster, einziger Tieck und bleib’ gesund.

W. H. Wackenroder.

XI.

Dienstag.

Mein lieber, bester Tieck!

Unsre Briefe haben sich begegnet, und mit ihnen unsre Seelen. Sollte mein etwas dickleibiges Schreiben ja das Unglück gehabt haben geöffnet zu werden? Nun, was thuts! Was wird man gelacht haben über meine gereimte Verzweiflung, die ich Dir geschickt habe!

Es trägt sehr viel zu meinem Vergnügen, ja zu meinem Leben bey, daß ich Dich in Göttingen so glücklich weiß. Möchte sich das nie ändern, so lange Du dort bist, und möchtest du eine eben so schöne Zukunft erwarten und finden, wenn ich Dich in meine Arme wieder aufnehmen werde. Ich freue mich schon darauf, wie Du mir in Erlangen den Shakespeare erklären wirst. Da ich wenig geistvollen Umgang habe, so thue ich itzt auch, so viel ich auf gute Weise kann. Du hast vielleicht schon aus meiner neulichen Anführung aus einem altdeutschen Gedichte, ersehen, womit ich mich jetzt beschäftige. Ich höre beym Prediger Koch, der in der That ein äußerst gelehrter, kenntnißreicher und eifrig thätiger Mann ist, ein Kollegium über die allgemeine Literatur-Geschichte, vornehmlich über die schönen Wissenschaften unter den Deutschen. Da hab’ ich denn manche sehr interessante Bekanntschaft mit altdeutschen Dichtern gemacht und gesehn, daß dies Studium, mit einigem Geist betrieben, sehr viel Anziehendes hat. Ich habe mir auch einige Stücke abgeschrieben und schmeichle mir jetzt öfters mit der (wenn auch kindischen, doch[S. 229] ergötzenden) Hoffnung, einmal in dem Winkel mancher Bibliothek, Entdeckungen in diesem Fach zu machen, oder wenigstens es durch kleine Aufklärungen zu erweitern. Schon Sprache, Etymologie und Wortverwandschaften (besonders auch das Wohlklingende der alten Ostfränkischen Sprache) machen das Lesen jener alten Ueberbleibsel interessant. Aber auch davon abstrahirt, findet man viel Genie und poetischen Geist darin. Du wunderst Dich vielleicht, wie ich auf diese Sachen falle; allein Beschäftigung ist jetzt das Beßte für mich, und zu gelehrt werd’ ich wahrlich nicht werden.

Nächst diesem aber hab’ ich noch ein anderes Lieblingsstudium, was ich, wär’ ich an dem Orte wo Du bist, mit ganzer Seele umfassen würde, und das ist die Archäologie. Ich beneide Dich: wie wollte ich die Göttinger Bibliothek nutzen! Besiehst Du etwa auch dies oder jenes große Werk darin über alte Kunst, so gieb mir doch Nachricht davon. — In Erlangen hoff’ ich meinen Lieblingsneigungen aber mit wahrerer Muße nachhängen zu können, als hier.

Ein paar Neuigkeiten. Im 2ten Stück des 110ten Bandes der Allgemeinen deutschen Bibliothek hab’ ich ganz vor Kurzem Rambachs Theseus auf Kr. recensirt gelesen. Man hat ihm nur etwa 1½ Seite gegönnt, und darauf stand weiter nichts, als: daß der Plan schlecht sey, daß man lange nicht so holprige, unmusikalische Verse gesehn, und daß die Schreibart in Prosa höchst affektirt sey. Die beyden letzten Punkte waren mit einigen Beispielen belegt. Wieder eine Bestätigung meines Urtheils. — — Moritz hatte neulich geheirathet. Siede (der abscheuliche Mensch) ist mit Moritz’s Frau davongegangen? aber man hat sie eingeholt, und Siede sitzt im Arrest. — Bey Moritz fällt mir noch eins ein. Sage mir, erkläre mir, wie kommt es, daß er, allem Anschein nach, jetzt einen so sonderbaren Charakter annimmt: schon seit einiger Zeit hab’ ich von glaubwürdigen Leuten gehört, daß er[S. 230] sich gegen den Grafen Herzb. auf der Akademie mit der kriechendsten Schmeicheley bezeigen soll. Das ist mir doch noch ein wenig unerklärbarer, als daß er Grammatiken schreiben konnte. Erkläre mir, wenn Du kannst, ich bitte Dich recht sehr, diese räthselhafte Erscheinung an Deinem Zwillingsbruder. Das Faktum darfst Du in der That nicht bezweifeln.

Ueber Adalbert und Emma hast Du mein Urtheil. Natürlich wars nur ein flüchtiger Aufsatz, wie Du nun auch sagst. Daß Emma verächtlich wird, scheint Dir also doch auch so fehlerhaft? Nun wir sind ja immer einig. Deine Schwester wußte mir, als ich’s ihr vorlas, zu meinem Vergnügen viele Parallelstellen aus Deinen älteren Gedichten anzuführen. — Ueber Burgsdorfs Stück hab’ ich Deinen Auftrag bestellt. Warum wirft er’s um? — Und warum verläßt Du Deine arme Anna B. im Tode? frag’ ich Dich sehr ernstlich. Es sollte mir sehr leid thun, wenn der Gegenstand das Interesse für Dich verlohren hätte!

Was urtheilst Du von meinen neulichen Bruchstücken einer Theorie des Umgangs? Es liegt mir etwas daran, es zu wissen. Ich könnte noch manche Nachträge dazu machen, weil in der Eil mir nicht alles beygefallen ist, meine Meynung ganz auseinanderzusetzen und sie gegen mehr als Eine Seite für Einwürfe zu sichern. Z. B. daß mein Vorschlag freilich nur das letzte Refugium ist und es auch sein Widriges hat, wenn man sich etwas dumm oder vielmehr zurückhaltend stellt; daß in Gesellschaft mehrerer Menschen von ganz verschiednem Werth man freilich nicht so ganz offen seine Liebe und Neigung dem einen Theil bezeugen kann, wenn man seine Rolle gegen den andern nicht verpfuschen, und das Reizende eines stundenlangen interessanten Umgangs, durch die unangenehmen Folgen erkaufen will, die bey dem nachher immer fortgesetzten Umgang mit jenen andern die Umwandelung[S. 231] des Charakters und das Bloßgeben seiner wahren Gesinnungen nach sich ziehn. Mir fällt noch ein Beyspiel ein. Wenn ich einmal von Erziehung spreche und mit allem Eifer das Abgeschmackte der gewöhnlichen Erziehung bestreite, behaupte, daß es ein Gift für Kinder ist, wenn man sie im 4ten Jahre schon mit Strenge zur Schule treibt, sie mit Kenntnissen aller Art vollpfropft, und zu Hause will, daß sie die Zeit so vernünftig eintheilen, und mit ihren Sachen so ökonomisch umgehen sollen wie, — ein vielleicht bald 70jähriger Herr Arnoldi bey uns; — wenn ich mich in dergleichen Diskurse mit Lebhaftigkeit (und ohnedem kann ichs nicht) einlasse, — so erzählt mir den Augenblick darauf mein Herr V. daß er auch seit dem 4ten Jahre in die Schule gegangen ist, mit der größten Trockenheit (denn irgend etwas, was er weiß oder denkt, doch wissen ist das rechte Wort, das würde ihm unmöglich, — was sag’ ich! ich glaube er würde krank, wenn er es bey sich behielte —), genug ich bin dann, zumal wenn meine Aeltern dabey sind, aufs Maul geschlagen. Ists nun hier nicht hundertmal besser, wenn ich sage: „Ich halte eine gute Erziehung für äußerst schwer und weiß nicht, wie ich sie am Besten einrichten sollte.“ Und was vergebe ich denn da meinen eigenthümlichen Meynungen? Was schiebe ich mir denn aus Höflichkeit oder Gefälligkeit für Grundsätze unter, deren ich mich zu schämen hätte? — Ich weiß durchaus keine andre Methode als die meinige. Daß sie die bequemste ist und ich sie deswegen schätze, darfst Du wahrlich nicht glauben; denn es würde mir oft weit leichter seyn, mich der drückenden Last meiner Gedanken und Empfindungen zu entladen, als sie in mir zu unterdrücken. — Doch ich will erst Deine Einwürfe gegen das was ich schon gesagt habe, hören, ehe ich mehr sage. Du wirst verzeihen, daß ich so weitläuftig in dieser Sache bin: ich wünschte, daß wir uns auch über diesen Punkt einmal einverständigten, unsre gegenseitigen Meynungen[S. 232] mit einander mischten und in Eine Masse kneteten, die künftig alsdann ein Eigenthum von uns beyden würde, wie wir es schon öfters bey andrer Gelegenheit gemacht haben.

Die übertriebene Reizbarkeit meiner Nerven, für die ich keinen Namen habe, und auf die ich in der That nicht stolz seyn darf, ist mir bey jenem Umgange auch sehr zur Last. Jedem andern würde ich Räthsel sprechen, aber Du wirst in meine Seele eindringen, wenn ich Dir sage, daß der bloße Anblick eines Menschen wie — mir im eigentlichen Verstande wehe thut, mir Schmerzen macht. Blos ihn ansehen, macht meine Brust so beklemmt, daß ich nicht frey Athem hohlen kann. Ja was mehr ist, ich kann ihn kaum ansehen, ohne in mir die unbehaglichste Empfindung des Widerwillens und der Abneigung zu fühlen; eine Empfindung, die gewiß, öfter wiederholt, einen nachtheiligen Einfluß hat, den Kopf abstumpft und — das Herz verdirbt. Jede Fröhlichkeit, jede Liebe, jede Zuneigung veredelt uns, ist selber Tugend; jedes Gefühl, wovon Haß die Wurzel ist, verschlechtert und erniedrigt uns. Dies sind Grundsätze, von denen ich itzt vollkommen überzeugt bin. Auch verstehe ich itzt ungleich mehr, als sonst, was Du mir einst sagtest: daß der Anblick eines schönen und ausdrucksvollen Gemähldes, ja der Genuß des Schönen in allen schönen Künsten, ganz unmittelbar das Herz veredelt und die Seele erhebt. Ich fühl’ es so deutlich, wenn ich nur Dein Gesicht ansehe, so bin ich gut, aber sein Gesicht, das verstimmt ganz und gar die harmonischen Saiten meiner Seele.

Noch eine Probe meiner Reizbarkeit mußte ich neulich erfahren. Des Abends ward bey Tische aus einer neuen Seereise, die rührende Geschichte eines Schiffskapitäns erzählt, der von seinen rebellirenden Leuten auf ein Boot ausgesetzt, und mit der größten Lebensgefahr und unter allaugenblicklicher Furcht vor Hunger zu sterben mit wenigen seiner treuen Gefährten von Otaheiti nach England zurückgekommen war.[S. 233] Dies machte mich so mißmüthig, daß ich gleich zu Bette gieng. Ich hatte eine Empfindung, als wenn mir vor mir selber ekelte, daß ich hier so ruhig und glücklich säße; es war mir, als hätt’ ich Unglück mit Gold erkaufen können, und meinen Körper geißeln und kasteien. Dabey kam ich aber nachher auf die Idee, diese Empfindung in eine Ode zu bringen, und überhaupt, eine ganz eigne Art von Oden einzuführen: Eine Art, die ich lyrische Gedichte κατ’ ἐξοχην nennen würde, und die immer meine Lieblingsgattung gewesen sind. Es sollen treue Gemählde der Empfindung und Leidenschaft seyn, ganz individuell und ganz nach der Natur gemalt. Sie sollen den ächten, wahren Ausbruch der Leidenschaft darstellen, ihren Keim, ihre Quelle andeuten, auf ihre Folgen führen und so dazu dienen, Menschen Menschenherzen kennen zu lehren, Menschen Menschen zu erklären und zu entdecken, und Menschen vor Menschen zu vertheidigen. Sie sollen zeigen, wie der Glückliche und Unglückliche durch das Uebermaaß seiner Empfindung zu Verbrechen geleitet werden kann; sie sollen den kältesten Hörer erwärmen und mit sich fortreißen, daß er am Ende selbst erschrickt, wohin er sich gestürzt sieht, aber eben dadurch aufs Fühlbarste lerne, wie er von empfindenden Menschen urtheilen soll. Einige Oden von Stollberg sind ganz in diesem Charakter. Schillers Oden sind die unerreichbaren Muster dieser Gattung. Sieh dagegen Ramlersche Oden an, und — horazische! Der Leser ist immer außerhalb der Welt des Dichters, und kann nur Kritik des Plans anwenden. Wie anders ist das dort? Man mag nachher freilich auch den Dichter als Dichter betrachten und bewundern, man mag seinen Plan analysiren: allein, was ist dies auch für ein Plan? Kein Plan! es ist der feurige Strom der Leidenschaft, der wie die Lava vom Aetna ströhmt, wo nicht die Frage ist, warum diese Welle auf jene folgt, warum jene größere alle kleineren vor sich verschlingt! wo in[S. 234] der Natur, im Original alles Beweisen der Vollkommenheit des Stücks liegt! Hier muß man ganz zur Person der Ode werden, ganz selbst empfinden, selbst Dichter seyn. Bey Ramler hingegen muß man seinen Scharfsinn anstrengen, um die künstliche und ausstudierte Kombination seiner Ideen und klugen Gedanken zu fassen und zu schätzen. Ich hoffe, Du wirst mich ganz so verstehen, wie ich mich selbst verstehe. — Die Ode, die ich Dir neulich schickte, sollte ein kleiner Versuch in dieser Art seyn. In der, wovon ich Dir vorher sagte, wollte ich die Empfindung eines Menschen schildern, der von dem tausendfachen Elend der Menschheit bey eigener Zufriedenheit so niedergedrückt wird, daß er sich in einsame Wüsten stürzt, und in wahnsinniger Schwärmerey auf die Idee kommt, sich allerley Pönitenzen aufzulegen. Sollte eine solche Ode nicht ein helles Licht auf jene schwärmerischen Eremiten des Mittelalters werfen, und den Weg, wenigstens Einen Weg zeigen, auf welchem die Menschen zu Handlungen kommen, die den meisten so widersinnig und abgeschmackt scheinen, daß sie jene für ganz vernunftlose, fast nicht zur Menschheit gehörende Wesen halten? nicht zeigen, daß es grade das Gefühl ihrer Menschheit war, die sie zu ihren paradoxen Ideen leitete? Ich habe schon mehr dergleichen Entwürfe im Kopf, aber bis itzt, bey tausend Hindernissen und Störungen noch ganz unmöglich Zeit gehabt, einen auszuführen. — Was meine kleinen lyrischen Gedichte überhaupt betrifft, so sind sie alle mehr empfindungs- als gedankenvoll, weil sie mir weit mehr lyrisch auf jene Art, als auf diese scheinen, und diejenigen, (welche die meisten sind,) die ein Ausbruch meiner eigenen individuellen Empfindung waren, werden einen Beitrag zur Geschichte meines Geistes ausmachen.

Als Juristen, wenn ich je einer werden sollte, wird meine Empfindsamkeit mir auch eine wahre Bürde seyn. Ein paar Abende hat mir mein Vater Akten eines kleinen Prozesses gezeigt[S. 235] und sie mich ganz durchlesen lassen. Es ist wahr, zur rechten Darstellung der Hauptumstände des Faktums, zur Beurtheilung desselben, und zur Anwendung der Gesetze darauf, gehört eine gewisse Kritik, die allerdings den Verstand beschäftigt und schärft, wenigstens bey etwas schwierigen Sachen. Und alle Kritik ist, wie ich jetzt ganz wohl einsehe, eine schätzbare und liebenswürdige Thätigkeit des Geistes. Aber abgerechnet, daß sie in der Jurisprudenz oft höchst unsicher ist, daß ihre Freiheit durch positive Gesetze, Gewohnheiten und tausend Kleinigkeiten eingeschränkt wird, und daß es kein sehr tröstlicher Gedanke seyn kann, sich mit seinem guten Gewissen allein zu beruhigen, und gänzlich ungewiß zu seyn, ob man, weil der Mensch nicht allwissend ist, und Prozesse doch ein Ende haben müssen, wirklich nach der Gerechtigkeit entschieden, oder, getäuscht, wer weiß wie viel Menschen unglücklich gemacht habe: — das alles abgerechnet, ist es schon eine mir äußerst widrige Aussicht: daß ich meinen kalten Verstand brauchen soll, wo Herzen gegeneinander stoßen; daß ich das Feuer der Leidenschaft mit Wasser ersticken, — den Knoten des mannigfaltig verschlungenen Interesses so vieler zerhauen, — einen Vorfall, über den ich, wenn ich ihn auf der Bühne dargestellt sähe, von dem innigsten Mitleid durchdrungen, in Thränen zerflöße, einen solchen Vorfall — wie eine Variante einer gemeinen Leseart ansehen, und überlegen, ausrechnen soll, ob er in den Zusammenhang paßt oder nicht. Freilich ist eine Jurisprudenz im Staate nöthig; freilich ist es nöthig, daß der Richter, (ich kann nicht anders sprechen, weil ich durchaus nicht sehe, wie das Gegentheil seyn könnte), daß er menschliche Empfindung verläugnen, und sich zu einem kalt die Handlungen der Menschen abwägenden Wesen über die Menschheit erhöhen muß; freilich! — Nur ich! — Und, um wider auf Kritik zurückzukommen, so gestehst Du mir gewiß leicht ein, daß sie nicht das edelste Bestreben, und das höchste Verdienst des Menschen[S. 236] seyn kann. Sie besteht immer nur in Vergleichung, Zusammensetzung und Trennung dessen, was schon da ist, im Verwandeln des schon existirenden. Nur Schaffen bringt uns der Gottheit näher; und der Künstler, der Dichter, ist Schöpfer. Es lebe die Kunst! Sie allein erhebt uns über die Erde, und macht uns unsers Himmels würdig. —

Mein Freund Schuderoff hat uns wieder geschrieben. Die Freude über eine Braut, die ein äußerst liebenswürdiges Mädchen seyn muß, hat ihn in einen ausgelassenen Taumel von Freude versetzt. Er schreibt mit der muthwilligsten Laune. Er will uns mit offenen Armen erwarten, und gar nicht einmal mit 14 Tagen zufrieden seyn. Wir werden göttlich bey ihm leben.

Schreib mir, wenn Du kannst, litterarische und archäologische Neuigkeiten und Alterthümer, — von den Göttinger Gelehrten Etwas u. s. w. Forkels Geschmack thut mir leid. — Bleib gesund. Keinen Augenblick länger Zeit! Grüß Burgsdorf! Schreibe bald.

W. H. Wackenroder.

XII.

Im Januar 1793.

Lieber, bester Tieck.

Eben komm’ ich vom Hofjäger zurück, wo ich mit Bernhardi den ganzen Nachmittag im Saal gesessen habe, um beym Kaffee, ich meinen herrlichen Brief von Dir, Er den seinigen und einen Theil des kleinen Trauerspiels zu studieren. Er hat mir eben aufgetragen, Dir zu danken, daß Du ihm heut einen so sehr angenehmen Nachmittag gemacht hast. Auf dem Rückwege war er sehr heiter und laut, und hat mir lauter Stellen aus Axur vorgesungen, die sich ihm unauslöschlich eingeprägt haben, und die ihn außerordentlich entzücken. Ich[S. 237] danke Dir, daß Du ihm die Freude gemacht, mir einen so kolossalen Brief zu bringen; denn, da ich heut Mittag keinen erhielt, kam er mir ganz unerwartet. Es ist sonderbar, daß ich erst heute durch Deine Antworten auf unsre Briefe erfahren habe, daß er wieder hypochondrisch ist; gegen mich hat er sich nichts merken lassen, und ich bin so glücklich gewesen, auch nichts an ihm zu merken, wie ich mich denn bey dergleichen Vorfällen oft leicht täuschen kann. Ich sollte nicht denken, daß er zu viel arbeitete, und Bewegung macht er sich auch gewiß hinlänglich, denn er geht itzt alle Nachmittage zum Hofjäger und trinkt dort Kaffee. Zerstreuungen hat er doch auch sonst genug, sollt’ ich meynen. Er ist nicht mit sich selbst zufrieden, er fühlt Mißbehagen in seiner Lage, wie er mir heut gestand. Unglückseliger Zustand! Welches Mittel vermag etwas gegen dieses Uebel, zumal wenn man es so sorgfältig in seinem Busen verschließt und da veralten läßt, wenn man sich mit der heitern Aussenseite verstellter, erzwungner Fröhlichkeit gegen jede Arzeney, gegen alle zuvorkommende Hülfsleistung waffnet. Aber ich denke, Bernhardi wird bald besser. Deine melancholische Träumerey, mit der Du Dich wohl schon ein Jahr getragen hast, daß Du ihn nicht wiedersehen werdest, ist eine Grille, von der ich durchaus keinen Grund sehe, und wobey Dein Ahndungsgeist ganz zuverläßig Dich betrügt. Ich begreife gar nicht, wie Du Dir solche aus der Luft gegriffene Ideen in den Kopf setzen kannst. — Es freut mich, daß Du Bernhardi so liebst, denn er verdients und liebt Dich außerordentlich. Ja wohl ist er itzt hier mein bester, mein einziger Freund. Wen hab’ ich denn auch sonst? Wen hab’ ich? — O wie glücklich preise ich Dich in Deinem gelehrten Cirkel! Ich kann es Dir bey diesen Umständen kaum verdenken, daß Du mir mit lächelnder Miene schreibst: ich behandelte die Materie über meinen hiesigen Umgang und mein Verhalten dabey wohl zu ernsthaft; daß Du Dich weiter gar nicht über meine, aus den Wunden[S. 238] eines kranken Herzens fliessende Klagen auslässest; und mich mit einem Paar allgemeiner Sätze abfertigest, die eine so unbestimmte Mittelstraße angeben, als nur irgend ein Gemeinplatz eines pflegmatischen Moralisten thun kann. Das ewige: Nicht zu viel und nicht zu wenig! Die allgemeinsten Ausdrücke, die sich erdenken lassen! Die vagesten Begriffe, so unpraktisch, so unbefriedigend! Wie gesagt, man kann es dem Glücklichen nicht verargen, wenn er den Mangelleidenden aus lauter Gutwilligkeit mit einem Trost abspeist, der gar nichts ist; weil — er den Mangel nicht kennt. Er verstehts nicht besser. In dem Fall bist Du. Mein Geschwätz muß Dir freilich fremd und unverständlich vorgekommen seyn; Du mußt freilich glauben, daß die Gedanken, die ich äußere, übertrieben und überspannt sind; daß ich viele Sachen viel zu ernsthaft fasse, sie viel zu unverhältnißmäßig würdige, ihnen einen viel zu großen Einfluß zuschreibe; blos weil Du sie nicht genug kennst und Dich in die Umstände nicht genug hinein denken kannst. Ich kenne das! Aber ich versichere Dich, daß es nicht so ist, als Du wähnst, nicht so seyn kann. Glaube mir auf mein Wort, daß Du keinen Tag lang die Situation halten könntest, die Aufopferungen, den Zwang erdulden könntest, dem ich itzt ausgesetzt bin. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie ich nach Freiheit lechze. Gott, wie verzeihlich ist es, sie zu mißbrauchen, wenn man so lange gequält ist. In Erlangen soll auch nicht Eine Menschenstimme mich geniren! Und in dieser Rücksicht ist mir der Abschied von Berlin fast noch willkommner, als er mir in anderer schmerzhaft ist. Je länger ich von Dir entfernt gewesen bin, desto mehr hab ich Dich vermißt. Ach Gott, ich fühl es leider so lebhaft, — wär’ ich länger noch von Dir getrennt, so würdest Du einen ganz andern Menschen wiederfinden. Auch nicht Eine halbe Stunde voll Enthusiasmus und Freundschaftsseligkeit, — Himmel sonst berauschte ich mich jeden Tag mit diesen hohen Gefühlen,[S. 239] — auch nicht Eine hab’ ich in Deiner Abwesenheit verlebt, — wenigstens nicht mit einem andern. Es wäre kein Wunder, wenn ich itzt die Heraldik studierte, — doch nein! Vielleicht schreib ich grade in einer trüben Stunde.

Sey doch nicht bange, daß ich mit der altdeutschen Poesie meinen Geschmack verderbe. Was soll ich anders thun, als mich auf Dinge legen, die meinen Geist mit weniger erhabenen Ideen nähren! Die helfen mir jetzt nicht; sie lassen mir Deinen Mangel desto deutlicher fühlen. Was hilft es mir itzt, den Shakspeare zu lesen? Was hülf’s mir, ein noch so schönes Gedicht zu schreiben? Ich müßte mich auslachen! Du kennst übrigens sehr wenig von den altdeutschen Litteraten, wenn Du blos die Minnesinger kennst. Ueberhaupt ist sie zu wenig bekannt. Sie enthält sehr viel Gutes, Interessantes und Charakteristisches, und ist für Geschichte der Nation und des Geistes sehr wichtig.

Ich habe mich schon lange gewundert, daß Du mich nicht gefragt hast, was ich von den Franzosen denke. Ich denke ganz mit Dir gleich von ihnen, und stimme von ganzem Herzen in Deinen Enthusiasmus ein, das versichere ich Dich. Aber ich kann mich nicht enthalten, Dir folgendes zu sagen. Ich spreche hier durchaus mit keinem Menschen von den Franzosen; und zwar darum, weil jeder von ihnen spricht, ihre größten Thaten immer mit einem Lächeln erzählt, als wollt’ er sagen: Was die närrischen Leute nicht für Dinge thun! Und wer mit diesem Lächeln davon spricht, dem möcht ich gleich eine Ohrfeige geben. — Auch denk’ ich sehr wenig über die Angelegenheiten nach: — ich weiß selbst nicht, wies kommt. — Auch lese ich die Zeitungen nicht, weil ich nicht Zeit habe, und alles von andern höre. — Endlich würd ich, wenn ich ein Franzose wäre, so stolz ich auf mein Vaterland und meine Nation seyn würde, doch gewiß nicht Soldat werden und den Säbel oder das Gewehr in die Hand nehmen, weil ich mein[S. 240] Leben und meine Gesundheit zu sehr liebe, und zu wenig körperlichen Muth besitze. Ich weiß, daß Du Dich über meine Dreistigkeit, Dir meine krassesten Grundsätze so nakt darzustellen, wundern wirst; daß Du nicht wirst begreifen können, wie man in der That von dieser Sache begeistert seyn kann, ohne auch Muth genug in sich zu fühlen, dabey selbst mitzuwirken; ich weiß, daß ich durch mein offenherziges Geständniß, wenigstens auf ein paar Stunden, Deinen Zorn auf mich lade. Allein bedenke nur: kannst Du von irgend einem Menschen Heldenmuth und Tapferkeit verlangen, die er nicht hat. Ich bin sehr davon zurückgekommen, diese körperlichen Tugenden gering zu achten: aber, — ich habe sie nicht; und es ist unmöglich, daß Du mir das zur Sünde machen kannst; ich thue Verzicht auf diese Größe. Auch bin ich einmal so eingerichtet, daß die idealische Kunstschönheit der Lieblingsgegenstand meines Geistes ist; ich kann mich unmöglich von lebhaftem Interesse hingerissen fühlen, wenn ich in den Zeitungen lese, daß die Preußen itzt diesen, die Franzosen itzt jenen Ort eingenommen haben, und was dergleichen Partikularia mehr sind; alles ist mir etwas zu fern, — zu wenig sichtbar, geht mir zu langsam, stimmt nicht mit dem idealischen Gange meiner Phantasie, macht mich unruhig, befriedigt mich nicht. Vieles können die ungewaschnen Urtheile bey mir gethan haben. Soviel itzt davon; mündlich mehr. Ich werde nur zu aufrichtig gegen Dich gewesen seyn.


Ich muß nur Deinen Brief nach der Reihe beantworten, daß ich nichts vergesse.

Mein Freund bey Jena heirathet itzt im Januar, und wird mir, hoff’ ich, bald schreiben. Wir werden wohl grade um Ostern, oder ein Paar Tage vor oder nach Ostern, von hier abreisen. Ich muß Dich also ernstlich bitten, daß Du bey[S. 241] guter Zeit hier bist, das heißt, 8, oder über 8 oder 14 Tage vor Ostern. (Ostern ist den 31. März.) In der That, Du mußt über 8 Tage vor Ostern schon hier seyn. Und warum sollte das auch nicht gehen? Durch die Kollegia wirst Du Dich ja nicht abhalten lassen. Wenn Du nur erst hier wärst; und bist Du hier, so werd’ ich gewiß wünschen: wenn wir nur erst fort wären. Wie wird es aber mit unsrer Reise werden? Das liegt mir noch alles zu sehr im Dunkeln. An einem Abend, als ich bey Dir war, entwarfen wir zwar in größter Geschwindigkeit einen sehr artigen Plan, allein ich zweifle itzt beinahe, daß er sich ganz wird ausführen lassen, wie es denn oft den guten und frommen Wünschen, deren uns in Einer Viertelstunde oft 10 aufstoßen, ergeben muß. Fürs erste wird unsre Zeit sehr kurz seyn. Mein lieber Prediger macht mir schon in seinem Briefe ein Gesicht dafür, daß ich nur von 8–14 Tagen spreche; und neulich wollte man mich schon versichern, daß die Kollegia in Erlangen in der Mitte des April angiengen. Indeß mag das nun seyn wie es will, unsre Zeit wird immer sehr kurz seyn. Ueberdies darf man der Jahrszeit so wenig trauen, daß wir von einem Aufenthalt in Wörlitz vielleicht wenig Vergnügen erwarten dürften. Und wie sollten wir uns auch bequem dort aufhalten können, wenn wir, wie es doch seyn wird, mit der Post reisen? An Excursionen von Halle aus will ich gar nicht einmal denken. Das kürzeste und zweckmässigste wäre immer wohl, in Einem Strich nach Jena zu reisen. Und dazu würde ich auch in den ersten Tagen weit eher aufgelegt seyn, als in Wörlitz zu lustwandeln, wozu ich eben nicht Laune haben möchte. — Bei allem dem würde es mir doch herzlich leid thun, wenn Deine Schwester dadurch einer angenehmen kleinen Reise, worauf sie sich gefreut hat, verlustig gehen sollte. Lange wenigstens, und an vielen Orten könnten wir uns wenigstens nicht aufhalten.

[S. 242]

Vom Theater. Daß ich sehr leicht von einem Extrem aufs andre falle, ist nur zu wahr. Aber bey Menschenhaß und Reue ist das nicht mein Fall, und ist es nie gewesen. Ich schätze die schönen und rührenden Scenen so sehr als sonst, und habe nur eingesehen, daß die komischen Personen, die mir sonst so weise angebracht schienen, ziemlich ungeschickt angebracht sind u. s. w. — Dein Enthusiasmus über die Räuber und über Schiller ist einmal wieder ganz aus meiner Seele gestohlen. — Du begreifst nicht, wie Fleck in einem schlechten Stück schön spielen könne? Du hast Recht; ich habe mich nur falsch ausgedrückt, wie es öfters geht, wenn man seine besonderen Erfahrungen und Beobachtungen einem Abwesenden mittheilt, der alsdann manches undeutlich und unbestimmt findet. In einer schlechten Rolle kann ohnmöglich ein Schauspieler gut spielen. Allein — doch läßt es sich in gewissem Verstande gedenken. Das heißt, gewisse Empfindungsausdrücke, die leicht zu finden und allgemein gebraucht sind, die Ausrufungen, das Ach und das Wehe, die Lücken, die der Dichter läßt, daß sie durch stummes Mienenspiel oder durch schöne Gebehrden ausgefüllt werden sollen, — hier ist der Ort, wo sich der Schauspieler noch immer zeigen kann; hier in einzelnen Stellen, im Ganzen freilich nicht. Und jenes meynte ich auch nur. — Ueber Kaselitzens Spiel in dem Barbier von Sevilla bin ich ganz mit Dir einig; und auch was Du über die Karrikaturen sagst, unterschreibe ich von ganzer Seele. Es ist viel wahres und treffendes darin. — Neulich hab’ ich ein neues Stück: Die falschen Entdeckungen, Lustspiel nach Marivaux in 4 Akten gesehen; ein Stück was äusserst artig ist, und voller Empfindung und Feinheit. Die letztere wird vorzüglich durch das unnachahmliche Spiel der Engst gehoben. Auch Unzelmann spielt vortrefflich drin. Er ist jetzt ganz und gar mein Liebling, und ich halte ihn fast für den vollkommensten Schauspieler vom hiesigen Theater; und fast möchte ich auch[S. 243] dies Fast noch ausstreichen. Er spielt im Ganzen, immer gut, in den verschiedensten Rollen. Bey jenem Stück sah ich noch ein andres neues: Der Richter, Lustspiel in 2 Aufzügen nach Mercier; simpel, aber voller Wahrheit, worin Fleck einen alten Bauern spielt. — Seitdem habe ich die Nina wiedergesehen, und bin von der ausdrucksvollen Musik und von dem Gesange der Unzelmann, worin nichts als ächtes Gefühl ist, beinahe bis zu Thränen gerührt. — Am Mittwoch war zum erstenmal: Ludwig der Springer, Rittertrauerspiel von Hageman (Akteur in Hannover), zum Benefiz für Herdt. — Neulich habe ich die neue Oper von Righini (aus Maynz) gesehen. Die Musik ist in einigen Stellen, besonders in Terzetten, Duetten u. s. w. voll Gedanken und Geist, und wird hier sehr bewundert. Nur sieht mir zuweilen der Italiäner mit seinen sangbaren und einfachen Melodieen, wie sie seyn sollten, die aber nur zu sehr an bekannte und gemeine Lieder-Weisen und Tanzmusik gränzen und etwas zu gewöhnlich sind, durch. Da ich Dir von den Schönheiten nichts zur Probe geben kann, so muß ich so undankbar seyn, Dir eine abgeschmackte Idee des Komponisten mitzutheilen, welche beweist, daß Leute sich in Geniestreichen oft gewaltig täuschen können. Er hat sich vermuthlich auf seine Originalität etwas zu Gute gethan, wenn er das Orakel, das 6 oder 8 Verse sind, beständig in demselben Tone singen läßt. Allein um es noch origineller zu machen, hat er, — kann man sich etwas widersinnigers denken? — hat er diesen Einen stets ausgehaltenen Ton von nichts weiter als von den künstlichsten Bravourpassagien in den hohen Regionen der Violine begleiten lassen. Es ist ein Exempel über alle Exempel von verdorbenem Ausdruck! Trompeten oder andre Blasinstrumente müssen ihm zu gemein gewesen seyn. — Noch von Einem Theaterprodukt muß ich ein paar Worte sagen, und Du solltest wohl nicht den Verfasser rathen: Es ist Bernhardi. Er wird Dir ehestens ein Nachspiel schicken, das er seit Michaelis[S. 244] beinahe schon, im eigentlichen Verstande, verfertigt hat. Du kennst meine Langsamkeit und Selbstkritik im Schreiben; aber gegen ihn bin ich hierin noch sehr zurück. Er hat alle Zeit und Mühe darauf verwandt, und weißt Du, was seine Absicht ist? Was sein Lohn seyn soll? Ein Freybillet in der Komödie. Ich gönne es ihm herzlich. Er hat eine Abschrift neulich an Hagemeister gegeben, weil er es nach einiger Ueberlegung am Ende fürs beste gehalten hat, es durch diesen Weg zu Engel gelangen zu lassen. Er ist sehr ängstlich und oft fürs Auspochen bange gewesen, weil er dem groben Geschmack des Publikums nicht ganz Genüge gethan zu haben glaubt. Indeß will er sich, auch im Fall, daß seinem Kinde etwas Menschliches begegnen sollte, mit dem Gedanken beruhigen, er habe es nicht besser machen können, und wisse nun woran er sey. Wenigstens sagt er das; wenn es auch seine wahre Meynung wohl nicht seyn kann. Denn so ruhig ist nicht leichter einer über das Schicksal seiner Produkte, (als Du,) am mindesten Er, der sich so gern den Schein dieser Gleichmüthigkeit giebt. — Du siehst mich an und frägst nach dem Gehalt des Stücks? Es ist ein artiges kleines Intriguenstück, worin viel Bernhardische Feinheit, aber kein Geniezug ist. Kein Wort steht umsonst da; er hat das Ganze wol ein halbes Dutzend mal, und das Detail wohl noch öfter umgearbeitet, und kein wiederholtes Abschreiben gescheut. Plan, Knoten, Auflösung, Einleitung und die ganze künstliche Baumeister-Arbeit am Stück, ist Lineal und Winkelmaaß, nach richtigen An- und Ueberschlägen, Kalkulen und Entwürfen, ausgearbeitet. Und wirklich haben eine Scene, worin viel Empfindung ist, einige komische Züge und einige Bernhardische Delikatessen mir sehr wohl gefallen und mir ein Interesse für das Stück, besonders für einzelne Scenen abgewonnen. Doch aber glaub’ ich, daß das Publikum, wenn es nicht grade gestimmt ist, etwas ernsthaft zu seyn und Acht zu geben, zuweilen — Langeweile[S. 245] fühlen könnte, — das Berliner Publikum nämlich. Du kannst Dir bey diesen Umständen denken, wie mißlich meine Lage gewesen sey, wenn er mich um mein Urtheil befragte, da ich seine Absicht bey dem Stücke wußte. Ich habe mich so schicklich als möglich zu nehmen gesucht. So viel davon. Nun magst Du selbst urtheilen. Das Launige, Komische hat er, da dies nicht in seinem natürlichen Charakter liegt, mit Mühe, — — aber ich will nichts weiter davon sagen. Genug, — es ist sonderbar, wie auffallend die Manier von der Deinigen, selbst in der hingeworfenen Probe eines Nachspiels, die Du mir in Berlin auf Michaelis vorlasest, ist. Allein es ist dennoch viel Gutes darin, und macht Bernhardi als ein Werk seiner Beharrlichkeit und seiner Kritik, wie ich glaube, Ehre. — — Doch noch Eins, was hieher gehört. Wie kommt’s, daß Du mir gar nichts von dem kleinen Drama schreibst, das Du an Bernhardi geschickt hast? Es gefällt ihm sehr; ich habe es aber noch nicht lesen können, weil er es einem neuen hiesigen Buchhändler, Nauke, zur Probe Deines Styls geliehen hat, welcher, wie er mit ihm verabredet hat, Deinen Abdallah drucken wird, und Dir für Deine 24 Bogen 96 Rthlr. verspricht. Bernhardi hat mir vieles aus seinem Briefe von Dir vorgelesen, so wie ich ihm vieles aus meinem: aus jenem haben wir beyde mit Vergnügen Deine Kühnheit und Dreistigkeit in Autorplanen ersehen. Es ist in der That itzt der beßte Weg, zu einem gemächlichen Leben zu gelangen, daß man drucken lasse.

Varia. Um noch einmal auf meinen jetzigen Hang zur altdeutschen Poesie zurückzukommen, so kann ichs mir sehr wohl denken, daß ich, wenn ich wieder in Deinem Umgang und in Deiner Lieblingsdichter Umgang hinein komme, sie ganz vergesse, und ihr Studium vielleicht mit der Diplomatik und anderen dieses Gelichters in Eine Klasse setze. Aber jetzt häng’ ich daran, weil ich — dem Himmel seys geklagt, — an kein[S. 246] menschliches Herz hängen kann, das meinen Geist ganz glücklich machte. Den Geschmack und den Gaumen, denk’ ich doch, werd’ ich mir nicht verderben. Wer kann immer so ängstlich wählen, was ihm grade am heilsamsten ist? Man ißt auch einmal harte Speisen. — Die Minnesinger sind, so viel ich sie kenne, freilich einförmig. — Die Beobachtungen für die alte Sprache, und ihre Verwandtschaft mit der andern, sind auch oft interessanter als das poetische Verdienst. Aber dies sucht man doch sehr oft nicht vergeblich. Sehn wir uns, so kann ich Dir manches Schöne aus dem Heldenbuche mittheilen, das ich itzt gelesen habe.

Schmols sonderbares Benehmen bey einem Abentheuer, das er sich selbst, wie ein Don Quixotte fingirt hat, ist so abentheuerlich wie möglich. Ich kann gar nicht fassen, wie ein vernünftiger Mensch, und der schien er mir doch wenigstens vor ein Paar Jahren, so unvernünftige Dinge angeben kann.

Es kränkt mich, daß Du Dich so gewaltsam von Deinem sonstigen Zwillingsbruder Moritz losreissest. Es ist, nach der Parallele, in der ich Dich und ihn sonst betrachtete, und mit Recht, da Du mich selbst darauf geleitet, fast nicht möglich, daß er sich itzt so weit von Dir entfernen sollte. Es ist sehr übereilt, so rasch, — darf ich hier nicht im allereigentlichsten Sinne sagen: von Einem Extrem aufs andre zu fallen? Es kann mir nichts kränkender seyn, als eine solche Beobachtung bestätigt zu sehen.

Du verlangst, daß ich nicht nach Erlangen wegen einer Wohnung schreiben soll? Aber, demohnerachtet, hab ichs doch, und grade mit dieser Post gethan. Meine Aeltern wollens, der Sicherheit wegen. Indeß, soll das Quartier, nur auf 1 Monat oder höchstens 1 Viertel Jahr gemiethet werden, damit wir im Nothfall ausziehn können; — und, wenns irgend angeht, aus 2 Stuben und 1 Kammer dicht nebeneinander in Einem Hause, bestehn. Ist Dir dies recht? — In der That[S. 247] viel, daß Schwieger sich entschließt, heimlich mit Dir nach Erlangen zu gehen. Sag mir, wie ist er jetzt?

Deine gelehrte Gesellschaft ist vortrefflich. Das glaub’ ich, daß so etwas zur Thätigkeit anspornt und zum vergnügten Leben viel beyträgt. — Du gehst ja mit lauter Edelleuten um!

Ich muß bedauern, daß Deine scharfsinnige Hypothese über die Genesis meines kleinen Gedichts, — ein Fehlschuß ist. Die Veranlassung war keine andre, als daß einige Frauen, die ich gekannt und geschätzt hatte, Bekannten von meinen Aeltern, kürzlich hintereinander gestorben waren und traurige Männer hinterlassen hatten. (Die Frau in dem Gedicht soll also nicht ermordet, sondern natürlichen Todes gestorben seyn.) Du wirst hieraus, was in dem Dinge unnatürlich ist, erklären können; denn ich schrieb aus meiner Seele und wollte mich doch in eine fremde versetzen. Was Du vom zu Individuellen dieser lyrischen Poesie sprichst, muß wohl wahr seyn; aber es ist ganz sonderbar, daß ich itzt in diesen Fehler verfalle. Mündlich mehr darüber. Ich weiß noch gar nicht, wie das kommt. Ich soll bey Deiner Poesie nicht denken statt zu empfinden. Sehr gut. Aber thust Du’s nicht auch zuweilen? Ifflands Elise von Valberg hast Du mir mit einem so gleichgültigen Tone getadelt und bekrittelt, als wäre nichts oder wenig Schönes drin. Behüte, daß ich die Kritik verachten sollte! Aber das Gefühl geht doch bey einem solchen Stücke vor, und ich kann mich ärgern, wenn man von hinten anfängt: einzelne Fehler in der Oekonomie des Stücks rügt, ehe man sich von den in die Augen fallenden, vortretenden Schönheiten in der Behandlung der Scenen und Charaktere entzücken läßt. Doch sehr vermuthlich rede ich einmal wieder in die Luft, und treffe Dich nicht, oder habe Dich damals nicht recht gefaßt.

Ramler war in meinen Augen der größeste Dichter, als[S. 248] ich noch keinen andern kannte. Aber auch in Ansehung seiner bin ich wirklich nicht aufs andre Extrem verfallen.

Ich muß gestehen, so ganz habe ich Dich über das Idealisiren noch nicht gefaßt. Mündlich mehr davon. Du wirst mir wieder ächte Begeisterung geben. — Ich muß wohl auf einem falschen Wege gewesen seyn und besonders in die dramatische Poesie einen Eingriff gethan haben. In der That, ich bekenne, ich hatte neulich die Idee, daß dergleichen Stellen wie der Monolog Seyn oder Nichtseyn, u. s. w. die schönsten lyrischen Gedichte geben würden; aber ich sehe itzt so viel ein, daß sie alles Interesse verlieren würden.

Was Du nun wieder für Zeug machst? Deine Anna Boleyn liegen zu lassen. Es wäre mir sehr leid, wenn auf immer. Was hast Du denn wieder dran zu kritteln?

Wie sehr freut es mich, daß Du froh, heiter und leichteren Blutes in Göttingen geworden bist. Wirklich noch vor weniger als einem Jahre hab’ ich das nicht von Dir erwartet. Und wenn Du Dich zurückerinnerst, wirst Du Dir von Dir selber ein Gleiches gestehen müssen. Wie der Mensch, — wie selbst ein Mensch wie Du sich doch ändern kann! — Himmel, ist es wahr, daß Du nicht mehr jener unglückselige melancholische bist, den die Welt anekelt, der Du doch an jenem traurigen Abend warst? Sieh, ich sagte Dir damals schon, es wäre unmöglich, daß Du es immer seyn und bleiben könntest, und Du, mein Lieber, mein beßter Tieck, Du meyntest, daß all’ Dein Frohsinn nur täuschender Ueberzug über schwarzen Mißmuth seyn könne. O Dank dem Himmel, Dank Dir, wenn Du es nicht mehr bist. Wohl mir, wohl! Der Erde ist ein Wesen wiedergegeben, daß mehr als irgend eins, Glückseligkeit verdient! Ein Engel, ein Gott hat Dich gewandelt! Dein Lächeln ist keine Grimasse mehr! Ich darf nicht mehr zittern, wenn Du froh bist, daß in Deinem Herzen tausend Stacheln die Freude zerreissen. Wohl mir, Du wirst auch gegen mich[S. 249] künftig immer so nackt, so wahr erscheinen als Du bist, auch nicht eine Minute lang einen trüben Gedanken ersticken, eine Falte vom Gesicht wegzwingen. Die Welt hat Dich wieder. Dein Freund darf Dich als ein ihm gleiches Geschöpf, nicht als einen fremdartigen der Erde nicht zugehörigen Geist, an seine Brust drücken, und mit Dir, an Deinem Arme alle Seligkeit genießen, die die Phantasie in diesem Leben uns vorzaubert. — Du siehst noch immer mit einem wehmüthigen Lächeln meinen Freundschafts-Enthusiasmus an. So lange dieser Geist in mir athmet, wird er nicht erlöschen, oder ich müßte ein ganz andrer Mensch werden. Ich kann ihn nicht unterdrücken. — O wir wollen künftig zusammen wie im Himmel leben!


Schreib’ mir ja bald, wenn Du kommen wirst. Ich erwarte, 14 Tage vor Ostern. Das wäre vortrefflich. —

Dein Freund

W. H. Wackenroder.

XIII.

Berl., Jan. 93.

Mein liebster Tieck!

In der Hälfte Deines kleinen Briefchens sagst Du mir auf 10 verschiedne Arten, daß ich Dir nicht schriebe und daß ich Dir schreiben solle, belegst mich auch mit dem ehrenvollen Titel eines fleißigen Briefschreibers. Den will ich auch nicht verscherzen. Unsre Briefe haben sich wieder begegnet.

Den Roßtrapp habe ich Deiner Schwester gegeben. In[S. 250] Ansehung dieses und Deiner übrigen Arbeiten fürs Publikum, mögen Rambach und Bernhardi Dir das Weitere schreiben, und diese Autorgeschäfte mit Dir betreiben. Allein, was soll ich zu dem Gedichte selber sagen? Fürs erste, so dünkt mich, daß es immer etwas, wo nicht viel, verdirbt, wenn man viele Sachen so flüchtig und nachläßig arbeitet; und ich wünschte nicht, daß Du hierin Rambachs Nachfolger werden möchtest. Es ist zwar eine blendende Einbildung, daß man dadurch mehr Fertigkeit, mehr Reichthum an Ideen und Wendungen erhalte; allein es ist wenig mehr als Einbildung. Denn man verwöhnt sich durch diese Art zu schreiben gewiß am Ende so sehr, daß man nachher nicht mehr etwas Langsames, Durchdachtes, in allen Theilen so viel als möglich Vollkommenes, zu Stande bringen kann. An hundert Orten bringt man zerstreut sehr artige Gedanken und Bilderchen an, und in allem was man hervorbringt ist ein Etwas, aber nichts Ganzes von Schönheit, und so verliert man die Kraft, die Stärke und die Beharrlichkeit, ein Werk zu schaffen, worin man nach Gewissen jeden einzelnen Theil, bis auf Kleinigkeiten, so ausgefeilt und der Vollkommenheit so nahe zu bringen gesucht hat, daß man das Ganze ein Produkt seiner höchsten und edelsten Anstrengung nennen darf. Und im Grunde sollte jeder Dichter und Künstler doch bey jedem Werke wenigstens den Vorsatz haben, es so zu vollenden, wie es seine Kräfte, in ihrer wirksamsten Thätigkeit, nur immer erlaubten. Ich glaube freilich weniger, daß meine Besorgnisse bei Dir wirklich eintreffen möchten, als ich diese Gedanken für andere (z. B. Rambach) treffend glaube. — Dein Roßtrapp ist gar nicht sonderlich und hat die Ehre, noch ziemlich unter der Emma und Adalbert zu stehen. (Das ist doch freymüthig genug?) Die Erfindung? könnte, dünkt mich, weit besser seyn. Daß ein Mädchen auf einem Pferde über den tiefen Abgrund einmal herübergesetzt hat, weil sie von einem Riesen[S. 251] verfolgt ist, ist eine triviale Fiktion, die — ich auch hätte erfinden können, und die durch die Ausführung in ein noch dürftigeres Licht gestellt wird. Die ganze Erzählung hat gar keine Haltbarkeit, kein Interesse, kein Leben: warum verfolgt der Riese das Hirtenvölkchen? Was will das Geisterwesen eigentlich sagen? Warum schützt das Diadem vor dem Riesen? Warum ziehen die Geister und Alles am Ende von dem Ort weg? Das liegt alles im Nebel. Und dann hast Du wohl in der Mitte den Eingang vergessen: ein Minnesinger kommt in die Harzgegend (der Anfang in Prosa enthält noch die meiste Kraft und Phantasie), beschreibt sich selbst (doch etwas steif, als wenn er dem Landschaftsmaler abgerissene Ideen angäbe), die Gegend, und fängt hierauf zum Zeitvertreib an, sich in Versen, die er, wenn es ihm zu unbequem wird, auch ohne Reim vorlieb nimmt, ein Geschichtchen vorzusingen. Ein kurieuser Minnesinger! Er muß närrische Launen gehabt haben! Ich hätt’ ihn sehen mögen, wie er da in der einsamen Gegend sitzt und sich ein Mährchen singt! — Warum ist nicht das Ganze Ein Ausfluß der Phantasie von Anfang an in Versen? warum läßt Du ihn nicht in einem lyrischen Gemählde die Gegend besingen, in lyrischer Begeisterung die Begebenheiten der Vorzeit ihn als gegenwärtig sehen? Und dann die Verse! Ganz gewiß hast Du das Stück nie laut gelesen, oder Du müßtest es denn in der Absicht gelesen haben, um Dir selber Spaß zu machen; sonst, wenn es Dir wieder etwas Neues seyn sollte, will ich Dir ein kleines Pröbchen zum besten geben:

Die Mädchen:
Das Glück
Mit holdem Blick
Wohnt
Hier und sonnt
Im Buchenhain
Sich im Frühlingsschein.

[S. 252]

Und mehr dergleichen Verse, die in der That wahre Knittelverse sind. — Auch Bilder, wie: der Donner stößt sich an den Klippen wund, hast Du wohl nur Spaßes halber hingeschrieben. Du siehst wie beredt ich bin, wenn Du einmal etwas Mittelmäßiges oder Schlechtes hervorbringst. So machens die kleinen Geister, welche die größern weit zu übersehen glauben, wenn sie im Stande sind in den Bastardgeburten ihres Geistes Fehler zu entdecken, die sie selbst nicht einmal zu machen vermögen. Bey Meisterstücken schweigen sie still, und wissen nicht was sie sagen sollen, weil sie viel zu eingeschränkt sind, die verborgene Quelle der Schönheiten aufzuspüren, und nach Verdienst die Schönheiten zu würdigen. So mach ichs auch!

Neulich hab’ ich das neue Ritterstück: Ludwig der Springer gesehen. Ein dürftigeres, anfängermäßigeres, bedauernswertheres, nüchterneres, faderes, unbedeutenderes, nichtssagenderes, gemeineres, gewöhnlicheres, — (aber ich komme außer Athem!) Stück kenn’ ich gar nicht. So ohne einen Funken, ohne einen Schatten von tragischem Geist, Empfindung, Durchführung von Charakteren und Situationen geschrieben? Es ist so kurz, daß die Hauptpersonen nur grade so viel Zeit haben zu sprechen, als um die Geschichte die zum Grunde liegt, zu erfahren nöthig ist: alles nichts als ein dialogisirtes historisches Compendium. Alles nur Skelett, Thema zur Ausführung. Nicht eine einzige Rolle, nicht eine einzige Scene, wobey das Herz warmen Antheil nähme. Der Plan: wie ein Spinnengewebe. Vorn ein Sancho Pansa, der den Spaßmacher spielt. Wenn die Hauptpersonen den Gang der Handlungen fortführen sollen, werden ein Paar Gefangenwärter, oder dergleichen Gesindel eingeschoben, die uns indeß mit den trivialsten Späßen die Zeit vertreiben. Die Baranius hält im Gericht die Feuerprobe aus und das Ende ist ein Rittergefecht: beydes ist interessanter[S. 253] anzusehen als das ganze Stück zu hören; denn die sehr genau beobachteten, stummen Ceremonien eines heimlichen Gerichts, und der Pomp der Turnierrüstungen verfehlt nie den Eindruck. Von der schönen edlen! Sprache eine Probe: „Da müßt ihr Pferde anspannen lassen, wenn ihr mich von der Stelle bringen wollt,“ spricht Ludwig im höchsten Zorn. Der leibhaftige Fuhrmann, der in der Trunkenheit, den Hut auf einem Ohr, die Hände in die Seite setzt. Doch das ganze Ding verdient nicht, daß ich ein Wort mehr darüber sage.

Bernhardi hat itzt schnell den Entschluß gefaßt sein Nachspiel selbst an Engel zu bringen. Vorher hat ers Hagemeistern gewiesen, der es gelobt hat. — Neulich ist eine neue Operette: die unruhige Nacht, nach Goldoni, Musik von Lasser in München, 2 Tage hintereinander ausgepocht worden.

Aber was heißen alle diese Neuigkeiten gegen die, welche ich Dir itzo vortragen will. Lege Dein Gesicht in Falten, bereite Dich auf einen großen Gedanken vor, und setze Deine Seele in eine gemäße Stimmung. Triumph und Viktoria, 3 mal und 4 mal! mein Glück, mein Heil ist gekommen; ich bin emporgehoben aus dem Staube, und stoße an den Orion mit meinem Scheitel. Nun erst wag’ ich es, Dich brüderlich zu umarmen und mit Dir vereint dem Tempel der Unsterblichkeit zuzufliegen. Fort mit allen Phantasien, die itzt vielleicht wie schwarze Wolken Deinen Kopf durchziehen; sie sind nichts gegen das was Du hören wirst! Gebiete den kleinsten Gedanken Deiner Seele eine feierliche Stille, und laß in dieser erhaben-majestätischen Pause Deine Geistesthätigkeit Dir die goldenen, himmlischen Worte Deine beyden Ohren füllen: Ich bin Schriftsteller, und abermals: ich bin Schriftsteller. — — — Allein ich muß mich wohl von meiner schwindlichten Höhe herablassen und Dir in der Sprache der Menschen in aller Kürze erzählen: Cur, quomodo,[S. 254] quando. (N. B. Alles was Du jetzt hörst sind die tiefsten Geheimnisse, nur für Dich, mich und Bernhardi offen.)

Bernhardi ist zum Mitarbeiter an einer neuen Monathsschrift engagirt, die Rambach und Heydemann (vielleicht auch von Zöllner, Jenisch, Eschenburg und Veit Weber unterstützt) bald herausgeben wollen. Nun bat er mich so dringend und unabläßig, ihm meine Ode an die Zeit, die ich ihm einmal vorgelesen, hier zum Drucke anzuvertrauen, daß ich es ihm in der That nicht abschlagen konnte. Er wollte durchaus die Gründe meines Weigerns wissen, und da fast der Hauptgrund war, daß ich in einer zum Theil doch etwas verdächtigen Gesellschaft, und in einem so ephemeren, verachteten, plebejen Werkchen mich in der Welt nicht zuerst produciren wollte, so mußte ich, da ich ihm diesen Grund nicht gut sagen konnte, ihm keinen Grund zu haben scheinen. Genug, ich mußte ihm, halb gezwungen, die Ode (mit einigen Veränderungen) geben: nur ließ ich mir strenge Verschwiegenheit von ihm versprechen. Nun hat er sie an Rambach und Heydemann vorgelesen, aber in einiger Entfernung, damit sie meine Hand nicht erkennen sollten; sie hat Beyfall gefunden und wird nun wahrscheinlich gedruckt werden. Was das komischeste aber ist, so hat Bernhardi Rambachen im Vertrauen gesteckt, die Ode wäre von seinem Freund Schmiedecke; und freut sich schon im Voraus auf die komische Scene, die dadurch zwischen diesem und Rambach entstehn wird, da ohne Zweifel Schmiedecke, wenn ihm der geschwätzige Rambach die Ode auf den Kopf zusagt, den Unwissenden besser als irgend einer spielen wird. Ob Bernhardi an der Scherzlüge klug gethan hat, und ob Rambach bey seinem Glauben bleiben, oder nicht doch auf mich argwöhnen wird, welches mir nicht lieb wäre, weiß ich nicht. Unter die Ode habe ich den Namen Agathon gesetzt, weil das mein Lieblingsname ist.

Ich habe eine Bitte an Dich. Da Du im vorigen Frühlinge[S. 255] Matthisons Mutter gesprochen hast, so kannst Du mir vielleicht schreiben wo, wann er gebohren, wo er itzt ist, und was Du sonst von seiner Jugendgeschichte und seinen Lebensumständen weißt. Vergiß es nicht in Deinem nächsten Briefe. — Hast Du noch die sibirische Anthologie von Schiller? —

Du willst mich gern den Roßtrapp auf Ostern in Natura sehn lassen? Aber die Jahreszeit, das Wetter und unsre eingeschränkte Zeit! Es ist wohl kaum möglich. Ich muß Verzicht darauf thun. Wir werden unsre Reise so simpel und aufenthaltlos als möglich machen müssen. Auch bitte ich Dich, so viel ich bitten kann, lieber Tieck, daß Du so schnell als möglich, auf dem kürzesten Weg, und so bald als möglich hier bist: und es, wenn auch nur auf ein Paar Tage (damit Du uns nicht wieder in Sorgen setzest) im Voraus bestimmst, wann Du anzukommen gedenkst. Wie dringend wünschte ich Dich 14, oder Dich doch zwischen 8 und 14 Tage vor Ostern (dem letzten März) hier zu sehen! Deine Schwester stimmt ganz in meine Wünsche ein.


Du wirst wohl sehen, lieber Tieck, daß ich bis hieher noch nicht Dein Trauerspiel: der Abschied, gelesen hatte; denn wovon hätte ich Dir sonst zuerst schreiben können, als hiervon? Und wie ist es möglich, daß in Deinen Briefen an mich nichts davon steht? Himmel Du hast mir wieder eine sehr glückliche Stunde gemacht, hast mich ganz hineingezaubert in die Zeiten, da wir noch hier zusammen lebten und zusammen empfanden. O es ist nicht wahr, daß ich die Schönheiten hier nicht bis auf die allerfeinste fühlen sollte! Ich fühl’ es, ich fühl’ es, wie alles aus dem Strohm der Empfindung eines vollen Herzens geschöpft ist. Wovon soll ich[S. 256] anfangen? Es hat mich gerührt, entzückt! Ganz in dem Göthen’schen Geist des Werthers, der Stella, gedichtet! Ganz Gemählde, treustes Gemählde der erhabenen, ätherischen und schwärmerischen Gefühle, die wir so manchesmal in den Stunden der Seligkeit mit einander wechselten. Hast Du bey der Stelle, wo Luise das von ihrem Geliebten komponirte Lied: „Wie war ich doch so wonnereich,“ spielt, an mich gedacht, so dank ich Dir: glücklich fühl’ ich mich, wenn mein Andenken Dich in solchen Stunden umschwebt. Wie lautere Natur ist Ramstein! Ich wäre außer mir, wenn ich ihn einmal, Du den Weller, spielen könnte! Wie unnachahmlich die 2 Scenen zwischen Luise und R.! wie wahr der glühende und kochende Ehemann! wie wahr die lenkbare Schwachheit des weiblichen Charakters! Ueberall die feinsten Züge verstreut! Es ist mir nicht möglich, Dich itzt auf Einzelnes aufmerksam zu machen; Du wirst Dir die Stellen hinzudenken, worüber ich so vorzüglich entzückt ward: vielleicht hätte das Ende etwas besser ausgearbeitet seyn können; und noch gewisser wage ich zu behaupten, daß zuweilen der Dichter die Personen noch immer mehr von ihrer Empfindung sprechen, als sie, ihrer Empfindung gemäß, sich ausdrücken läßt. Doch der Glanz des Ganzen verschlingt diese Flecken. Wärst Du hier, wir wolltens zusammen lesen, und jeden Augenblick würde ich Dir mein Entzücken zu erkennen geben. Aber so kann ich nichts auszeichnen, es ist zu viel, und ich bin zu voll. O laß doch die Reimerey seyn! Hier ist Dein Wirkungskreis, im Feld des Tragischen und der trüben Melancholie. Wie glücklich wär’ ich, wenn ich etwas ähnliches dichten könnte! Diese Gattung würde meine Lieblingsgattung seyn! Ich danke Dir inniglich, mein lieber, mein bester Tieck, für das süße Vergnügen, was Du mir gemacht hast!

[S. 257]

Warum bearbeitest Du den „Orest in Ritterzeiten“ nicht? —

Schreib’ mir bald, — schreib’ wann Du kommst.

Dein

Freund

W. H. W.

XIV.

Berlin, Febr. 1793.

Mein liebster, bester Tieck!

Länger kann ichs kaum aushalten. Grade 3 bis höchstens 4 Wochen sinds noch hin, daß Du hier seyn wirst und Du schreibst mir noch nicht, wann Du kommen wirst; lebst lustig und vergnügt in Göttingen oder in Kassel, wohin Du, wie Deine Schwester sagt, hast reisen wollen; indeß ich hier in einer Quaal lebe, von der Du keine Idee hast. Alles verläßt mich, ich bin in der ärgerlichsten Ungewißheit, da ich am ersten etwas Bestimmtes über manche Umstände bey meiner künftigen Lage erfahren möchte. Keine Briefe von Dir; keine von meinem Prediger; keine aus Erlangen. Und die Zeit ist vor der Thür.


Von Dienstag zu Sonnabend und von Sonnabend zu Dienstag hab’ ich gewartet; heut ist wieder Sonnabend und noch kein Brief. Ich bin immer noch glücklich genug, mir einzubilden, daß Dich nichts anders als Nachläßigkeit oder Vergnügen, keinesweges aber Krankheit abgehalten hat. Mein Prediger hat nun endlich geschrieben. Die Hochzeit ist vorbey; er lebt äußerst glücklich in seiner neuen Verbindung und erwartet uns mit offenen Armen nach Ostern.

[S. 258]

Ich bitte Dich um unsrer heiligen Freundschaft willen, schreib’ mir doch nur mit ein paar Zeilen, ob Du nicht 14 oder spätestens 8 Tage vor Ostern hier seyn kannst. Je länger ich in meiner unglücklichen Lage hier eingezwängt bin, desto ungeduldiger und mißmüthiger macht sie mich, und bringt mich zuweilen zur Verzweiflung. Ich schleppe manche Tage wie ein Esel hin. Mein aufschwellender Geist schrumpft ein, seine Flügel sind gelähmt, seine Schnellkraft erschlafft. Ich fühle nichts deutlicher als das: An Verstand und Herz bist Du schwächer, Du bist schlechter geworden; dies nagende Geständniß bringt mir jeder Pulsschlag. Aber ich schwör’ es Dir bey den Seligkeiten, die ich je in den erhabensten Stunden von Deinen Lippen geküßt und aus Deinem Auge getrunken habe, ich schwöre es Dir: noch fühl’ ich Kraft genug in mir, sobald nur ein paarmal die Sonne über uns an Einem Orte auf- und untergegangen ist, so schwing’ ich mich wieder ganz zu Dir hinauf, so hat der Zauberdruck Deiner Hand und der Zauberblick Deines Auges und der Zauberton Deiner Stimme mich wieder mit entzückender Begeisterung durchdrungen, und Coetusque vulgares et udam sperno humum fugiente pennâ. —

Hätt’ ich Zeit so wollt’ ich Dir noch allerhand erzählen: wie ich mich im Theater über Betrug durch Aberglauben geärgert, und über Axur abermals gefreut habe; wie, zum Erstaunen der vernünftigen Welt, Bernhardi’s Julius von Tarent auf unserer Bühne gegeben ist, und wie mich die unübertreffliche originelle Diktion dieses Stücks entzückt hat; wie ich neulich, bey Czechtizky’s Tellheim, auch keinen Funken der feinen Empfindung in dem Charakter gefühlt, sondern eine ganz andre Rolle zu sehen geglaubt habe; vornehmlich aber, wie ich von Reichards Erwin und Elmire im Konzert neulich bezaubert bin, wo jede, jede Arie, den innigsten Ausdruck, jeder Ton Liebe oder erhabne Empfindung, oder[S. 259] romantische Schwärmerey athmet. Aber noch eins: ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mir nicht erfreulicher seyn konnte: mit einem jungen Architekten, Gilly, den Bernhardi kennt. Aber jede Schilderung ist zu schwach! Das ist ein Künstler!! So ein verzehrender Enthusiasmus für alte griechische Simplicität! — Ich habe einige sehr glückliche Stunden ästhetischer Unterhaltung mit ihm gehabt. Ein göttlicher Mensch.


Und nun beschwöre ich Dich noch einmal, mein ewiggeliebter Tieck, schreib mir, tröste mich bald. O Tieck! wollen wir in Erlangen nicht glücklich wie im Elysium leben? Wir müssen!! Meine ganze Seele erhitzt sich jeden Augenblick itzt bey dem Bilde dieses zukünftigen Himmels. Aber schreib mir den Tag, wenn Du kommst; komm doch so bald als möglich — was hindern Kollegia Dich? — Den ersten Posttag nach Ostern, werden, müssen wir vermuthlich reisen; und Ostern ist 31. März.

Schreib mir doch an demselben Tage, da Du diesen Brief bekommst, wenns irgend angeht: — nur das Nöthige, nur ein paar Zeilen.

Ich hoffe und wünsche, daß Du gesund und vergnügt bist.

Ewig Dein Freund.

W. H. Wackenroder.

XV.

Sonnabends,
den 2ten März 1793.

Mein bester Tieck.

Gottlob, daß ich doch einmal wieder ein paar Zeilen von Dir am Montag erhielt. So wenig es war, so machte es[S. 260] mich doch ganz außerordentlich froh. Du bist nach Kassel gereist; deswegen schrieb ich Dir nicht am Dienstag; nun wirst Du wohl zurück seyn. Deinen Abdallah kann ich erst in den folgenden Tagen lesen; ich habe ihn Deiner Schwester geliehen gehabt.

Seit vorigen Ostern hab ich Dich nie so vermißt, hab ich nie so ungeduldig den herzerhebenden Umgang mit Dir zurückgewünscht, als in diesen letzten Monaten. Zuweilen habe ich indeß, ich muß es gestehen, einige sehr vergnügte Stunden; allein ich kann es mir nicht verbergen, daß ich bey Dir ein ganz anderes, höheres Vergnügen empfinden würde.

Von Erlangen hab ich Antwort; wir haben eine Wohnung von 2 Stuben und 1 Kammer neben einander, bey einem Schneider. Sie soll sehr gut seyn und in guter Gegend liegen. Die Gegend um Erlangen, im Anspachschen und Baireuthschen &c. &c. wird sehr gerühmt; Erlangen selbst, nicht von allen. Der Himmel gebe, daß Du Dich dort glücklich finden mögest. Nur wirst Du den Umgang mit so vielen interessanten Köpfen, wie in Göttingen, dort leider wohl vermissen. — Aber ich kann Dir unmöglich mehr schreiben, Du mußt Alles übrige mündlich von mir hören.

Ich wiederhohle meine dringenden Bitten, uns bald zu schreiben, wenn Du kannst, und — in ein Paar Wochen zu kommen. Hier mußt Du dann vornehmlich für Deine liebe Schwester leben. Ich mache wenig oder gar keine Ansprüche auf Dich, weil ich dann — (welche herrliche Aussicht) so lange genieße. — Alles übrige mündlich. Komm nur in 14 Tagen. Ja?

Mit zärtlicher Sehnsucht sieht Deiner Ankunft entgegen

Dein

Dich ewig liebender Freund

W. H. Wackenroder.

[S. 261]

XVI.

Dienstag, d. 5ten März 1793.

Lieber, bester Tieck.

Gestern (Montag den 4ten März) hab’ ich am Mittag Deinen Brief bekommen. Deine Schwester läßt Dich herzlich wieder grüßen. Sie befindet sich itzt recht gesund, und wünscht nichts inniger als Dich bald hier zu umarmen.

Den Abdallah habe ich gelesen. Wenn Du Dich erinnerst, so hast Du mir ihn im vorigen Winter schon einmal des Abends in meiner Stube vorgelesen. Da er also schon vor einem Jahre geschrieben, dieser erste Theil nämlich, so paßt das nicht, was Du sagst, er trüge die deutlichen Spuren Deiner alten Laune. Schon damals habe ich Dir meinen Beyfall wegen des Stücks geschenkt, und ich wiederhohle dies itzt noch zuversichtlicher. Ueber den Plan des Ganzen kann man noch nicht urtheilen, weil bis itzt erst ein Theil des geheimnißvollen Gewebes von natürlichen Begebenheiten und von dazwischentretenden Zaubermächten vor Augen liegt. Ueber die Komposition der Erzählung, die Anordnung der Kapitel und der einzelnen Haupttheile in denselben, wünschte ich urtheilen zu können; allein ich verstehe es nicht recht, weil ich noch nicht viel darüber nachgedacht habe; es ist aber eine wichtige, sehr wichtige Sache, welche von tausend Romanschreibern, die nur von schönem blühenden Styl gehört haben, und diesen oft in nichts als in Witzeleien und unächte Blümchen setzen, vernachlässigt werden mag. So weiß ich z. B. nicht, ob die isolirte Charakteristik des Sultans, die den Anfang macht, da an ihrem rechten Orte steht u. s. w. Uebrigens sind in dieser wie in den übrigen Charakterschilderungen viele wahre, treffende Naturzüge. — Die Phantasie, die das Ganze durchströhmt, ist[S. 262] feurig, groß und erhaben, und vermischt sich oft so innig mit der Vernunft, daß man sie nicht davon scheiden kann.

Deine Schwester hat aber gegen mich schon sehr richtig geäußert, die Dir so gewöhnliche und so leichte Bildersprache wäre zu sehr verschwendet. In der That, läßt sich wohl ein vollkommenes, ein schönes Gedicht erwarten, wenn der Dichter jedes Bild, das seine üppige Einbildungskraft im Schreiben ihm darreicht, ergreift, und weil er in diesem Augenblicke der poetischen Begeisterung es deutlich faßt, es so hinwirft, wie es sich ihm darbietet, ohne die Verbindung, in die es gesetzt wird, ohne den Plan des Ganzen vor Augen zu haben? Gesetzt auch, daß alle Bilder die Kritik aushielten, (und ist dies beym Abdallah und vielen Deiner übrigen Arbeiten der Fall?) so wäre dies nicht weniger als ein Beweis für ihre Rechtmäßigkeit an diesem Orte. Wahrlich, eine Schreibart, wo der von Empfindungen, von Visionen der Phantasie überfließende Dichter von einem Bilde zum anderen überspringt, und eins in das andere hineinzieht, ist nicht viel besser als ein Styl, worin epigrammatische Laune herrschen soll, wo eine Witzeley die andre, ein Wortspiel das andre jagt. Doch dies gilt keineswegs ganz von Deinem Abdallah. Allein daß man zuweilen seinen Verstand anstrengen muß, um die, — ich kann es doch nicht anders nennen, als witzigen allegorischen Bilderchen, die hintereinander von ganz heterogener Art ausgesäet sind, zu fassen, und wenn man mit dem Einen fertig ist, gleich sich wieder in eine andre Welt von Bildern, in eine andre Metaphernsprache zu werfen, die den Schlüssel zum folgenden Bilde giebt, das scheint mir unläugbar. Deinem erhitzten Geiste mag diese Fülle sehr natürlich gewesen seyn; aber schön ist sie darum nicht. — Dagegen könnte ich Dir auch viele der vortrefflichen Stellen zeigen, wenn ich Dich hier hätte. So aber muß ich nur beym Allgemeinen bleiben. — Die philosophischen Hypothesen des Omar sind meisterhaft[S. 263] dargestellt, und haben mich ganz in jenen wunderbaren und überirdischen Abend zurückgezaubert. Aber (und das wird wohl unsre beyderseitige Meynung seyn) zerrüttet wird der Geist, für Freuden der Erde und angenehme Eindrücke verstimmt, selbst für Freundschaft und Liebe verdorben, zu ewigem Mismuth, zu trauriger Unthätigkeit verdammt, wenn er sich diesen wunderbar fürchterlichen Träumereien überläßt, und sie nicht wenigstens im Gespräche mit dem Freunde des Herzens, im Mondschein, verbannt, daß sie am Morgen mit der milden Sonnenhelle aus seinem Busen verscheucht werden und ihm als nichts mehr, als was sie sind, erscheinen, — als Traum. Die Einsamkeit, die zu weit tröstlicheren, Herz erhebenderen Gedanken und Phantasien inspiriren kann, und der Tag, der unsere Thätigkeit des Geistes für uns und unsere Neben-Menschen fordert, — bleibe von diesem verzehrenden Gifte frey, das unsere Seele vor der Auflösung des Körpers verwesen läßt. Aber, o wehe! diese felsenfeste Wahrheit ist Dir ja leider nur zu bekannt, — und der Himmel wird meinen sehnlichsten Wunsch erhören, — nicht vergebens bekannt. — Wir wollen froh mit einander leben, Tieck; — froh, aber weise; froh, und nicht in eitler Melancholie vergraben. Nicht wahr? — O ja, o ja! und der Frohsinn, der weisere Frohsinn wird allmählig in Deine Natur, in Dein Wesen übergehen! — Du bist noch immer der Alte, mein lieber bester Tieck! Auch ich bin, wie ich war! Wollte Gott, daß Du’s nur hierin nicht mehr wärst. — Aber still davon, still!


Es bleibt dabey, Dein Drama: der Abschied, ist schön, sehr schön. Bernhardi hat sich nie der von Dir erwähnten List bedient, es für sein Werk auszugeben. — Aber es bleibt auch dabey: Dein Roßtrapp ist schlecht, und ich habe ihm, glaub’ ich, eben nicht Unrecht gethan. Wie Burgsdorf ihn dem[S. 264] Adalbert und Alladdin vorziehen kann, ist mir durchaus ein unerklärbares Räthsel! Und daß Du ihn mehrmals geändert hast, würd’ ich denn doch auch gegen jeden andern abgeschworen haben, wenn Du mirs nicht sagtest. Der Sachen itzt zu geschweigen, so sind Einkleidung, Verse, Styl, Bilder, Wohlklang so, daß sie mich beleidigen. Du und Burgsdorff, ihr versteht euch auf erhabene große Gefühle, dramatischen Genius &c. tausendmal besser als ich. Ich hingegen behaupte dreist, daß ich über Versbau, Wohlklang, Rhythmus, Ausfeilung der Perioden, Ausbildung der Metaphern, Feinheiten der Sprache, und was dergleichen kleine Sächelchen mehr sind, ungleich treffender urtheilen kann als ihr beyde.

Die Hinrichtung des Königs von Frankreich hat ganz Berlin von der Sache der Franzosen zurückgeschreckt; aber mich gerade nicht. Ueber ihre Sache denke ich wie sonst. Ob sie die rechten Mittel dazu anwenden, verstehe ich nicht zu beurtheilen, weil ich von dem Historischen sehr wenig weiß.

Wie Rambach mit Heidemann so vertraut seyn kann, weiß ich selber nicht, kanns Dir also auch nicht erklären. —

Du schreibst mir nie, wann Du kommst. Du setzst wohl wieder voraus: zu rechter Zeit??

Du mußt in 14 Tagen hier seyn. Wir werden Mittwoch nach Ostern reisen müssen, dann bist Du 14 Tage etwa in Berlin. Darin muß Deine Schwester Dich mehr als sonst wir genießen. Sorge für Deine Gesundheit; lebe wohl mein liebster, bester Tieck.

Dein

W. H. Wackenroder.


[S. 265]

Wagner, Gottl. Heinr. Adolph.

Geb. zu Leipzig 1774, gestorben am 1. August 1833 zu Großstädteln bei L.

Zwei Epochen der modernen Poesie, dargestellt in Dante, Petrarca, Boccaccio, Goethe, Schiller, Wieland. (1806.) — Theater und Publikum. (1826.) — Lebensbeschreibungen der Reformatoren, 6 Bde. (1800–4.) — Grammatikalische und andere philologische Werke. — Vortreffliche Uebersetzungen aus dem Englischen und Italienischen &c.

Ein reicher Schatz an Gelehrsamkeit, Scharfsinn, heiterer Laune, hingebender Freundschaft und übermenschlichem Fleiße ist aufgehäuft in den vielen, vielen Briefen Wagner’s an Tieck. Wir hatten mit Sorgfalt eine umfassende Auswahl getroffen. Doch zeigte sich bald, daß der vierte Band dieser Sammlung das noch übrige Manuskript nicht mehr fassen könne, und wir sehen uns leider gezwungen, neuerdings bedeutende Einschränkungen zu treffen, denen auch die W.’schen Briefe unterliegen mußten.

I.

Leipzig, 13. Aug. 1822.

Wenn ich Ihnen, verehrter Freund, für den während meines Aufenthalts in Dresden gegönnten Genuß Ihres Umgangs danke, so thue ich damit freilich wol nicht viel mehr, als manche andere wol auch, mag doch aber gern wenn auch nur einem Momente einer, so lange ich Sie als Dichter kenne, in mir ununterbrochen fortwaltenden Stimmung Worte leihen. Mehr als diese, deren ich überhaupt wenig zu machen, soll ich sagen glücklich oder unglücklich genug bin, nämlich meine herzliche Achtung und Liebe hab ich Ihnen schon so früh geschenkt, daß ich sie Ihnen jezt nicht noch einmal, ohne zudringlich zu scheinen, schenken könnte, wenn überhaupt in zärtern Gemüthsbezügen Nehmen nicht vielleicht seliger wäre als Geben.

Für meinen hiesigen Einzug habe ich um so mehr mit[S. 266] Unmusternheit Einstand geben müssen, da sich vieles gehäuft hatte, womit ich mir den Genuß in Dresden entweder nicht verbittern oder doch nicht verkümmern wollte. Denn Genußverkümmerung steht wenigstens zu besorgen, wo aus Lumpen Geist, sei es als Educt oder als Product, gezogen werden soll, weil, wie Einige behaupten wollen, dieser Proceß zuweilen so mißlich ist, daß man an dem Vorhandenseyn seines Princips, des Feuers, inwiefern dessen Pole zwei Elektricitäten sind, verzweifeln muß, ja wol gar das heraklitische Wort „die trockene Seele ist die beste“ miszuverstehen versucht wird. So etwas ist zum Glück von denen, die jezt vor mir liegen, wie Schleiermachers Glaubenslehre 2r, Rixners Geschichte der Philosophie 1r und Möllers Glaube, Wissen und Kunst der Hindus 1r nicht zu besorgen, von welchen allen ich mir vielmehr reiche Ausbeute verspreche. Aber die ächt heraklitische trockene, d. h. die Feuerseele, die den Weg nach oben macht, führt mich wieder darauf, wie Cato immer sprach „Caeterum Carthaginem delendam esse censeo,“ so Ihnen mahnend zu sagen „Caeterum opus de Shakspearii ingenio edendum esse censeo.“ Denn es will verlauten, daß ein gewisser Franz Horn in seinem bei Brockhaus erscheinenden Werke über Sh. sich mit Ihren Federn schmücke, was bei der freiedlen Mittheilung Ihrer Ansichten wol möglich wäre. Wiewol nun Federn den Vogel so wenig machen, als ein Buch, so wäre doch schon um der Sache willen zu wünschen, daß Sie hervorträten. Möchten Sie dies als Bitte aller Ihrer und Shakspeare’s Freunde ansehen und endlich gewähren!

Ihre Aufträge an Wendt hab ich besorgt; ob er sie vollzogen, weiß ich nicht. Ich will aber hiemit mein Versprechen lösen und Ihnen meine Ausgabe des Bailey senden, die Sie gütig, wie Sie pflegen, aufnehmen mögen, als wenigstens einen Schritt näher zum Ziele, wenn gleich bis zu einer künftigen[S. 267] Auflage ich, oder mein Nachfolger, noch manchen zu thun haben, wie denn mein Handexemplar schon durch mancherlei Nachträge beweiset. Es war zuvörderst hauptsächlich darum zu thun, daß die Wörter ihre Fühlhörner ausstreckten und den Sprachmeistern damit ihr Leben bemerklich machten.

Mit Achtung und freundlichen Grüßen an die Frau Gräfin und die lieben Ihrigen stets

Ihr

ergebener

Adolf Wagner.

II.

Leipzig, 9. Nov. 1823.

Verehrter Freund!

Unser Quandt bringt Ihnen hiemit die vier lezten Bände des Ben Jonson zurück und ich danke Ihnen herzlich für die gütige Mittheilung. Denn wieviel ist nicht an diesem literarischen Behemot zu lernen und zu bewundern, zu loben und zu tadeln! Mein, irre ich nicht, schon früher geäußertes Urtheil hat sich mir nun bestättigt und gerechtfertigt. Zur Würdigung des shakspearschen Styls (natürlich im höhern Sinne des Worts) ist er unschäzbar und unvergleichlich, inwiefern in ihm, als einem in seiner Sphäre eben auch Tüchtigen, die Bildungskeime eines Lyly, Decker, Marlow &c. aufgenommen und aufgegangen scheinen zu einer eigentlichen Kunstschulbildung, über welche Sh. so einzig und göttlich als Naturdichter, Prophet, Seher, oder wie Sie den nennen wollen, der, nach Plato, nicht durch Kunst, sondern als Begeisterter und Besessener durch göttliche Schickung und Eingeistung Schönes darstellt, erhaben ist, und welche durch das ganze Gebiet der englischen Poesie von ihm an sich zieht,[S. 268] immer mehr und mehr zur Technik und Schulenkunst ausgemergelt. Diese seine tief geschichtliche Bedeutsamkeit in so reicher, plastischer Zeit, wie Gifford sie recht gut geschildert, hebt sich um so heller hervor, da er, Fülle und Frucht einer Sphäre seiner, und zugleich Same einer künftigen Zeit, doch auch wieder Gegensaz zu einer höhern Sphäre (Shakspeare) wird, die ihn in sich, als die höhere, aufnimmt. In dieser stark und breit gezeichneten Doppelheit der Selbständigkeit und Hingegebenheit, als Kind der Zeit und doch ihr Ankläger und Rügemeister, offenbart er sich als überwiegend kritische Natur, mißt demnach seine Zeit, deren er sich nicht erwehren kann, an der untergegangenen alten, zürnt ihr stolz, wo sie diesen Maasstab verwirft und wird, indem er sie verspottet, höhnt, geißelt gewissermaßen sein Selbsteiron. Bei dem allem darf der doch wol am ersten zürnen, der so tüchtig, kräftig und fleißig sich ein Organ für die Welt gebildet hatte, wenn und weil er es nicht immer gebrauchen konnte. Dies letztere zeigt außer seiner Hellenomanie (die ja unsere Zeit auch überstehen mußte) und Italomanie, der Mangel an Athem und Haltung, ein Ganzes durchzubilden, zu durchweben und zu tragen, wo nicht selten die Technik aushelfen muß, wie in seinen Trauerspielen, in welchen nur Hazlitt allein ihn vorzüglicher finden mag, und in den drei künstlich ausgeklügelten Every man in his humour, Ev. m. out of h. h., und The magnetic lady or Humours reconciled. Wie glücklich, zart, tief, reich und zierlich ist er dagegen in vielen kleineren lyrischen Gedichten! Wie scharf und weit ist hinwieder seine Beobachtung der gleichzeitigen Welt, wie keck, derb, sicher seine Charakteristik von Höflingen, Raufern und Eisenfressern, Puritanern, Alchemisten und Rosenkreuzern, Neuigkeitskrämern, Geizigen, Sachwaltern, Beamten &c.! Gewiß eine herrliche Gallerie von Zeit- und Zerrbildern, sollten sie auch nicht immer so harmlos hingeworfen seyn als die[S. 269] Bewunderer meinen; sollte auch auf Kosten individueller Gestalt die Allgemeinheit des Begriffs mehr hervortreten, statt der Charaktere nicht selten nur Züge, und im Ganzen eine gewisse Monotonie, endlich, was das Schlimmste ist, überall die Absicht sich kund geben, to strip with an armed and resolved hand the ragged fellows of the time, naked as their birth, and with a whip of steel to print wounding lashes in their iron ribs, oder to see their folly raked up in their repentant ashes, wie es in Every man out of his humour heißt, und überhaupt die pedantische Versessenheit, nützen zu wollen und zwar durch antike Form und Zuschnitt seiner Dramen, so daß man oft nur mehr den marktschreierischen Bau- und Zimmermeister vor seinem Riß, als das Gebäude selbst sieht. Wo er diese gleichsam fixe Idee vergißt, wie im Volpone, Alchemist, Bartholomew fair, The devil is an ass und the staple of news zum Theil, da schlägt auch seine edlere Kraft durch und man bedauert nur, daß er vor lauter Anstalten nicht zur Sache kommt, daß der Vielbelesene aus seinem Hesiod sich nicht erinnerte, wie viel mehr oft die Hälfte werth sei, denn das Ganze. Wie viel Störendes an Chor, Parabasen u. dgl. wäre dann schon weggefallen! Wie viele Mosaik würde er sich erspart haben! Darum liebe ich ihn, die obgenannten Komödien mit eingerechnet, mehr in seinen lyrischen Stücken und in den Masken. Diese letztern scheinen mir überhaupt, wenn es seine Würdigung gilt, weit mehr Aufmerksamkeit zu verdienen, als man ihnen angedeihen ließ. Es sind zuweilen wahre Pracht- und Glanzstücke, worin ihm das Leben und er dem Leben näher trat, wie Hymenaei, The vision of delight, Pleasure reconciled to Virtue, News from the new world discowered in the moon, Gipsies metamorphosed. Da weiß er die Gelegenheit und einzelne Züge so gut, so gewandt und zart zu nützen, daß man ihn (und seine Gelehrsamkeit dazu) recht lieb gewinnen muß.[S. 270] Aber auch noch um eines andern Punctes willen sind diese Masken mir merkwürdig gewesen, weil sie einen Reichthum an Theatermaschinenkunst oder Skenopöie auslegen, wobei man mit der von den shakspeareschen Auslegern entschuldigungsweise bemitleideten Armseligkeit, Unbeholfenheit und Rohheit doch etwas ins Gedränge zu kommen scheint. Mag doch immerhin nicht jeder Maschinenmeister ein Inigo Jones, als Hofbaumeister, gewesen seyn und mag ihm B. Jonson’s beleidigter Stolz späterhin wieder nehmen wollen, was er ihm früher gegeben — es ist doch viel, sehr viel geleistet worden — wie schon dieser entzündete Neid und Streit beweiset.

Wie die Elemente der Natur Ben Johnsons gespannt waren, und ihr Streit nicht in seinen Producten erlöschen und ausgeglichen erscheinen konnte, so muß man ihm auch seine Eifersucht auf Shakespeare verzeihen, weil man doch aus seinem To the memory of my beloved Mr. W. Shk. und einem denselben betreffenden Stück seiner Discoveries ersieht, daß er gesunden Verstandes genug, ja sogar Bescheidenheit und Liebe neben allem Hochmuth und scioppischer Schmähsucht hatte, diesen sweet swan of Avon, diese soul of the age, the applause, delight, the wonder of our stage, who was not of an age, but for all time anzuerkennen, though he had small Latin and less Greek, from thence to honour himself — was mir beiläufig ein köstlich komischer und ironischer Zug ist.

Aber, mein Gott! was hab’ ich da meinem herzlich geliebten Freunde vorgeplaudert! Sieht es nicht aus, als wollte ich, der Schüler, den geehrten Meister und tiefern Kenner, der mich erst dort einführt, wo er schon längst heimisch ist, belehren oder mich spreizen? Doch nein, lieber Freund, Sie werden wol in dem Gesagten nur den Gelehrigen, nicht den Lehrhaften, nur den sehen, der Ihrer gütigen Mittheilung nicht unwerth ist. Darum erinnere ich Sie an Ihr Versprechen, mir ferner mitzutheilen, was auch mich, soweit eben meine[S. 271] schwachen Kräfte reichen, in jener alten Welt einheimischer machen kann. An Fleiß, Treue und Streben soll es, will’s Gott, nicht fehlen, noch fehlt es daran; denn vor Arbeit erschrecke ich nicht. Ich überlasse mich dabei ganz Ihrer Leitung und wünsche nun, daß Sie mir, wo es geht, einen Cicerone, wie Gifford, mit auf den Weg geben.

Ernst Fleischer druckt, wie Sie wissen, einen im Subscriptionspreise wenigstens, beispiellos wohlfeilen Shakespeare ganz und vollständig, und, wie ich gesehen habe, sehr sauber und anständig in großem Lexikonformat in gespaltenen Kolumnen schön und deutlich. Kaum getraue ich mich, wie ich es denn zuvörderst Ihnen nur vertraue, den mir gemachten Antrag, ein Glossary für einen zweiten Theil zu schreiben, anzunehmen; weßhalb ich auch das Nähere über Zweck, Umfang, Art &c. noch nicht mit ihm besprochen habe. An Mitteln dazu, denke ich, würde er es wol nicht fehlen lassen, und so lacht der Antrag wol an, wenn nur meine Kräfte hinreichen. Wollten Sie mir hier, soweit es Ihre Muße und Lust erlaubt, einmal Ihre Ansicht und Ihren Beirath gütigst ertheilen, so würden Sie, nicht zwar mich mehr verbinden, als ich es bin, sondern eine löbliche Absicht in einem Kreise fördern, worin ich eigentlich nur Sie als Richter und Gesezgeber und Ordner anerkenne. Darum schelten Sie mich nicht zudringlich! Könnte ich nur Fleischern bestimmen, nachträglich auch das zu liefern, was Sie aus Gründen der höhern Kritik Shakespearen zusprechen, und was ich Sie mir anzuzeigen bitten würde, so wäre schon damit etwas Verdienstliches geleistet. Aber bitte, bitte, lieber Meister, schelten Sie den Dreisten und den Bittsteller nicht; weisen Sie ihn lieber sanft ab, wenn Sie meinen, daß die Sache leidet!

Und nun genug! Ich erschrecke über das lange Schreiben und wünsche, daß Sie soviel Geduld damit gehabt haben[S. 272] mögen, als ich dabei Liebe hatte. Lassen Sie mich immer ein wenig in gutem Andenken bei Ihnen leben, und grüßen all’ Ihre Lieben von

Ihrem

Freund

Adolf Wagner.

III.

Leipzig, am 24. Jan. 1830.

Mein verehrter Freund!

Wie freue ich mich, daß mir Gelegenheit ward, Ihnen durch Hintertreibung einer Nichtswürdigkeit, meine Liebe zu bethätigen! Auch wollte ich Ihnen nicht eher wieder schreiben, zumal da die Landtagstaare gewiß truppweise auch bei Ihnen einfallen, als bis ich Ihnen den Spruch in der sauberen Sache, die alle ehrbare Männer entrüstet, mittheilen könnte. Aber die Schöffen haben noch nicht gesprochen, und mittlerweile ist ein Brief von B. eingegangen, der, wahrscheinlich auf den Rath und die geäußerte Besorgnis Schedes, an Reimer geschrieben und gebeten hatte, alles Mögliche zu thun, um die Papiere aus den Händen des elenden X. zu retten, den er ganz verläugnet. Dazu kam, daß Lezter in einer Vernehmung Tags vorher auf B.’s Bewilligung provocirt hatte; welches ihm denn damit zur Steuer der Wahrheit, zu Wasser gemacht ward. Wenn damit auch B.’s Galgenangst mehr in’s Licht gesetzt wird, als seine Rechtschaffenheit, so fällt damit doch mehr als ein Schlagschatten auf X., und der Spruch über ihn kann nur um so unerfreulicher für ihn ausfallen. Davon zu seiner Zeit! Ein dazwischen geworfener Prügel hat dies schnöde Gesindel auf- und verjagt, und die Flurschützen nur aufmerksamer gemacht.

[S. 273]

Nun kommt aber Reimer und bittet mich, Sie zu fragen, ob Ihr Prolog zum Faust abgedruckt sei, oder für den künftigen Musenalmanach bestimmt werden könne, um so mehr, da Ihr Bildnis ihn zieren soll? Darüber muß ich mir in seinem Namen Kunde ausbitten. Erlauben Sie den Druck, so kann ich ihm meine Abschrift mittheilen, worin ein Anakoluth und eine kleine Sprachnachläßigkeit, die ich in der mir gütigst geliehenen Abschrift fand, berichtigt sind.

Zugleich erlauben Sie mir wol zu fragen, was denn das im E. Fleischer’schen Prospectus, oder, um diplomatisch genau zu seyn, Thesaurus Shakspearianus, wozu ich nur noch ein gongorisatus vorschlagen würde, oder noch lieber incarnatus, angekündigte supplement von Ihnen seyn und betreffen wird? Sollen das die Apokryphen seyn, welche hier nur zuvörderst auf dem Titel der kanonischen Schriften angekündigt werden? So scheint es; und Sie sind also wirklich noch mit ihm einig geworden? Das freut mich um der Sache willen. Und Sie müssen mir schon meine Neugier vergeben, da ich gerade in diesen Zeiten, behufs einer Recension der vossischen Uebersetzung, welche ich lange schuldig bin, mich mit dem trefflichen Meister wieder beschäftige. Da kann ich denn freilich, besonders was den Vater und den Abraham betrifft, bei mehr, als Beim drallen Fuß, Streckbein und Quabbelschoos Rosalinens, nämlich bei allen neun Musen schwören, daß alle neun eben so selten darin getroffen sind, als alle drei, und die leztern, wie obiges Pröbchen zeigt, noch seltener. Das aber wissen Sie schon lange, und auch mich hatte der einmal Freunden vorgelesene Sommernachtstraum davon überzeugt, wo ich beinah eine Mundsperre davon trug; so drohte mich der Veitstanz und Weichselzopf von Uebersetzung anzustecken, der zu Benda’s Ruhr einen recht hübschen Abstich macht. Die Texteskritik und Notencompilation sind bei V. noch das Beste. Dies alles hat, mit dem thesaurus incarnatus[S. 274] den alten Wunsch und Vorsatz in mir wieder aufgeregt, den ich hier nur unter vier Augen ausspreche, einmal, wenn sich ein honetter Verleger fände, eine möglichst kritische Folioausgabe aller shakspeareschen Werke zu besorgen, welche alle Ab-, Nach- und Wiederdrucke überflüßig machte, nicht durch Pracht, sondern durch Gediegenheit. Was in dem sogenannten thesaurus aus meinen frühern gelegentlichen Aeußerungen bei Fl. erster Ausgabe abgehorcht, nur halb verdaut und großsprecherisch andämmert, müßte dort möglichst klar herausgeführt werden: kritische Herstellung des Textes aus allen Entstellungen, kurze zweckmäßige Erläuterung der Sprache und Zeit in einem Glossar, bezügliche Literatur, Zeitordnung der Werke &c. Wenn ich auch die Schwierigkeit dieser Aufgabe sehr wohl erkenne und somit diesen Embryo noch in mir trage, so kann ich doch nicht umhin, ihn mit aller mütterlichen Lebenswärme zu pflegen und auszubilden. Und indem ich so alles wahrhaft Förderliche als Vorarbeit und Mitarbeit für mich und mit mir ansehe, urtheilen Sie selbst, wie sehr ich immer beklagen mußte und muß, daß Ihr Werk nun und nimmer erscheint und was Gott doch verhüten möge, die Welt um einen unersetzlichen thesaurus kommt. Aber, liebster Meister und Freund, da möchte ich Sie an die Flucht der Zeit, an Alles, was Sie den Bessern, der Sache, sich selbst und Ihrer Rechtfertigung schuldig sind, erinnern, ich möchte Ihnen den Genuß und die Seligkeit der Arbeit und den Segen der Aernte vorhalten, wenn ich es nur gehörig vermöchte. Möchten diese unsere Vorsätze doch nicht fromme Wünsche bleiben!

Aber, wenn die Zeit Sie zum Voranschreiten mahnt, so mahnt mich der Raum hier Stand zu machen, und ich grüße nur all die Ihrigen mit den besten Wünschen für diesen grönländischen, bärenhaften Winter. Leben Sie wohl und lieben mich, wie ich Sie.

Ihr treuergebener

Adolf Wagner.

[S. 275]

IV.

Leipzig, 28 März 1833.

Mein verehrter Freund!

Nicht ohne einigen Neid lasse ich Ihnen dies Blatt durch X. Marmier aus Besançon reichen, um ihn bei Ihnen einzuführen, den er durch seine Werke und durch mich lieben und verehren gelernt hat. Er will deutschen Sinn und deutsche Art kennen lernen, und ist vermöge seiner Landesart und Jugend empfänglich. Gönnen Sie ihm also immer, Ihr Bild mit sich in die Heimat zu nehmen, wo es ja jetzt immer willkommener wird! Gönnen Sie ihm während seines Aufenthalts Abende wie mir und Andern, manchmal weniger Würdigen! H. Brockhaus und von Raumer, die ihm, wie ich höre, vorangehen, kennen ihn auch, und was seinen Creditbriefen fehlt, mag er durch sich selbst ergänzen.

Nun habe ich beinahe 3 Jahr Stadt und Zimmer gehütet, und wie die Frühlingssonne in meine Fenster hereinlächelt, gemahne ich mich wie ein Schmetterling, der eben die Puppe gesprengt hat und mälich die feuchten Flügel wie Pflanzenblätter entfaltet. Ob ich nun diesen Sommer einmal zu Ihnen fliegen werde können, wollen wir sehen. Lust und Trieb habe ich, und heilsam möcht’ es wol auch seyn. So mancher ist, seitdem wir uns nicht sahen, heimgegangen, vielbetrauert, wie unser Goethe, mein treuer Oppel und wie Mancher noch! Mein lieber Quandt besucht Leipzig nicht mehr. Da muß man denn von Erinnerungen leben. Erinnerungen aber, wie schön und lieb sie seyn mögen, bleiben doch nur Hintergrund und helldunkel im Lebensgemälde. Hauptlicht und Ton muß doch die Gegenwart geben. Das Nachdunkeln bleibt ohnehin nicht aus. Glücks genug, wenn wir indessen durch der Freunde Werke und Thaten es auffrischen![S. 276] So habe ich gelebt und lebe ich. Mit den Jahren und den Scherereien der Zeit und Welt wächst mir aber doch eine wahrhaft heidnische Leidenschaft und Entzückung für das Licht, und so kommt man über gar Manches hinaus. Es bleibt doch dabei, daß wir unverwüstlich sind, wenn wir nur wollen.

So viel genügt als Lebenszeichen und mithin auch als Liebeszeichen. Von Angesicht zu Angesicht sagt und macht sich freilich Alles anders und besser, als auf dem leidigen Lumpenfelde. Darum will ich hoffen und mit herzlichen Grüßen an all die Ihrigen schließen.

Unverändert

Ihr

Adolf Wagner.

(Der letzte Brief an Tieck, wenig Monate vor W.’s Tode, schon mit unsicherer Hand geschrieben.)


Weber, Gottfried.

Geb. am 1. März 1779 zu Fraunsheim in Rheinbayern, gestorben am 21. September 1839 zu Kreuznach.

Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst, 2 Bde. (1817.) — Allgemeine Musiklehre (in 3ter Auflage 1833.) — u. a. W.

Als Staatsprokurator in Darmstadt angestellt, redigirte er, durch Amtsgeschäfte unbehindert, fortwährend seine musikalische Zeitschrift Cäcilia, und stand im vertrautesten Verkehr mit den edlen Familien, die das dortige Leben geistig schmückten. Sein Haus, eine Heimath der Töne, war auch der Poesie offen; für alles Gute und Schöne gab es dort empfängliches Verständniß. Nicht frei von hypochondrischen Launen, ging er alsbald in Freudigkeit auf, wenn die rechten Saiten angeschlagen wurden. Dann liebte er auch zu erzählen von seinem Namensvetter Karl Maria, von Meyerbeer und ihrem gemeinsamen Lehrer, dem Abbé Vogler. Seine Gattin, Mutter lustiger Kinder, sang reizende Duetten mit ihm, die er auf der Guitarre begleitete. In solchen Stunden war nichts vom Staatsprokurator an ihm zu entdecken.

[S. 277]

Darmstadt, den 21. Dec. 1828.

Verehrtester Herr Hofrath.

Mahnbriefe von alten Gläubigern erscheinen nie willkommen, und verdrüßlich werden also auch Sie meinen gegenwärtigen Brief empfangen, welcher sogar dummdreist genug ist, sich gleich von vorne herein geradezu als einen Mahnbrief anzukündigen, statt wenigstens glimpflich hinten herum zu kommen.

Aber da hilft nun einmal Alles nicht, Verehrtester, ich bin in meiner Eigenschaft als Vormund eines braven deutschen Mädchens, obhabender Pflichten halber, nun einmal genöthigt, Sie als deren Schuldner in Anspruch zu nehmen, und alles Ernstes zu mahnen, Sich der, gegen dieselbe übernommenen Verbindlichkeiten ohne weitere Zahlungs-Saumsal zu entledigen. Wie? — oder meinen Sie denn etwa, Herr! — meinen Sie denn, meine arme, durch ihre langjährige unerhörte Liebe zu Ihnen nur schon allzu unglücklich gemachte Cäcilia, nachdem sie erst lange um eine Gunstbezeugung von Ihnen geworben und endlich mit gebrochenem, blutendem Herzen ihren großen Schmerz in den innersten Busen verschlossen und auf die schönste ihrer Hoffnungen resignirt hatte, durch ihre jüngsthierigen freundlichen Blicke aber wieder zu neuen Hoffnungen berechtigt worden war, — meinen Sie denn, Herr! Herr!! das arme Mädchen werde die neugeweckte Liebespein ohne reelle Erhörung, auch jetzt wieder zu ertragen vermögen? Wollen Sie zum Mörder der Unglücklichen werden? Sie Felsenherz!

Ich will Ihnen, lieber Verehrtester, nicht weiter die Zeit lang machen mit Redensarten, sondern recht freundlich bitten: Sie waren bei Ihrer hiesigen Anwesenheit so gütig, mir Ihre Mitwirkung zur Cäcilia zu versprechen: lösen Sie diese[S. 278] freundliche Zusage doch auch bald ein, und lassen Sie sich das hier beiliegende Anschreiben der Verlaghandlung empfohlen sein. Was Sie immer senden wollen, wird dankbar erkannt werden, wäre es auch nur eine Hand voll Gedankenspähne. Daß es durchaus nicht gerade eine Abhandlung über einen musikalischen Gegenstand zu sein braucht, versteht sich ohnehin. Aeußerst erfreulich würden unter Anderem auch etwa eine oder ein Paar Novellen sein, wenn auch nur etwa grade so viel von Musik darin vorkommt, als z. B. in Ihrer vor mir liegenden Novelle: „Glück bringt Verstand“ von der Freimaurerei, oder in: „Der 19. November“ von Schiffbaukunst, oder in beiden von Katzen vorkommt.

Daß die Verlaghandlung das von Ihnen bestimmt werdende Honorar mit Vergnügen leisten wird, habe ich bereits die Ehre gehabt, Ihnen im Voraus zu versichern. Seien Sie nun, verehrtester Herr, so freundlich und lassen uns nicht noch länger auf dem spurlosen Meere der Hoffnungen und Erwartungen herumtreiben.

Möge die Rheinreise Ihr Wohlbefinden haltbar gefördert und wir Hoffnung haben, Sie bald wieder bei uns zu sehen. Lassen Sie mich mit meiner Frau Ihnen und den verehrten Ihrigen empfohlen sein, und genehmigen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung

Ihr

gehorsamster Diener

Weber.


Welcker, Friedrich Gottlieb.

Geb. am 4. Nov. 1784 zu Grünberg im Großherzogthum Hessen, seit 1819 Professor der Philologie an der Universität Bonn.

Hervorragender Alterthumsforscher; vorzüglich berühmt durch seine Schriften über die griechische Tragödie, hauptsächlich über die Aeschyleische Trilogie. — Siehe diese Briefchen.

[S. 279]

I.

Bonn.

Einige Unterhaltungen über Griechische Tragödie mögen mir zur Einleitung dienen, um Ihnen eine lange philologische Diatribe über den Ajax zu überreichen. Die Unterhaltungen alle und die kleinen Wanderungen, an denen ich damals das Vergnügen hatte, Theil zu nehmen, und die Vorlesungen sind mir so lebhaft in der Erinnerung geblieben, daß ich immer sehr beklagt habe, den Wunsch und Vorsatz, den ich damals hatte, Dresden bald zu besuchen, nicht ausführen zu können. Vielleicht geschieht es nun bald; denn einmal muß ich doch Dresden kennen lernen und Sie wieder sehen, Verehrtester. Von den liebsten Freunden hoffe ich, bey ihrer Rückkehr, zu hören, daß Sie sich wohl befinden und in der gewohnten Thätigkeit, wovon ich seither so manchen Beweis sah, heiter leben.

Mit wahrer Verehrung und Anhänglichkeit

der Ihrige

F. G. Welcker.

II.

Bonn, 19. Apr. 1840.

Die späte Zusendung meiner Griechischen Tragödien an den gütigsten Gönner meiner Arbeiten der Art, dem ich vor Allen sie zu überreichen mich getrieben fühle, würde sträflich seyn, läge das Sträfliche nicht in der Saumseligkeit, das Buch nicht zu vollenden. So weit als es jetzt ist, war es vor meiner Reise nach Dresden vor einem Jahr, und der Rest des Manuscripts sollte gleich nach der Rückkehr abgedruckt werden. Unterbrechungen sind schlimm, und von einer Zeit zur andern[S. 280] wurde die Wiederaufnahme des Drucks verschoben, so daß der Verleger längst den fertigen Theil ausgegeben hat und ich einen dritten, vorher nicht beabsichtigten Abtheilungstitel setzen muß. Der Wunsch allein, Ihnen ein Ganzes vorzulegen, Hochverehrter, damit Sie vielleicht an dessen Einrichtung ein Gefallen fänden, was Sie im Einzelnen, zum Theil auch nach der Natur der Sachen, am häufigsten vermissen könnten, ist Ursache meines Zögerns gewesen. Doch alles muß sein Ziel finden, und ich hoffe, daß der Schluß nicht zu lang auf diese Theile nachfolgen wird, um die Beurtheilung der Absicht des ganzen Unternehmens noch zeitig genug zu ergänzen. Darf ich auf einige Stücke besonders aufmerksam machen, so nenne ich Peleus, Triptolemos, Tereus, Thamyris von Sophokles, Andromeda, Sthenelos, Kresphontes von Euripides.

Löbells neuliche Reise hat den Gedanken, indem ich oft mich wiege, recht rege in mir gemacht, wie glücklich ich seyn würde, recht viele Abendstunden in Ihrer mich auf allen Seiten ergreifenden Unterhaltung zubringen zu können.

Mit der reinsten Verehrung und Anhänglichkeit empfiehlt sich Ihrem freundlich geneigten Andenken

F. G. Welcker.

Den Beyschluß für die Stadtpost wollen Sie entschuldigen.


Wendt, Amadeus.

Geb. zu Leipzig am 29. September 1783, gestorben zu Göttingen am 15. Oktober 1836.

Er war Redakteur des Leipziger Kunstblattes, des (ehem. Becker’schen) Taschenbuches für „Geselliges Vergnügen,“ gab verschiedene wissenschaftliche Werke heraus, wie z. B. Grundzüge der philosophischen Rechtslehre (1811). — Ueber die Hauptperioden der schönen Künste (1831) — und führte in Leipzig ein anerkannt kritisches Regiment.

Nach Göttingen ward er an die Universität als Professor der Philosophie berufen.

[S. 281]

I.

Leipzig, 30ten Okt. 1821.

Hochzuverehrender Freund.

Um Ihren theuern Brief auch zu meiner eigenen Befriedigung zu beantworten, will ich von meinen Sünden anfangen, deren er mich zeiht. Denn das Geständniß ist drückend, aber führt die Vergebung herbei.

Also das Register getrost angefangen: 1) ich habe mehrere Nachläßigkeiten in Ihrer Erzählung nicht abgeändert, die ich unter uns gesagt — bei Arnim gewiß geändert hätte, theils weil ich manche Nachläßigkeit in Ihrem Erzählen für eine grata negligentia hielt, und ich immer Sie selbst als mündlichen Erzähler vor mir hatte, dem man ja solche Nachläßigkeit so gern verzeiht, wo nicht gar als Tugend anrechnet; theils weil ich in der That noch nicht wußte, wie sensible Sie in dieser Beziehung seyn möchten. 2) Es sind viele garstige Druckfehler in Ihrer Erzählung stehen geblieben, was ich leider schon beim Vorlesen gefunden habe. Die Wahrheit: meine Geschäfte waren zur Zeit des Abdrucks so vielfach und drückend, daß ich die Revision meinem Famulus, einem übrigens geschickten und auch poetisch gebildeten Menschen übergeben mußte. Indessen sind die beiden angeführten Druckfehler doch nur die wichtigsten, und den einen „das flüchtige Werk des L.“ hätte ich wohl auch stehen lassen, weil man den individuellen Gegenstand im Sinne haben muss, um das Prädikat wahr oder falsch zu finden. 3) Ich habe die Anzeige von Solgers Erwin in der Leipziger Zeitung gemacht; das ist wahr, aber genügt ihnen nicht — mir vielleicht noch weniger; eben weil es fast nur Anzeige seyn konnte.

Die geistvollen Ansichten des Buchs erfordern in der That noch eine tiefere Würdigung, als ich damals geben konnte.[S. 282] Indessen bin ich doch davon überzeugt und Hegel, den ich neulich darüber gesprochen, theilte mit mir diese Meinung, daß diese Form des Gegenstandes nicht mehr dem Standpunkt der Wissenschaftlichkeit unsrer Zeit eignet. Ich, der ich selbst jetzt an der Aesthetik arbeite, weiß aber auch recht gut, daß Solger keine Vorgänger in der wissenschaftlichen Deduction des Schönen hatte.

Nach dieser Beichte wird die Absolution von Ihnen sehnlich begehrt, ja mit Zuversicht erwartet, und ich kann getrost zu den Andern fortgehen.

I. Die Novelle wird mit beiden Händen angenommen — aber nach Ihrer eigenen Bedingung als Ostern ganz fertig; — denn Sie glauben nicht, welche Verlegenheiten und Bedrängniß nicht blos der Componirende, sondern auch Redacteur und Verleger durch Verspätigung auszuhalten haben.

II. Wegen des Honorars habe ich besonders mit Herrn Richter gesprochen und ihm Ihren Brief richtig abgegeben.

III. Die vertraute Frage von wegen meines Redactions-Honorars wird vertraulich dahin beantwortet, daß mir der Verleger 300 Thlr. exclusive der Portoauslagen und meiner eigenen Beiträge zu zahlen hat.

Das Unannehmlichste bei einer solchen Redaction ist aber die dringende Pünktlichkeit im Correspondiren und Briefe beantworten. Sie glauben doch wohl nicht, wie viele Briefe mir jährlich das Büchlein zu schreiben macht, und in wie manche Verlegenheit es mich deshalb zuweilen setzt. Das es auch angenehme Correspondenzen herbeiführt, wie die gegenwärtige, ist freilich auch nicht zu läugnen, allein ich liebe das Mündliche doch mehr. Diese Bedingung werden Sie sich sehr zu vergegenwärtigen haben, bevor Sie ein solches Verhältniß eingehen. Für[S. 283] einen Mann wie Sie ist das Schaffen genügender und auch einträglicher, als das Redigiren.

IV. Müßte ich Ihnen fast von letzterm abrathen, so rathe ich Ihnen unbedingt von der dramaturgischen Zeitung ab. Aber Sie fordern ja nicht meinen Rath! — Allerdings, und es würde mir nichts Belehrender, nichts Lesenswerther seyn, als eine solche Zeitung von Ihnen. Aber ich nenne mich nun einmal Ihren Freund, ich will es seyn, und darum beschwöre ich Sie, um Ihrer eigenen Ruhe willen, den Gedanken fahren zu lassen. Ich habe bei der Herausgabe meines mit dem ersten Jahrgang geschlossenen Kunstblatts, zu welchem ich wegen Mangel an anfänglicher Unterstützung die große Hälfte selbst schreiben und zu bestimmter Zeit in die Druckerei liefern mußte, eine Erfahrung in dieser Art gemacht, die mich verpflichtet, Ihnen das Drückende der Sache ganz ins Bewusstseyn zu bringen. Sie haben jetzt in Ruhe gelebt und gedichtet, Sie sind der Unruhe nicht gewohnt, welche die Kritik der Dichter und Schauspieler in diesen papiernem Zeitalter hervorbringt, und vergeuden gewiß nicht gern an die Misère Ihre schöne Zeit, welche zu eigenem Schaffen förderlich seyn konnte. Ihre Dichtungen, Ihre vaterländischen Schauspiele, Ihr Werk über Hamlet fordert das Vaterland dringend von Ihnen; die dramaturgische Kritik hat mit dem Interesse an dem Theater abgenommen, das keine Kritik zu veranlassen fähig ist. Was ich aber hätte vorausstellen sollen, ist, daß ich nicht glaube, einen Verleger unter diesen Bedingungen zu finden. Auch Zimmermanns dramaturgische Blätter werden gewiß nicht lange fortgehen, weil, wie die Verleger sagen — „jedes Unterhaltungsblatt Theaterkritik gibt.“ Doch will ich mich noch umsehen.[S. 284] Für jetzt vergeben Sie wenigstens meiner zutraulichen Offenheit, wenn Sie die Ansicht nicht theilen können.

V. Kommen die Leipziger Lerchen beifolgend an, so gut meine Frau sie hat bekommen können; denn die Lerchenzeit ist bei uns fast schon vorbei. Sehen Sie dieselben als ein kleines Geschenk aus meiner Küche an, und laßen Sie sich dieselben wohl schmecken — versteht sich, wenn sie wohlbehalten nach Dresden kommen. Sagen Sie den Ihrigen, und vorzüglich der Frau Gräfin, der ich mich bestens zu empfehlen bitte, daß ich mich selbst gern an dem traulichen Tischchen sähe, an welchen ich mit ihnen geseßen.

VI. Hrn. Spohr werden Sie nun wohl gesprochen haben, den ich Ihnen mit einigen Zeilen zusendete. Dies bringt mich auf die Musik, und die Oper, über die Sie, wie mir kürzlich Jemand versichern wollte, nicht sehr schmeichelhaft denken sollen. Nächstens wird ein Band des bei Brockhaus herauskommenden Hermes erscheinen, dort finden Sie eine Recension von mir über 2 Werke von Castil-Blaze. Ueberschlagen Sie die zwei ersten Abschnitte derselben, die sich blos auf das Buch beziehen, und lesen Sie den dritten, mit der Absicht, mir Ihre Ansicht über den Gegenstand an der meinigen zu entwickeln, denn gern hätte ich längst mit Ihnen darüber ausführlich gesprochen.

Doch es ist Zeit zu schließen. Darum die Versicherung aufrichtiger Hochachtung und freundlicher Erinnerung von

Ihrem

ergebenen

A. Wendt.

II.

Leipzig, 29ten Juni 1822.

Ach wie gütig sind Sie, mein verehrter Freund! Zwei Briefe in einer Woche von Ihrer Hand, das ist unerhört! aber auch den herzlichsten Dank dafür. Hiermit sende ich Ihnen das Erste von dem Druck, und werde damit immer fortfahren. Wolfsberg musste Wolfsberg bleiben, da sein Name schon im ersten Bogen vorgekommen war, und ich Ihre Entscheidung später erhielt. Ich corrigire sorgfältig, und sollten Sie doch — kein Auge ist untrüglich — einen Fehler von Bedeutung finden, so schreiben Sie mir, und es kann allenfalls am Schlusse des Büchleins angezeigt werden. Dem Setzer habe ich den Auftrag gegeben, das Mscpt. zurückzubehalten, Sie können es dann wohl Ihrem Wunsche gemäß erhalten. Von Eulenböck aber waren nur einige Fetzen übrig. Ueber Esslair’s Tell werden Sie einen Aufsatz nächstens in der eleganten Zeitung finden, auch habe ich an das Morgenblatt Einiges über ihn gesendet. — Nun hab’ ich auch die Stich gesehen — eminentes mimisches Talent, aber unerträgliche Manier, geschraubter affectirter Ton, fatales Singen, und Coquetterie hinter Allem. Julie sehr ausgezeichnet — versteht sich, wenn man den Maaßstab des Gewöhnlichen anlegt. — Aber die Jungfrau hat fast misfallen wegen jenes affectirten Vortrags.

Dr. Löbel hat mich besucht und mich durch Nachricht von Ihrem Wohlseyn erfreut; es scheint Ihnen unbekannt gewesen zu seyn, daß er an Rüders Stelle zu Brockhaus gegangen ist. Ich werde mit Vergnügen seine nähere Bekanntschaft zu machen suchen.

Zu meinem großen Misvergnügen habe ich durch nähere Erkundigung bei Barth erfahren, daß das orthographische Mscpt. noch nicht an den Verfasser zurückgegangen ist. Letzterer[S. 286] bittet auch, auf ihn alle Schuld überzutragen, er habe dem Verf. ohnedies auf einen andern Antrag zu antworten, und wolle es bald, recht bald thun.

Von Hrn. Bernhardi habe ich seitdem nichts weiter gesehen und gehört. Ich will ihn auszuforschen suchen.

Heute sehe ich den Grafen Kalkreuth, mit welchem ich gestern Abend zusammen war, und Dr. Kralup hat mich auch schon besucht. Sie sehen also, wie oft und angenehm ich an Dresden erinnert werde. Doch erweckte es mir ein Lächeln, daß Sie in Ihrem letzten Briefe schrieben, ich hätte doch wieder hinüber nach Dresden kommen sollen, weil ich daraus sehe, daß Sie mich für einen leichten Vogel halten, der höchstens eines Eilwagens zu seinem Fluge bedarf. So leicht wird es mir nicht, den Ausflug nach Dresden zu machen — und doch mache ich ihn weit öfter als andere.

Nun — ein andermal! Und nächstens mehr von

Ihrem

treuverbundenen

A. Wendt.

III.

Leipzig, 27ten Juli 1822.

Geliebter und verehrter Freund.

Hiermit erhalten Sie den Rest des Abdrucks Ihrer Erzählung. Ich wurde durch einige unangenehme Arbeiten jeden Posttag gehindert, Ihnen denselben zuzusenden. Und nun lesen Sie Allen, die es verdienen, zur erbauenden Unterhaltung das geistreiche Werk, das ich nun recht durch und durch kenne, und immer mehr als ein Ganzes zu erkennen genöthigt worden bin, mit der humoristischen Salbung vor, die Ihnen[S. 287] so schön von der Lippe strömt, und trösten Sie die gute Gräfin nun reichlich dafür, daß ich ihr das Manuscript noch rauchend entführte, worüber Sie mir (im Vertrauen nicht ganz mit Unrecht) böse war. — In diesen Tagen machte mich Jemand zu meinem großen Leidwesen darauf aufmerksam, daß Ihre Untersuchungen über Shakspeare, welche alle Kenner Ihres Geistes so lange vermissen, vielleicht durch Aufschieben des Abschlusses oder Ihrer öffentlichen Mittheilung an Neuheit und Interesse verlieren können, wenn nehmlich Ihre Ansichten durch Dritte, die sich damit viel wissen, und denen Sie sich vielleicht in geistiger Mittheilung hingeben, ins Publikum kommen.

Die Veranlassung zu dieser Bemerkung ist, daß Brockhaus ein Werk über alle Schauspiele Shakspeares ni fallor von Franz Horn angekündigt hat, welches in 3 Bänden nächstens erscheinen soll. Voraus wahrscheinlich steht eine Probe, welche über Makbeth handelt, im litterarischen Conversationsblatt 159 No.

Jener Jemand nun behauptete gegen mich, was dort über den Einfluß der Lady Makbeth gesagt sey, sey, soviel er wisse, Ihre Ansicht. — Ob sie auch von Ihnen sey, das wäre nun die Frage, die ich nicht entscheiden will, aber Ihnen vorwerfe, um die Reflexion in sich zu erwecken, welche die Frucht zur Reife bringen können.

Man sagt mir, daß heute die Klebepflanze A. Wagner genannt cum diligentia (das was vorauszusehen, daß er es nicht bis zur Kühnheit des Eilwagens werde bringen können) angelangt sey. Der soll mir viel von Ihnen erzählen!

Ihr

A. Wendt.

[S. 288]

IV.

Leipzig, 29. Dec. 1822.

Theurer Freund!

Ein scharfes Rescript des Kirchenraths an unsere Universität, keine Weihnachts- oder Neujahrsferien zu machen, und die noch schärfere Kälte benimmt mir von neuem die Hoffnung, Sie in diesen Tagen zu besuchen, und an mein Herz zu drücken. Nun wird es wohl vor Ostern nicht möglich seyn, Sie zu sehen, wenn Sie nicht etwa den Entschluß fassen und sich in den Wagen setzen, wozu Sie von Ihren hiesigen Freunden herzlich eingeladen sind. Zu Ostern hoffe ich auch die mir versprochene Novelle wieder in Empfang zu nehmen.

Aber was sagen Sie zu Müllners Maliçe? In den Probeblättern der Hekate, ni fallor Nr. 2, las ich in schlechten Versen über unser Taschenbuch, daß die Reisenden aus dem Merkur in dem Taschenbuch angekommen wären, und wußte nicht, was das heißen sollte. Jetzt lese ich eine noch schlechtere Anzeige des Taschenbuchs in Müllners Literaturblatt, daß diejenigen, welche es interessiren könnte, nun die Novelle: die Reisenden, die sie früher im litterarischen Merkur hätten zerstückelt lesen müssen, hier beisammen fänden. Hätten Sie nicht Lust, dieses Beispiel gründlicher Kritik, die nicht einmal liest, was sie beurtheilen will, und sich ohne Noth eine so herabsehende Miene giebt, durch den litterarischen Merkur zu rügen? „Die Gemälde“ hat er bei seiner vorjährigen Anzeigen nicht einmal genannt.

Haben Sie denn zu einem Taschenbuch: die Rheinblüthen genannt, eine Erzählung gegeben? ich habe es gehört. Hier aber ist dieses Taschenbuch, so wie das Berliner, welches ich mir besonders habe kommen lassen, um Ihre schöne Novelle zu lesen, nicht gangbar. Sonach sind Sie in diesem Jahre an Novellen sehr fruchtbar gewesen.

[S. 289]

Aber was macht Shakespear, was Solgers Schriften, die Sie herausgeben? Brockhaus, der Verleger, ist heute zu ersten Male wieder eine Treppe herab in sein Comtoir gestiegen; er war tödlich krank. Wolf, in Berlin, der Schauspieler nehmlich, hat mir in diesen Tagen seine dramatischen Spiele zugeschickt, und ist ebenfalls wieder hergestellt. Seine Frau soll die Elisabeth in Kenilworth (eine neue Rolle für sie) trefflich darstellen.

Wagner läßt Sie grüßen, er hat nun auch den deutschen Theil des Fahrenkrügerschen Wörterbuches beendet. — Sonst gibt es in der Litteratur wenig Neues. Immermans dramatische Poesieen werden sehr gelobt; ich habe sie noch nicht gelesen. Ich bin sehr mit meiner Aesthetik und mit historisch-philosophischen Untersuchungen beschäftigt und lese dabei so viel — nehmlich Collegia — daß ich jetzt wenig zu anderm Lesen komme, und es daher gern hätte, wenn mich ein lieber theurer Freund zuweilen auf etwas aufmerksam machte, was ich nicht übersehen sollte. Doch so gut will es mir nicht werden; und hierbei fühle ich es wieder recht schmerzlich, daß wir 12 Meilen von einander getrennt sind, und trotz aller Eilposten immer noch Hindernisse genug vorhanden sind, diese Trennung aufzuheben. Mögen Sie dem Wiedersehn so sehnlich entgegensehen als ich, und mich unterdessen den Ihrigen bestens empfehlen.

Das Gedicht von Kleist für die Prof. Krug muß ich mir nun durch Briefpost leider ausbitten. Hoffentlich hat Richter nun ihre Wünsche erfüllt! Ich umarme Sie im Geist, und nenne mich stets

Ihren

treuergebenen

A. Wendt.

Ein heiteres Neujahr!!

[S. 290]

V.

Sonntags, den 8. Juni 23.

Mein verehrter Freund!

Sie haben mich durch Ihren Brief sehr getröstet und erquickt. Möge das heilende Bad von Töplitz Sie körperlich eben so erquicken. Sie werden nun durch solchen großen Zeitverlust in Arbeiten wieder sehr zurückgesetzt werden und unter mancherlei Unterbrechungen die Stunden einer regelmäßigen Badekur kaum abbrechen können, um die Pressen zu befriedigen, welche alle nach Ihrem Manuscripte schreien. Dieß bestimmt mich, aus wahrer Freundschaft und Besorglichkeit für Ihre neugewonnenen Kräfte, Sie für diesmal Ihres Versprechens zu entlassen, mit der Bitte, wenn es Ihnen möglich ist, wenigstens Herrn Brockhaus das gegebene Versprechen zu erfüllen. Ich habe letzterem als Freund versprechen müssen, ein Wort für ihn in dieser Hinsicht zu sprechen. Doch bleibt letzteres natürlich unter uns.

Gegenwärtige Zeilen bringt Ihnen der junge Schauspieler, den ich dem Herrn Geheimrath Könneritz empfohlen hatte, Herr Jerrmann. Er wird sich sehr freuen, Sie kennen zu lernen. Sie werden ihn gütig belehren und er wird dankbar Ihre Winke aufnehmen und sich sehr freuen, wenn er Sie etwas vorlesen hören kann. Von Eßlair wird er Ihnen manches zu sagen wissen; er ist wohl gewissermaßen sein Schüler gewesen. Was Sie über Wallenstein gesagt, über Otto von Wittelsbach, finde ich treffend. In Hinsicht des Dallner kann ich darum nicht ganz mit Ihnen übereinstimmen, weil ich den Charakter des Dallner für consequenter und wahrer gezeichnet halte, als Sie glauben, weshalb ich auch Ifflands Darstellung für gelungener halte. Die strenge Redlichkeit im Dienste erlaubt eine Härte gegen Angehörige, welche unbillig[S. 291] wird. Sieht der Handelnde, daß er zu weit gegangen, so bricht das alte verdrängte Gefühl wieder hervor. Die Geschäftsmaschine stockt beim Dalner, der Mensch macht seine Rechte wieder geltend, daher die rührende Weichheit des Gekränkten. In Leipzig gab ihn Eßlair von vornherein fast gebrechlich, da kam es freilich nicht zu Contrasten, bei welcher Lösung er sich als Künstler zeigen konnte. So in Leipzig. Vielleicht hat er sich in Dresden wieder mehr zusammengenommen, da seine Reise im vorigen Jahre durch einen großen Theil von Deutschland so wenige Spuren von lebhaftem Interesse an ihn und Anerkennung der Kritik zurück ließ. Gern wünschte ich Ihnen mitzutheilen, was ich über Eßlair geschrieben; aber ich besitze es wahrlich selbst nicht. Vielleicht finden Sie es in einem Dresdener Journalinstitut oder in der Königl. Bibliothek, welche auch Unterhaltungsblätter sammelt, nehmlich im Morgenblatt von 1822, Nr. 172 und 173 und 177 bis 178; über Dallner insbesondere Elegante Zeitung 127 bis 136, 1822.

Gestern las ich eine Recension des Romans von Dinoncourt, der ebenfalls den Cevennenkrieg zur Grundlage hat. Le Camisard par M. Dinoncourt auteur du serf du XV. siecle 123, T. I-IV Paris chez Lepetit. Die Recension des Romans steht in der hallischen Allgem. Litteratur-Zeitung 127 d. J. Dies zur Notiz.

Daß ich die Sache mit Herrn Richter abgeschlossen, werden Sie durch Zusendung des Geldes hoffentlich erfahren haben; und so werden Sie mich stets finden als Ihren

innig ergebenen und bereitwilligsten

F. A. Wendt.

[S. 292]

VI.

(Ohne Datum.)

Verehrter Herr und Freund!

Im Drange der Geschäfte benutze ich doch die Gelegenheit, die sich mir durch den aus Göttingen kommenden Herrn Sillig darbietet, um Ihnen durch diese wenigen Zeilen zu zeigen, wie gern ich Ihrer gedenke.

Ich sende Ihnen einen Aufsatz mit, den ich über Ihre kürzlich erschienene Novelle geschrieben. Ich lege demselben aber nicht den allergeringsten Werth bei und muß, um Ihre Nachsicht für denselben auszuwirken, noch insbesondere hinzufügen, daß derselbe ursprünglich von mir für die musikalische Zeitung bestimmt war. Diese wird meist von Musikern gelesen, in deren Hände sonst wenig Litteratur kommt. Da ich nun von diesen Ihre Novelle ganz besonders gekannt wünschte, so entschloß ich mich denselben das Wesentlichste davon mitzutheilen. Um aber nicht bloßer Referent zu seyn, erlaubte ich mir manchmal die Einrede. Nehmen Sie dieß mit freundlicher Nachsicht auf!

Ueber Krause’s Lage höre ich nicht viel Erfreuliches. Herr Sillig kann Ihnen mehr sagen. Mir hat er noch gar nicht geschrieben; er macht es darin, wie andere Leute, von denen man gern selbst nur ein Zeichen sieht und sich oft darnach sehnen muß.

Raupach war auf einige Tage hier; ich traf ihn beim Hofrath Küstner und fand ihn eben nicht anziehend. Anziehender soll seine Reise nach Italien seyn, die er eben edirt hat. Das hiesige Parterre brachte ihm bei der Vorstellung der großen Fürsten Chawansky ein nothgedrungenes Vivat, zu welchem die Schauspieler, welche herausgerufen wurden, gewissermaßen aufforderten. Jetzt ist die gespenstische Tarnow[S. 293] hier. Lauter fremde Geister! Nur mit Ihrem Besuche will es nicht mehr werden.

Hoffentlich liegt kein Hinderniß in Ihren Gesundheitsumständen. Aber was machen Sie? Dieß wünscht sehnlich zu wissen

Ihr

treuergebener

A. Wendt.

VII.

(Ohne Datum.)

Mein sehr theurer Freund!

Lange haben wir nichts von Ihnen gehört, und doch wünschen wir immer etwas von Ihnen zu hören, nehmlich etwas über Ihr künftiges Verhältniß zur Leipziger Bühne. Sobald wir nehmlich (d. h. vor allem ich und mein Schwager Wagner) erfuhren, daß die Dresdner königl. Intendanz der Schauspiele das Theater in Leipzig auf 3 Jahre übernommen habe, sobald war unser erster Gedanke — das gibt eine Aussicht, unsern Tieck öfter in Leipzig zu haben. Wir könnten und können uns nehmlich schwerlich denken, daß die königl. Intendanz einen Schauspieler, der zwar vielseitiges Talent und Routine in mehreren Rollenfächern zeigt, aber einer praktischen Totalanschauung, wie sie ein guter Regisseur noch mehr aber der artistische Leiter einer Bühne besitzen muß, völlig ermangelt, ich meine den Herrn Genast, dessen Frau noch dazu ein sehr mittelmäßiges Talent ist, das mit jedem Jahre den Theaterfreunden lästiger werden wird, wie man, sage ich, diesem einen Menschen die ganze Unternehmung in ästhetischer Hinsicht anvertrauen möchte. Und da wir eine obere Leitung für unentbehrlich hielten, so meinten wir, keinem andern[S. 294] werde sie übertragen werden, als Ihnen, und wir glaubens noch, obgleich wir nichts davon hören, mit Zuversicht, weil wir das Gute und Beste hoffen, und weil wir zugleich so egoistisch sind, es zu unserer Freude zu wünschen.

Da ich nun glaube, daß Sie bei der Einrichtung des neuen Theaters mitwirkend seyn werden, so thue ich noch eine andere Frage. Man wird einen Musikdirector für die Oper brauchen. Musikdirector Marschner, den Sie ja kennen und der auf das Engagement seiner Frau wohl nicht besteht, würde entschieden zu dieser Stelle tauglich und ich glaube auch geneigt seyn. Im Publikum und im Orchester hat er sich durch seine neuesten Compositionen und besonders durch den Vampyr viel Respect erworben und es würde der neuen Unternehmung sicher ein gutes Ansehn geben, wenn kein bloßer Routinier, wie es unser bisheriger Herr Präge war, sondern ein solcher Mann, an die Spitze des Orchesters gestellt würde. Ich rede allerdings hiermit nur von der Tüchtigkeit des Mannes, nicht von dem Charakter, den ich so genau nicht kenne; und ich erlaube mir diese Mittheilung auch nur aus wahrer Liebe zur Sache, ich wünschte aber wohl zu wissen, was Sie davon dächten und ob Sie Marschner empfehlen könnten.

Was nun meine eigne Angelegenheit anlangt, so sey dieß die erste Erinnerung an das mir gegebne, theure Versprechen eines poetischen Beitrags zu dem beabsichtigten Taschenbuche. Sie befinden sich wohl; innen und außen haben Sie schönes Wetter und die beste Stimmung, einen poetischen Schmetterling einzufangen. Ich würde weiter fortfahren im Gleichnisse, wenn ich nicht einen gewissen ironischen Blick von Ihnen im Geiste sähe. Darum nur die Bitte, mich auch diesmal nicht im Stiche zu lassen. Sie sind vom Geiste ausersehen, viel für mein Taschenbuch thun zu können, erstens durch eignen Willen, zweitens auch durch ein freundliches Zureden. Quandt schreibt nehmlich, daß Friedrich von Schlegel nach[S. 295] Dresden gekommen sey. Ich habe Ursache zu glauben, daß meine Einladung an ihn durch die lahmere Buchhändlergelegenheit entweder noch nicht in Wien an ihn gelangt sey, oder daß er aus irgend welchem Grunde die Antwort verschoben hat. Da findet sich nun gute Gelegenheit, der Sache gewiß zu werden; kurz ich sende eine zweite Aufforderung durch Ihre gütige Hand an ihn. Die Freundlichkeit, mit welcher Sie Fürsprecher unserer Unternehmung seyn werden, wird mich wieder zu Ihrem dankbaren Schuldner machen. Die Gesellschaft aber soll Sie beide, hoffe ich, nicht gereuen. —

Das Beste, was ich seit langer Zeit über Ihre Poesie gelesen habe, steht im Litteraturblatt im Morgenblatte Nr. 86, 1828, und ist, wenn ich nicht irre von W. Menzel, der mir auch für das Taschenbuch ein humoristisches kleines Drama senden wird. Es ist mir besonders aus der Seele geschrieben, was er von der Grazie sagt, welche Ihre Ironie begleitet. Ich werde nächstens auch Gelegenheit nehmen, mich über Ihre neusten Novellen auszusprechen.

Der Contrast trägt jetzt dazu mächtig bei, uns stets an Ihre Seite oder Ihrem Lesetische gegenüber zu denken. Es ist nehmlich eben ein junger Mann hier, Namens Kiesewetter, Sohn des berühmten Concertmeisters in Hannover, welcher agirend aus Clavigo, Romeo, Hamlet u. s. w. — vorliest. Er verändert die Stimme, die nicht ganz fehlerfrei ist, dreht die Augen nach oben, oder sieht die Damen schmachtend an; indessen hat er es trotz aller Bemühungen, die er sich in eigner Person gegeben, doch nicht so weit bringen können, die Kosten seines Aufenthalts zu decken. Ich zweifle übrigens nicht, daß er die Keckheit besitzt, nach Dresden zu gehen, und Sie selbst, den er an einigen Orten seinen Meister nennt, zu seinen Vorlesungen einzuladen.

Doch weg von solcher Carrikatur. Der rasche, durch einen Nervenschlag oder Schlagfluß herbeigeführte Tod unserer[S. 296] lieben, zarten und sinnigen Clodius hat uns sehr erschüttert und betrübt. Sie haben eine aufrichtige Verehrerin verloren; — zweimal habe ich derselben Ihre kleine Novelle das Fest zu Kenelworth vorgelesen, und ich hatte sie eben zu einer Vorlesung Ihres 15. November eingeladen, als ich nach wenigen Stunden die bestürzende Nachricht Ihres Scheidens erfahren musste.

Lieber! Empfehlen Sie mich den werthen Ihrigen und vergessen Sie nicht

Ihren

ergebensten Freund

A. Wendt,

(der nächstens einige Zeilen von Ihrer Hand in
Betreff der obigen Angelegenheit erwartet.)


Wiebeking, Charlotte von.

In der vom Sohne Max verfaßten ausführlichen Lebensbeschreibung unseres C. M. v. Weber lesen wir:

„Von allen Häusern, in denen er in München Eintritt gefunden, heimelte ihn keines so an, wie das des Baudirektor W., dessen origineller Geist ihn fesselte.“

Carl Maria selbst schreibt an Gottfried Weber: „Ein einziges Haus habe ich, in dem es mir recht wohl ist, bei dem bekannten Geheimerath W. Seine Tochter (Fanny) ist meine Schülerin, mit vielem Genie und großem Fleiße, so daß ich recht viel Freude an ihr habe; und die Mutter eine höchst liebenswürdige, gebildete Frau.“

Hier spricht diese Mutter von ihrer verstorbenen Fanny und sendet dem Lehrer der nun Verklärten durch seinen Freund Tieck Glückwünsche zu den Triumphen, die der Freischütz feiert.

München, den 28sten Dec. 1822.

Verehrter Freund!

Sie haben mich sehr glücklich durch Ihren freundschaftlichen Brief gemacht; wenn mein inniger Dank, den ich bey[S. 297] deßen Empfang empfand, ohne Tinte, Feder und Papier zu Ihnen hätte gelangen können, Sie würden ihn schon längst erhalten, und da seinen Freunden wohlgethan zu haben eine der höchsten menschlichen Freuden ist, vielleicht nicht ohne angenehme Empfindungen. Ihre Aeußerungen über den Werth unsrer verewigten unvergeßlichen Fanny, Ihre Theilnahme an unserm Verlust, hat mein schmerzlich geprüftes Mutterherz erhoben und erquickt! Sie können sich daher meine Empfindungen vorstellen, als ich Ihr früher an sie gerichtetes Gedicht in Ihrer vortrefflichen Sammlung fand! Die Verstorbene, so wie alle Glieder unsrer Familie, haben Ihrem lehrreichen Umgange sehr viel zu verdanken! Jene genußreichen Tage Ihres Hierseiens werden mir ewig unvergeßlich bleiben! Wäre ich König von Bayern, ich würde dem der Sachsen Ihren Besitz auf alle Weise streitig machen — so habe ich in meiner Ohnmacht die beglückende Erinnerung, die kein Monarch der Erde sich erkaufen kann, voraus.

Die Frage wäre aber, ob Sie das schöne Dresden mit dem sterilen München vertauschen möchten?

Als Ihre theuren Zeilen hier anlangten, waren wir, mein lieber Wiebeking und ich, auf einer Reise nach dem Bade Kißingen, und von da nach meiner Vaterstadt Gotha begriffen. Indeßen haben wir bey unsrer Zuhausekunft die Bekantschafft der beiden Herren Ueberbringer noch gemacht, und einige Mahle das Vergnügen gehabt, sie bey uns zu sehen. Daß Doktor Waagen von hier wieder abgereist, ist für unsre Familie ein großer Verlust; als begünstigter Verwandter von Ihnen war er mir, schon ehe ich ihn kannte, interessant; bey näherer Bekanntschaft wurde er mir und uns allen durch eigne Vorzüge werth. Mit ihm, der Sie eben so aufrichtig hochschäzt und dankbar verehrt, von Ihnen theuerster Freund uns zu unterhalten, gab uns gegenseitig wahren Genuß! Auch mit Ihrem schönen Familien-Kreise, Ihrer würdigen Gemahlin, Ihren geistvollen,[S. 298] liebenswürdigen Töchtern machte er uns durch seine Mittheilungen bekannt; daher bitte ich Sie, mich ihnen zu empfehlen. Insbesondere aber beruhigte und erfreute mich die Bestätigung, die er uns über die Befestigung Ihrer theuren Gesundheit gab. Wie unschätzbar ist dieses für jeden unentbehrliche Gut für die, welche so wie Sie Mit- und Nachwelt belehren, veredlen und erfreuen!

Von meinem l. Wiebeking, der seit den ersten Tagen des Monats September eine Reise nach Italien unternommen, kann ich Ihnen heute nichts sagen, als daß er sich sehr wohl in diesem schönen Lande befindet und wichtige Materialien zu seinem neuen architektonischen Werke dort einsammlet; sein lezter Brief war von Mailand, von wo er über die Schweiz zurückzukehren gedenkt. Meine Tochter Köhler hat sich Ihres freundlichen Andenkens sehr erfreuet und trägt mir viel Schönes an Sie auf; sie und ich haben in dem kleinen dreyjährigen Sohn unsrer verewigten Fanny, der ihr geistig und körperlich ähnlich zu werden verspricht, Trost und süße lohnende Beschäftigung. Schlichtegroll’s Tod haben Sie gewiß nicht ohne Theilnahme gelesen; er ward seiner Familie zu früh entrißen! seine gebeugte Wittwe und Kinder empfehlen sich Ihnen, besonders der Baurath, dem in London der Vorzug ward, Sie wiederzusehen.

Wenn Sie Carl Maria Weber sehen, so bitte ich Sie, ihn freundlich von mir zu grüßen. Ich habe den Triumpf dieses genialen Künstlers mit allen seinen Freunden gefeiert.

Ich schließe, indem ich Ihnen herzlich Lebewohl zurufe mit der Bitte, mich in Ihrem freundschaftlichen Andenken zu erhalten. Zeitlebens

Ihre

aufrichtig ergebene

Freundin

Charlotte von Wiebeking.


[S. 299]

Wiese, Sigismund.

Geb. am 27. December 1800 zu Kulm, gestorben im März 1864 zu Genthin.

Dr. Rudolph Koepke schreibt uns auf unsere bittende Anfrage über den sonderbaren Mann folgendes:

„W. studierte in Berlin Naturwissenschaften, arbeitete einige Zeit beim Oberbergamte, verließ den Dienst, um der Litteratur zu leben, trat seit 1833 als Dramen- und Romanen-Dichter auf: Hermann (1833.) — Theodor (1834.), Romane. — Drei Trauerspiele (1835.) — Drei Dramen (1836.), darunter: Paulus — Beethoven. — Friedrich, Roman (1836.) — Don Juan (1840.) — Moses (1844.) — Jesus (1844.), Dramen. — Das Trauerspiel Petrus — und manches Andere.

Mit bitterer Armuth kämpfend erhielt er durch Humboldt’s und Tieck’s Verwendung die sogenannte königl. Dichterpension von 300 Thlr. — Persönliche Verbindungen hatte er, außer der mit Tieck, keine von irgend welchem Einfluß, aber bei einigen angeregten Studenten hatte seine dunkle Mystik Eingang gefunden, und durch sie lernte ich mehrere seiner Sachen im Manuskripte kennen, bis ich (K.) später bei Tieck mit ihm zusammen traf. Es war ein Mann mit früh ergrautem Haar, eckig, scheu, sonderbar in Erscheinung und Wesen; schwerfällig und jäh in Rede und Ansicht. Man erkannte in ihm den Einsiedler als Mensch wie als Dichter; vielleicht erst: „verachtet — nun Verächter!“ — Auf dem Lande bei Potsdam, in Magdeburg, zuletzt in Genthin lebte er in tiefer Einsamkeit, ein Prophet und eine Stimme in der Wüste, deren Niemand achtete; freilich kaum zu verwundern, da er auf die Welt wirken wollte, die er nicht kannte!

Er war ohne Zweifel ein tiefes, aber dunkles und schweres Talent. Indem er der Poesie durch das Christenthum einen Halt geben, sie zum Ausdrucke desselben machen wollte, irrte er darin entschieden, wenn er glaubte Dogmen und Charaktere in ihrer biblischen Gestalt einführen zu müssen. Dadurch gerieth er in die Gefahr, die Einfachheit der biblischen Ueberlieferung zu stören, ohne der Poesie zu genügen, und so verdarb er’s mit beiden.

Ein Lyriker war er sicher nicht; sein Geburtstagsgedicht an Tieck ist herzlich schlecht; eine stolpernde Reimerei confuser Anspielungen &c.“ (K.)

Dasselbe müssen wir von den andern Versen bekennen, welche sich zwischen seinen Briefen befinden. Von letzteren, deren Masse unzählbar[S. 300] ist (in manchem Monat ein Dutzend), haben wir wenige ausgesucht, die etwa eine Uebersicht von seinem, — gar oft durch zweifelnden und verzweifelnden Mißmuth gestörten Verhältnisse zu Tieck geben.

I.

Berlin, d. 2ten Februar 28.

Wohlgeborener,
Hochgeehrter Herr Hofrath
.

Seit meiner letzten Zuschrift an Ew. Wohlgeboren verfloß abermals ein Monat, ohne daß ich mich der erbetenen Antwort erfreuen durfte. Im Ganzen sind nun die oft genannten Manuscripte fast ein Jahr in Ihren Händen; Sie bemerkten, daß sie mit Talent und Liebe verfaßt seien, und schwiegen die lange Zeit hindurch, schwiegen auf meine wiederholte dringende Bitte! Unerklärlich nach meinen Principien. Ein Mann, denk ich mir, mit Kraft und Liebe der Dramaturgie ergeben, von großem Einfluße auf Literatur und Kunst, wie er selbst wißen muß, ein berühmter Dichter, human — ein solcher, meine ich, unterrichte gern, wo er Talent wahrnahm, wo er aufrichtig, zutrauensvoll um Unterricht gebeten worden; sei auch der Kreis seiner Thätigkeit sehr groß, größer als ich ihn hier denken darf, ein Stündchen oder zwei — und so viele Monate! Wenn aber die Anerkennung dieses Talents zu früh geschah, bei näherer Würdigung nicht haltbar schien? Aber bat ich nicht um Kritik im Allgemeinen? zwei Worte hätten dann genügt, ich hätte Antwort. Doch ist jener Fall Voraussetzung schlechthin, denn weder ich weiß mich so isolirt mit meiner Weltanschauung, daß nicht, was mich ergriff und beschäftigte, auch Andere ergreifen müße, noch weiß ich, daß Ew. Wohlgeboren jene mathematische Begeisterung kennen, die nach äußeren Regeln empfindet, in Zahlen die Wege des Himmels berechnet und nur gelten läßt, was von solchem[S. 301] Krüppel seinen Ursprung nimmt. Das ist es ja eben, was mich bestimmte, bei Ew. Wohlgeboren Raths zu erholen, weil Sie das Maaß des tragisch Schönen nicht in einer Doctrin suchen und — doch hiervon wollt ich nicht sagen, sondern nur jene Prämiße rechtfertigen. Vielleicht waren Sie einmal in einer Lage, wie ich bei dieser Angelegenheit, vielleicht nicht, dann kann es Ihnen nach all’ den Zuschriften nicht schwer sein, sie zu denken, denken Sie an sie, und hierum bitt ich wieder.

Mit aufrichtiger Hochschätzung

Ew. Wohlgeboren

ergebenster

Wiese.

II.

Berlin, 6ten Jan. 1829.

Wohlgeborener,
Hochverehrter Herr Hofrath
.

Ich bin lange mit mir zu Rathe gegangen, ob ich diesen entscheidenden Schritt thun sollte und mehr die Aussicht, die sich mir in Ihnen, hochgeehrter Herr Hofrath, darzubieten schien, neben einer sichern Leitung meines Geistes auf ehrenwerthe Art in Correspondenz mit dem Publikum zu kommen, als mein eigner Wille hielt mich davon zurück: — nun aber erwog ich, daß meine Hoffnung doch wohl eitel gewesen, denn ihr gemäß behandelten mich Ew. Wohlgeboren keineswegs, so vielmehr, wie man etwa — — ich kann den Satz nicht ausschreiben, weil er mich verkleinernd schildern müßte. Bei Gott, meine Seele ist fern von Eigendünkel, aber mir geschieht Unrecht. Es widerstrebt mir, mehr davon zu sagen. Ich bitte demnach um gefällige Rücksendung der Ihnen mit freudiger Zuversicht übersendeten Manuscripte, weiß ich gleich nicht,[S. 302] auf was für Art ich bei meiner verbandlosen Stellung in der Welt jene äußerlichen Zwecke erreichen werde; aber ich bitte um Rücksendung der Manuscripte — auch floßen mir jene Worte fast ohne meinen Willen aus der Feder, und sollen Ew. Wohlgeboren durchaus nicht veranlaßen, aus irgend einem anderen Motiv für mich etwas zu thun, als — der Sache selbst wegen. Ich müßte ja an Gemüth, Phantasie, Urtheil, Ursprünglichkeit, Wahrheit verzweifeln, mich selbst der dummsten Thorheit zeihen, wenn ich auf jene Versuche nicht einiges Moment legte, bei deren Abfaßung ich mich erhoben, erschüttert, sicher unterscheidend schauend fühlte, wenn ich ihre ungeschminkte Wirkung auf Menschen von ganz verschiedener Art und Bildung mißkennete, die, wie vieles sie auch entgegnen mochten, darin übereinstimmten, daß sie ergriffen wurden, wenn ich bei partheiischer Vergleichung mit den dramatischen Schriftstellern unserer Zeit — partheiisch, weil Mißtraun in eigene Kräfte mich zu dieser Vergleichung bewegt — nicht einsähe, daß ich mich den beßeren vergleichen darf; ich müßte ungereimt empfinden, denken, wenn ich mich überzeugen sollte, ich hätte Ihnen das Hohle, Richtige dargeboten; — deßhalb darf ich wiederholen, daß mir Unrecht geschieht, und die eigene Ueberzeugung, ein redlich treues Streben, wesentlicher Eifer, vielleicht auch das gleiche Schicksal mehrerer zum Theil beßerer Köpfe, als ich bin, die meinen Weg gingen, werden mich trösten, wenn ich immer wieder auf mich zurückgedrängt in einen freien, fröhlichen Verkehr mit dem Publikum nicht treten darf.

Mit geziemender Hochachtung

Ew. Wohlgeboren

ganz ergebenster

S. Wiese.

[S. 303]

III.

Berlin, 12ten Jan. 1829.

Hochgeehrter Herr Hofrath.

Aufrichtigen Herzensdank für Ihre erfreulichen Zeilen; sie kamen zurecht und machten mich leicht. Das unbedingte Streben, wie sehr es sich erheben mag, erschlafft, sinkt ein, tief, tief ein, und wenn es auch von Neuem aufsteht, excentrisch ist sein Aufflug und sein Fall — es bedarf der Schranke, soll es menschlich sein und schön. Das Leben will Thaten, wie die Kunst Mitgenuß, Kritik. Glauben Sie nicht, verehrter Mann, ich wolle nun so einzig und ausschließlich von Ihnen behandelt sein — gewiß nicht! Ich erkenne im Allgemeinen meine Stellung wohl und weiß mich zu bescheiden; — aber wen ein unaussprechlicher Hang nach Einigkeit und Liebe, eine Reihe widerwärtiger Lebensumstände auf sich zurückgebracht, wer ergriffen von seinen Idealen und dem verneinenden Wesen der irdischen Dinge nach Darstellung seines Lebens ringt, wird der nicht um Theilnahme eifern müßen, daß er wieder eintrete in den verstandenen Kreis seiner Mitgeschöpfe, selbst verstanden nun? ich weiß nicht, ob ich mich deutlich ausdrücke, ich meine aber, den Verlust des Zusammenhangs mit dem Leben durch das Spiegelbild desselben wieder einzubringen, das mir die Gleichgesinnten befreundet, (deren Gemeinschaft mich dem wirklichen Leben retten muß,) das zu bilden mich ein Innerstes treibt, mich die Welt lockt.

So eben erhalte ich dieselben Dramen, die auch in Ihren Händen sind, von dem Herrn Grafen von Redern (interimistischen Generalintendanten der Königl. Schauspiele) mit einem Begleitungsschreiben zurück, des Inhalts: „so gedankenreich und ausdrucksvoll auch die Sprache in den Stücken quaest. wäre und wie schätzenswerth sie als dramatische Dichtungen[S. 304] auch stets erkannt werden müßten, so wären sie doch in dieser Gestalt nicht darstellbar.“ Ich glaubte: gerade dieß sei ihr Fehler nicht und wenn ich in anderer Hinsicht einigen itzt lebenden dramatischen Schriftstellern weichen müßte, meint’ ich, ihnen hierin überlegen zu sein. Ist auch die Handlung in Gustav Adolph nicht reißend, so geht sie doch lebhaft fort und eine oder zwei Scenen ausgenommen, ist stete Action auf der Bühne. In „die Freunde“ opferte ich sogar der heutigen Bühne viele sich hervordrängende Gedanken, die Darstellung ist fast melodramatisch geworden, um nur der raschen Zeit zu genügen, die nicht denken mag, nur schauen, schauen. „Die Rückkehr“ ist ausgeführter behandelt, aber rednerisch und erhoben, was die Zeit ja auch nicht ganz verschmäht; dabei ist der dritte Act rasch und treibend und ich zählete darauf, daß, würden beide Stücke an einem Abende (es sind ja auch fast wesentliche Seitenstücke) aufgeführt, so würde das ungeduldige Publicum sich doch einige vertiefende Ruhe des Geistes gefallen laßen. „Dichterliebe“ ist kurz und handelt ja durchaus! „Hugo und Elise“ freilich ist mehr Spiel der Laune und scheinet unsern Brettern fremder.

Ihr Urtheil, verehrter Herr Hofrath, mag entscheiden, wie fern diese Betrachtung richtig ist, denn ich bin freilich in technischen Bühnensachen nicht sonderlich erfahren. Der Herr Graf Redern setzt hinzu: „auf wie viele treffliche Dichtungen muß das Theater verzichten, eben weil sie nicht darstellbar sind.“ Freilich wohl! aber auf dem itzigen Wege werden wir nimmer dahin gelangen, sie dargestellt zu sehen, ja, wir werden dahin kommen, auch das itzt noch geduldete Gute verschmähet zu sehen, Schlachtroße werden von den Brettern wiehern, Vesuve donnern, einzig sie — — Thespis mag wieder seinen Karren packen und — vielleicht — nach America fliehn. Ich sehe die Nothwendigkeit nicht ein, weßwegen man der Willkühr einer verworrenen Zeit Thor und Thür[S. 305] öffnet. — Es mag aber alles in der Wirklichkeit anders sein, als ich mir’s denke. Sollten auch Sie aus Ueberzeugung oder Accomodation die übersendeten Dramen nicht aufführbar finden, so bitte ich abermals um Adresse an einen Buchhändler von Namen. Dichtungen, die itzt schon von manchem Kenner und, daß ich’s nur sage, von Ihnen mit Vergnügen gelesen wurden, verdienen, denk’ ich, einen größeren Kreis von Lesern, der bald auf sie aufmerksam gemacht würde. Dieß würde nicht geschehen, fürcht’ ich, wenn ich sie dem ersten, dem besten Verleger anböte, außerdem widert mir die Prostitution — ich bitte Ew. Wohlgeboren, berücksichtigen Sie diese inständige Bitte auch. Mein Gott! wenn ich bedenke, um was ich Sie nicht alles bitte und dafür — was biete ich Ihnen? aber noch glaub’ ich an uneigennützige Menschen. —

Mit herzlicher Hochachtung

Ew. Wohlgeboren

ganz ergebenster

S. Wiese.

IV.

Berlin, 16ten Juni 1829.

Hochverehrter Herr Hofrath.

Wenn mein Verhältniß zur Generalintendantur der hiesigen Königl. Schauspiele bis jetzt auch zu keinem sichtlichen Erfolg geführt hat, so brachte es mir doch wiederholt warme Anerkennung und heftigen Tadel ein; Sie hingehen bleiben theilnahmslos und kalt. Ich bitte also, meine Stücke, die ich Ihnen zutrauensvoll übersandt, an die Hofintendanz der Dresdner und Leipziger Bühnen geneigtest abgeben zu lassen[S. 306] mit dem Hinzufügen meiner Bitte, dieselben behufs der Bühnendarstellung prüfen zu wollen. So sind Sie der Mühe des Emballirens überhoben und — meiner auf gute Art los. Ich fühle die Bitterkeit und Rücksichtslosigkeit dieser Aeußerung, aber auch ihre Wahrheit, deßhalb bleibe sie denn stehen. Die &c. Hofintendanz wird mich gewiß schneller bescheiden, als ich es auf diesem unsäglich langweiligen Wege erwarten darf. Unter solcher Bedingung war meine Idee von einem persönlichen Verhältnisse zu Ihnen, worauf es mir bei meinem Verfahren hauptsächlich ankam, ein Traum. Wie hyperbolisch es hier klingen mag, doch drängt sich mir auch itzt der Gedanke auf, den ein alter Prophet wo sagt: „verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt.“

Aber mit treuer Liebe und Verehrung, die ich von je Ihren Werken gezollt

Ew. Wohlgeboren

ergebenster

S. Wiese.

V.

Berlin, 15ten Dec. 1829.

Wie kann ich sagen: Dank! da mein Inneres von Freude, Scham, Stolz glüht, ich muß Sie lieb haben, innigst lieb haben. Sie haben mein räthselhaftes Wesen so tief erkannt, daß ich Ihnen nur mit Schüchternheit nahen konnte. Und wie schreiben Sie mir — ach ich kann nicht sagen, wie das mein Herz getroffen. Solche Momente sind heilig, ewig! und wie mein Sehnen, Dringen immer auf Gott gerichtet ist, fühlte ich seine Nähe und schauderte. So hab’ ich denn Ihr Gemüth gewonnen und darf einen Mann ausdrücklich Freund nennen, den ich seit meinen Knabenjahren innig liebte[S. 307] und verehrte — doch jetzt ist das anders, persönlicher, kräftiger, näher. Erhalten Sie mir aber um Gotteswillen, erhalten Sie mir Ihre Liebe, ich habe so viele schmerzliche Erfahrungen gemacht, daß mein Gemüth immer wieder scheu zurückfliehen will, da es doch in aller Freude und Kraft sich hingegeben hat. Das Leben ist furchtbar, nur Liebe lehrt es tragen.

Die schöpferische Kraft des Genius, bei welchem Begeisterung gestaltendes Bewußtsein ist, ahn’ ich. Er schafft unvermittelt, ursprünglich, nothwendig, frei. In gänzlicher Vollendung, mein’ ich, hat er nie gelebt, oder die Poesie an sich hätte die Welt erlöst. Abfall muß sein, der Mensch ist nicht absolut. Das unmittelbarste Bewußtsein ist das poetischte, aber auch dieß kann nicht ganz fessellos sein. Was Sie Kunst heißen, scheint mir das Ideal der Poesie zu sein. Das anschauende Gemüth urtheilt: es giebt kein vollendet schönes Kunstwerk, nur Annäherung an daßelbe. Ich weiß nicht, mein verehrungswürdiger Lehrer, ob ich hierin nicht wesentlich mit Ihnen übereinstimme, die Abweichung könnte nur in meiner Annahme der Approximation bestehn, aber ich weiß nicht deutlich, ob Sie Selbst diese nicht auch anerkennen. — Das Naturell, welches ohne jenes stäte, ordnende und befassende Bewußtsein schafft, wenn es auch göttlich begabt wäre, es wird frech, unbändig sein, wie Natur; aber auch hier ist das Extrem unmöglich. Wer nun fühlt, wie ich, daß seine Gaben ausarten möchten, eben weil die Begeisterung, wann sie ihn überströmt, bis zum Wahnsinn taumelnd bewußtlos wird, ist gezwungen, wenn er das Schöne will, sich in der Conception durch die messende Vorstellung zu zügeln, bei der Ausführung aber, so viel er vermag, das Schwere fallen zu lassen und sich die schöne, alte Freiheit zu bewahren. Gegen das letztere fehlt’ ich oft. Reflexion sollte eigentlich gar nicht da sein, wo sie nicht durchaus individuell[S. 308] beseelt ist, doch ist sie da und wie vielleicht „die Rückkehr“ und „Freund und Geliebte“ Schillern zum besten gefallen hätten, gefallen sie Ihnen und — darf ich mich hier nennen — mir jetzt zum wenigsten. Sie haben die Freiheit meines Geistes bei der Ausführung schon durch Ihren früheren herrlichen Brief mehr geweckt, ich danke Ihnen viel. Zeugniß dafür seien zwei Werke, die ich nach der Zeit verfaßt und die ich Ihnen mit der herzlichen Bitte übersenden will, sie ganz nach Ihrer Muße zu lesen und mir, wie Sie pflegen, einige wahre Worte darüber zu sagen. Welch schaales, nüchternes Zeug, was mir von der hiesigen Intendantur zugesendet worden! Wie unsäglich erquickend die Wahrheit und Tiefe Ihres Urtheils! Nur Eines bät’ ich, wenn ich darf, ausgeführteren Tadel! ich weiß, es ist Mehreres tadelnswerth in meinen Versuchen, als Sie aussprechen, aber ich kann es nicht bestimmt nennen. Führen Sie mich mehr und mehr zum Bewußtsein, denn darin besteht ja die Weise unseres Verhältnisses, mein väterlicher Freund.

Was Sie mir im Einzelnen über meine Schriften sagen, unterschreib ich alles bis auf zwei Punkte. Der Schluß von „Beethoven“ dünkt mir befriedigend; es war still und ruhig in meiner Seele, als ich ihn schrieb. Die Transcendenz seiner Natur gestattet Beethoven keine Freude am Vergänglichen, aber die Muse sühnt ihn. Diese Sühne, unterstützt von der sittlichen Kraft, die ihn vor dem Schicksal eines Faust bewahrt — sollte sie nicht befriedigen? Aber ich glaube, es mag an der Darstellung liegen; ich will viel und — wie viel erreich’ ich?! — Dieß fühl’ ich wohl, ein dunkler Mensch schreitet hier wie das Grauen der Nacht durch die hellen, warmen, freundlichen Verhältnisse des Lebens, schreckt, peinigt, wie er gleich zum Ewigen will, aus dem er geboren, und lebt nur in furchtbarer Resignation, aber gesühnt doch, da — er ein Künstler ist. Meine Conception war so und sah[S. 309] ich das Stück im Weiten, scheint mir Manches erreicht, doch ist Darstellung und erste Anschauung himmelweit verschieden. Mein verehrter, geliebter Freund, was Sie mir Herzliches über dieß Stück sagen, hat mich erschüttert. — Noch einen Punkt wollt’ ich erwähnen. Mir scheint das Gefühl, was man von „Clothar und Sulamith“ hinweg nimmt, doch nicht Verdruß. Verdruß auch wohl, denn der Schluß erregte mir Pein und Schmerz, Graun aber empfand ich auch und — in der Liebe der beiden Menschen Erhebung; ist Liebe doch unvergänglich! — ich hätte noch viel zu sagen — auch über äußere Dinge, das Theater und einen dereinstigen Verlag — aber — darf ich ja nun öfter schreiben. Sie sind in mein Herz beschlossen und ich vertraue Ihnen innigst.

Wiese.


Witte, Karl.

Geb. am 1. Juli 1800 zu Lochau bei Halle. Kam 1822 als Extraordinarius zur juristischen Fakultät nach Breslau, wo er sehr bald eine Heimath fand und in verschiedensten Kreisen gelehrter, litterarisch-wirksamer, strebender, heiterer Genossen einen belebend-anregenden Mittelpunkt bildete. Poesie, Philologie, ästhetische Studien, trieb er neben seiner Berufswissenschaft, der Jurisprudenz. Er übersetzte Michel Angelo’s Sonette, dichtete selbsteigene, vertiefte sich in Dante’s Unergründlichkeit, schrieb treffende und eingehende Aufsätze über Kunstausstellungen und behielt immer noch Zeit übrig für geselligen Verkehr, den er mit Frohsinn, stets guter Laune und herzlicher Freundlichkeit zu schmücken wußte. Früh vermählt, wurde er sehr bald wieder Wittwer. Durch zweite Ehe zu vielen schlesischen Familien in verwandtschaftliche Beziehung getreten, rief ihn doch die Beförderung im Amte aus Schlesiens Hauptstadt gen Halle, wo er als K. Geheimerath seit geraumer Zeit lebt, lehrt, arbeitet — und immer noch seiner geliebten romanischen Poesie anhängt. Die rechtswissenschaftlichen Werke die er edirte, haben der Uebertragung von Dante’s lyrischen Gedichten, 2 Bde. (1842–43) — nicht im Wege gestanden.

[S. 310]

I.

Halle, 25. Mai 1840.

Verehrter Herr Hofrath!

Es geschieht mir so sehr selten, daß von mir Gedrucktes irgend sich eignete, Ihnen angeboten zu werden, daß ich die beifolgenden Bogen, die ein uns gemeinsam theures Land betreffen, schnell, wie sie als Aushängebogen ohne Inhaltsangabe u. s. w. mir gestern zugekommen sind, zusammenpacke, um einen Vorwand zu gewinnen, mich Ihnen wieder in’s Gedächtniß zu rufen. Daß ich wünschte, Sie könnten Sich entschließen, ein wenig von dieser Speise zu kosten, das kann ich freilich nicht läugnen; verzeihn Sie mir aber, wenn ich, um ihr einen etwas neapolitanischen Geschmack zu geben, ein Paar Flaschen Calabreser Wein (Diamante), den ich kürzlich aus Italien zum Geschenk erhielt, mit beipacke.

Noch habe ich ein Geständniß Ihnen abzulegen: Vor wenig Tagen habe ich einen, nun fast 11 Wochen alten, Knaben taufen, und ihm in der Taufe den Namen Ludwig beilegen lassen. Wollen Sie es, theurer Herr Hofrath, genehm halten, daß der Knabe, hoffentlich nach manchem Jahrzehend, sich stolz erinnere, daß er diesen Namen von dem Manne trägt, den noch manches kommende Geschlecht eben so innig verehren wird, wie ich es thue. Daß diese Bitte nicht minder die meiner Frau als die meinige ist, darf ich wol nicht erst aussprechen, da Sie ihre Gesinnung kennen.

Zum 31. Mai wäre ich dies Jahr, wo die Communication erleichtert ist, und der Tag auf einen Sonntag trifft, sehr gern nach Dresden gekommen, Ihnen mündlich meine Verehrung und meine Wünsche zu sagen, die beide gleich innig sind. Ich fühle indeß, wie Viele an diesem Tage Sie umgeben werden, die Ihnen näher stehn und denen mich beizuzählen mir nicht ziemt. —

[S. 311]

Meine Frau und ich, wir haben uns Ihres gütigen Andenkens, von dem Professor Erdmann uns berichtet, sehr gefreut. Die Erstere geht mit zweien der Kinder in den nächsten Tagen nach Kösen in das Bad. Hoffentlich führt noch der Sommer uns, oder doch Einen von uns nach Dresden.

Der gnädigen Gräfinn und Ihren Fräulein Töchtern empfehlen wir Beide uns angelegentlich, ich aber bin mit der innigsten, Ihnen wohlbekannten Verehrung

Ihr

ergebner

Karl Witte.

II.

Halle, 26. Dec. 1846.

Innigst verehrter Herr Geheimer Rath!

Zu einer Zeit, als ich kaum umgekehrt war von der Schwelle des Todes erquickten mich unbeschreiblich die theilnehmenden Grüße und Anfragen, welche Frau Professorin Solger von Ihnen meiner Frau überbrachte. Haben Sie dafür tausend herzlichen, wenn auch verspäteten, Dank. Allmälig ist denn die Krankheit nun ja mehr und mehr gewichen. Einige im Westen und Süden verbrachte Monate haben neue Kräfte gegeben, und als Zeichen, daß der Genesene nach seinen Vorlesungen und überhäuften Acten-Arbeiten auch noch zu andern Dingen rüstig ist, sende ich Ihnen beifolgendes, freilich ziemlich interesseloses Sendschreiben. Vielleicht indeß erinnern die Notizen über alte Ausgaben der göttlichen Komödie Sie an eine Episode einer Ihrer herrlichen Novellen.

Auf das Aeußerste erschreckte mich, als ich von Mailand zurückkehrte, die Nachricht von Ihrer bedenklichen Erkrankung. Zwar lauteten seitdem die Nachrichten Gottlob fortwährend[S. 312] günstiger, doch werde ich erst dann vollkommen beruhigt seyn, wenn ich sie durch die zum Feste nach Berlin gegangenen Freunde zu weiterem Guten bestätigt höre. Wie gerne wäre ich während dieser kurzen Ferienzeit selber nach Berlin geeilt, um mich persönlich von Ihrem Befinden zu überzeugen, wäre diese kalte Winterluft meiner noch immer leidenden Brust nicht allzu gefährlich und hätte nicht der ungewöhnliche Schnee mein sonst so beliebtes Communicationsmittel, die Eisenbahn, fast außer Thätigkeit gesetzt.

Meine Frau, die mich beauftragt, ihre wärmste Verehrung und Anhänglichkeit Ihnen auszudrücken, wie wir beide der Frau Gräfin uns angelegentlich empfehlen, ist schon seit ein Paar Jahren fast immer etwas leidend und der Gebrauch von Ems hat ihr dieses Jahr eher übel als gut gethan.

Möchten im neuen Jahre meine herzlichen Wünsche für Ihr Ergehn recht vollständig erfüllt werden, und möchten Sie Ihr theures Wohlwollen auch ferner Dem erhalten, der mit innigster Verehrung sich nennt

Ihren

Ihnen ganz ergebnen

Karl Witte.


Wolff, Pius Alexander.

Geb. 1782 zu Augsburg, gestorben 1828 zu Weimar.

Von Weimar, wo er zuerst das Theater unter Goethe’s Leitung betreten hatte; wo er, anfänglich mehr durch gesellige Bildung als durch sichtbaren Beruf, das Wohlwollen des Meisters gewann; wo er nach und nach sein Darstellungstalent entfaltete und jene unvergeßliche Epoche mit erleben und befördern helfen durfte, von welcher wir uns einmal zu schreiben erlaubt haben: „Jahrhunderte werden verrinnen; kommende Geschlechter werden die Tage in W. aufzeichnen, und auf den goldnen Blättern, die Göthe’s und Schillers Namen tragen, wird auch ihres Schülers und jungen Freundes gedacht werden.“ —

[S. 313]

Von Weimar kam er mit seiner Frau (Amalie Malcolmi) nach Berlin, um dort, allen Anfechtungen und plumpen Kabalen zum Trotz, die Ehrenstelle zu erringen und zu behaupten, welche Geist, Seele, edler Sinn, guter Geschmack, Humor, Fleiß, höchstes Streben einzunehmen verdienen. Es gelang ihm auf Kosten schwächlicher Gesundheit, die solchen Aufregungen unterliegen mußte. Mehrfache Reisen in mildere Klimate vermochten nicht mehr zu heilen. Sterbend kehrte er zurück; in kleinen Tagereisen brachte ihn die Frau bis Weimar.... und dort liegt er begraben. Eine Leier bezeichnet sein Grab.

Wo er begann, durfte er enden. Wo Schiller und Goethe ruhen, fand auch Er die Ruhe.

Er hat Mancherlei für die Bühne geschrieben. Sein altes Lustspiel Cäsario ist reich an komischen Situationen und eigenthümlichen Charakteren; es wirkt heute noch.

Die Parodie: „Der Hund des Aubri“ ist voll von prächtigen Scherzen. Eben so das Lustspiel: „Der Kammerdiener.“ — „Der Mann von Fünfzig Jahren“ darf für eine geistvoll dramatisirte Ausführung der Goethe’schen Idee gelten. — Dasjenige seiner Schauspiele, welches die größte Verbreitung gefunden, möchte die schwächste seiner Dichtungen sein. Doch bleibt ihr der unsterbliche Ruhm, daß ohne Preciosa die Welt C. M. Weber’s Musik entbehren würde; zu solcher Composition die Anregung gegeben zu haben, ist schon ein großes Verdienst.

I.

Berlin, d. 16ten Nov. 1820.

Mein hochverehrter vielgeliebter Freund!

Ich wage es, Ihnen diesen Titel zu geben und hoffe, daß Sie mir deßhalb nicht zürnen werden, denn warum hätten Sie mir während meines Aufenthalts in Dresden ein so schätzbares Wohlwollen gezeigt, mich Ihren lehrreichen Umgang so freundlich genießen laßen, die Aeußerungen meines Gemüths, das sich durch Ihren Geist und Ihre Persönlichkeit so sehr angezogen fühlte, so liebreich aufgenommen? Ich verdanke Ihnen die genußreichsten Stunden, die ich seit langer Zeit[S. 314] erlebt habe, in deren Erinnerung mir unauslöschliche herrliche Eindrücke bewahrt bleiben. Warum ist es mir nicht vergönnt, in Ihrer Nähe zu leben! wie freue ich mich darauf, Sie wiederzusehen, meine Darstellungen Ihrer Prüfung zu übergeben und Ihr Urtheil darüber zu empfangen; aber leider kann ich noch nicht sagen, wann. Die Einweihung des neuen Schauspielhauses ist noch immer unbestimmt, es war jetzt wieder davon die Rede, daß sie zum Carneval stattfinden dürfte, es ist aber in allen diesen Angelegenheiten kein rechter Ernst. Die Sache wird als ein Amusement angesehen und so behandelt; eröffnen wir zum Frühjahr die Bühne, so kann ich an keine Reise dencken vor dem Herbst; auf alle Fälle wird man zu Neujahr sehen und schließen können, wie es wird. Die Paar Wochen Ruhe in Dresden, wo ich Gelegenheit hatte, über unser Treiben und Thun hier etwas nachzudenken, haben meinen Mißmuth an dem hiesigen Theaterwesen nur vermehrt, und so wie ich die Sache gefunden habe, auch die Stimmung des Publikums, dem die Ohren noch von dem Gebrüll der †††† ausgeweitet sind; so könnte es wohl kommen, daß ich mich nach einem anderen Wirkungskreiß umsehe. Das Trauerspiel hat keine Aussicht aus dem jetzigen gedrückten Zustande herauszukommen, die Oper breitet sich immer mehr aus, und es mag wohl auch eine Folge der Trompeten und Pauken sein, daß man hier das Beste der Schauspielkunst in derben Lungenflügeln sucht. Auf Lebensgenuß muß man ganz verzichten, es ist kein Ruhepunkt in unserer Theatermaschine; von Vergangenem nie die Rede, eine ewige Sorge für den anderen Tag, so peitscht man das Leben vor sich her, als ob man es nicht erwarten könnte, damit zum Schluß zu kommen. — Verzeihen Sie, ich klage Ihnen über Dinge vor, die Ihnen vielleicht längst gleichgültig geworden sind, weil Sie einsahen, daß da keine Hülfe ist, wo man sie nicht anwenden kann oder darf.

[S. 315]

Das beste Theater in Deutschland ist jetzt in Ihrem Zimmer, an Ihrem runden Tische, bei 2 Lichtern, das dritte ist noch zu viel. Da ist Ensemble, Styl, Harmonie, Inspiration, Humor und Alles was wir nur wünschen können; dabei machen die Schauspieler dem Director keine Noth, und er hat ein dankbares Publicum. — An den König Johann habe ich noch nicht kommen können, obgleich ich bereits alles vorbereitet habe. Da ist noch so viel bestellte Arbeit, die ich erst vom Halse schaffen muß; ich habe indessen den Spieler von Iffland einstudieren müssen, und den Leuchtthurm in Scene gesetzt, der getheilten Beyfall fand; das ist zwar bei Allem in der Welt der Fall: aber ich meine hier, die Aeußerungen darüber waren getheilt. — Mit Ihrer Ansicht von dem Hamlets-Monolog kann ich mich noch immer nicht befreunden. Wenn seine Reflectionen nicht auf den Selbstmord gerichtet sind, wie erklären Sie die Worte: „Wer trüge Lasten und stöhnte unter Lebensmüh, wenn er sich selbst in Ruhstand setzen könnte &c.?“

Vorige Woche hatte ich Maria Stuart und Wallenstein, diese Woche: Kaufmann von Venedig, Ingurd und Lear; Sie können daraus sehen, wie ich den Congreß in Troppau zu benutzen verstehe, dabei fahre ich noch einen Tag in dieser Woche nach Potsdam und lasse dort die Sappho ins Wasser springen; die Armen sehnen sich lange darnach, etwas Aehnliches fällt dort das ganze Jahr nicht vor, als wenn sie ihre Katzen ersäufen.

Angeschlossen folgt denn auch das Schauspiel von Ihrem ergebensten Diener, es ist mit Gesang und Tanz, denn es ist in Berlin gedichtet. Halten Sie es würdig in dem geistreichen Kreise vorzutragen, der Sie umgiebt, so möge es mein Andenken auf eine freundliche Weise hervorrufen, und meine schönsten Grüße in die Mitte einer Versammlung bringen, deren ich mit Dankbarkeit und herzlicher Zuneigung gedenke. Das Manuscript bitte ich dann an den dortigen Theaterintendanten[S. 316] Herrn von Könneritz abzugeben, der für eine sächsische Preciosa zu sorgen für mich die Gefälligkeit haben wird.

Wie gern setzte ich diesen Brief fort, könnte ich mich überzeugen, daß meine Aeußerungen einiges Interesse für Sie haben dürften. Wie nützlich und erfreulich würde es mir sein, wenn ich in der Folge meine Zweifel dem Meister schriftlich mittheilen, und seinen Rath erbitten dürfte, doch darüber erwarte ich erst Erlaubniß. Ihre Zeit ist kostbar, sie sei Ihrer Erholung oder dem Ruhme der Nation ferner geweiht, ich habe Ihnen während meines Aufenthalts schon viel davon entwendet; aber das sage ich Ihnen von Herzen, daß mich dieser Raub recht glücklich macht. Es ist etwas Unschätzbares um die persönliche Bekanntschaft eines Dichters, den man durch seine Werke liebgewonnen; ich fange von vorn an Sie wieder zu lesen mit neuem doppelten Genusse. —

Für heute wie für immer bitte ich um Entschuldigung und Nachsicht, wenn meine Briefe abgerissen und verwirrt scheinen, dieß ist eine Folge meines métiers, es giebt der ruhigen Augenblicke so wenige, und man muß sich den Kopf auf so mancherlei Weise füllen. Die Ifflandsche Prosa muß auf der selben Stelle Platz nehmen, wo zuerst der Shakespear noch nicht weichen will, das macht denn manchmal Unordnung im Gehirn, und so muß ein tüchtiger Schauspieler wenn auch nicht verrückt, doch eigentlich immer ein wenig verwirrt erscheinen.

Ich bitte den Damen meine Verehrung zu bezeigen, und meine neuen Bekannte vielmal zu begrüßen; Ihnen mein lieber herrlicher Freund und Meister meine unwandelbare Ergebenheit und Hochachtung.

Wolff.

[S. 317]

II.

Herrn Dr. L. Tieck in Dresden.

In diesem Augenblick bin ich als Hamlet gestorben, und schreibe Ihnen verehrter theurer Freund und Meister diese Zeilen noch in des Prinzen von Dänemarks Kleidern. Es ist mir dieser Gruß, den ich Ihnen durch Herrn Hillebrand, der mehrere Jahre bey unserem Theater angestellt war, senden kann, eine Belohnung und große Freude. Er wird Ihnen von mir erzählen, und Sie meiner ewigen Liebe und Verehrung versichern. Wenn er von Ihnen den Schultheiß von Zalamea hören darf, gedenken Sie meiner! Der Frau Gräfin und allen den Ihrigen meine besten schönsten Grüße!

P. A. Wolff.

In Eile.

III.

Berlin, d. 5t. Dec. 1824.

Mit dem grösten Danke erkenne ich die freundschaftliche Theilnahme, die Sie mir in Ihren Briefen darlegen, innigst geliebter verehrter Freund, und glauben Sie mir, ich habe in Gedanken schon manche Lese- und Theaterprobe mit Ihnen durchgemacht, Hamlet und König Johann vor Ihnen dargestellt, und auch hin und wieder eine meiner Ansichten verfochten, die Sie nicht billigten. Aber nur in Gedanken! Es geht so schnell nicht mit einem Menschen, der durch Kontrakte gebunden ist. Wäre Graf Brühl hier, so würde sich Alles viel schneller lösen, aber der Geschäftsgang kehrt sich nicht an unsere poetischen Wünsche, und ich würde mir mit Ungestüm[S. 318] nur den Kopf einstoßen. — Der Gang der Sache ist folgender:

Meine Entlassung überlegt sich die General-Intendanz und trifft Maßregeln unsere Plätze auszufüllen, denn sie muß mit Vorschlägen damit an den Minister Fürst Wittgenstein gehen, sonst rückt die Sache gar nicht, und hat dieser die Sache untersucht, so geschieht dem König darüber der Vortrag. Umgehe ich Alles und schreibe an den König, was mir einen Monatsgehalt Strafe kostet, so geht mein Schreiben an den Grafen zurück, und beginnt den alten Weg. Indessen, wenn die Rückkehr des Grafen Brühl sich verzögert, so schreibe ich doch an den König, denn ich habe durch seine Abwesenheit eine Entschuldigung, da die interimistische Verwaltung sich nicht damit befassen will. — Obgleich mein Weggehen viel Aufsehn machen und mancher es mißbilligen wird, so zweifle ich nicht Entlassung zu erhalten, ich habe mir neuerdings einige Feinde gemacht, die bey unserem Abschiede kräftig mitwirken werden.

Glauben Sie nur, daß ich das Angenehme und Vortheilhafte unserer Lage in Dresden vollkommen einsehe. Daß ich den Nutzen für meine Kunst, der mir in Ihrer Nähe erwächst längst überlegt habe, daß es keiner Aufforderung bedarf, einem schönen poetischen heitern in jeder Hinsicht vielversprechenden Leben entgegenzugehen, und daß ich nichts versäumen werde, was dazu wirken kann, aber an Neujahr glaube ich nicht. Bedenken Sie nur ein so ungeheures Institut wie das hiesige Theater, und zwey Mitglieder, die so einstudirt sind wie wir. Indessen gerade bey solchen Gelegenheiten zeigt man Menschen, die man einmal aufgiebt, gern eine Art Geringschätzung, und so wäre es auch möglich, daß sich die General-Intendanz vor der Hand mit Gastrollen hilft, biß sie unsere Plätze besetzen kann, aber auch dazu muß sie Zeit zu Maßregeln haben.

Denken Sie sich meine Lage, der ich gerade jetzt in dieser[S. 319] Ungewißheit und mit Einem Beine im Bügel, mehr als je auftreten muß, und eine neue Rolle nach der anderen zu memoriren habe. Mir vergehen manchmal die Gedanken. Ein Paar hübsche neue komische Rollen habe ich in dieser Zeit geliefert, worüber Sie recht ordentlich lachen sollen, wenn ich sie Ihnen vorspiele. Es ist mitunter für den Künstler recht gut, wenn er von allen Seiten gedrängt, gepufft und gezwickt wird, die Funken leuchten um so heller, wenn es mit Gewalt Feuer geben muß.

Leben Sie wohl mein Freund, und wenn unsre Sache gut ausgeht, wollen wir dem alten Shakspear noch viel anhaben, und uns in mancher heiteren Stunde berathschlagen, wie wir unser Feuerwerk auf dem Dresdner Theater losbrennen. Es soll schon gut werden!

Tausend Empfehlungen von meiner Frau, und von uns beyden allen den Ihrigen.

Mit treuer Freundschaft

Ihr

P. A. Wolff.

IV.

Berlin, d. 16t. Jan. 1825.

Wenn ich so lange zögerte Ihnen wieder zu schreiben, mein theurer Freund, so war es, um meinen Unmuth zu bekämpfen, mit dem mich das endliche Resultat meiner Engagementsangelegenheit in Dresden erfüllte. Herr von Lüttichau wird Ihnen den Inhalt meines Briefes mitgetheilt haben, ich habe alle Unterhandlungen abbrechen müssen. Graf Brühl hat sich gleich nachdem er in Dresden von Herrn v. Lüttichau das Geheimniß erfahren, nach allem erkundigt, und von Seifersdorf aus noch einen Bericht an den König abgeschickt; ich[S. 320] habe diesen Bericht nach Empfang der abschlägigen Antwort vor mehreren Tagen gelesen. Ich kann nicht anders sagen, als daß der Graf, die Vortheile des ihm zur Verwaltung anvertrauten Instituts im Auge behaltend, sehr wohlwollend gegen mich gehandelt hat, er machte dem Könige den Vorschlag, unsere hiesige Existenz zu verbessern, oder uns die Entlassung zu gewähren. Gleich nach der Rückkehr des Grafen Brühl äußerte der König gegen ihn, daß er uns unter keiner Bedingung entlassen würde. Dieß wurde mir unter der Hand notifizirt, ich nahm aber darauf keine Rücksicht und betrieb mein Entlassungsgesuch, bis denn endlich die Cabinetsordre erschien, die in schmeichelhaften Ausdrücken uns den Abschied und jede Verbesserung verweigert.

Noch blieb mir übrig, mich zum zweitenmale an den König zu wenden, und ich machte bereits die erforderlichen Schritte, als mir angezeigt wurde, daß jedes neue Gesuch an die General-Intendanz übergeben würde, die mich nicht verabschieden dürfe, und ich mich der Ungnade des Königs aussetzen würde. Damit war die Sache abgemacht. Wollte ich mir meine hiesige Existenz nicht verderben, da ich mich auf keine Weise meiner Kontraktsverbindung erledigen konnte, so mußte ich mich ruhig verhalten. Es sollte mich wirklich recht schmerzlich bekümmern, wenn Sie glauben könnten, daß ich nicht mit der tiefsten Wehmuth von dem Gedanken scheide, mit Ihnen vereint zu leben und zu wirken; ich hatte mich mit dieser Hoffnung schon so vertraut gemacht, daß ich mit der bittersten Empfindung mein Luftschloß zusammenstürzen sah. Aber was konnte ich weiter thun? Die Bequemlichkeit des Dienstes in Dresden gegen den hiesigen alle Kräfte in Anspruch nehmenden, der Reitz der Natur in der schönen Umgebung Ihres Ortes, vor Allem aber die Gelegenheit mit Ihnen vereint ein tüchtiges, auf wahre Kunst gegründetes Theater, wie wir es bis jetzt nur in Gedanken hatten, in der Wirklichkeit[S. 321] zu bilden, sind zu lockende, zu wünschenswerthe Hoffnungen für mich gewesen, als daß ich den Schmerz über den Verlust aller dieser Aussichten so bald werde verwinden können. Habe ich je das Handwerk in meiner Kunst, das Pflichtmäßige in meinem Dienste gefühlt, so ist es jetzt in dieser Zeit des Unmuths, wo mir der Plan zu einem tüchtigen Kunstverein, das Bild eines angenehmen Künstlerlebens noch so nahe vor Augen liegt. Sie werden vollenden, was ich zu schaffen träumte, ich bin für Ihre großen Hoffnungen gestorben. Möchte ich mir bey dem Fehlschlagen meiner Wünsche nicht auch noch die Ungnade Ihres Hofes zugezogen haben, und mir doch wenigstens die Aussicht bleiben, vor Ihnen noch einmal mich als Künstler zu versuchen. —

Wenn Sie mir wieder schreiben, mein Freund, sagen Sie mir doch ein Wort über den jungen Menschen, der sich der Bühne widmen wollte, den jungen Convay[15], dessen Eltern mich mit ängstlichen Besuchen bestürmen.

Auch habe ich auf meiner Reise vergangenen Sommer ein Lustspiel entworfen, und in dieser Zeit, wo mir Zerstreuung nothwendig war, ausgearbeitet, das ich Ihnen mittheilen möchte. Geben Sie mir die Erlaubniß so sende ich es zuerst an Sie, und es gehe durch Ihre Hand an die Intendanz.

Leben Sie wohl mein Freund. Bin ich durch die Verhältnisse aus Ihrer Nähe auch auf’s Neue verbannt, so haben die glänzenden Aussichten, ob sie auch verschwunden, mein Herz und meinen Geist noch enger an Sie gefesselt, und ich verbleibe mit ewiger Anhänglichkeit

Ihr

treu ergebner

P. A. Wolff.


[S. 322]

X.

Königl. Kammermusikus in Berlin. — Wir unterdrücken den Namen des Mannes, dem wir zwar den Muth zutrauen, daß er frei vor seinen Kollegen vertrete, was er muthig gegen Ludwig Tieck ausgesprochen; dem wir jedoch eine ganze Schaar von Widersachern nicht auf den Hals hetzen wollen. Wir können ja, da er uns völlig fremd ist, gar nicht wissen, ob ihm nicht Verdrüßlichkeiten daraus erwüchsen? Dennoch durften Aeußerungen nicht unterschlagen werden, die so selbstständig, und für einen „Musiker vom Fach“ unerhört klingen, aber eben deshalb um so schätzbarer sind.

Berlin, den 7ten Juli 1841.

Zuerst, hochgeehrter Herr Hofrath, muß ich um Verzeihung bitten, daß ich nicht noch vor meiner Abreise erschien, aber das Gewitter verhinderte mein zeitiges Zurückkommen in die Stadt. Es erfüllte mich mit Unzufriedenheit und Unruhe, Sie nicht noch gesehen zu haben, und doppelt fühlte ich mich getroffen, da nach meiner Rückkunft mich Mad. K. mit den Worten empfing: Sie haben mir einen Brief mitgebracht! — wobei sie in jugendliche Verzückung gerieth.

Wir haben jetzt einen hohen Genuß durch die Darstellungen der Pasta. Sie hat einzelne Scenen aus Semiramis gegeben und den dritten Akt des Othello; — im königstädter Theater: Anna Bolena. Hier fand ich vorgeführt — nicht was man um sich sieht, noch sich vorstellen kann, — sondern eine Welt, erschaffen voll wahrer Empfindungen. Sie gab in einzelnen recitirten Worten die ganzen Verhältnisse, nicht nur subjectiv, vielmehr in Beziehung zu allen Uebrigen, unverkennbar kund. Das war so groß, daß man nicht allein erblickte z. B. Stolz — Verachtung — Mitleid u. s. w. in bestimmten Scenen;... nein, daß man überhaupt mächtig[S. 323] ergriffen fühlt und empfindet: was ist Stolz, was ist Mitleid, was ist Verachtung! Daß man es durch sie lernt!

Die Musiker vom Fach, und Andere so ihnen nachbeten und sich ein Ansehn geben möchten, sprechen nur von den „unreinen Tönen,“ und daß es „ihren Ohren weh thäte!“ — Oder sie betonen ihr Alter und ihren Bart!

Es ist wahr, sie singt zuweilen schneidend unrein; doch soll man sich zum Sklaven seines Ohres machen? Und die Höhe ist glockenrein, in voller Lieblichkeit und Fülle.

Auch hier erinnerte ich mich Ihrer Worte, daß die Berliner im Theater stets kritteln, einst auch ihren Fleck nicht anerkennen wollten. Die Kritik hat schon manchen Genuß verdorben. So viel ist gewiß: die Pasta ist die schönste Ruine, die jemals bewundert werden konnte.

Da eben ein bedeutender Bücherkatalog erschienen, bin ich so frei, Ihnen Hochgeehrtester denselben zu senden. Hoffentlich trifft er sie noch an, und ich denke Sie haben jetzt mehr Muße, dergleichen zu durchblättern, als in Sanssouci.

Ich lebe in der Hoffnung, Sie alsbald in Ihrer Vaterstadt zu sehen.

Ihr Sie hochverehrender

X. X.


Y..... von.

Dieser Brief eines jungen Kavallerie-Offiziers, den wir aus mehrfachen Gründen, ohne Bezeichnung seines Regimentes und dessen Standquartieres geben, verdient wohl zunächst um des Schreibers, wie um Tiecks Willen öffentlich bekannt zu werden.

Dann aber kann es, denken wir, auch gar nicht schaden, wenn solch’ psychologisch-wichtiges Bekenntniß einer gewissen Klasse vornehmthuender Personen, die über Verächtlichkeit der Roman-Lektüre, Alles in einen Topf werfend, naserümpfend dociren, unter ihre verehrlichen Nasen gerieben wird. Sie mögen daraus lernen, daß auch aus „Romanen“ gar viel zu lernen ist.... vorausgesetzt, daß Einer lernen will, und kann!

[S. 324]

... den 19ten Oktober 1831.

Verehrter Herr Hofrath.

Sie werden gütigst verzeihen, daß ein Unbekannter es wagt Ihnen einige Momente Ihrer kostbaren Zeit zu rauben und Sie mit diesem Schreiben zu belästigen, allein ich kann nicht anders, mein innerstes Gefühl treibt mich dazu. So eben nämlich lege ich das Buch aus der Hand, das mir in der letzten Zeit steter Begleiter gewesen und mir einen unendlichen Genuß verschaffend, mich so ergriffen hatte, daß ich die Stunden, die ich seiner Lectüre widmete, als die Hauptaugenblicke des Tages betrachtete. Gern riß ich mich von aller Gesellschaft los, zog mich auf mein Zimmer zurück, um ungestört dem William Lovell in den Verschlingungen seines wunderbaren Schicksales zu folgen. Haben Sie den größten, innigsten Dank, verehrtester Herr Hofrath, daß dieser Schatz nicht Manuscript blieb, sondern von Ihnen auf so schöne Weise an das Licht gestellt, die Gelegenheit darbot, daß jeder fühlende Mensch nicht allein hohen Genuß, sondern auch die tiefste Belehrung daraus zu ziehen vermochte. Welches Gefühl muß es gewesen sein, Schöpfer dieser Welt zu werden, denn anders als eine Welt, ein ganzes Universum, kann ich William Lovel, dieses Meisterstück, nicht nennen. Welchen Genuß muß es Ihnen gewährt haben, einen Stein des herrlichen Gebäudes in den andern zu fügen, bis es endlich sowohl zur staunenden Bewunderung Aller, als auch gewiß zur innigen Freude des Meisters in seiner hohen Vollendung dastand. Sollte mir der gütige Gott je die Freude schenken, Verfasser eines Werkes zu sein, das nur in einigen Punkten entfernt wagen dürfte, sich diesem an die Seite zu stellen, ich glaube, mir würde der Zweck meines Lebens großentheils erfüllt zu sein scheinen. Sie lächeln vielleicht, verehrtester Herr Hofrath, und meinen, daß ich etwas lovelisire, allein, was ich bis[S. 325] jetzt gesagt, mußte ich sagen, um meinen Gefühlen über den gehabten Genuß etwas freien Lauf zu lassen. Gehe ich aber zu einer näheren Definition über, was mich eigentlich so tief ergriffen, so ist es dies, daß Lovel’s sowohl, wie seiner Freunde Leben mir in mannigfacher Beziehung der Schlüssel zu meinem eignen geworden und ich Vieles nun in voller Klarheit sehe, was mir vordem düster, verhüllt und unentwirrbar erschien. Ganze Stellen, ja ganze Briefe sind geschrieben, als wenn ich Ihnen offenherzige Bekenntnisse gemacht, die Sie hernach dem Papier anvertraut hätten. Ich stehe jetzt im 24sten Jahre und kann nicht läugnen, daß grade wie Sie, verehrter Herr Hofrath, Lovel schildern, ich in manchen Punkten fühlte und noch fühle. Dies stete Treiben und Drängen nach etwas Ungewissem, noch nie Erhörtem, Wunderbarem bewegte so oft meine Brust und übergab mich tausend räthselhaften Gefühlen. Die Ueberzeugung, wie ich gedacht, habe noch nie ein Anderer gedacht, ich sei ein ganz besonderes, befähigtes Individuum, mir könne Niemand nachempfinden und nachfühlen, verfolgte mich überall. Ohnerachtet ich schon theilweise durch Erfahrung dahin kam, zu gewahren, daß viele Gedanken, die ich als eine mir nur ausschließlich zuertheilte Gabe betrachtete, doch auch schon in den Köpfen anderer Leute gewesen und nur mein Mangel an Menschenkenntniß mich dies nicht habe erkennen lassen, ohnerachtet ich mich mit dem Schwunge meiner himmelanstrebenden Gedanken alle Augenblicke ganz niedrig und dicht an der Erde kriechend entdeckte, ohnerachtet aller dieser Bemerkungen konnte ich mich doch eines gewissen Gefühles von Hochmuth nicht erwehren, indem ich andere Menschen mit mir verglich. Hierin wurde ich noch mehr dadurch bestärkt, daß zuweilen, wenn ich Ansichten über Gegenstände aussprach, die Leute mich nicht begreifen konnten und das fast für verrückt erklärten, was doch nur das natürliche Resultat meiner innersten Ideenfolge[S. 326] war. Dies betrübte mich aber sehr, namentlich bei jungen Leuten meines Alters, wo ich mich anschließen wollte und immer mißverstanden, nie einen eigentlichen Freund fand und gefunden habe. Ich dachte öfters an die Worte eines Dichters:

Ich kanns der Welt nicht nennen
Was meine Sehnsucht hegt.
Sie würde doch verkennen
Was niemals sie bewegt.
Drum berg’ ich meine Thränen
Und laß sie Niemand sehn,
Sie soll’n mich glücklich wähnen
Weil sie mich nicht verstehn.

Deßhalb ergriff ich auch die Rolle eines sogenannten amüsanten Menschen, zog über mein ganzes Wesen eine gewisse schimmernde Lustigkeit, tanzte leicht auf der Oberfläche des Lebens dahin und war Allen angenehm, indem ich Niemand in die Nothwendigkeit versetzte, viel oder tief zu denken, und zuweilen den Leuten das Zwergfell angenehm erschütterte, aber innerlich blieb Unruhe und Zweifel und Balders verwegner Drang den Vorhang, der uns ja überall dicht umgiebt, den Vorhang einer neuen uns geahnten Geisterwelt zu lüften. Wie schön ist der Charakter von Balder durchgeführt, wie wahr dieses dem jungen Menschen so eigne Anstemmen und Anspringen gegen die uns umgebende beengende Körperwelt, es ist wirklich zu schön. Doch ich hatte mir vorgenommen ganz ruhig zu bleiben, indem ich dies schriebe, aber wenn nun das Gelesene mir wieder vor die Seele tritt, mit dieser umfassenden Menschenkenntniß, dieser in der tiefsten Brust geschöpften Wahrheit, so erhebt sich mein Enthusiasmus immer von Neuem. Ich fahre in der Schilderung meines eignen Ichs fort, aber bloß um Ihnen, allverehrter Herr Hofrath, zu zeigen, wie mich Lovell in den innersten Fibern meines Wesens berühren und erschüttern mußte. Durch dieses[S. 327] Sinnen und Grübeln in stillen Stunden, wenn das Gelächter und Geräusch um mich her verhallt war, kam ich auf den gefährlichen Weg, welchen Sie Andrea Casino wandeln lassen, nämlich den, mit Menschen spielen zu wollen. Da ich von Kindheit an einen überwiegenden Hang zur Bühne hatte, auch da wo ich in Liebhabertheatern auftrat, nicht ohne einigen Beifall spielte, so fand ich den abgenutzten, aber doch wahren Vergleich des Menschenlebens mit einem großen Drama, ganz vortrefflich und beschloß meine Rolle recht con amore zu spielen. Dann ging ich hin, beobachtete die Menschen, lauerte ihnen ihre Schwächen ab, was ja oft so leicht ist, wußte sie zu gewinnen, sprach mit diesem über die ernsthaftesten, heiligsten Gegenstände, mit jenem im Augenblicke darauf über die frivolsten mit gleichem Feuer und gleicher Lebendigkeit, und fand mich dann der dunkelnde Abend in meiner Behausung, so dachte ich oft: was für ein Mensch bist du! wie hast du dein Wesen in der Gewalt! mit welcher Leichtigkeit springst du von einem Pol deines Seins zum andern! wie leicht kannst du dich in jede Rolle werfen! Ich verblendeter, eitler Thor, ich glaubte nun die wahre Lebensphilosophie gefunden zu haben, und bedachte nicht, daß während mir die Menschen als Spielbälle erschienen, ich vielleicht der in der Hand von hundert anderen war. Sonderbar erschien ich mir nie als Heuchler, denn in eine Rolle mit rechtem Eifer hineingegangen, währte es nicht lange, daß ich fühlte, was ich nur zu spielen beabsichtigte. Doch, verehrtester Herr Hofrath, wäre dies so fortgegangen ohne alle Gegenwirkung, ich befände mich jetzt schon da, wohin Andrea Casino in seinem 80sten Lebensjahre gelangt. Aber dies Gegengewicht war auch bei mir, worauf Sie im Lovel immer so überaus rührend und heilig hinweisen, die Erinnerung aus der Kindheit. Von einer frommen verständigen Mutter erzogen, war mir der Glaube an einen allgütigen, allliebenden Schöpfer so fest[S. 328] eingewurzelt, und hoffe ich zu Gott, wird es auch immer bleiben, daß wenn mich meine gute Mutter recht ernst und liebevoll darauf zurückführte, es nie seine große Wirkung verfehlte, und ich Tage und Monden hindurch jedes Forschen in den Hintergrund meiner Seele zurückdrängte. Dann erschien mir das Leben so unendlich einfach, alle Verhältnisse so leicht, trat mir aber wieder der Zweifel näher, dann thürmten sich Berge hinter mir, Berge vor mir und Beklommenheit, Angst, unendliche Angst zogen von Neuem in mein Herz. In diesem Zustande befand ich mich wieder in der letzten Zeit; ein älterer Kamerad der theilweise meine Gemüthsstimmung zu ahnden schien, schlug mir vor den Lovel zu lesen, ich las, ich las wieder immer von Neuem und — doch Herr Hofrath Ihnen wird aus meinem Schreiben klar geworden sein, wie er mich ergreifen mußte. Ich habe Predigten, Erbauungsbücher mit vieler Aufmerksamkeit gelesen, aber ganze Compendien über die Religion und ihre Theorieen konnten mir nicht soviel wahrhaften Nutzen bringen, wie Lovel es gethan. Zwar hat meine Eitelkeit den furchtbarsten Stoß erlitten, zwar liegt das ganze Gebäude meiner innern Selbstgefälligkeit, meines geistigen Anschauungsvermögens, meiner noch nie gedachten Gedanken, in Schutt und Trümmern, denn ich, der ich glaubte ein Original zu sein, finde mich in einem Buche wieder, daß verfaßt wurde, ehe ich das Licht der Welt erblickt hatte; von der isolirten Höhe, wohin mich mein irrer Wahn geführt, steige ich herab und sehe, daß ich ein ganz gewöhnlicher Mensch bin. Alle meine wunderbaren Gedanken, mein Forschen, Grübeln, alles ist schon einmal dagewesen und ich ausgezeichnetes Original bin nichts als eine schlechte Kopie, denn halten Sie mich nicht für anmaßend genug, verehrter Herr Hofrath, mich etwa Loveln oder einem der andern Erscheinungen in diesem Buche an die Seite stellen zu wollen; nein so hoch stehe ich gar nicht, nur in einigen Zügen gleiche[S. 329] ich ihnen und die dienen dazu, mich tief bis in das innerste Gemüth zu beschämen. O so aus seinem Himmel, seiner selbstgeschaffnen Welt der Einbildung und Selbstgefallsamkeit herausgestürzt zu werden ist hart, sehr hart, doch tröstet mich der Gedanke, daß es wenigstens durch Ihre, durch die Meisterhand des Genies geschah. Wie wahr sagen Sie vom Enthusiasmus, daß er nicht ein regelloses, zerstörendes Feuer, sondern eine durch den Verstand geläuterte, sanft erwärmende Flamme sein müsse. Nun ist mir auch klar geworden, was mich in Ihren Werken, Ihren Novellen anzog, eben dieser durch den Verstand gebändigte Enthusiasmus oder besser gesagt, diese durch den Verstand geregelte und gedämpfte Poesie und Phantasie. Doch ich fange an abzuschweifen und, allverehrter Herr Hofrath, Sie könnten auf den Gedanken kommen, daß ich einer jener Menschen bin, die, sobald sie mit einer ausgezeichneten Persönlichkeit, einem berühmten Schriftsteller in Berührung kommen, rasch alle ihre Verstandeskräfte zu concentriren suchen, sie künstlich zusammenschrauben, um nur auch recht geistreich in der Nähe dieser großen Geister zu erscheinen. Ich habe diese Bemerkung schon öfter im Leben gemacht, und hat es mich immer sehr unangenehm berührt, wenn die Menschen und namentlich Frauen in ganz gleichgültigen Aeußerungen ausgezeichneter Persönlichkeiten, immer einen tiefen Sinn zu finden suchten, um eben nur auch recht tief und gehaltvoll antworten zu können, und dann gewöhnlich irgend ein verschrobenes Gewächs geistiger Affektation zu Tage förderten. Nein Herr Hofrath, vor Ihrem umfassenden Geiste will ich nichts, gar nichts sein, mein Stolz ist durch William Lovel dahin geschwunden, und ich denke nur, zu welcher vollendeten Lebensanschauung Sie jetzt im späteren Alter gelangt sein müssen, da William Lovel als Produkt Ihrer jüngeren Jahre schon so ganz den Stempel der Vollendung trug. Doch zu lange habe ich Ihre Geduld ermüdet, verehrter[S. 330] Herr Hofrath, ich hoffe aber Sie werden die Absicht dieses Schreibens nicht verkennen, dem innige, tief gefühlte Dankbarkeit zum Grunde liegt. Eine ältere Dame, der ich davon sprach, daß ich Ihnen schreiben müßte, sagte: wer wird denn einen ganz fremden Menschen so au fait von seinen Gefühlen setzen? sein sie nicht zu offenherzig; der Schriftsteller ist, wenn er schreibt, ein Anderer, als im gewöhnlichen Leben. Doch ich habe mich nicht abschrecken lassen, ich bin überzeugt, Sie nehmen den Zoll meines Dankes, den ich Ihnen mit aller Offenheit einer jugendlichen Brust darbringe, freundlich und nachsichtig auf und verzeihen mir meine Kühnheit, die die Veranlassung wurde, daß Sie sich einige Augenblicke mit einer so unbedeutenden Persönlichkeit wie der meinigen beschäftigen mußten.

Mit der allerausgezeichnetesten Hochachtung

von Y.....,

Lieutenant im .......... Regiment.


Zedlitz, Josef Christian, Freiherr von.

Geb. am 28. Februar 1790 zu Johannisberg in österreichisch Schlesien, — aus dem alten Geschlechte der Z. von Nimmersatt, deren Stammburg noch zu sehen ist auf dem Wege von Hirschberg nach Bolkenhayn, — gestorben in Wien 1862.

Todtenkränze (1827.) — Lyrische Gedichte (1832.) — Dramatische Werke, 4 Bde. (1830–36.), darunter: Turturell — Zwei Tage zu Valladolid — Kerker und Krone. — (Den Lope de Vega’schen Stern von Sevilla, den Malsburg nur aus der Umarbeitung des Trigueros übersetzte, weil das Original fehlte, versuchte Z., auf jenes spanischen Umarbeiters Andeutungen fußend, der ursprünglichen Dichtung gemäß wieder herzustellen, und zwei weggestrichene Akte zu ergänzen.) — Waldfräulein (1843.) — Soldatenbüchlein, 2 H. (1849.) — Altnordische Bilder, 2 Th. (1850.) — Byrons Child Harold übertrug er sehr frei. — Seine Soldatenlieder (1848–49.) — haben ihn zum Liebling des tapferen österreichischen Heeres gemacht.

[S. 331]

Wien, d. 17. Decemb. 1833.

Hochverehrter Herr!

Ich übersende durch Madame Brede der Hoftheater-Direction meine neuste dramatische Arbeit „Kerker und Krone.“ Ich kann das Stück nicht an seine Bestimmung abgehen lassen, ohne der wohlwollenden Gesinnungen gedenk zu seyn, mit denen Sie, wie ich erfuhr, die Aufführung meiner Bearbeitung des Sterns von Sevilla vielfach mit Rath und That unterstützten. Wenn auch das Interesse, das Sie dem Stücke zuzuwenden die Güte hatten, zunächst nur dem großen Erfinder, und nicht mir, seinem schwachen Nachbildner gelten konnte, so wird meine Verpflichtung dadurch nicht geringer, und endlich bin ich froh, dabei zugleich Gelegenheit zu finden, dem Meister, der durch Lehre und Beispiel vor Allen fruchtbringend gewesen, die Hochachtung und Verehrung ausdrücken zu können, die ich für ihn hege. — Ich bin im Stoffe meines Schauspiels zufällig mit Raupach zusammen getroffen, indeß ist die Behandlung desselben so durchaus verschieden, daß unsere Stücke, außer der historischen Grundlage durchaus nichts Aehnliches haben. Raupach’s Arbeit schließt sich unmittelbar an das Göthe’sche Stück an, und sucht eine genaue Fortsetzung desselben zu bilden. Ich hatte nie den Muth, etwas dergleichen zu versuchen, und mochte mich auch nicht entfernt dem Nachtheile aussetzen, dem eine solche gewagte Annäherung niemals wird entgehen können. Wenn daher Raupach’s Stück mehr die Verhältnisse Tasso’s zum Hofe zu Ferrara nach der gegebenen Grundlage Göthe’s fortzuspinnen sucht, so kommen dieselben in meinem Stücke nur insoweit zur Sprache, als sie nicht umgangen werden konnten, und die Aufgabe die ich mir gestellt habe, war vorzüglich die, zu zeigen, wie eine wahre, hohe Dichternatur siegreich[S. 332] aus jedem Kampfe mit den äußern Verhältnissen hervorgehe, und wie drückend diese immer erscheinen mögen, das Genie in sich selbst Halt genug finde, ihrer Herr zu werden. Ich bin mir durchaus keiner noch so entfernten, fremden Einwirkung bewußt, und wenn bei anderen früheren Arbeiten mir mehr oder weniger Muster vorschwebten, die nicht ohne Einfluß auf dieselben blieben, so ist diese durchaus aus meinem innersten Wesen hervorgegangen, und in dieser Beziehung mag sie wohl ziemlich Alles enthalten, was ich zu leisten vermag. —

Vielleicht ist es mir möglich im nächsten Jahre nach Dresden zu kommen, und mich Ihnen persönlich vorzustellen, ein Wunsch, der schon seit Jahren zu meinen liebsten gehört. Als Sie zuletzt in Wien waren, war ich leider auf meinem sehr entfernten Gute in Ungarn, und die flüchtige Begegnung, der ich mich vor vielen Jahren bey meiner Durchreise durch Dresden zu erfreuen hatte, und die wohl schon zu fern liegt, als daß Sie sich derselben noch erinnern sollten, hat mich nur seither inniger nach dem Glücke verlangen gemacht, einmal einige Zeit in Ihrer Nähe zubringen zu können. Möge kein ungünstiger Zufall die Erfüllung dieses Wunsches allzusehr hinausschieben, und mir bald die Freude zu Theil werden, Ihnen mündlich sagen zu können, wie hoch ich Sie verehre, und mit welcher Bewunderung und Liebe ich bin

Ihr

innigstergebner Diener

Zedlitz.


[S. 333]

Zieten, Karl Friedrich Daniel von (genannt Liberati).

Geboren am 5. Januar 1784 zu Neubrandenburg in Mecklenburg, gestorben 1844 zu Berlin.

Die Familie Z. theilte sich von Alters her in zwei Linien; die eine: Dechtow (die sogenannte schwarze, jetzt Graf Z.), und die andere: Brunne-Wustrau-Wildberg (die sogenannte blonde). Letztere zweigte sich früher schon in drei Aeste ab. Wustrau ist ausgestorben mit dem Sohne des „alten Zieten“ aus Friedrichs des Zweiten Zeit.

Liberati’s Vater gehörte zur Brunner Linie, welche mit Wildberg noch in Lehnsverband steht. Er war verheirathet mit Johanna Bertha von Niesemeuschel aus Schlesien, war Lieutenant bei Zieten-Husaren, zog dann nach Mecklenburg, hielt ein bedeutendes Vermögen nicht zu Rathe, nahm späterhin Würtembergische Dienste und starb 1812 in Stuttgart als Obrist und Chef des Ehren-Invaliden-Bataillons. Er hinterließ zwei Söhne, deren ältester unser Z. Liberati.

Dieser ist anfänglich in preußischen Diensten, entweder beim Regiment Kunheym- oder auch bei Zieten-Husaren (?) gewesen, ist nach 1806 Mecklenburgischer Forstmeister, dann Schauspieler, 1813 wiederum Soldat, 1814/15 wiederum Schauspieler geworden, und hat sich mit Ulrike Prinzessin von Nassau, die er in Wiesbaden kennen lernte, vermählt. Selbige Ehe ist, weil der Prinzessin Vater sie desavouirte, bald wieder aufgelöst, ihm jedoch von der geschiedenen Gemahlin, nach deren Tode von ihren Erben, Pension gezahlt worden. Eine Zeitlang führte er mit Feige das Cassel’sche Theater, schied aber 1816 aus der Direktion und spielte nur als Ehrenmitglied, ohne Gage.

Nachdem Küstner das Leipziger Theater in Blüthe gebracht, fungirte Liberati als Regisseur und Schauspieler daselbst. Aus dieser Epoche, in welche seine Bestrebungen fallen, Shakspeare und Holberg auf deutschen Bühnen heimisch zu machen, stammen auch die Briefe an Tieck.

Er schloß das zweite Ehebündniß mit einer sehr hübschen Frau, die ihn nicht glücklich machte. Ueber seine Schicksale vom Zerfall des Leipziger Theaters bis in die dreißiger Jahre konnten wir nichts Näheres in Erfahrung bringen. Sicher ist, daß er um 1837 Mitdirektor der für Danzig, Elbing, Tilsit &c. konzessionirten Schauspieltruppe war. Diese Existenz drückte ihn, und sein häusliches Verhältniß erhob ihn nicht. Sobald 1839 sein Bruder gestorben und ihm wieder einiges Geld zugefallen war, benützte er diese Hilfe, sich vom Theaterwesen gänzlich loszureißen, und begab sich nach Berlin, wo er frühere mechanische und[S. 334] technische Studien praktisch zu verwerthen gedachte. Sein letztes Erzeugniß litterarischer Thätigkeit gilt nicht mehr Shakspeare’s Einbürgerung, sondern der Seidenraupenzucht. Die kleinen Reste aus mehrfachen Schiffbrüchen geretteten Vermögens wurden nach und nach verexperimentirt — und er entsagte dem Leben. Ein genialer, vielbegabter, durch Herzensgüte und Geist gleich ausgezeichneter Mensch ist in ihm untergegangen. —

Und so beschließt den langen Reigen wechselnder Gestalten, die in diesen Büchern an uns vorüber zogen, ein Mann der den Namen eines Helden aus dem siebenjährigen Kriege führt; des Krieges von dessen heroischen Nachklängen Ludwig Tieck’s bürgerlich-treu-preußisches Vaterhaus wiederhallte, mit denen das Kind aufwuchs. — Ein Mann, den poetisch-dunkler Drang auf die Bretter führte; nach welchen Tieck der Jüngling sich schwärmerisch gesehnt; — ein Mann, der sich in Shakspeare’s Herrlichkeit versenkte, und manche jener ewigen Schöpfungen glücklich darstellte; — ein Mann endlich, der kein Glück in Ausübung der Kunst, keinen Frieden im Streben, keine Ruhe auf Erden fand, der Ruhe in der Erde gesucht hat, Frieden im Jenseits!

I.

Leipzig, den 28sten März 1823.

Verehrter Herr Doktor!

Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie brieflich belästige — verzeihen Sie mir es um so mehr, als Sie vielleicht durch die Nichtbeantwortung meines früheren Schreibens, worin ich Sie um Ihr gütiges Urtheil über meine Uebersetzung und Bühneneinrichtung des König Lear bat, mir andeuten wollten: daß ich Sie künftig mit ähnlichen Bitten verschonen möge? Es schmerzt mich indeß zu tief, von dem einzigen Kopfe, der den Geist Shakspears ganz ergründete, auch nicht die kleinste Belehrung darüber erhalten zu sollen: ob ich in meinen Bestrebungen, den größten dramatischen Dichter auf die jetzige Bühne zu bringen, irre, oder recht gehe? Daß Sie mir wenigstens nicht zürnen werden, wenn ich den[S. 335] Versuch einer ähnlichen Bitte, wie die mir früher nicht erfüllte, von neuem wage.

Sie erhalten durch meinen Freund Winkler hier Shakspears What you will, von mir für die Darstellung eingerichtet, und im Anfang zugleich nach eigner Ansicht umgeformt. Das: Warum? dieser Umformung ist vielleicht eine Kühnheit, die zu tadeln ist — doch geschah es nicht aus bloßer Laune, und um das Publikum mit einem Erzeugniß meiner Fantasie bekannt zu machen; sondern aus der Absicht: den Zuschauer allmählich auf den höchst originellen Boden zu führen, auf welchem das ganze Stück steht. Sie werden ohne Mühe erkennen, was mein, und was aus Shakspear genommen ist? mögte das Erstere Ihnen wenigstens mein Bestreben andeuten, in der Art des großen Dichters darstellen zu wollen, ohne die Charakteristik seiner poetischen Menschennaturen zu verlöschen. Könnten Sie sich entschließen, verehrter Herr Doktor, meine Arbeit mit ruhigem Sinne durchzulesen, und mir Ihr Urtheil über dieselbe, ohne alle Rücksicht unumwunden mitzutheilen, so würden Sie dadurch eine Blume auf den Weg meines Künstlerlebens streuen, die mir nie verwelken kann.

Der leider ganz versinkenden Schauspielkunst durch würdige Aufgaben die Möglichkeit einer neuen Erhebung zu bewirken, ist mein Zweck in allem, was ich mit der Feder für die Bühne thue — und frey von jedem Eigendünkel, muß ich dabey die Belehrung des Mannes — der endlich seine Stimme erhob, und der Bühne unverholen sagt: was sie ist und was sie seyn sollte, was außer ihr heut zu Tage Niemand mehr weiß noch sagen kann — suchen, und sollte ich sie finden, jede seiner Andeutungen, gleich den Worten eines Propheten, beherzigen.

Gleichfalls zur Erreichung meines oben angegebenen Zweckes habe ich zwey Holbergische Lustspiele: der Geschäftige[S. 336] und der geschwätzige Barbier, für die Darstellung bearbeitet, und dem Herrn Geheimen Rath von Könneritz Abschriften davon zur gefälligen Prüfung eingesandt. Der Barbier ist fast ganz der Urgestalt gleich, und nur mit Weglassung desjenigen, was dem heutigen nicht reinen Publikum unrein erscheinen dürfte, von mir nach Hamburg gesandt worden — dort so gegeben und völlig durchgefallen. Daß dies am Stücke nicht liegt, darf ich Ihnen nicht sagen — wohl aber ist es ein Beweis, daß wir keine Schauspieler mehr haben, die einen Holbergschen Charakter darstellen können! Die Ueberzeugung hievon hat mich nun vermocht, dem Lustspiele jezt durch Abkürzungen und Hinzufügungen eigner Ideen, eine den Darsteller des Gert mehr unterstützende Gestalt zu geben; und bin ich nicht aus dem Charakter gewichen? so glaube ich fast, daß Gert Westphaler jezt auf der Bühne von Wirkung seyn dürfte.

Ich habe Herrn von Könneritz gebeten, über meine Arbeiten Ihre Meinung zu hören. Möchten Sie die Güte für mich haben, auch mir diese unverhohlen mitzutheilen.

Zwar kann ich kaum glauben, Ihnen, verehrter Herr Doktor, durch wesentliche Gegendienste das Glück je vergelten zu können, was Sie mir gewähren, wenn Sie mich Ihrer Belehrungen würdigen, denn ich fühle meine Unbedeutendheit zu sehr in allem, wodurch ein Geist wie der Ihrige erfreut werden könnte! Doch will ich Ihnen wenigstens das Einzige nennen, wodurch Sie selbst sich vielleicht durch mich etwas Angenehmes bewirken können.

Ihres Neffen Aufenthalt hier in Leipzig, so wie sein innerer und äußerer Zustand, ist Ihnen ohne Zweifel bekannt. Wilhelms Vormund, Baron von Fouqué, hat mich mit dem Auftrage beehrt: den Wandel des sich oft verirrenden jungen Mannes durch Rath und That zum Guten zu leiten, so viel es in meinen Kräften steht; und ich habe die Erfüllung dieses[S. 337] ehrenden Auftrages als heilige Pflicht übernommen. Ist es für Sie, verehrter Herr Doktor, von Interesse, auf das geistige Leben Ihres Neffen in Einwirkung zu treten, und wollen auch Sie, wie Fouqué, mich hierin zum Mittler gebrauchen, so hoffe ich Ihnen durch den Eifer, womit ich Ihre Wünsche erfüllen werde, meine hohe Ehrfurcht für Sie an den Tag legen zu können.

Sehen Sie in diesem Erbieten meine ehrlichste herzlichste Absicht: Sie von den Gesinnungen überzeugen zu wollen, womit ich mich ungeheuchelt nenne

Ihr

innigster Verehrer

v. Zieten,

Regisseur des hiesigen Stadttheaters.

II.

Leipzig, den 7ten Febr. 1824.

Wohlgeborner Herr,
Hochzuverehrender Herr Doktor!

Es ist wohl nicht zu bezweiflen, daß Sie triftige Gründe haben, mit mir unter keiner Bedingung in irgend eine Berührung treten zu wollen — ohne daß ich mir indeß bewußt bin, Ihnen dazu nur einen Grund gegeben zu haben — indem weder mein redlichstes Bestreben: Ihren Neffen, so lange er meiner Aufsicht anvertraut war, auf einen Lebensweg zu bringen, der ihn unter die Zahl der achtungswerthen Menschen führen mußte, noch meine wiederholten Bitten: mir Ihre gütige Meinung über die Ihnen zugeschickten Bearbeitungen eines Shakspearschen und zweyer Holbergischen Lustspiele mitzutheilen, Sie bewegen konnte, mich auch nur der kleinsten Zuschrift zu würdigen. Ich kann es nicht leugnen,[S. 338] daß mich diese Ihre Geringschätzung tief schmerzt — doch maße ich mir kein Recht an, Sie deshalb zu tadeln — da Sie das: Warum, ohne Zweifel vor sich selbst rechtfertigen können. Doch da ich gewiß bin, Sie wenigstens nie wissentlich beleidigt zu haben — so darf ich vielleicht erwarten: daß Sie meinem geehrten Freunde, Hofrath Winkler, auf einige Fragen über meine Arbeiten eine mündliche, rücksichtslose Antwort ertheilen; indem Sie ja hiedurch wie bisher, außer aller Berührung mit mir bleiben, und so Ihrem Vornehmen in Bezug auf mich nicht untreu zu werden brauchen.

Tadeln Sie mich dieser neuen Zudringlichkeit wegen nicht; denn, möge ich Ihnen auch so wenig gelten, wie man einem nur gelten kann — Ihr Ausspruch über den Werth oder Nichtwerth meiner Arbeiten, gilt mir dennoch so viel, daß er allein mich zu dem bestimmen kann, was ich ferner mit denselben vornehmen werde.

Herr Hofrath Winkler wird mir mittheilen, was Sie ihm sagen, und ich erinnere nur noch: daß mir über alles, was mein Streben der Kunst zu nützen betrifft, das strengste Urtheil das liebste ist.

Da Sie selbst es mir unmöglich machen, Sie als Mensch kennen zu lernen, so erlauben Sie mir wenigstens: Ihnen die unauslöschlichste Verehrung und Liebe auszusprechen, die ich zu Ihnen als Gelehrter und Dichter hege — denn diesem mit ganzer Seele anzuhangen wird stets der Stolz seyn

Ihres

ergebensten

von Zieten,

Regisseur des hiesigen Stadttheaters.

[S. 339]

III.

Leipzig, den 13ten April 1824.

Mein verehrter Herr Doktor!

Wenn jeder eine Schuld so schön abzutragen verstände, als Sie Ihre eingestandene Briefschuld an mich, so möchte ich wahrlich sehr viel in der Welt zu fordern haben — sollte es mich auch manchen peinlichen Mahnbrief kosten — obwohl es sonst mit dem Zufordernhaben heut zu Tage eine kitzliche Sache ist. Der Himmel vergelte Ihnen daher das, was und wie Sie mir schrieben.

Ich stehe hier in der Welt meines Wirkens so ganz allein, daß mir oft fast unheimlich zu Muthe werden will! Denn wer sich bey uns nicht in dem wilden luftigen Tanz des heutigen genialen Fratzengewimmels der vermeinten Kunstliebenden und Kunstübenden — wie in Ihrem Eckart die Menschen vom Spielmann aus dem Venusberge — vom alten treuen Boden der ewigen Natur los, und mit fortreißen läßt, der ist ein verlohrner, aufgegebner Mann! Der bin ich in Leipzig! und wie wohl es mir in dieser Lage thun muß, mich von dem einzigen Kopfe Deutschlands, der noch in ungetrübter Klarheit das Ideal der wahren Bühnenkunst in sich trägt, wie einen theuren Freund angesprochen zu sehen, werden Sie begreifen, ohne daß ich es Ihnen zu beschreiben mich bemühe?

Daß mein Vorspiel zu „Was ihr wollt“ Ihnen außer dem Styl der Dichtung des Stückes erscheinen würde, ahnte ich wohl, da es mir selbst fast so schien, nachdem ich es gemacht hatte. Wolff war Schuld, daß ich meinem Gefühle mißtraute — er las es und nannte es eine zweckmäßige Einleitung, wodurch ich verleitet ward, es dem Stücke anzuhängen; da einem das kritische Auge für die Schwächen der eignen Kinder so leicht durch das kleinste Lob geblendet wird! — Ich sehe jezt die Sache anders an, und würde sogleich an die Umarbeitung des ganzen ersten Aktes gehen, wenn ich einen[S. 340] Weg entdecken könnte, auf welchem ich alles das am zweckmäßigsten berücksichtigte, was Sie bey der Bühneneinrichtung eines Shakspearschen Stückes mich als zu berücksichtigen einsehen lassen. Die Kürze der schnellwechselnden Scenen dieses Aufzugs indeß — auf die ersten 9 Blätter kommen 5 Dekorationen — und die Unmöglichkeit, daß sich Viola in einer einzigen Zwischen-Scene als Mann umziehen kann, legen mir dabey Schwierigkeiten in den Weg, die ich, wenigstens jetzt noch nicht, wegräumen zu können einsehe. Wollen Sie, verehrter Herr Doktor, mir einen neuen Beweis Ihres Wohlwollens geben — so gönnen Sie mir — im Fall nemlich meine übrige Einrichtung des Stückes Ihren Beyfall hat, — darüber Ihren gütigen Rath; denn gerne brächte ich dies herrliche Lustspiel Shakspears auf die Bühne, indem wir gerade zwey Personen[16] hier haben, durch deren Gleichheit in der Gestalt Viola und Sebastian sehr gut darzustellen wären, und auch für die andern Charaktere des Stückes passendere Personen besitzen als vielleicht manche andere Bühne; — doch nur wenn Sie eine Bühnen-Einrichtung dieser Dichtung ihres großen Schöpfers würdig finden, werde ich das meine dafür thun, daß sie bey uns in die Scene kommt.

Was Holberg betrifft, so haben Sie mir über ihn, und namentlich über den Charakter seines Vielgeschrey einen Aufschluß gegeben, den ich Ihnen nicht genug danken kann. So war er mir nicht erschienen, obwohl ich jezt sehr klar einsehe, daß er so gemeint ist. Ich hoffe meinem Hetzer (Vielgeschrey) das noch wieder geben zu können, was er durch mich von[S. 341] seiner Urnatur verlohren hat. Der Versuch beyde Ihnen mitgetheilte Holbergs mehr zu modernisiren, als es der eigentliche Verehrer Holbergs entschuldigen wird, wurde durch das Schicksal des geschwätzigen Barbiers in Hamburg begründet. Ich hatte das Stück — blos seiner jezt nicht mehr sprechbaren Zweydeutigkeiten beraubt — ganz in der Urgestalt dorthin geschickt, und es ist so daselbst gegeben worden. Vielleicht lasen Sie was geschah? es fiel ganz durch. Nach Emil Devrients Versicherung, der die Aufführung sah, lag freylich die Schuld am Spiele — denn Gert konnte nichts weiter als seine Rolle auf die Sylbe auswendig! und da ist es freylich zu begreifen, wie er durch die stete Wiederholung derselben Geschichten, gleich einer Spieluhr, die dasselbe Stück zwanzigmal gleich geistlos abdudelt, das Publikum langweilen mußte, anstatt daß er durch das scheinbare Langweilen seiner Mitspieler die Zuschauer ergötzen soll. Es verleitete mich also die Kenntniß der heutigen Schauspielerfähigkeiten und des lieben Publikums dazu, es in beiden Stücken dem Darsteller wie dem Zuschauer leichter zu machen, indem ich vom Ersteren weniger forderte und dem Letzteren den Verkehr von Personen vor die Augen stellte, die er leichter begreifen kann, als die Urgestalten Holbergs — denn wofür ist wohl das Auge unsres jetzigen Publikums blinder geworden, als für die Ironie, wenn sie die Basis einer ganzen Dichtung macht? und wovon hat der jetzige Schauspieler wohl weniger einen Begriff als vom reinen Schalks-Ernst, und von der Seele der Natur, dem Humor? Könnte ich nur dazu gelangen, irgendwo Holbergische Charaktere mit vernünftiger Umgebung darzustellen — sey es in meinen Bearbeitungen, oder bloß in der Urgestalt — so sollten die Leute doch wohl merken: daß ein Einziges dieser Gebilde ganze Dutzende ihrer jetzigen französischen Baiser’s aufwiegt, die sie mit so großer Lüsternheit hineinfressen, daß der Darsteller darin seine beste Kraft vergeuden muß, um den Heißhunger der Gaffer zu befriedigen!

[S. 342]

Könnte ich in Dresden seyn — könnte ich mit Ihnen den Shakspear und Holberg studiren — ich glaube: alle erlittene Kränkungen und alle vereitelte Hoffnungen in meinem bisherigen Bühnenleben, die mir einen Ekel am ganzen Schauspielwesen eingeflößt haben — alle Opfer, die ich vergebens der Kunst brachte, wären über diesem Glück mit einem Schlage vergessen, und ich beträte mit neuem Lebensmuth die Bahn, die für immer zu verlassen ich jezt mich herzlich sehne. Ich fühle es: daß die Fähigkeit in mir liegt, grade über den Geist dieser Dichter als Schauspieler manchen Aufschluß geben zu können, den wenige finden. Ich habe das als Lear und Shylock in Berlin erfahren — trotz der dortigen gerühmten Darsteller dieser Rollen — und könnte ich von Ihnen lernen, was mir noch fehlt, so würde ich mich als Repräsentant Shakspears und Holbergs kühn jeder Kritik preisstellen. Bey dem Leyerkastenwesen und der Ertödtung aller Charakteristik an der Leipziger Bühne, bleibt freylich das Beste was ich wollen kann, nur fromme Wünsche!

Sie sehen in den Ergießungen meines Herzens, verehrtester Doktor, wie ganz Ihr lieber Brief mein Inneres Ihnen aufgeschlossen hat. Denn auch ich rede zu Ihnen wie zu einem theuren Freunde, den ich sogar meine Klagen vernehmen lasse. Möchten sie sich bestimmen können, mir öfter zu schreiben und glauben wollen: daß Sie mich dadurch wahrhaft beglücken.

Wie richtig beurtheilen Sie Wilhelm! Möge die Zeit einen guten Geist über ihn bringen — der ihn jetzt leitet, führt ihn ins Verderben!

Mit der innigsten treuesten Liebe und Verehrung ganz

der Ihre

v. Zieten.


[S. 343]

Nachschrift des Herausgebers.

Es mögen in vorliegenden Bänden mancherlei Irrthümer, jene von mir aufgestellten biographischen und litterarischen Notizen betreffend, mit unterlaufen, für welche ich einsichtsvolle Leser gebührend um Nachsicht und Entschuldigung ersuche.

Auf einige derselben hat mich Herr Dr. Wilh. Hemsen in einem aus Köln, 27. August 1864, an den Herrn Verleger gerichteten, sehr wohlwollenden Schreiben hingewiesen. Er sagt darin u. A.:

1) die im zweiten Theile abgedruckten, „Kaufmann“ unterzeichneten Briefe, welche Holtei einem „Alexander Kaufmann“ beilegt, rühren von Philipp Kaufmann her, dessen Shakspear-Uebersetzung mit Lear und Macbeth beginnend, 1830 und folgende Jahre in der Nicolaischen Buchhandlung zu Berlin in 4 Bänden erschienen ist, und der sich als Uebersetzer der Lieder von Robert Burns (Cotta 1840) vielleicht noch größeres Verdienst erworben hat. Alexander Kaufmann ist ein erst im späteren Laufe der vierziger Jahre aufgetretener rheinischer Poet und Forscher; in letzterer Hinsicht vortheilhaft bekannt durch seine hier erschienene Monographie über die Abtei Heisterbach.

Philipp hat im Anfang der vierziger Jahre zu Paris durch Selbstmord geendet.

[S. 344]

2) Irrig (?) werden die Romane: „Lucas Cranach“ — „der Herzog von der Leine“ dem Baron Apoll. Maltitz zugeschoben.

3) Ed. Moerike ist schon seit langen Jahren Lehrer am Catharinenstift zu Stuttgardt.

Für diese Belehrungen dankbar, säume ich nicht, sie nachträglich zu benützen, darf aber der Wahrheit gemäß versichern, daß ich bei „Kaufmann“ keinesweges Personen und Werke, sondern in allerdings unbegreiflicher Zerstreuung, nur die Taufnamen verwechselt habe. Letzteres um so tadelnswerther, weil ich wahrscheinlich der Erste gewesen bin, der (Riga 1837) auf einen Theaterzettel die Worte gestellt hat: „König Lear, Tragödie in 5 Akten von W. Shakspeare, in’s Deutsche übertragen und für die Bühne eingerichtet von Philipp Kaufmann.“

Holtei.


Ende des vierten und letzten Bandes.


[S. 347]

Namen-Verzeichniß.

(Die Namen der Briefsteller sind mit fetter Schrift gedruckt.)

A B C D E F G H I J K L M
N O P Q R S T U V W X Y Z

Abegg, Joh. Friedr., Dr., Prof. und Kirchenrath, I, 234, 235.

Ackermann, H., II, 31.

Aeschylos, II, 358; IV, 161.

Ahlefeldt, Gräfin, II, 93.

Ahlfeldt, von, III, 257.

Albanus, C. Eduard, II, 176 ff.

Alberti, Karl, I, 279; III, 121.

Alberti, Gustav, IV, 159.

Alberti, Frau, I, 369; III, 314, 353.

Alexander I., Kaiser von Rußland, III, 31.

Altenius, Georg, I, 325.

Altenstein, Minister von, III, 369; IV, 51, 52, 53.

Altmann, II, 24; IV, 128, 129, 131.

d’Alton, III, 298.

Amalie, Prinzessin von Sachsen, IV, 96.

Ampère, Jean Jacques Antoine, I, 1 ff.; III, 43; IV, 78.

Ancillon, Friedr., II, 14.

Andersen, Hans Christian, I, 4 ff.

Angelo, Michel, III, 186.

Anschütz, II, 4, 8.

Aretin, Adam Freih. von, II, 36.

Arnim, Bettina von, I, 16 ff.; II, 23, 91, 312, 321, 323; III, 188; IV, 134.

Arnim, Ludwig Achim von, I, 9 ff., 97, 136; II, 16, 278, 321; III, 337; IV, 46;
dessen Bruder (Pitt-Arnim) III, 214.

Arnsberg, von, Minister zu Hannover, II, 218.

Arwidson, I, 59.

Ast, Georg Anton Friedrich, Prof., II, 265, 266.

Atterbom, Peter Daniel Amadeus, I, 20 ff., 63.

Aubin, St., I, 22 ff.

Auguste ? I, 27.

Baader, Franz von, Professor, III, 187.

Babenberger, die, I, 149, 150; II, 10.

Bach, Sebastian, II, 248.

Bacherer, Dr. G., I, 29 ff.

Bärmann, II, 309.

Baggesen, Jens, II, 130.

Baison, I, 36, 171.

Balzac, Honoré de, II, 260.

[S. 348]

Bang, Prof., III, 85, 86.

Baranius, Schauspielerin, IV, 196.

Barante, de, I, 19.

Bardeleben, Frau von, II, 312.

Barth, Johann August, I, 276.

Baudissin, Adalbert Graf von, I, 34.

Baudissin, Karl Graf von, I, 30, 34; II, 352, 353; III, 25, 289, 291.

Bauer, Caroline, I, 35 ff.; II, 89; III, 21.

Bauer, Conrector in Potsdam, II, 180.

Bauernfeld, Eduard von, I, 37 ff.

Beaumont und Fletcher, II, 194.

Bechtolsheim, Julie von, II, 270.

Beck, Schauspielerin, IV, 4.

Beckedorf, von, II, 32.

Becker, Wilh. Gottlieb, III, 250.

Becker, Regisseur in Darmstadt, I, 355; II, 148.

Beer, Michael, II, 350 (I, 369).

Beireis, Gottfried Christoph, IV, 70.

Bellermann, Johann Joachim, III, 63.

Bellini, Vincenzo, II, 168.

Bercht, Schauspieler, I, 370.

Berger, Schauspieler, IV, 219, 220.

Bernhard, geb. Gad, III, 257.

Bernhardi, August Friedrich, III, 229, 231, 252, 253, 256, 257, 291; IV, 170, 172, 190, 195, 198, 203, 204, 212, 216, 236, 243, 258.
dessen Gattin, Sophie geborne Tieck s. d.

Berthold, Franz, s. Reinbold.

Beskow, Bernhard von, I, 41 ff.; IV, 92.

Bessel, Landgerichts-Präsident zu Saarbrück, I, 303.

Bethmann, Moriz, I, 95; III, 158.

Bettina, s. Arnim.

Beust, Graf von, III, 354.

Bielefeld, Freiherr von, III, 119, 123.

Birch-Pfeifer, Charlotte, III, 157, 158; IV, 140.

Blankenburg, Hauptmann von, II, 207.

Boccaccio, III, 50.

Böckh, Fräulein von, II, 163.

Böhme, Jacob, I, 306, 307, 308; III, 250.

Böhndoll, I, 326.

Bökh, Dr., Prof. und Geh. Rath, III, 369.

Böttiger, Karl August, I, 68 ff., 147; II, 34, 216, 218; III, 270.

Böttiger, Dr. aus Upsala, I, 20, 55, 56.

Bohn, Buchhändler in Lübeck, III, 247.

Boije, III, 13.

Boisserée, Sulpiz, I, 69 ff., 158; IV, 10.

Bojardo, Matteo Maria, Graf von Scandiano, III, 96.

Bonald, Louis Gebriel Ambroise, Vicomte de, II, 12.

Bonnier, Buchhändler, I, 21.

Bopp, Franz, III, 33, 34, 38.

Borck, Geh. Legationsrath, II, 26.

Borgaard, Theaterdichter aus Kopenhagen, I, 179.

Bose, Graf von, II, 304.

[S. 349]

Bothe, Friedrich Heinr., I, 85 ff.; IV, 187.

Bouterweck, Friedrich, I, 146; III, 38.

Bracebridge, Mann und Frau, IV, 6.

Brandberger, der, I, 101.

Braniß, Christlieb Julius, I, 89.

Brasch, Cand. d. Theol., III, 69.

Braun, Dr. aus Gotha, I, 81, 82.

Braunius, I, 323.

Brede, Mad., IV, 151.

Brekling, I, 337.

Brentano, Clemens, I, 10, 14 bis 16, 94 ff.; II, 66; III, 143, 144, 345 ff., 364; IV, 46.

Brinkmann, Karl Gustav von, III, 284; IV, 92.

Brockhaus, Friedrich Arnold, I, 107 ff., 197, 199; II, 301, 306; IV, 24.

Brockhaus, Prof., III, 23.

Broglie, Herzog von, III, 309.

Bruch, Prof., I, 236.

Brühl, Karl Friedr. Moritz Paul, Graf, I, 109 ff., 345; II, 313; III, 141 ff., 159; IV, 317, 319.

Brunner, Sängerin, III, 209.

Bucher, Anton von, I, 280.

Buchholz, Paul Ferd. Friedrich, III, 348.

Buchner, Justizrath, I, 357.

Bügge, Rector aus Drontheim, IV, 86.

Bülow, von I, 31; II, 23, 30, 31, 346.

Bürger, Elise, I, 114.

Bürger, Gottfr. Aug., III, 224.

Büsching, Joh. Gustav Gottlieb, I, 115 ff., 142, 268; III, 207.

Buliowski, Frau von, IV, 90.

Bunsen, Christian Karl Josias, II, 351.

Burgsdorf, Wilhelm von, I, 70, 238, 324; III, 109, 110.

Bury, III, 242, 243, 247.

Burkhardt, III, 362.

Buschmann, Prof., II, 35.

Busse, Hofrath, I, 283.

Buttlar, Frau von, II, 114, 252; III, 300, 304, 344.

C.? I, 119.

Calderon, I, 259, 260, 349; II, 27, 92, 204, 306, 320, 365; III, 369.

Calenberg, Fräul. von, II. 277, 298, 306, 308, 309, 314, 317, 322, 323.

Camoens, III, 53.

Campe-Hoffmann, Frau Elise, I, 253.

Cantacuzeno, Fürstin, I, 7.

Cantelupe, Lord, II, 135.

Carl, Herzog von Mecklenburg, I, 110, 111; II, 14.

Carl August, Großherzog von Weimar, I, 228; IV, 31, 32.

Carl Friedrich, Erbgroßherzog von Weimar, I, 228.

Carlyle, IV, 137, 138.

Carnot, Sohn des franz. Kriegsministers, I, 161.

Carové, Friedr. Wilh., I, 120 ff.; II, 150.

Carus, Dr. Carl Gust., I, 122 ff.; II, 20; III, 97.

Casper, Geheimer Medicinalrath, III, 211.

[S. 350]

Caspers, Francisca, III, 338.

Castelli, Ignaz Vinvenz Franz, I, 161.

Catel, III, 267.

Catull, IV, 160.

Cauer, Prof., I, 232, 233; III, 297.

Cervantes, I, 259; II, 54, 186; III, 226, 242; IV, 159.

Chamisso, II, 359.

Chappmann, II, 144.

Chenier, Marie Joseph de, I, 46.

Chezy, Wilhelmine Christine von, I, 129 ff.

Clauren s. Heun.

Clodius, IV, 296.

Collier, Joh. Pavne, I, 138 ff.; II, 162.

Collin, Heinr. von, I, 143; II, 1.

Collin, Matthäus Edler von, IV, 36.

Corneille, II, 211.

Corneliß, Willem, I. 74.

Cornelius, Peter von, I, 121; II, 6, 10.

Correggio, III, 186.

Cotta, Joh. Friedr. Freiherr von, I, 80; II, 34, 171, 342, 346; III, 163, 234, 235, 238, 242, 245, 247, 249 ff., 272, 322; IV, 32.
Dessen Frau, III, 128, 168, 171.

Crelinger, I, 369, 370.

Creuzer, Georg Friedr., I, 98, 99, 157 ff., 234; III, 39.

Cubière, de, I, 160.

Czechtizky, Schauspieler, IV, 196, 219, 258.

Czerni, III, 337.

Dahl, Johann Christoph, I, 31; III, 63.

Dahlmann, Friedrich Christoph, II, 33.

Dalwigk, von, Generallieutenant zu Darmstadt, I, 353.

Dalwigk, Alexander von, I, 353, 354, 358.

Dalwigk, Reinhard von, I, 353.

Dannecker, III, 234.

Daßdorf, Bibliothekar, II, 203.

Daub, Prof., I, 98.

David, Pierre Jean, I, 159 ff.

Dawison, Bogumil, IV, 90.

Decker, II, 144; III, 365.

Deichmann, J., III, 2.

Deinhardstein, Johann Ludwig, I, 161 ff.

Delius, Nic., I, 140.

Denis, IV, 174, 184.

Devrient, Carl, I, 190 ff.

Devrient, Eduard, I, 163 ff., 370; II, 86.
Dessen Tochter, I, 168.

Devrient, Emil, I, 171, 172, 285; II, 233, 280; III, 21.

Devrient, Ludwig, II, 69.

Diderot, IV, 204, 205.

Dietrich, Buchhändler, I, 11.

Dinoncourt, IV, 291.

Dissen, III, 28.

Dittersdorf, IV, 203.

Dittmarsch, Schauspieler, II, 89, 90.
Dessen Tochter, II, 89.

Docen, I, 12.

Dodsley, I, 138.

Dohrn, II, 118.

Donizetti, II, 168.

Donner, II, 352, 355, 357, 358.

[S. 351]

Donop, Freifrau von, I, 130.

Dubois, General-Inspektor der Pariser Universität. III, 309.

Duchardin, III, 186.

Dürer, Albrecht, I, 73, 74, 291.

Dunker, Buchhändler, I, 372.

Durand, Stud. d. Theol., III, 93.

Dyce, I, 143.

Ebert, Friedr. Adolf, III, 9, 14.

Eberwein, Musikdirektor, IV, 35.

Eckardt, II, 22, 24.

Eckermann, I, 3.

Eckhof, II, 225.

Edelsheim, von, Minister, I, 98.

Egloffstein, Gräfin, III, 355.

Ehrenberg, Hofprediger, II, 28.

Ehrenström, Oberstin v., IV, 91.

Eichendorf, Joseph Freiherr von, I, 104.

Eichhorn, Karl Friedr., III, 39.

Eichthal, Baron von, II, 15.

Eisl, Therese, II, 8.

Elisabet, Königin von Preußen, I, 128; II, 19, 20, 23, 24, 26, 28, 30, 31, 33, 127.

Ellesmer, Lord, I, 139.

Elsler, Musikdirektor, II, 389.

Emil, Prinz von Hessen-Darmstadt, I, 354.

Enghaus, Schauspielerin, I, 36.

Engletz, Malchen, I, 233.

Engst, Schauspielerin, IV, 197, 242.

L’Epique, ref. Prediger, I, 14.

Epstein, Literat in Breslau, I, 92.

Ernst, Hofsekretär, I, 311; III, 347.

Erwin von Steinbach, III, 186.

Eschenburg, Johann Joachim, I, 193 ff.

Eschenmayer, Christoph Adolf von, II, 150, 151.

Escher, III, 238.

Eßlair, IV, 290.

Euripides, II, 244, 337; IV, 161.

Eyck, Joh, van, I, 71, 77–79, 81.

Falk, Joh. Daniel, III, 229, 241, 256, 270.

Fallati, Dr., I, 264.

Farqhuar, Georg, II, 205.

Felsenheim, Fräulein, I, 370.

Fesser, Canzler in Grüssau, II, 199.

Feuerbach, II, 121.

Fichte, Johann Gottlieb, I, 27; II, 57, 359, 363; III, 148, 149, 247, 251, 295.

Fichte, Immanuel Herrmann, II, 151.

Finkenstein, Graf von, III, 280.

Fischart, I, 107, 296.

Fischer, Peter, III, 187.

Fischer, Hofrath, I, 103.

Fischer, Pfarrer und Domherr, III, 363.

Fischer, Mad., II, 221.

Fischer, Schauspieler, I, 370.

Fleck, III, 86; IV, 196, 197, 219, 220.

Floris, Franz, I, 74.

Fochem, I, 132.

Förster, Friedr., I, 105, 195, 205; IV, 113.

Förster, Karl, I, 195 ff.

Förster, Luise geb. Förster, I, 195 ff.

Follen, Aug., I, 207, 337.

Forkel, Prof., IV, 215.

[S. 352]

Fouqué, Friedrich Baron de la Motte, I, 106, 268; II, 202, 316; III, 295, 337.

Frank, Pfarrer in Lich, I, 233.

Frank, Herrmann, IV, 77.

Franke, Prof. in Liegnitz, II, 327.

Franz, Schauspieler, IV, 213, 219.

Frauenholz, I, 72.

Fresnel, M. E., I, 3.

Freytag, Gustav, I, 214 ff.

Friedländer, Buchhdlr., III, 200.

Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, III, 113; IV, 52, 320.

Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen, II, 14; IV, 52.

Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, I, 66, 85, 126, 162, 163; II, 19, 20, 22, 24, 26, 28, 30, 31, 33, 106, 111, 159, 351, 353, 354; III, 96, 176, 177; IV, 130, 131, 132.

Friedrich, Kronprinz von Dänemark, nachmals König Friedr. VI., IV, 59, 60.

Friesen, Baron, II, 100.

Frölich, Buchhdlr., III, 231, 257.

Frommann, Buchhdlr., I, 239; III, 229, 253, 270, 280, 323, 345, 346.

Frontinus, Sextus Julius, I, 206.

Froriep, Prof., III, 6.

Führich, Maler, II, 6.

Gärtner, Friedr. von, III, 35.

Gans, Prof. Dr., I, 339.

Gar, von, I, 127.

Garly, Schauspieler, IV, 183, 196, 219.

Gedike, Friedrich, III, 63.

Gehe, III, 156, 164.

Geibel, Emanuel, IV, 120.

Geiling, Schauspieler, IV, 213.

Genast, Eduard, I, 219 ff., 241; IV, 293.
Dessen Frau, IV, 293.

Genelli, III, 252, 286; IV, 135.

Gensler, I, 232.

Gentz, Friedr. von, II, 224.

Gentz, Hofbibliothekar in Karlsruhe, II, 160.

Georges, Schauspielerin, II, 210.

Gerle, W. A., I, 222 ff.

Gerstenbergk, Friedr. von, I, 228.

Gerstenbergk, von, Canzler, I, 231.

Geßner, IV, 161.

Geyer, I, 63.

Ghiberti, Lorenzo, III, 187.

Giesebrecht, Prof., III, 364.

Gil, Enrique, II, 21, 30, 31.

Gilly, Architekt, IV, 259.

Gläser, Kapellmeister, I, 369, 370.

Glasbrenner, II, 189.

Gley, Schauspieler, III, 132.

Gmelin, Leopold, I, 231 ff.

Gmelin, Dr. d. R., I, 234.

Gneisenau, August Neidhard Graf von, II, 199.

Godet, I, 112.

Gödeke, III, 88.

Görres, Jakob Joseph von, I, 12, 13, 15, 107, 121, 158, 236 ff.; II, 151.

Göschen, Buchhändler, I, 308.

[S. 353]

Göthe, I, 1, 16, 35, 40, 44, 47, 50, 58, 78, 95, 96, 109, 122, 124 bis 126, 161, 178, 195, 231, 259, 280, 291, 293–295, 307; II, 35, 53, 54, 91, 188, 207, 244, 245, 259 ff., 275, 307, 320, 321, 322, 324, 342, 357, 358, 365; III, 24, 46, 66, 82, 83, 97, 105, 106, 108, 115, 161, 227 ff., 239 ff., 242, 255, 298 ff., 304, 307, 346, 376, 377; IV, 1, 2, 7, 23, 27, 32 ff., 118, 141, 160, 197, 203, 331.
Dessen Sohn, IV, 35.

Göthe, Frau von, III, 24, 25; IV, 7.

Götz, Hofbuchhändler, I, 86.

Götze, Tenorist, I, 220.

Goldstücker, II, 21.

Gottheiner, Assessor, II, 185.

Gozzi, I, 96; III, 112.

Grabbe, Chr. Dietrich, I, 242 ff.

Grandier, Urbain, II, 201.

Grauhling, I, 329.

Greibe, Schauspieler, IV, 220.

Greiner, Schauspieler, I, 370.

Gries, Johann Dietrich, I, 253 ff.; II, 308; III, 250, 366.

Griesel, II, 271.

Grieshammer, Buchhändler, I, 305, 308.

Grillparzer, I, 151, 152, 224, 341.

Grimm, Jakob, I, 11, 15; II, 22, 32, 323.

Grimm, Wilhelm, II, 278, 323.

Grolmann, Karl Wilh. George von, II, 16.

Grothe, Freiherr von, I, 246, 248.

Gryphius, III, 86.

Guditz, Friedr. Wilh. I, 132, 136.

Gutzkow, IV, 135.

Haake, Schauspieler, II, 191, 193.

Haase, Prof. Dr., III, 96.

Hadrian VI., Papst, I, 74.

Hähnel, Fräul., I, 369, 370.

Haering, Wilh. (Wilibald Alexis), I, 262 ff., 368, 369, 370, 372; II, 181, 189.

Härtel, Buchhändler, III, 173.

Hagberg, Dr., I, 53–55.

Hagemann, IV, 252.

Hagen, Ernst August, I, 282 ff.

Hagen, Friedrich Heinrich von der, I, 11, 15, 118, 265, ff.; II, 17; III, 207; IV, 46, 73, 158, 164.

Hagn, Charlotte von, I, 124, 284 ff.

Halenke, Apell.-Ger.-Accessist, III, 221.

Haller, Albrecht von, I, 58, 68.

Halling, Karl, I, 287 ff.

Hallwachs, Geh. Rath, I, 300 ff., 352, 356.

Hamann, IV, 176.

Hamberger, Rath, II, 37.

Hamilton, Bibliothekar am brit. Museum, I, 140.

Hammerich, Dr., III, 68.

Hardenberg, Staatskanzler, IV, 51.

Hardenberg, Cay Freiherr von, I, 31.

Hardenberg, Friedr. Freiherr von (Novalis), I, 4, 304 ff., 317, 319; II, 111; III, 20, 135 ff., 230, 234, 239, 240, 241, 245, 254, 258 ff., 269, 314, 349; IV, 27, 65.

Hardenberg, Karl Freiherr von (Karl Rostorf), I, 310, 312 ff., 317, 318.

Hardenberg, Freifrau von, I, 31.

Hartel, IV, 31.

Hartmann, Joh. Georg August von, II, 346; IV, 72.

[S. 354]

Hase, Hofrath, I, 83.

Hauch, Joh. Carsten von, I, 326.

Hauff, Wilhelm, I, 329 ff.

Haug, Fr., I, 329.

Hazelius, Major von, I, 63.

Hebbel, Friedr., I, 332 ff.

Heeren, Arnold Herrm. Ludwig, I, 58; III, 27, 32.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, I, 295, 339; II, 57, 73, 152, 245.

Hegner, Ulrich, I, 207, 334.

Heiberg, Johann Ludwig, I, 328, 339 ff.; III, 2–4, 12, 13, 368.

Heidemann, IV, 264.

Heine, Heinrich, II, 85.

Heinrich IV., III, 21.

Helbig, I, 241.

Helwig, Amalie von, II, 324.

Hemmelinck, Hans, I, 71, 77, 81.

Hemskirch, Martin, I, 75, 76.

Hendel-Schütz, III, 93.

Henkel, Schauspieler, III, 132 bis 134.

Hensel, Wilh., I, 342 ff.; II, 311, 312.

Herberstein, Graf, IV, 129.

Herdegen, Antiquar, II, 257.

Herder, I, 102, 109.

Herdt, Schauspielerin, IV, 219.

Hermann, G. Prof., I, 88.

Hermann, Fr. Dr., I, 118, 344 ff.

Hermes, Christian, II, 198.

Herz, Henriette, III, 257, 258.

Herzan, Graf, I, 224–226.

Hesiod, IV, 161.

Heß, Heinrich, II, 10.

Heß, Geh. Rath aus Darmstadt, II, 184.

Heumann, Georg, I, 301, 302, 352 ff.

Heun, Karl (Clauren), I, 329.

Heusinger, I, 324.

Heydemann, IV, 254.

Heydrich, Moritz, I, 359 ff.

Hillebrand, Schauspieler, IV, 317.

Hilscher, II, 299.

Himmel, Kapellmeister, III, 104.

Hirzel, S., I, 365.

Hitzig, II, 359; IV, 50.

Hóegh-Guldberg, III, 4.

Höpfner, I, 301, 356.

Hoffmann, Ernst Theod. Amadeus, I, 366; II, 131, 132, 312.

Hohenzollern, Fürstin von, II, 275.

Holberg, I, 340; III, 7, 86; IV, 335 ff.

Holinshed, I, 300.

Holtei, Karl von, I, 39, 278, 368 ff.; IV, 11, 129.

Holtei, Frau von, I, 369, 370.

Homer, II, 54, 356; IV, 161.

Hoppenstädt, Staatsrath, II, 218.

Horaz, IV, 159, 160.

Hormayr, Jos. Freih. von, II, 1 ff.

Horn, Franz, I, 290, 294; II, 242; III, 143; IV, 266, 287.

Hotho, Dr., I, 295.

Houwald, I, 341.

Hoyer, Stud., II, 132.

Huck, III, 243.

Hübner, Prof., IV, 19.

Hufeland, III, 291.

Hugo, Gust., III, 42.

Hugo, Victor, I, 23, 46.

Humboldt, Alex. von, II, 17, 18 ff.; IV, 299.

[S. 355]

Humboldt, Wilh. von, I, 105; II, 19, 31; III, 192, 233, 284.

Hummel, Joh. Nep., IV, 35.

Huskisson, Will., II, 12.

Ideler, Jul. Ludw., III, 316.

Iffland, August Wilh., II, 43 ff.; III, 86, 111, 143, 257; IV, 31, 195, 203.

Illaire, Geheimer Kabinets-Rath, II, 32, 33.

Immermann, Karl, I, 168; II, 47, 149, 186, 187; III, 135, 370, 371, 372; IV, 105, 114, 289.

Immermann, Marianne, I, 33; II, 106 ff.; III, 371, 374.

Ingelby, C. Mansfield, I, 140.

Ingemann, Bernhard Severin, I, 5; II, 129; III, 3.

Irgens-Berg, von, chargé d’affaires, I, 329, 339.

Jacob I., I, 140.

Jacobi, Friedrich Heinrich, I, 140; II, 36; III, 191, 316.

Jacobs, Christian Friedrich Wilh., II, 37, 308; III, 63.

Jagemann, Caroline, II, 39 ff.; 101; IV, 5.

Jagor, III, 310.

Janin, Jules, II, 29.

Jencke, Schauspieler, II, 90, 97; IV, 116.

Jerrmann, Schauspieler, IV, 90, 290.

Johann, Nepomuck Maria Joseph, Herzog zu Sachsen, I, 58, 123.

Johannes, Damascenus, II, 32.

Johnson, Ben, II, 99, 144; III, 99; IV, 267.

Josephson, Dr., I, 22.

Jünger, Joh. Friedr., III, 86.

Julius, Nik. Henrich, II, 134.

Julius, Schauspieler, I, 263.

Kadach, II, 136 ff.; IV, 44.

Kalkreuth, Graf von, I, 229; II, 270, 273, 293, 296, 306, 309, 316; III, 45.

Kanngießer, Professor in Greifswalde, IV, 70.

Kant, III, 149.

Karl, Prinz, IV, 130.

Karl XIV., Johann, König von Schweden, I, 59, 60, 67.

Karl, Wilh., Markgraf von Baden-Durlach, II, 158.

Karschin, Anna Luise, I, 129.

Kaselitz, Schauspieler, IV, 197.

Kaufmann, Phil., II, 140 ff.

Kayser in Heidelberg, I, 159.

Keller, Graf von, II, 20.

Kern, Theolog, IV, 95.

Kerner, Justinus, II, 149.

Keßling, Ober-Stallmeister von, IV, 33.

Kiesewetter, Rhetor, IV, 295.

Killinger, K. A. Freiherr von, II, 154 ff.

Kleefeld, Fräulein, IV, 10, 11.

Kleist, Fr. von, I, 105; II, 16.

Kleist, H. von, I, 341; II, 172 ff., 272, 306; III, 149; IV, 99, 100, 101.
Dessen Schwester Ulrike, II, 180.

Kleist, Maria, II, 172 ff.

Klingemann, Aug., I, 245, 247.

Klinger, F. M., I, 365, 366.

Klinghofström, Maler, I, 104.

Klingkowström, I, 326.

[S. 356]

Klopstock, II, 184 ff.; III, 106.

Kluge, III, 16.

Knight, I, 140.

Knorring, von, III, 292.

Koberstein, A., II, 181 ff.

Koch, Herausgeber eines belletristischen Archivs, III, 255.

Koch, Erduin Julius, Prediger, IV, 228.

Kochar, I, 158.

Köchy, Dr. Karl, I, 247; II, 189 ff.

Köhler, Assessor, IV, 207.

Köhler, Frau geb. von Wiebeking, IV, 298.

König, Heinr., II, 196 ff.

Köpke, Rudolf, I, 1 ff., 85; III, 123, 135; IV, 299.

Körber, Gottfr. Wilh., II, 198 ff.

Körner, Christian Gottfr., I, 311; II, 203 ff.

Körner, Theodor, III, 152.

Köster, Hans, II, 208.

Koopmann aus Hamburg, I, 233.

Kopisch, Aug., I, 371.

Kordemann, Schauspieler, IV, 213.

Koreff, II, 212; IV, 51, 52, 70.

Kotzebue, Aug. Friedr. Ferd. von, I, 10; III, 63, 112, 235, 241; IV, 242.

Kraker, von, Geh. Rath, III, 215.

Kralup, Dr., IV, 286.

Kratter, Franz, II, 212.

Kraukel, Fräulein, I, 3.

Krause, Karl Christoph Friedrich, II, 216 ff.; IV, 292.

Krause, von, III, 340, 342.

Kreis, Candidat aus Strasburg, IV, 78.

Kreling, K. von, II, 154.

Krickeberg, Friederike geb. Koch, II, 219.
Deren Sohn IV, 146.

Krieger, Buchhändler, II, 306.

Kriete, Schauspieler, III, 52.

Krüger, Schauspieler, IV, 152.

Küstner, von, I, 192, 356; II, 226 ff., 231, 338, 339.

Kunowsky, Justizrath, III, 155, 158.

Laddey, Schauspieler, I, 370.
Dessen Frau ebend.

Lagergreen, Dr. von, I, 65, 66.

Langenn, Friedrich Albert von, I, 125.

Laßberg, Freiherr von, I, 211.

Laube, Heinrich, II, 227 ff.

Lauber, Schauspielerin, II, 87.

Laun, Fr. s. Schulze.

Lavater, I, 335.

Leboeuf, II, 312.

Lebrün, Karl, II, 235 ff.

Lehmann, Dr. Jos., I, 138.

Leitenberger, I, 104, 225.

Lelly, Peter s. Vaerst.

Lembert, III, 52.

Lenz, J. R. von, I, 36, 367; II, 238.

Lenz, Jakob Michael Reinhold, I, 365, 366; II, 245.

Leo, F. A., I, 139.

Leonardo da Vinci, I, 71.

Lessing, I, 130, 193, 210, 254; II, 357; III, 99.

Lessing, Maler, IV, 116.

Lewes, IV, 137.

Lewetzau, Kammerjunker von, III, 3.

[S. 357]

Lewezow, Prof., III, 142.

Liaño, III, 367, 368.

Lieber, Francis, IV, 103.

Liebich, Director des ständischen Theaters zu Prag, II, 279, 280.

Liesniowska, Gräfin von, II, 14.

Lievemberg, I, 132.

Lieversberg, I, 71.

Lind, Jenny, I, 358; II, 168.

Linné, I, 68.

Lipperl, Schauspieler, III, 191.

Lippmann, Fräulein, I, 130.

Lipsius, III, 33.

Lißner, Schauspieler, IV, 183.

Loebell, Johann Wilh., I, 33, 93, 373; II, 110, 113, 240 ff.; III, 46, 207, 301–303, 307; IV, 76,114.

Loeben, Otto Heinrich Graf von, I, 137; II, 264 ff., 296, 302, 308, 313, 314, 317, 323.

Lössel, III, 382.

Löwe, Ferdinand, IV, 8.

Löwe, Ludwig, II, 279; III, 49; IV, 74.

Löwensciold, Baron von, I, 179.

Löwenstern, Lieut. von, II, 365.

Longmann, I, 6.

Loos, Prof., I, 159.

Lope de Vega, II, 192; III, 202, 203.

Lucas von Leyden, I, 71, 73, 75.

Ludwig XVI., König von Frankreich, IV, 264.

Ludwig I., König von Baiern, I, 7–9; II, 11, 12, 22, 345; III, 216, 222; IV, 33, 34, 35.

Ludwig, Otto, II, 281 ff.

Lüdemann, Georg Wilhelm von, II, 283 ff.

Lüttichau, Baron von, I, 24, 25, 4, 187; II, 98, 233; III, 218; IV, 319.

Lüttichau, Baronesse von, I, 128, 199; II, 253, 255.

Luise, Königin von Preußen, III, 206, 284.

Luther, I, 74.

Lyly, II, 144.

Lynar, Fürst zu, III, 48.

Mabuse, I, 72–75.

Mackensen, Dr., IV, 70.

Madden, Frederik, I, 140.

Mahlmann, Siegfried August, II, 285; III, 274, 323, 326.

Malcolm, General, III, 301.

Malebranche, Nicole, II, 21.

Malsburg, Ernst Friedrich Georg Otto Freiherr von der, I, 229; II, 266, 270, 273, 289 ff.

Malsburg, Carl, Bruder des vorigen, II, 295, 296, 298, 306, 315, 322, 323.

Maltitz, Appolonius, Freiherr von, II, 325 ff.

Maltitz, von (Pfefferkörner-Maltitz), II, 325.

Mander, Karl von, I, 73, 76.

Manzoni, Alessandro, III, 356.

Marbach, Gotthard Oswald, II, 327.

Marheineke, Philipp Konrad, II, 127.

Marivaux, IV, 242.

Marlowe, II, 144; III, 125.

Marmier, Xavier, II, 321, ff.; IV, 275.

[S. 358]

Marrès, Mad. des, II, 195.

Marschner, IV, 294.

Marston, II, 144.

Martin, Henri und S., II, 333 ff.

Martins, IV, 162.

Massinger, II, 99, 207.

Massow, von, II, 338; IV, 60.

Mattausch, Schauspieler, IV, 196.

Matthisson, Friedrich von, IV, 255.

Max, Joseph, Buchhändler, I, 90, 271–275; II, 246; III, 27, 30, 36, 41; IV, 73, 83.

Maximilian, Joseph, König von Baiern, II, 11.

Maximilian, Kronprinz von Baiern, II, 13, 17.

Maximilian, Erzherzog von Oesterreich, I, 103.

Mayer, Professor in Bramstedt, II, 239.

Mehmel, Tieck’s Lehrer, III, 94.

Mehring, Freih. von, I, 132.

Mendelssohn, d. ä., Banquier, III, 155.

Mendelssohn, Fanny, III, 166.

Mendelssohn-Bartholdy, Felix, II, 336.

Menzel, Karl Adolf, III, 207.

Menzel, Wolfgang, II, 150, 246, 340 ff.; IV, 295.

Mereau, Prof., III, 362.

Merkel, Garlieb, II, 289; III, 64, 180, 181, 256.

Mètral von Saint Saphorin, I, 113.

Metternich, II, 13.

Metting, Frau von, I, 232, 233.

Metzler, Buchhändler, I, 236.

Meyer, F. C., Prof., III, 86.

Meyer, Schauspieler, II, 237.

Meyer, Friedr. von, II, 150.

Meyerbeer, J., II, 348 ff.

Middeldorpf, I, 279.

Millin, Auguste Aubin, III, 36.

Minckwitz, Dr. Johann, I, 33; II, 351 ff.

Mitscherlich, Christoph Wilhelm, II, 218.

Mnioch, Joh. Jakob, II, 359 ff.; III, 249, 251, 263, 265.

Möller, J., Prof. der Theologie, III, 3, 123.

Mörike, Eduard, II, 152, 153, 365 ff.

Molbech, Christian, I, 367; III, 1 ff.

Molbeck, Prof., II, 129.

Molière, II, 211; III, 165.

Moller, Georg, I, 78; III, 187.

Moltke, Graf, dänischer Finanzminister, III, 69.

Moltke, Kammersänger zu Weimar, IV, 35.

Monnier, II, 331.

Montalambert, Graf, von, I, 4.

Moritz, Karl Philipp, IV, 229, 246.

Moro, Antonio, I, 75.

Mosen, Julius, III, 14.
Dessen Bruder III, 19.

Mozart, I, 294.

Mühlenfels, von, II, 182.

Münch, Ernst Hermann Joseph von, II, 153.

Müller, Adam, IV, 53, 108.

[S. 359]

Müller, Friedrich (Maler Müller), I, 10, 12, 14, 201, 202, 341; II, 57; III, 24, 68, 169.

Müller, Johannes von, III, 291, 293.

Müller, Julius, III, 34, 36.

Müller, Karl Otfried, II, 217; III, 26 ff.; IV, 71, 72.

Müller, Sophie, II, 5, 6.

Müller, Wilh., I, 107; II, 270; III, 45; IV, 24.

Müller, von, Canzler zu Weimar, I, 369; II, 101, 105; IV, 35.

Müller, Geh. Kabinetsrath zu Berlin, II, 23.

Müllner, Adolf, I, 105, 148; II, 196, 245, 309; III, 164; IV, 288.

Münch-Bellinghausen, Freiherr von, III, 49 ff.

Münk, Schauspielerin, I, 36.

Mundt, Theodor, IV, 89.

N., II, 341; III, 55 ff.; IV, 95.

Napoleon I., II, 210.

Nauke, Buchhändler, IV, 245.

Naumann, Frau, III, 309.

Neipperg, Gräfin, II, 153.

Neumann, Wilh., I, 368, 369; II, 359.

Neumann, Schauspielerin, II, 312.

Nicolai, F., I, 88, 328; II, 252; III, 58 ff.

Nicolovius, Georg Heinr. Ludwig, IV, 50, 51.

Nicolovius, Buchhändler, III, 247, 274.

Niebuhr, II, 96.

Nilsen, IV, 75.

Nithard, I, 101.

Nyß, Frau, II, 16.

Oehlenschläger, Adam Gottlob, I, 7, 62, 65, 67, 328, 329, 342; II, 59, 130, 204; III, 3, 7, 9, 64 ff., 85, 102; IV, 61.
Dessen Tochter Charlotte, III, 65, 66.

Olfers, von, III, 310.

Oranien, Prinzessin von, II, 153.

Oskar, König von Schweden, I, 68.

Otto der Fröhliche von Oesterreich, I, 101.

Overbeck, IV, 115.

Ovid, IV, 160.

Paalzow, Henriette, III, 70 ff.

Pandin, Beauregard, II, 307.

Parma, Prinz von, I, 143.

Pasta, Sängerin, IV, 322.

Pauli, L., III, 72.

Peale, Patrik s. Seckendorf, Gust. Freiherr von.

Pellegrin, III, 292.

Perglaß, von, IV, 321.

Perthes, III, 121.

Peter der Große, II, 51.

Peters, Schauspieler, I, 112.

Petrus de Vineis, I, 150.

Pfeffel, IV, 197.

Pfuel, von, II, 16.

Philipp, Louis, König von Frankreich, I, 45.

Philipp, Bankierswittwe aus Hannover, II, 15.

Pichler, Caroline von, III, 73 ff.

Piesker, Landgerichtsrath in Meseritz, IV, 179.

Pindar, IV, 161.

Plautus, IV, 160.

[S. 360]

Pohlmann, Fräulein, I, 340.

Pourtales-Gorgier, Graf, I, 112.

Preisler, Schauspieler, IV, 183.

Prevorst, Seherin von, II, 150, 151.

Prokesch-Osten, Anton Ritter von, I, 16.

Prutz, Robert, III, 76 ff.

Pückler, Fürst, II, 233.

Pustkuchen, Pastor, I, 249.

Quandt, Joh. Gottlieb von, I, 231; III, 81 ff., 194.

Rabelais, III, 96, 97.

Racine, II, 211.

Rahbeck, Knud Lyne, I, 329; III, 85 ff.

Rahel, I, 46; II, 91, 221; IV, 134 ff., 140 ff.

Rake, Prof., III, 87.

Rambach, IV, 170, 195, 213, 225, 229, 234, 254, 264.

Ramler, IV, 233, 247.

Ranke, Leopold, II, 9, 93, 115; III, 74.

Raphael, I, 5, 71, 293; III, 186.

Rapp, Dr. aus Stuttgardt, IV, 10.

Raßmann, Christian Friedr., III, 88 ff.

Rau, Karl Heinrich, I, 233.

Rauch, Christian, I, 276, 368; II, 10.

Raumer, Friedrich Ludwig Georg von, I, 33, 93, 118, 125, 168, 265, 269, 274, 279, 368, 369, 370, 372; II, 9, 12, 13, 14, 17, 33, 143, 145, 243, 260; III, 46, 90, 94, 129, 154, 207, 213, 214, 217; IV, 30, 50, 95.

Raumer, Karl von, III, 90 ff., 113, 115–117, 206; IV, 158, 164.
Dessen Söhne Rudolph und Hans, III, 94.

Raupach, Ernst Benjamin Sal., I, 69; II, 56, 183; IV, 292, 331.

Recke, Frau Elise von der, II, 275; III, 94.

Redern, Graf, I, 269; III, 214; IV, 303, 304, 305, 308.

Regis, Joh. Gottlob, III, 96 ff.

Rehberg, August Wilh. von, III, 98 ff., 123.
Dessen Frau, I, 31, 301, 354; III, 102.

Reichardt, Fritz, III, 121.

Reichardt, Johann Friedrich, III, 103 ff., 311, 328; IV, 209, 258.

Reichardt, Luise, III, 104, 109.

Reimer, Buchhändler, I, 108, 109, 337; II, 246; III, 116, 302, 322; IV, 63, 147.

Reinbeck, Georg, II, 346.

Reinbold, Adelheid, II, 325 ff.; III, 103, 123 ff.

Reinegys, IV, 70.

Reinhold, Karl Leonhard, III, 247.

Reinicke, Schauspieler, IV, 70.

Reiser, Chirurgus, III, 4, 5.

Rellstab, Ludwig, II, 348, 349; III, 130.

Retzsch, Moritz, I, 196; II, 6.

Reumont, Dr. Alfred, I, 283.

Reuß, Bibliothekar in Göttingen, III, 179.

Reußner, Schauspieler, II, 75, 87.

Reutterdahl, Dr., Professor und Bibliothekar zu Lund, III, 13.

[S. 361]

Rhedern, Graf, II, 148.

Rhode, Prof., I, 269, 346.

Ribbeck, Aug. Ferd., III, 134.

Richter, Jean Paul Friedrich, I, 322; II, 201, 308, 309, 358; III, 131, 137 ff., 257.

Riemer, III, 23.

Rienzi, III, 21.

Riepenhausen, der Vater, I, 12.

Righini, III, 112; IV, 144, 243.

Riek, Cantor, I, 158.

Ritter, I, 95; III, 239, 316; IV, 65.

Robinson, H. C., I, 142.

Robert, Friderike, III, 166, 170.

Robert, L. II, 221; III, 140 ff., 213; IV, 149.

Robert, Moritz, III, 141.

La Roche, Sophie, I, 16.

Rochlitz, Friedr., I, 221; III, 172 ff.

Rochow, Minister von, II, 22.

Röschlaub, III, 245, 249, 251, 263.

Röstell, IV, 119.

Romberg, Heinrich, III, 209.

Rosa, Martinez de la, II, 21.

Rosenvinge, III, 6.

Rostorf s. Hardenberg.

Rott, I, 370; II, 69, 232.

Rotte aus Lübeck, IV, 58.

Rottmayer, Schauspieler, I, 36, 37.

Roux, Prof., I, 232.

Roux, Staatsrath in Berlin, IV, 14, 15.

Rubens, II, 120.

Rückert, Friedr., II, 34; III, 38, 176 ff.; IV, 37.

Rühle von Lilienstern, II, 16.

Rühs, Christian Friedr., III, 178 ff.

Ruhl, II, 278.

Rumigny, II, 309.

Rumohr, Karl Friedrich Ludwig Felix von, I, 126; II, 358; III, 181 ff.

Runeberg, I, 21.

Runge, Philipp Otto, Maler, I, 104; III, 119, 121, 191.

Rust, Dr., I, 153, 154.

Ruthenberg, Dr., II, 27.

Rydquist, I, 60.

Sacchi’s Truppe, I, 96.

Sagan, Herzogin von, II, 275.

Sallet, Friedr. von, III, 197 ff.; IV, 93.

Salm-Reifferscheid, Altgraf Hugo von, II, 2.

Salm-Reifferscheid, Graf Hugo von, II, 2, 6.

Salm-Reifferscheid, Graf Robert von, II, 2.

Salm-Reifferscheid, Gräfin von, II, 6, 16.

Salvandy, IV, 149.

Sander, Buchhändler, III, 246.

Sartorius, Neffe von G. Heumann, I, 356.

Sasse, Joh., I, 101.

Savigny, von, I, 19, 97–100, 102; II, 312.
Dessen Frau, I, 32.

Schack, Adolf Friedr. von, II, 264; III, 201 ff.

Schadow, II, 111; III, 234, 284, 370; IV, 115.

Schall, Karl, I, 346; III, 205 ff.; IV, 126, 127.

Schall, Zeichnenlehrer, I, 273.

[S. 362]

Schede, III, 352.

Scheibel, Joh. Gottfr., I, 279.

Schelling, I, 274; II, 29; III, 124, 187, 221, 232, 234, 235, 239, 240, 244, 245, 252, 314, 315; IV, 65, 70.
Dessen Frau, III, 128.

Schelmufsky, IV, 46.

Schelver, Prof., I, 122, 137, 159.
Dessen Frau, I, 79.

Schenck, Schauspieler, II, 76.

Schenk, Eduard von, II, 12; III, 215 ff.
Dessen Frau, II, 13.

Schick, III, 192.

Schierstädt, I, 14; III, 293.

Schiller, I, 35, 46, 58, 109, 151; II, 35, 96, 142, 188, 289, 322, 345, 357, 358; III, 108, 150, 236, 239, 255, 298 ff., 307; IV, 49, 118, 196, 203, 233, 242.

Schimmelmann, Graf E. H., IV, 59, 60.

Schinkel, I, 294 ff.; III, 143.

Schlegel, A. W., I, 49, 147, 155, 261, 306; II, 16, 95, 96, 213, 260; III, 38, 191, 208, 233 ff., 318, 319, 323, 334, 336, 344, 350; IV, 58, 65.
Dessen Frau Caroline, III, 252.

Schlegel, Fr., I, 4, 48, 145, 147, 148, 155, 156, 261, 306, 308, 316, 317, 321–323; II, 1, 7, 14, 16, 96, 250, 252, 260, 264, 287, 288; III, 35, 191, 229 ff., 246 ff., 292, 297, 299, 311 ff., 346, 349, 352, 366; IV, 29, 58, 65, 294.
Dessen Frau, III, 75, 330, 339, 345.

Schlegel, Philipp, III, 337, 339, 343.

Schlegel, Johannes, III, 339.

Schleiermacher, I, 43, 48, 51, 52; III, 35, 236, 255, 295, 334, 351 ff.

Schlichtegroll, Adolf Heinrich Friedrich, IV, 298.

Schlosser, Johann Heinr. Friedr., I, 234; III, 353 ff.

Schmidt, Hofprediger in München, II, 11.

Schmidt aus Rheinbaiern, I, 233.

Schmidt, Friedrich Ludwig, I, 36; II, 237; III, 358 ff.

Schmidt, Friedr. Wilh. Valentin, III, 363 ff.

Schmidt, Heinrich, III, 360 ff.

Schmiedecke, IV, 254.

Schmohl, IV, 170, 177, 182, 187, 246.

Schnaase, Karl, II, 55, 62, 94, 110, 113, 120, 128; III, 370 ff.

Schnetzler, Aug., I, 356.

Schnorr, Julius, II, 10.

Schöll, Adolf, III, 374 ff.; IV, 28.

Scholl, Oberlieutenant, I, 303, 357.

Schoorel, Joh., I, 73–77.

Schopenhauer, Johanna, I, 228, 229, 231, 241; II, 321; III, 23; IV, 1 ff.
Deren Tochter Adele, II, 321; IV, 1, 5, 9, 10, 11.

Schorn, Joh. Karl Ludwig von, I, 80.

Schott, Dr. in Stuttgart, II, 342, 346.

Schottky, I, 145.

Schreyvogel (West), I, 161; III, 132, 133; IV, 119.

Schröder, Friedr. Ludw., II, 239; III, 86, 358, 360.

[S. 363]

Schromberger, H. von, I, 101.

Schubart, Christian Friedrich Daniel, II, 307.

Schubart, Franz, III, 45.

Schubert, Gotthilf Heinr., II, 150.

Schuderoff, IV, 182, 217, 236, 257.

Schütz, Wilhelm von, I, 14, 106, 156; II, 103, 270, 273, 297, 302, 306, 309, 363; III, 333, 340, 341, IV, 12 ff.

Schütze, Joh. Stephan, III, 252, 295; IV, 16 ff.

Schulze, Friedr. Aug. (Fr. Laun), II, 287; IV, 19 ff.

Schulze, Johannes, I, 369.

Schwab, Gustav, I, 290; II, 346, 347; IV, 23 ff.

Schwab, Justizminister von, I, 264.

Schwabhaussen, Schauspielerin, II, 40.

Schwanfelder, Schauspieler, I, 370.

Schwarz, Friedr. Heinr. Christian, III, 23.

Schwarz, Dr., IV, 45, 47.

Schwarz, III, 187.

Schweinichen, Hans von, II, 308.

Scott, Walter, I, 23; II, 133.

Seckendorf, Gustav Freiherr von, IV, 30 ff.

Seckendorf, Leo Freiherr von, II, 264, 265.

Seconda, IV, 211, 213.

Seidel, Max Johann, IV, 32.

Serre, I, 124.

Seydelmann, I, 173; II, 70.

Shakespeare, I, 30, 31, 40, 41, 45, 86, 139, 140, 144, 146–148, 151, 155, 176, 194, 250, 252, 259, 270, 271, 291, 294, 337, 349, 374 ff.; II, 2, 27, 54, 58, 65, 73 ff., 85, 104, 105, 137, 139, 141 ff., 186, 205, 206, 229, 241, 242, 248, 268, 284, 308, 320, 322; III, 46, 47, 51, 61, 96, 125 ff., 141 ff., 150, 226 ff., 295, 308, 313, 327, 375 ff.; IV, 48 ff., 121, 160, 168, 271, 273, 315, 334 ff.

Siede, IV, 229.

Sieveking, III, 119.

Sillem, Frau, III, 119–121.

Sillig, Prof., I, 159; IV, 291.

Singer, I, 140.

Sinner, Dr. von, II, 333–335.

Sismondi, I, 58.

Skepsgardh, Otto von, IV, 37 ff.
Dessen Schwester, IV, 37, 41, 42.

Sömmering, Samuel Thomas von, II, 36.

Solger, Karl Wilhelm Ferdinand, I, 93, 146, 154, 213, 255, 267, 274, 276, 334; II, 50, 245, 352; III, 42, 147 ff., 207, 369; IV, 30, 44 ff., 51, 52, 102.
Dessen Frau, II, 72, 105; IV, 19;
deren Mutter, II, 312.

Soltau, III, 242.

Sommer, Buchhändler, III, 245.

Sonnleithner, IV, 31.

Sootzmann, II, 13.

Sophokles, II, 54, 352, 353 ff.; III, 379 ff.; IV, 161, 168.

Spazier, R. O., II, 287, 289.

Spee, Friedr. von, III, 289.

[S. 364]

Spiegel, von, II, 42.

Spieker, Superintendent, I, 225.

Spieker, Bibliothekar, III, 178.

Spinoza, II, 60.

Spontini, I, 297; II, 168; III, 130, 165; IV, 144.

Sprengporten, Baron von, I, 59.

Sredbom, Dr., I, 21.

Staegemann, Friedr. August von, IV, 50 ff.

Staël, Frau von, I, 49; II, 16; III, 294.
Deren Bruder III, 306.

Staff, von, I, 251.

Steffens, I, 268, 271, 274, 276, 278, 279, 323, 370; III, 28, 85, 117, 182, 187, 191, 207, 310, 323; IV, 55 ff., 128, 164.
Dessen Frau, I, 369, 372; II, 68; IV, 57, 61, 62, 68.

Stein, Schauspieler, II, 5.

Steinbach, Erwin von, I, 296.

Stieglitz, Heinr., II, 91; IV, 87 ff.
Dessen Frau, IV, 87.

Stieglitz, Banquier in Petersburg, IV, 89.

Stjernström, Eduard, IV, 90.

Stolberg, Christian Graf zu, II, 358; IV, 233.

Stockhausen, Sänger, III, 45.

Strachwitz, Moriz Graf, IV, 93.

Strauß, David, II, 121; III, 55; IV, 94 ff.

Streckfuß, Adolf Friedrich Karl, I, 197, 256; IV, 50.

Stromeier, Intendant des Theaters zu Weimar, IV, 5, 35.

Stromeyer, Dr. aus Hannover, IV, 6.

Stroparola, III, 364.

Stürmer, Ignatz Freih. von, I, 7.

Sybel, von, II, 100, 126.
Dessen Frau, II, 124.

Sydow, von, II, 292.

Tacitus, IV, 159.

Tafel, II, 219.

Talma, II, 211.

Tarnow, Fanny, IV, 292.

Tasso, Torquato, I, 203, 204.

Taubert, I, 187.

Teichmann, Hofrath, II, 351; III, 161.

Terenz, II, 92; IV, 160.

Theokrit, IV, 161.

Thibaut, I, 158.

Thiersch, Prof. d. Theol., II, 126.

Tholuck, Friedr. August Deosidus, II, 30.

Thomson, Canzleirath, III, 8.

Thorbecke, Joh. Rudolph, II, 217; III, 43; IV, 97.

Thorkelin, III, 180.

Ticknor, George, II, 134; IV, 103 ff.

Tieck, Amalie, III, 113, 114, 116, 290, 293.

Tieck, Agnes, I, 303; II, 131; III, 357; IV, 21.

Tieck, Dorothee, II, 108, 114, 121, 131, 150, 154, 263; III, 94; IV, 165.

Tieck, Anna Sophie, I, 14; II, 1, 16; III, 249, 252, 263, 265, 267, 273, 280, 283, 286, 288, 290, 291, 292, 337; IV, 198, 227.

[S. 365]

Tieck, Christ. Friedr., I, 239, 276, 369; III, 192, 233, 242, 267, 280, 284, 286, 296, 320, 337; IV, 85, 205.

Tiedge, II, 275; III, 94.

Toll, Friedrich, IV, 183.

Tolstoi, Gräfin, III, 245.

Tschech, Bürgermeister, I, 162.

Tuchsen, Frau von, I, 130.

Uechtritz, Friedrich von, I, 33; II, 54, 55, 62, 65, 93, 94, 111, 114, 116, 120, 127; III, 370; IV, 104 ff., 151.

Uhland, II, 346; III, 38; IV, 27.

Ulrici, Hermann, IV, 121 ff.

Umbreit, Friedrich Wilhelm Karl, I, 235.

Ungarsternberg, III, 21.

Unger, Johann Friedrich Gottlieb, III, 246, 247.
Dessen Frau, I, 28; III, 295.

Ungher-Sabatier, Caroline, IV, 125.

Unzelmann, Schauspieler, IV, 197, 214, 242.

Unzelmann, Schauspielerin, IV, 196, 197, 243.

Uttenhoven, Fräul. von, I, 317.

Vaerst, Eugen, Baron, IV, 126 ff.

Valentini, Georg Wilh. Freiherr von, II, 16.

Varnhagen von Ense, Karl Aug., II, 359; III, 156; IV, 131, 133 ff.

Vegelin, die, III, 257.

Veit, Moritz, IV, 88.
Dessen Frau geborene Mendelssohn, IV, 258, 316.

Vermehren, III, 250, 347.

Vernet, Geistlicher, III, 306.

Vieweg, Buchhändler, I, 249; III, 242.

Vigne, de la, II, 66.

Villers, de, I, 24, 25.

Virgil, II, 356; IV, 159, 161.

Vogel, Karl Christian von Vogelstein, III, 134.

Voltaire, I, 130.

Vorholz, Bäckermeister, IV, 154 ff.

Voß, Heinr., II 96, 141; III, 333.

Voß, Buchhdlr., II, 287, 288.

Waagen d. ä., I, 106, 279.

Waagen, Director, I, 163; II, 17, 35, 123; III, 118; IV, 72, 157 ff., 297.

Wach, Wilh., II, 28.

Wachler, Consistorialrath Prof. Dr. Ludwig, IV, 68.

Wackenroder, Wilh. Heinrich, IV, 169 ff.

Wagner, Gottlieb Heinr. Adolph, I, 245; III, 83; IV, 265 ff., 287, 289, 293.

Wagner, M., Diakonus, II, 219.

Wagner, Rosalie, II, 237.

Wallin, Erzbischof, I, 66.

Wallishauser, Buchhändler, II, 213, 216.

Walter-Haven aus Amerika, III, 253.

Weber, Gottfried, IV, 276 ff.

Weber, Karl Maria von, I, 229; II, 196; III, 122, 340; IV, 125, 296, 298.

Wehlmann, von, II, 193.

Weihrauch, I, 3.

Wekherlin, von, II, 193.

Welcker, Friedrich Gottlieb, III, 298; IV, 278 ff.

[S. 366]

Wellington, II, 12.

Wendt, Amadeus, I, 245; II, 278; IV, 280 ff.

Wenzel, Candidat, IV, 127.

Werder, Karl, IV, 88.

Werner, Abrah. Gottlob, III, 328, 331.

Westermann, Prof., I, 87.

Weymar, Schauspieler, II, 76 bis 78, 84, 236, 237; III, 21.

Wiebeking, Karl Friedrich von, IV, 298.

Wiebeking, Charlotte von, IV, 296 ff.

Wieland, I, 109.

Wiese, Sigismund, IV, 299 ff.

Wilken, Friedrich, III, 369.

Wilkens, II, 313.

Willich, Ehrenfried von, III, 352.

Willisen, von, IV, 166, 167.

Willmer, Geh. Rath, I, 95.

Wilmanns, Buchhdlr., III, 247.

Winckler, Hofr., I, 263.

Winkell, Fräulein, II, 300.

Winkler, Hofrath, IV, 335, 338.

Wißmann, IV, 207.

Witt von Dörring, II, 11.

Witte, Karl, IV, 128, 309 ff.

Wittmann, Schauspielerin, IV, 96.

Wolf, Pius Alexander, II, 86; III, 160; IV, 153, 312 ff., 339.
Dessen Frau, II 207.

Woltmann, Frau von, II, 21.

Wordsworth, II, 135.

Würtemberg, Heinr. Graf von, I, 101.

York, Graf, I, 279.

Zedlitz, Josef Christian, Freiherr von, IV, 330 ff.

Zell, Karl, II, 160, 161.

Zieten, Karl Friedrich Daniel von (genannt Liberati), IV, 333 ff.

Zimmer, Buchhdlr., I, 11, 13.

Zischke, Schauspielerin, IV, 3.

Zschocke, II, 189.

Zuarnström, I, 59.


Druck von Robert Rischkowsky in Breslau.


Verlag von Eduard Trewendt in Breslau.

Zierleiste 1

Karl von Holtei’s Erzählende Schriften.

34 Bände. Eleg. brosch. 10 Thlr. 15 Sgr.

In 13 engl. Leinwandbände eleg. gbd. 13 Thlr. 22½ Sgr.

Auch einzeln sind dieselben, und zwar zu nachstehenden Preisen zu haben:

Kriminalgeschichten.

6 Bände. Broschirt 2 Thlr. Gebunden 2 Thlr. 15 Sgr.

Inhalt: Der Schachtelnatz. — Ein Mord in Riga. — Bella. — Schwarzwaldau. — Der Meineid. — Die Töchter des Freischulzen. — Das wär’ der Henker. — Frau Hart. — Der Taubstumme. — Die Kröten-Mühle. — Der Handkuß. — Das hölzerne Haus.

Noblesse oblige.
Roman in 3 Bänden. Brosch. 1 Thlr. Gebd. 1 Thlr. 7½ Sgr.
Ein Schneider.
Roman in 3 Bänden. Brosch. 1 Thlr. 7½ Sgr. Geb. 1 Thlr. 22½ Sgr.
Die Vagabunden.
Roman in 3 Bänden. Brosch. 1 Thlr. Gebd. 1 Thlr. 7½ Sgr.
Die Eselsfresser.
Roman in 3 Bänden. Brosch. 1 Thlr. Gebd. 1 Thlr. 7½ Sgr.
Christian Lammfell.
Roman in 5 Bänden. Brosch. 1 Thlr. 7½ Sgr. Geb. 1 Thlr. 22½ Sgr.
Vierzig Jahre.
6 Bde. Brosch. 4 Thlr. Gebd. 4 Thlr. 22½ Sgr.

Kleine Erzählungen.

5 Bände. Brosch. 1 Thlr. 20 Sgr. Gebd. 2 Thlr. 5 Sgr.

Inhalt: Iduna. — Der Katzendichter. — Ein vornehmer Herr. — ’s Muhme-Leutnant-Saloppel. — Die Dorfkirche. — Jakob Heimling und seine Frau. — Der Kanarius. — Tetenemequilitzki. — Der Baumfrevel. — In meines Vaters Hause sind viel Wohnungen. — Der Dohnenstrich. — Treue Liebe macht schön. — Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Schauspielers. — Das Harfenmädchen. — Das Hundefräulein. — Das Bild ohne Gnade. — Die Rose ist erblüht. — Die Sängerin.

Supplement:

Noch ein Jahr in Schlesien.

Anhang zu den „Vierzig Jahren.“

2 Bde. Brosch. 20 Sgr.


Theodor Mügge’s Romane und Novellen.

Gesammt-Ausgabe.

Bis jetzt sind erschienen:

1. bis 3. Band:
Der Chevalier.
Ein Roman in drei Bänden. 2. Auflage.
8. Preis 1½ Thlr.
13. bis 15. Band:
Afraja.
Ein Roman in drei Bänden. 2. Auflage.
8. Preis 1½ Thlr.
4. bis 8. Band:
Toussaint.
Ein Roman in fünf Bänden. 2. Auflage.
8. Preis 2½ Thlr.
16. bis 18. Band:
Tänzerin und Gräfin.
Ein Roman in drei Bänden. 2. Auflage.
8. Preis 1½ Thlr.
9. bis 12. Band:
Erich Randal.
Ein Roman in vier Bänden. 2. Auflage.
8. Preis 2 Thlr.
19. und 20. Band:
Die Vendéerin.
Ein Roman in zwei Bänden. 2. Auflage.
8. Preis 1 Thlr.
21. Band:
Weihnachtsabend.
Ein Roman. 2. Auflage. 8. Preis 15 Sgr.
Zierleiste 1

Die deutsche National-Literatur

in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts.

Literarhistorisch und kritisch dargestellt von

Rudolph Gottschall.

Zweite vermehrte und verbess. Auflage. 3 Bde. gr. 8. Eleg. brosch. 4 Thlr. 15 Sgr. Eleg. gebd. 5 Thlr. 7½ Sgr.

Zierleiste 1

Poetik,

die Dichtkunst und ihre Technik.

Vom Standpunkte der Neuzeit von Rudolph Gottschall.

gr. 8. Eleg. brosch. Preis 2 Thlr. 15 Sgr.

Fußnoten:

[1] Ferdinand L. nicht zu verwechseln mit seinem Bruder, dem Wiener Ludwig L.

[2] Siehe den vorigen Brief: diese Dame ist ja schon vor zwei Jahren bei T. gewesen?

[3] Nicht zu übersehen!

[4] Die Lücken im Texte rühren von Brandflecken, wahrscheinlich beim Siegeln entstanden, her.

[5] Ludwig Löwe, der damals auf seiner ersten Kunstreise begriffen war.

[6] Wir meinen diese ungerechten Aeußerungen über unser Berliner Tieckfest eben auch mittheilen zu sollen. Sie entsprangen ganz einfach daraus, daß Steffens, der sonst so hinreißend zu sprechen verstand, an jenem Abende nicht gut disponirt war, und mit seiner Rede weniger Wirkung erzielte, als andere Sprecher vor und nach ihm, mit den ihrigen machten. (Siehe den Bericht über denselben Gegenstand im Briefe I. von Holtei.) Vielleicht auch rührte die Mattigkeit der Steffens’schen Ansprache daher, daß er lange mit Tieck gegrollt, wegen dessen nicht eben schonender Beurtheilung seiner Romane? und daß die Verstimmung, ihm unbewußt, nachwirkte?

[7] Diese Erkennung muß unter den Freunden geblieben seyn. Zur Anerkennung wenigstens hat sie nicht geführt; im Gegentheil!

[8] Siehe die Briefe von Wolfg. Menzel (Nr. I.) und jenen unter N.

[9] Das hat sich bei der ersten Aufführung (1826) nicht bewährt; H. v. K. wurde bald ein Liebling des Berliner Publikums.

[10] „Das Ehrenschwerdt,“ welches denn doch in Berlin zur Aufführung kam.

[11] Eine Erklärung von dreizehn Bühnendichtern gegen Herrn Saphir gerichtet, die weiter nichts erwirkte als boshafte Witze und schadenfrohe Lacher.

[12] Charlotte Birch-Pfeiffer.

[13] Wir andern armen Menschen, die P. A. Wolff als einen der edelsten Schauspieler verehrten, urtheilten gerade umgekehrt, und nannten Herrn Krüger so. — Aber freilich....

[14] Gestorben im August 1864.

[15] Herr von Perglaß.

[16] Nur durch zwei verschiedene Personen, welche Aug’ und Ohr zu sondern vermögen, kann dieser Dichtung und anderen ähnlichen „Verwechslungs-Komödien,“ auf der Bühne ihr Recht geschehen. Jede andere Einrichtung ist Unsinn. Der Zuschauer soll nicht getäuscht werden; er soll stets im Geheimniß des Dichters sein; aber er soll an die Möglichkeit glauben, daß die handelnden Personen getäuscht werden können. H.

Anmerkungen zur Transkription:

Der vorliegende Text wurde anhand der 1864 erschienenen Buchausgabe möglichst originalgetreu wiedergegeben. Die Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert. Aufgrund der Vielfalt der persönlichern Schreibstile der verschiedenen Autoren wurden ungewöhnliche und inkonsistente Schreibweisen aber beibehalten.

Der Schmutztitel sowie die Buchwerbung vor der Titelseite wurden hier nicht wieder mit aufgenommen. Das Inhaltsverzeichnis wurde der Übersichtlichkeit halber an den Anfang des Textes verschoben sowie um die Punkte ‚Nachschrift des Herausgebers‘ und ‚Namens-Verzeichniß‘ erweitert. Im Namensverzeichnis wurden Links zu den ersten drei Bänden nicht mit aufgenommen.

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To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

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permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

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     Chief Executive and Director
     [email protected]


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